Paul Harding Tinkers

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Inhaltsangabe zu „Tinkers“ von Paul Harding

Die ergreifende Geschichte eines Kesselflickers und seiner Familie in den unberührten Landschaften von Maine.Der Uhrmacher George Washington Crosby liegt, umgeben von seiner Familie, in seinem Haus in dem Städtchen Enon im Sterben. Paul Hardings Roman begleitet ihn durch seine letzten Tage, reist aber auch zurück durch die Zeit und spürt den Erinnerungen nach, beschwört die Landschaft von Maine herauf, Georges ärmliche Kindheit und das Leben seines Vaters Howard, der noch als »Tinker«, als Kesselflicker und fahrender Händler, mit dem Maultierkarren über Land zog. All diese lebhaften und unglaublich poetischen Geschichten fügen sich zu einem sprachlichen Meisterwerk über Mensch und Natur, über Zeit und Erinnerung und die Hoffnung auf eine Ordnung aller Dinge.

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  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    blueberlin49

    blueberlin49

    11. February 2013 um 14:57

    Inhalt: George W. Crosby liegt im Sterben, aufgebahrt in seinem Esszimmer, umgeben von seinen Verwandten. In seinen letzten Tag - geplagt von Halluzinationen - durchlebt George eine Reihe von Erinnerung an seine Kindheit und sein Leben und immer wieder erfährt man etwas über das Leben seines Vaters Howard - einem Tinker, einem Kesselflicker. Meinung: "Es gibt in der amerikanischen Literatur nur ganz wenige perfekte Debütromane ... Paul Hardings verstörendes erstes Buch >Tinkers< gehört dazu." National Public Radio Also normalerweise übernehme ich keine Meinung von anderen und auch dieses Mal bin ich mir nicht so sicher ob das so klug ist. Perfekter Debütroman? Ich weiß nicht. Ehrlich gesagt bin ich mir da nicht so sicher. Verstörend? Ja durchaus. Genauer gesagt trifft es dieses eine Wort ins Schwarze! Mal abgesehen davon, daß ich es unglaublich schwierig fand das Buch zu lesen. Einige Passagen sind dermaßen poetisch, dass mir der Kopf geschwirrt hat. Nicht selten war mir nicht ganz klar, wer da nun eigentlich spricht, denn es kann durchaus vorkommen, dass die Erzählperspektive mitten im Text wechselt und plötzlich jemand jemandem etwas vorliest. Erst so ziemlich am Ende hat sich in meinem Kopf das Chaos entwirren können. Die Erzählstruktur wird auch des Öfteren von kleinen, wie mir schien, verwirrten, gedanklichen Einschüben gestört. Im Grunde vermutlich Gedankenblitze von George, der in seinem Dilirium seine Erinnerungen nicht ganz ordnen kann. Die Gedanken und Erinnerungen treten auch nicht chronologisch auf, was es etwas schwer macht, dem Geschehen zu folgen. Die meiste Zeit ist auch eher das Leben von Georges Vater Howard im Zentrum des Geschehens. Zwischendurch vergisst man fast, das man eigentlich im Kopf von George steckt und dann kommt wieder ein Gedankenblitz von George oder er hört, wie ihm jemand etwas vorliest und schon reißt es einem aus der Geschichte. So bleibt einem die Verwirrtheit von George kurz vor seinem Tod nicht verborgen. Zumal mal man durch die chaotische Abfolge der Ereignisse selbst irgendwann verwirrt ist. Hinzukommen Auszüge aus "Der verständige Uhrmacher" von 1783, die wohl Georges Ergebenheit zum Uhrmacherhandwerk aufzeigen sollen. Diese Passagen bieten dem Leser einen Einblick ins kosmische Zusammenwirken und der Funktionen von Dingen übertragen auf die Funktionsweise von Uhren. Beim Lesen dieser Textstellen kommt einem schnell der Gedanke, dass das Buch einen tieferen Sinn haben könnte über die Existenz, das Leben und deren Vergänglichkeit sowie dem Zusammenwirken von Dingen und der Inkompetenz der Menschen die Zusammenhänge zu erkennen. Aber das ist aber vermutlich nur dem Geisteszustand von George zuzuschreiben, der in seinen Halluzinationen, Erinnerungen und väterlichen Geschichtspassagen wohl das Ende seines Leben verarbeitet und uns an seiner Verwirrtheit teilhaben lässt, was ehrlich gesagt ziemlich gut funktioniert. Der Autor hat das im Grunde hervorragend umgesetzt, allerdings hätte ich mir mehr Tiefgang für die Figuren gewünscht und die ein oder andere Passage hätte wirklich nicht so hochtrabend poetisch formuliert sein müssen. Ich glaube dem Buch hätte es gut getan, wenn das Übermaß an Poesie nicht den Lesefluss gestört hätte. Vielleicht liegt das aber auch an der Übersetzung, denn der Übersetzerin sind da meiner Meinung nach relativ grobe Schnitzer, wie Wortstellungsfehler, passiert und vor allem zum Ende des Buches hin häufen sich die Rechtschreibfehler, was aufgrund der Komplexität und dem Schwierigkeitsgrad der Sätze dazu führt, dass man gehäuft Sätze, manchmal ganze Passagen, mehrfach lesen muss, um den Sinnzusammenhang zu erkennen. Im Grunde hatte ich mir das Buch wirklich nicht so vorgestellt. Ich kann auch gar nicht genau sagen, was ich eigentlich erwartet hatte, aber enttäuscht hat es mich eigentlich auch nicht. Es ist sehr komplex, sehr verstrickt und irgendwie verstörend. Aber ich denke, dass das genau das ist, was der Autor bezwecken wollte und demnach kann ich das Buch eigentlich nur als sehr gut einschätzen. Es ist wirklich mit nichts zu vergleichen, was ich zuvor gelesen habe und auch wenn ich es als verwirrend empfunden habe, so kann ich ihm nicht einen gewissen Reiz absprechen, der das Buch wirklich interessant macht. Demnach gebe ich dem Buch 4 von 5 Sterne. Den einen zieh ich allein schon wegen der Übersetzung ab, aber auch weil es meiner Meinung nach noch tiefer in die Materie hätte eintauchen müssen.

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  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    Claudia-Marina

    Claudia-Marina

    Erst wusste ich nicht, ob ich Paul Hardings Debütroman Tinkers überhaupt lesen wollte – ein Mann liegt im Sterben und lässt sein Leben Revue passieren – so weit so gut. Klingt interessant? Na ja, geht so. Trotzdem ist das Buch in meine Hände geraten. Ich kann nicht leugnen, dass mich die Erzählweise packt – und ich muss gestehen, dass ich eine Schwäche für gute Erzähler habe, für solche, die nicht viel Aufheben um ihre Worte machen, die sie einfach vor sich hinfließen lassen ohne besondere Schnörkel. Mit subtilem Humor, der mich trotzdem lauf auflachen lässt. Ein Fluss ist immer am schönsten, wenn er nicht begradigt wurde. Paul Harding ist ein solcher Erzähler. George Washington Crosby stirbt. Er liegt in seinem Wohnzimmer und stirbt. Um ihn herum seine Familie, die ihm immer fremder wird. Im Zentrum seines Hauses, das er selbst Stein für Stein gebaut hat – und auch das wird ihm immer fremder. Nur die Uhren halten sein Leben noch im Takt. Uhren sind seine Leidenschaft. Überall im Haus tickt es. In seinem Kopf tickt es. Ticken die Erinnerungen an seine Kindheit. Aufgewachsen in einer armen Familie im ländlichen Maine, seine Mutter Hausfrau, sein Vater Tinker – ein Beruf für den es im Deutschen so gar keine treffende Übersetzung gibt, den man vielleicht mit „fahrender Händler“ übersetzen könnte – und den ich nur „Schlüpfer-Heini“ nenne (was eine andere Geschichte ist, die an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde – vielleicht wird sie irgendwann erzählt werden). Howard Crosby, Tinker in Maine, fährt mit seinem Pferdewagen über die Dörfer und verkauft alles, was gebraucht wird, und er hilft auch immer dort, wo er gerade gebraucht wird. Dabei kommt ihm die eigene Familie mehr und mehr abhanden. Als seine Frau ihn schließlich wegen seiner Epilepsie in einer psychiatrischen Heilanstalt unterbringen will sieht er nur einen Ausweg – er verlässt seine Familie. Von Anfang unausweichlich – George stirbt. Diese Tatsache wird nie beschönigt oder verschwiegen. So ist es eben. George stirbt. Wenn das Ende also von vornherein feststeht, warum dann noch lesen? Man muss ja nicht alle Fragen beantworten. Nach dem Buch ist vor dem Buch. An einem Abend im September mache ich mich auf den Weg – für mich persönlich einen nicht ganz leichten Weg – um Tinkers nochmal neu kennenzulernen. Paul Harding liest, und ich glaube, ich verstehe erst jetzt so richtig, was den Reiz dieses Romans ausmacht. Für mich ganz persönlich. Ein Vielleicht-lesen-Buch wird zum Herzensbuch. Am Ende des Abends weiß ich, dass Paul Harding auch ein toller Vorleser und sehr sympathischer Mensch ist, ich ein ganz klein wenig verliebt bin – und dass Tinkers ein leise rauschender Bach ist.

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    • 5
  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    Buecher-Wahn-Sinn

    Buecher-Wahn-Sinn

    26. August 2012 um 19:14

    Der Schreibstil war für mich sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, teilweise stark verwirrend. Manchmal wusste ich nicht, was mir der Autor sagen möchte. Es gleicht ein wenig den Gedankengängen, die wir alle haben = lange verschachtelte Sätze, ohne Punkt, die Gedanken treiben weiter und weiter. Nur ist es dabei für den Leser nicht immer leicht, den Inhalt des Geschriebenen zu begreifen. Der Lesefluss war demnach bei mir etwas stockend, nicht nur die langen Sätze sondern auch das Springen der Erzählperspektiven und der Unterschied zwischen Realem und Halluzination trugen dazu bei. Es ist kein Buch, welches sich mal eben auf die Schnelle lesen lässt. Ich empfehle daher, sich für diese Geschichte etwas mehr Zeit zu nehmen, um den Inhalt als solches auch wirklich aufnehmen zu können. Streckenweise war ich davon überzeugt das Buch nicht weiterlesen zu können, weil ich das Gelesene durch den Schreibstil nicht aufnehmen konnte. Ganz klar zieht sich die „Vater-Sohn-Beziehung“ wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte. Es beschreibt die Eindringlichkeit einer Liebe, die allerdings nie ausgelebt wurde. Wer anspruchsvolle und geistreiche Literatur sucht, wird diese in „Tinkers“ finden.

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  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    Gruenente

    Gruenente

    05. August 2012 um 20:26

    Lebenserinnerungen auf dem Sterbebett ist ja nicht schlecht.
    Aber wie kommt es zu einer Rekapitulation zum Leben des Vaters, den er kaum kannte? Fand ich zu undurchsichtig.

  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    Ailis

    Ailis

    Müsste ich diesen Roman mit nur einem Wort beschreiben, fiele meine Wahl wohl auf "anstrengend". Ich habe absolut nichts gegen lange Satzschlangen, im Gegenteil, wenn sie gekonnt formuliert und raffiniert aufgebaut sind, kann ich ihnen durchaus etwas abgewinnen und die sprachlichen Findigkeiten des Autors genießen. So ergeht es mir mit Javier Marías' Literatur, um nur ein Beispiel zu nennen. Paul Hardings Sätze jedoch haben sich nicht für eine Qualität à la Marías entschieden, sondern sind zu einem Ärgernis geworden. Außerdem wirkt Hardings Sprache sehr bemüht und steif, so als habe er verzweifelt versucht, seinem Schreibstil einen gelehrten Ton zu geben, was für mich allerdings nach hinten losging, da ich bemühte Gelehrsamkeit nicht ausstehen kann. Harding neigt zu ausufernden Abschweifungen, die man manches Mal vergbelich mehrmals liest, die aber auch nach dem dritten Mal nicht mehr Sinn ergeben. Einzig, wenn er sich erzählerisch der eigentlichen Geschichte widmet, entsteht so etwas wie ein Lese- und Interessensog, der einen dazu bringt, trotz allem an dem Buch festzuhalten. Harding erzählt die Geschichte des im Sterben liegenden George Washington Crosbys und seines Vaters Howard Aaron Crosby. Howard war fahrender Händler und Kesselflicker, der gerade genug verdiente, um seine Familie am Leben zu halten. Seine starken epileptischen Anfälle erleichterten sein Leben nicht wirklich und die Familie konnte nur schwer mit dieser Krankheit umgehen. Gerade Howards Frau, Georges Mutter, verbitterte zusehends und suchte nach einem Ausweg. Jahre später liegt der 80-jährige George im Sterben und erinnert sich an Bruchstücke seines langen Lebens, hauptsächlich an Erinnerungen aus seiner Kindheit, an seine eigene Familie und an seine Leidenschaft, nämlich das Reparieren alter Uhren. Harding springt nun immer zwischen diesen beiden Zeiten und Männern, die Erzählperspektive wechselt ständig, selbst innerhalb der vielen einzelnen Episoden. Ich mochte die Lebensgeschichten, die Harding sich für seine beiden Protagonisten ausgedacht hat, ich mochte die Gedanken, die er seinen Figuren schenkte und die Gefühle, die er sie äußern ließ. Auch mit dem schwierigen Thema des Sterbens und Dahinscheidens geht Harding sehr gefühlvoll um, weswegen ich es doppelt schade finde, dass es ihm nicht gelungen ist, seinem Erzählfluss treu zu bleiben, sondern immer wieder ein wirres Intermezzo nach dem anderen einbauen musste. Es mag nun gerne angehen, dass man darin eine neue Idee oder ein besonderes Stilmittel sieht - was wohl letztlich auch geschehen ist, denn Harding hat für diesen Roman 2010 den Pulitzer-Preis erhalten -, doch für mich wurde die Lektüre dadurch sehr anstrengend und die erzählerischen Umwege habe ich als sehr enervierend empfunden.

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    • 2
  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    Nil

    Nil

    27. January 2012 um 14:08

    Ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen. Mir hat es weder vom Stil noch vom Inhalt zugesagt.

  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    Brunnen_Buchhandlung

    Brunnen_Buchhandlung

    19. October 2011 um 17:15

    Großartig! Hardings Roman strotzt nur so von peotischer Kraft, der Autor erschafft scheinbar spielend leicht Landschaftsbilder und Familienportraits von überwältigender Schönheit. Seine Sprache ist bildgewaltig, aber fließend leicht und zart. Egal ob abenteuerliche Verkaufsfahrten von Georges Vater, dramatische epileptiche Anfälle, betörende Naturbeobachtungen, heiter-professionelle Reparaturanleitungen für Uhren oder Georges Siechtum vor seinem Tod - Harding trifft immer den richtigen Ton. Dieser Roman hat mich berührt und überwältigt - definitiv mit das beste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe!

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  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    Binea_Literatwo

    Binea_Literatwo

    09. September 2011 um 18:27

    Wie zwei Erbsen in einer Schote, genauso könnte man George und seinen Vater Howard bezeichnen. Howard kannte seinen Sohn gerade 10 Jahre, als er das Haus verließ. Doch scheinbar reichte diese nicht allzulange Zeit aus, um sich zu kennen, sich ähnlich zu sein. Sie gleichen sich so sehr in ihren Gedanken und Erinnerungen und auch in den persönlichen Erlebnissen und Interessen, als wären sie schon ein Leben lang bei einander gewesen und sich sehr oft unterhalten. Zu dieser Erkenntnis erlangt der Leser nach und nach in Paul Harding seinem Roman „Tinkers“. George Washington Crosby, der alte Uhrenmacher, liegt in Mitten seiner Familie im Sterben. Er ist inmitten seiner Familie in guter Gesellschaft, allerdings denkt er in seinen vielen Schlafphasen an sein Leben zurück. Literatwo: „Für meine Urenkel werde ich nicht mehr sein als das vage Gefüge einer Ansammlung von Gerüchten und für ihre Urenkel werde ich nicht mehr sein als der Ton einer undeutlichen Farbe und für deren Urenkel wiederum nichts, wovon sie je erfahren werden, und genauso hat ein Heer aus Fremden mich geformt und gefärbt bis zurück zu Adam…. George Washington Crosby halluziniert… sein Leben zieht an ihm vorbei, aber nicht so, wie er es gelebt hat. Unsortiert, unrhythmisch und scheinbar reduziert auf ein Zwei-Personen-Stück . Nur bestehend aus Vater und Sohn. George Washington Crosby und sein Vater Howard, der Tinker, werden in diesem Erinnerungssturm zu dem, was sie zeitlebens nie sein durften. Sie werden zu „Zwei Erbsen in einer Schote…“ Sie werden im kollektiven Gedächtnis des Sohnes beide zu „Tinkers“ – zu Bastlern und Tüftlern am eigenen Leben. Ein Kreis der sich behutsam taumelnd schließt. Paul Harding wird 2010 für sein Debüt unter anderem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet und erhält somit auf Anhieb die höchsten Weihen der amerikanischen Literaturgesellschaft. Wie hat er das geschafft, was ist so besonders an diesem Roman und wodurch unterscheidet er sich von sonstigen Vater-Sohn-Geschichten? Harding betritt mit seinem Buch kein belletristisches Neuland, er überschreitet keine Grenzen und liefert innerhalb des Romans keinen Raum für einfach gestrickte gute Unterhaltung. Was zeichnet ihn aus, was macht „Tinkers“ so PREISwert? Harding konfrontiert seine Leser schonungslos mit der brutalen Realität des Sterbens unter den wachsamen Augen der Familie – wohlmeinend und besänftigend, jedoch – die Flinte liegt bereits im Korn, der Sterbende wird nur noch passiv begleitet – und dies in einem Moment, in dem das Bewusstsein den finalen Dreisprung zelebriert. Es mögen Halluzinationen sein, die George Washington Crosby ins Jenseits geleiten, es mögen unzusammenhängende Gedanken sein, die den Abgesang auf sein Leben anstimmen. Niemandem in seinem Umfeld erschließt sich sein Zustand. Nur uns – den Leser – lässt Paul Harding teilhaben. Wir sitzen in der ersten Reihe des Lebenskinos von George Washington Crosby, dessen Film zurückgespult scheint und nun im schnellen Vorlauf Bilder produziert, die es gar nicht geben dürfte. Voyeurismus und Empathie – dieser Paarung leistet Harding intensive Geburtshilfe. Und dieser Film hat es in sich. Als seien im Schneideraum die Schnipsel endlos durcheinander geraten, so blendet Harding in wechselnden Sequenzen zwischen den Leben von Vater und Sohn hin und her. Wir sehen in plastischen Beschreibungen Bilder, die beide voneinander unmöglich kennen können und stellen fest, dass wir selbst so weit taumeln, bis wir die „Tinkers“ für Momente nicht mehr unterscheiden können. Hier erreicht der Roman seinen Höhepunkt – das kollektive Gedächtnis, die emotional wissende Ebene und das „dritte Auge“ öffnen eine Perspektive auf zwei Menschen, die sich ähnlicher nicht sein können und doch unterschiedlicher nicht waren. Bastler und Einzelgänger – Gestalter und Überzeuger – Vater und Sohn. http://literatwo.wordpress.com/2011/08/31/tinkers-artikel-lesen-und-pulitzer-preistrager-paul-harding-treffen/

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  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    02. September 2011 um 10:52

    Am Ende seines Lebens, vom Krebs gezeichnet, reist der Uhrmacher George Washington Crosby nochmals in Gedanken durch seine Lebenszeit. Er lässt Erinnerungen vorbeiziehen, die auch die Landschaften seiner Kindheit in Maine heraufbeschwören. Er durchlebt die Wunden und Schmerzen seines Lebens als Junge in ärmlichen familiären Verhältnissen ebenso wie die Schönheit der ungezähmten Natur, in der er groß geworden ist. Sein Vater Howard zog einst als „Tinker“, als Kesselflicker und fahrender Händler mit Maultierkarren übers Land. Howard litt unter epileptischen Anfällen. Als seine über die Armut erbitterte Frau ihn in die Nervenheilanstalt einliefern lassen will, verlässt Howard seine Familie. George war damals gerade mal zehn Jahre alt. Erst Jahrzehnte später sollten sich Vater und Sohn wiedersehen. Erst spät im Laufe seines Lebens entdeckte Georges die Uhrmacherei, die fortan seine größte Leidenschaft werden sollte. Das tickende Innenleben der Chronometer wird ihn bis ans Ende des Lebens faszinieren. Alle diese Erinnerungen und berührenden Geschichten bilden kleine Mosaiksteinchen des bewegten und intensiven Lebens von George Washington Crosby, die sich zu einem poetischen und atmosphärischen Roman verdichten. „Tinkers“ ist ein sprachliches Glanzstück, ein Porträt eines außergewöhnlichen Menschen aus einer längst untergegangenen Zeit. Dieses Lebensbuch ist eine bezaubernde Meditation über Mensch und Natur, über Zeit und Verlust, über die Liebe und die Erinnerung. Paul Harding erhielt zu Recht den begehrten Pulitzer-Preis für Literatur im Jahr 2010. Die begehrte Auszeichnung wurde ihm mit der Begründung überreicht, dass dieser Roman eine „kraftvolle Feier auf das Leben“ sei. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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  • Rezension zu "Tinkers" von Paul Harding

    Tinkers
    Mr. Rail

    Mr. Rail

    31. August 2011 um 22:46

    „Für meine Urenkel werde ich nicht mehr sein als das vage Gefüge einer Ansammlung von Gerüchten und für ihre Urenkel werde ich nicht mehr sein als der Ton einer undeutlichen Farbe und für deren Urenkel wiederum nichts, wovon sie je erfahren werden, und genauso hat ein Heer aus Fremden mich geformt und gefärbt bis zurück zu Adam…. Es ist ein fertiges Muster, das am Ende vollkommen übergangslos zerfällt, an welchem Ende, an diesem Ende.“ George Washington Crosby liegt im Sterben. Umgeben von seiner Familie und aufgebahrt in seinem vielgeliebten Wohnzimmer verbringt er seine letzten Stunden auch im Kreise seiner wichtigsten Lebensbegleiter – das sachte und vielstimmige Ticken seiner Uhren scheint den Rhythmus seines Dahinscheidens vorzugeben. Der passionierte Uhrmacher hat die meiste Zeit seines Lebens dem Reparieren dieser komplizierten Zeitmesser gewidmet und nun am Ende seiner Tage stellt er im Dämmerzustand fest, dass ein Leben im Zeichen dieser Chronometer nicht mit chronologisch geordneten Gedanken endet. George Washington Crosby halluziniert… sein Leben zieht an ihm vorbei, aber nicht so, wie er es gelebt hat. Unsortiert, unrhythmisch und scheinbar reduziert auf ein Zwei-Personen-Stück . Nur bestehend aus Vater und Sohn. George Washington Crosby und sein Vater Howard, der Tinker, werden in diesem Erinnerungssturm zu dem, was sie zeitlebens nie sein durften. Sie werden zu „Zwei Erbsen in einer Schote…“ Sie werden im kollektiven Gedächtnis des Sohnes beide zu „Tinkers“ – zu Bastlern und Tüftlern am eigenen Leben. Ein Kreis der sich behutsam taumelnd schließt. Paul Harding wird 2010 für sein Debüt unter anderem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet und erhält somit auf Anhieb die höchsten Weihen der amerikanischen Literaturgesellschaft. Wie hat er das geschafft, was ist so besonders an diesem Roman und wodurch unterscheidet er sich von sonstigen Vater-Sohn-Geschichten? Harding betritt mit seinem Buch kein belletristisches Neuland, er überschreitet keine Grenzen und liefert innerhalb des Romans keinen Raum für einfach gestrickte gute Unterhaltung. Was zeichnet ihn aus, was macht „Tinkers“ so PREISwert? Harding konfrontiert seine Leser schonungslos mit der brutalen Realität des Sterbens unter den wachsamen Augen der Familie – wohlmeinend und besänftigend, jedoch – die Flinte liegt bereits im Korn, der Sterbende wird nur noch passiv begleitet – und dies in einem Moment, in dem das Bewusstsein den finalen Dreisprung zelebriert. Es mögen Halluzinationen sein, die George Washington Crosby ins Jenseits geleiten, es mögen unzusammenhängende Gedanken sein, die den Abgesang auf sein Leben anstimmen. Niemandem in seinem Umfeld erschließt sich sein Zustand. Nur uns – den Leser – lässt Paul Harding teilhaben. Wir sitzen in der ersten Reihe des Lebenskinos von George Washington Crosby, dessen Film zurückgespult scheint und nun im schnellen Vorlauf Bilder produziert, die es gar nicht geben dürfte. Voyeurismus und Empathie – dieser Paarung leistet Harding intensive Geburtshilfe. Und dieser Film hat es in sich. Als seien im Schneideraum die Schnipsel endlos durcheinander geraten, so blendet Harding in wechselnden Sequenzen zwischen den Leben von Vater und Sohn hin und her. Wir sehen in plastischen Beschreibungen Bilder, die beide voneinander unmöglich kennen können und stellen fest, dass wir selbst so weit taumeln, bis wir die „Tinkers“ für Momente nicht mehr unterscheiden können. Hier erreicht der Roman seinen Höhepunkt – das kollektive Gedächtnis, die emotional wissende Ebene und das „dritte Auge“ öffnen eine Perspektive auf zwei Menschen, die sich ähnlicher nicht sein können und doch unterschiedlicher nicht waren. Bastler und Einzelgänger – Gestalter und Überzeuger – Vater und Sohn. Ich wünschte mir, ich hätte in den letzten Stunden am Bett meines Vaters dieses Buch bereits gekannt. Ich wünschte mir, genau in diesem Moment noch näher bei ihm gewesen zu sein – reduziert auf das minimalste maximale Verhältnis der Welt. Vater und Sohn. Ich wünschte mir, ich hätte sehen können was er sah – nicht chronologisch und doch kollektiv… Harding hat mir diesen Blick gegeben – sein Roman hat in denkbar unmöglicher Struktur mehr bewirkt, als es jede Gliederung es je vermocht hätte. Wir sind die Summe der Erfahrungen und Gefühle unserer Vorfahren – und am Ende sind wir nichts… vielleicht… Bilder zur Rezension aus dem Rail_Art-Studio auf: http://literatwo.wordpress.com/2011/08/31/tinkers-artikel-lesen-und-pulitzer-preistrager-paul-harding-treffen/

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