Paul Harding Verlust

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Inhaltsangabe zu „Verlust“ von Paul Harding

»Die meisten Männer aus meiner Familie machen ihre Frauen
zu Witwen und ihre Kinder zu Waisen. Ich bin die Ausnahme.
Mein einziges Kind, Kate, wurde mit dreizehn von
einem Auto angefahren und getötet, als sie mit dem Fahrrad
vom Strand nach Hause fuhr.« Damit beginnt die Geschichte
von Charlie Crosby aus Enon, von seinem Weg durch die
Hölle und, vielleicht, wieder zurück. Denn seine Trauer ist
so maßlos, so allumfassend und unversöhnlich, dass sie sein
Leben immer mehr zerstört. Seine Frau verlässt ihn bald
nach dem Tod der Tochter, und Charlie, der sich in einem
seiner Wutanfälle die Hand gebrochen hat, ernährt sich seitdem
mehr oder weniger von Schmerztabletten und Alkohol
und verwahrlost zusehends. Er kann sich um die Außenwelt
nicht mehr kümmern, zu sehr nimmt ihn sein Innenleben
gefangen: Gegenwart und Vergangenheit durchdringen sich,
Erinnerungen an den verstorbenen Großvater, lange Spaziergänge
und Vogelbeobachtungen in den Wäldern von Maine,
die Geschichte von Enon und auch von Salem, das ganz in
der Nähe liegt, und seinen Hexen in früheren Zeiten – all das
bestimmt seine Gedanken und sein Sein. Vor allem aber sind
da immer wieder Erlebnisse und Gespräche mit seiner über
alles geliebten Tochter, Entwürfe verschiedener Leben, die
er mit ihr hätte erleben wollen. Denn er kann und will ihren
Tod nicht akzeptieren…

Harding weckt ein Gefühl in uns, das in unserer Zeit so häufig vermisst wird. Nicht Mitleid empfinden wir. Es ist große Empathie.

— JulesBarrois

Trauer und Verzweiflung und aussichtsloser Lage. Im kleinen Städtchen Enon im Maine lebte über Generationen die Familie Crosby. In diesem R

— Clari

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  • Verlust - Paul Harding

    Verlust

    Sahina_89

    18. July 2016 um 09:15

    Das Buch hat mich leider überhaupt nicht überzeugt. Es ist sehr sprunghaft und erzählt tatsächlich nur von den Gefühlen und Gedanken des Vaters. Dies kam mir sehr egoistisch vor und hat mich zum Schluss etwas genervt. Ich hatte zeitweise das Gefühl, dass sich der Autor irgendwie in Rage geschrieben hat und dann mit den Gedanken abgedriftet ist. So ging es mir dann auch, als ich das Buch gelesen habe: vieles war so abwägig, dass ich mit den Gedanken sonst wo war, nur nicht beim Buch. Klar, ist es schwer über so etwas zu schreiben, aber ich denke, dass hätte man auch irgendwie anders verfassen können. Man hat so gut wie keine Hintergrundinformationen bekommen. Sorry, wenn ich das so schreibe, aber man wird ja nach der Meinung gefragt ;-) Vielleicht bin ich auch einfach nicht für solche tiefgründigen Bücher gemacht.

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  • Verlust des eigenen Kindes

    Verlust

    skywatcher

    17. March 2016 um 03:23

    Susan und Charlie Crosby leben mit ihrer 12jährigen Tochter Kate in der (erfundenen) Stadt Enon ein beschauliches, normales Leben, als eines Tages das Kind beim Fahrradfahren am Strand von einem Auto angefahren wird und tödlich verunglückt. Dieses Ereignis wühlt das Ehepaar auf, Susan flüchtet zu ihren Eltern und Schwestern, Charlie in die Alkoholsucht.In seinem zweiten Roman "Verlust" schreibt Paul Harding nicht nur über den Verlust eines Kindes und damit den schlimmsten Verlust, den ein Mensch erleiden kann, sondern auch den Verlust der Ehe und ganz allgemein den Verlust eines sehr geliebten Menschen. Es ist eine ruhige, sehr emotionale Geschichte, die unter die Haut geht. Viele Gefühle kommen einem bekannt vor, jeder hat einen Menschen, den er verloren hat. Das Gefühl, nach einem kurzen Schlaf aufzuwachen und erst nach wenigen Sekunden zu realisieren, dass der geliebte Mensch fort ist und nicht mehr wiederkommt. Angereichert ist die Geschichte mit Alltags- und Lebenssequenzen eines Vaters, die das Buch sehr lesenswert machen. Sehr zu empfehlen!

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  • Verlust

    Verlust

    Claudia-Marina

    10. January 2016 um 12:18

    Ich muss gestehen, dass ich ein wenig Angst vor diesem Buch hatte. Nicht, weil ich fürchterliches erwartet hätte. Oder weil ich befürchtet hätte, es könnte schlecht sein. Nein. Weil Paul Hardings erstes Buch Tinkers zu meinen Lesehighlights gehört. In diese Geschichte bin ich mit jeder Faser meines Leserlebens eingetaucht, dieses Buch habe erlebt wie kaum ein anderes. Ich war sogar bei einer Lesung und jetzt steht es signiert in meinem Bücherregal. Das war 2011. 2015 erscheint nun Paul Hardings zweiter Roman und ich bin skeptisch. Werde ich hier genauso eintauchen und versinken können wie in Tinkers? Die ersten Seiten sind zugegebenermaßen ein wenig holprig. Ist das wirklich der Stil in den ich mich bei Tinkers so verliebt habe? Sind meine Erwartungen zu hoch? Was erwarte ich überhaupt von diesem Buch? Paul Harding schreibt in Verlust die Familiengeschichte der Crosbys nicht unbedingt weiter, vielmehr fügt er ihr ein völlig neues Kapitel hinzu. Im Mittelpunkt steht Charlie Crosby, Enkel von George Washington Crosby - wobei das auch eher eine Randnotiz sein sollte. Weiterlesen

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  • Verlust

    Verlust

    Clari

    Trauer und Verzweiflung und aussichtsloser Lage. Im kleinen Städtchen Enon im Maine lebte über Generationen die Familie Crosby. In diesem Roman wird ein Teil ihrer Geschichte fortgeschrieben. Die Geschichte nimmt den Plot sofort vorweg: Charlies Tochter Kate ist tot! Sie war 13 Jahre alt und wurde von einem Auto angefahren. Vater und Tochter waren eine glückliche und harmonische Einheit. Auffallend ist der Bruch, mit dem die Erzählung beginnt: ein vermeintlich glückliches Familienleben mit einem normalen Alltag bricht buchstäblich zusammen. Kates Mutter Susan fährt zu ihren Eltern und verlässt ihren Mann, der mit seiner Trauer ganz alleine bleibt. So beginnt eine Geschichte, die Trauer, Verzweiflung und Lebensangst zum Inhalt haben wird. Es wird eine Geschichte der Vergangenheit. Charlie lebt nach der Trennung von seiner Frau alleine in einem Haus, das nach und nach verwahrlost. Er vertieft sich ganz in seine Erinnerungen. Einmal denkt er an seine eigene Kindheit, seine Großeltern und Urgroßeltern; dann wieder fallen ihm Erinnerungsfetzen ein, die schöne Tage und gute Jahre mit Kate heraufbeschwören. Die Erzählung ergeht sich in wunderschönen Naturbetrachtungen im Wald und am See. Man spürt buchstäblich als Leser die Düfte und Stimmungen des Tages. Daneben wird man Zeuge einer beispiellosen Verzweiflung, mit der Charlie den Bezug zur Gegenwart zu verlieren scheint. Er wird medikamentensüchtig und beschafft sich Drogen und Schmerzmittel auf immer unzulässigeren Wegen. Äußerlich kommt er herunter. Die Parallelgeschichte: hier die empfindsamen Naturbeobachtungen und da der körperliche Verfall eines aus allen Bindungen gefallenen Mannes macht den Reiz einer Erzählung aus, die sich den schönen und den traurigen Seiten des Lebens widmet. Der VERLUST ist das Thema! Dieser wird in vielfältiger Weise erkennbar und trägt den armen Vater weit fort aus seinem bisherigen Leben. Die Visionen, Erinnerungen und Halluzinationen sind lebensnah beschrieben und lassen einen spüren, dass es Trauer gibt, die das bisherige Leben fast auslöschen. Man geht in Gedanken einen Lebensweg mit, von dem man nicht weiß, wie er enden wird. Paul Harding ist Pulitzerpreisträger. Er lebt mit Frau und Kindern in Boston und gilt als Star unter den neuen amerikanischen Erzähltalenten.

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    • 2

    Girl56

    28. July 2015 um 13:51
  • Die Trauer eines Vaters

    Verlust

    monja1995

    27. July 2015 um 19:16

    Klappentext: »Die meisten Männer aus meiner Familie machen ihre Frauen zu Witwen und ihre Kinder zu Waisen. Ich bin die Ausnahme. Mein einziges Kind, Kate, wurde mit dreizehn von einem Auto angefahren und getötet, als sie mit dem Fahrrad vom Strand nach Hause fuhr.« Damit beginnt die Geschichte von Charlie Crosby aus Enon, von seinem Weg durch die Hölle und, vielleicht, wieder zurück. Denn seine Trauer ist so maßlos, so allumfassend und unversöhnlich, dass sie sein Leben immer mehr zerstört. Seine Frau verlässt ihn bald nach dem Tod der Tochter, und Charlie, der sich in einem seiner Wutanfälle die Hand gebrochen hat, ernährt sich seitdem mehr oder weniger von Schmerztabletten und Alkohol und verwahrlost zusehends. Er kann sich um die Außenwelt nicht mehr kümmern, zu sehr nimmt ihn sein Innenleben gefangen: Gegenwart und Vergangenheit durchdringen sich, Erinnerungen an den verstorbenen Großvater, lange Spaziergänge und Vogelbeobachtungen in den Wäldern von Maine, die Geschichte von Enon und auch von Salem, das ganz in der Nähe liegt, und seinen Hexen in früheren Zeiten – all das bestimmt seine Gedanken und sein Sein. Vor allem aber sind da immer wieder Erlebnisse und Gespräche mit seiner über alles geliebten Tochter, Entwürfe verschiedener Leben, die er mit ihr hätte erleben wollen. Denn er kann und will ihren Tod nicht akzeptieren … Mein Umriss: Kurz vor dem 13. Geburtstag ihrer Tochter Kate, verlieren Susan und Charlie Crosby sie durch einen Verkehrsunfall. Dieses traumatische Erlebnis lässt das Elternpaar immer weiter auseinander driften, bis Susan entschließt, zu ihrer Familie zu fahren. Hier ist der Punkt erreicht, an dem Charlies Absturz ins Bodenlose beginnt. Zu groß ist seine Trauer um die geliebte Tochter, mit der er viele Erlebnisse teilt. Er provoziert die Trennung von seiner Frau, kapselt sich von der Umwelt ab und nachdem er sich die Hand brach, verfällt er immer mehr den Medikamenten. Als ihm diese nicht mehr helfen, spült er sie mit Alkohol hinunter, verwahrlost körperlich ebenso, wie er das Haus, in dem er lange Jahre mit seiner Familie glücklich war, verwahrlosen lässt. Hilfreiche Hände weist er ab, ebenso, wie er seine mittlerweile entstandene Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit nicht erkennt und verleugnet. Nachts zieht es ihn hinaus zu Kate, in die Nähe ihres Grabes… Mein Eindruck: Paul Harding beschreibt in diesem Buch die Trauerarbeit und –bewältigung eines Vaters, der sein Kind auf tragische Weise verloren hat. Wie bereits der Vorgängerroman „Tinkers“ spielt auch „Verlust“ in der fiktiven Kleinstadt Enon in Main. Für „Tinkers“ erhielt Harding den begehrten Pulitzerpreis. „Verlust“ ist in der Ich-Form verfasst und dreht sich zum Großteil nur um Charlie Crosby, seine Trauer, sein Leben, seine Vergangenheit und seine Sucht. Das mag nun etwas langweilig erscheinen, was es aufgrund der Wortgewandtheit Hardings jedoch nicht ist. Diese kommt während des ganzen Buches zum Tragen, aber ganz besonders, als er über das Obsidianmädchen erzählt. Je weiter er Charlie in die Drogensucht abrutschen lässt, umso wirrer werden dessen Rauscherlebnisse. Ja wirr, aber nicht chaotisch. Hardings Schreibweise hat das gewisse Etwas, das den Leser fesselt, ohne dass es sich bei seinem Buch um einen Thriller oder Kriminalroman handelt. Bis ins kleinste Detail geht er auf Begebenheiten der Vergangenheit Charlies ein, ohne langweilig oder gar langatmig zu werden. Seine Schilderungen der Umgebungen und der Natur wähnen den Leser persönlich anwesend zu sein. Platte Wortspielchen sucht man bei Harding vergebens, eher die Kunst eines Autors, der es versteht mit der Vielfältigkeit der Sprache umzugehen. In seiner Übersetzerin Silvia Morawetz fand er die perfekte Partnerin, um die Übersetzung dieses Romanes ebenso stilsicher durchzuführen, wie er diesen in seiner Sprache zu Papier brachte. Zu Anfang steigt der Autor etwas verstörend in die Geschichte ein, denn gleich an den Anfang setzt er den Tod des Kindes und den Schock der Eltern. Aber genau darauf baut er die Trauerarbeit der Eltern auf und zeigt, wie sehr ein Vater zu leiden in der Lage ist. Diesen Vater lässt er nicht plötzlich und ohne Vorwarnung abstürzen, denn das wäre Paul Harding zu banal. Viel mehr stößt er den Vater in eine Endlosschleife, die diesen immer weiter hinunter zieht und aus der er keinen Ausweg sieht. Ob die Wirkungsweisen der erwähnten Medikamente wie beschrieben sind, kann ich nicht beurteilen, aber es ist davon auszugehen, dass jemand der so stilsicher im Umgang mit der Sprache ist, die Recherche nicht auf Sparflamme kochen läßt. Das Cover ist meiner Meinung nach perfekt gewählt. Die Bäume im Wind verleiten dazu, sich Gedanken zu machen. Ebenso wie Paul Harding den Protagonisten immer wieder in Erinnerungen an seine Tochter, seine Frau und seine Erlebnisse mit dem Großvater abschweifen lässt, die er gerne noch mit Kate nacherlebt hätte. Mein Fazit: Ein Buch das zu Herzen geht, aber zu keinem Zeitpunkt kitschig ist. Allerdings ist es keine Sonntagnachmittagslektüre, denn dafür ist das Thema dann doch zu Ernst und berührend. Danksagung: Mein Dank geht an den Luchterhand Literaturverlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte, ebenso bedanke ich mich bei der Verlagsgruppe Randomhouse dafür, dass ich auf Cover und andere Hilfsmittel in Verbindung mit dieser Rezension zurückgreifen durfte.

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  • Langsam und unaufhaltsam dem Untergang entgegen?

    Verlust

    JulesBarrois

    02. July 2015 um 08:21

    Verlust - Paul Harding (Autor), Silvia Morawetz (Übersetzerin) – 272 Seiten, Luchterhand Literaturverlag (15. Juni 2015), 19,99 €, ISBN 13: 978-3630873770   Der US-Schriftsteller Paul Harding erzählt in seinem neuen Roman "Verlust" von einem Mann, der sich an der Vergangenheit festhält, weil ihm die Zukunft abhandengekommen ist. Charlie Crosby heißt er, und er ist der Enkel von George Washington Crosby, der Hauptfigur in Hardings international erfolgreichem Vorgängerroman "Tinkers". 2010 bekam Harding den Pulitzer-Preis für die Lebensgeschichte des Mannes, dem auf dem Sterbebett die Nieren versagen: Er wird von innen heraus vergiftet und verfällt zunehmend in Halluzinationen, hüpft in ungeordneten Gedanken durch seine Erinnerungen. "Verlust" spielt erneut in der fiktiven Kleinstadt Enon in Maine. Harding schreibt die Familiengeschichte der Crosbys fort, arbeitet mit ähnlichen Motiven und stilistischen Mitteln: delirierenden Erinnerungen, detailversessenen Naturschilderungen. 20 Jahre nach dem Tod seines Großvaters George lebt dessen Enkel Charlie die Familientradition in Enon fort. Er saß damals lange am Sterbebett und hat als kleiner Junge selbst miterlebt, wie der Mann starb, an den er noch heute so viele prägende Erinnerungen hat. Die Landschaft, der Fluss und der Ort haben für Charlie nur deshalb eine so große emotionale Bedeutung, weil sie ihm schon damals in die Wiege gelegt wurde. Und er hat nie zugelassen, dass von seinem Großvater nur das vage Gefüge einer Ansammlung von Gerüchten geblieben ist. Charlie hat seiner Tochter Kate so viel von ihrem Urgroßvater erzählt, dass sie manchmal meint, ihn wirklich zu kennen. Aber Kate stirbt bei einem Fahrradunfall im Alter von 13. Unvermittelt zerbricht eine ganze Welt, in der bis dahin eher die Männer ihre Frauen zu Witwen und ihre Kinder zu Waisen gemacht haben. Unvermittelt zieht es Charlie den Boden unter den Füßen weg und ebenso unvermittelt verstehen wir als Leser, den ganz schlichten und doch so bezeichnenden Titel „Verlust“. Charlie, seine Frau verlässt ihn, um kurz nach der Beerdigung zu ihrer Familie zurück zugehen, bleibt allein in der kleinen Stadt Enon in New England zurück und widmet sich einer Selbstmedikation mit Schmerzmitteln und Whisky. Im Rausch erinnert Charlie sich an Kates Kindheit und an seine eigene, bis sich Gegenwart und Vergangenheit völlig durchdringen: Er halluziniert, verfällt Wahnvorstellungen, fühlt sich umringt von Gespenstern. Von hier bis zu seiner vorsichtigen Erholung ein Jahr später, erzählt er seinen Abstieg in den Drogen-Wahnsinn. Unter Inanspruchnahme seiner Belesenheit versucht er Stücke von Ordnung und Trost zu finden, die vorher von der Liebe zu seiner Tochter definiert war. Paul Harding hat einen intensiven Roman über den Totalverlust eines Vaters geschrieben. Sein Protagonist fällt durch alle Maschen des Netzes, das er für sich und seine kleine Familie gewoben hat. Im Rückblick auf die gemeinsame Zeit mit seiner Tochter öffnet sich eine doppelt gelebte Jugend in Enon. Indem er sich an ihre Kindheit erinnert, legt sich die Erinnerung an die eigene wie ein Schutzfilm über seine Trauer. Und doch fällt er tief und tiefer. Haltlos versinkt er in Drogen, um seinen Schmerz zu betäuben. Und immer wieder begegnet er seinem Großvater George in der Tiefe der Gedanken. „Verlust“ ist nicht nur ein Ich-Roman, sondern ein Ein-Personen-Roman mit einem reichen Fundus an Rückblenden. Das Muster von Charlies Trauer, der wir für ein Jahr folgen, wird durch Änderungen in der Landschaft um ihn herum abgebildet. Kate stirbt im Spätsommer; Gegen Ende des Buches, einen Sommer später, wird die Ostküste von einem Hurrikan heimgesucht, der einen Moment der Reinigung bietet und wie eine geschwollene Metapher in einem Buch herausragt, dessen Bedeutungen der Leser mit Geduld zu finden vermag. Der Roman treibt so langsam und unaufhaltsam, wie der Fluss selbst, der diese Landschaft durchzieht. Unaufhaltsam stürzt auch Charlie Crosby selbst dem scheinbaren Untergang entgegen. Ob es ihm selbst gelingt, die Notbremse zu ziehen, oder ob das in ihm verankerte kollektive Gedächtnis seiner Vorfahren in Verbindung mit seiner Naturverbundenheit ein Wunder bewirken kann, das sollte man sich in seinem ganz eigenen Tempo erlesen. Was bleiben wird, ist die tiefe Erkenntnis, wie unbedeutend unsere kleinen Alltagssorgen im Vergleich zu einem solch tragischen Verlust doch sind. Harding weckt ein Gefühl in uns, das in unserer Zeit so häufig vermisst wird. Nicht Mitleid empfinden wir. Es ist große Empathie, da wir tief in die Innenansicht von Charlie Crosby eindringen und seine Gefühle in uns aufsaugen. Er lässt uns nah an sich heran. Der Roman ergeht sich in wunderschönen Naturbetrachtungen im Wald und am See. Man spürt buchstäblich als Leser die Düfte und Stimmungen des Tages. Daneben wird man Zeuge einer beispiellosen Verzweiflung, mit der Charlie den Bezug zur Gegenwart zu verlieren scheint. Er wird medikamentensüchtig und beschafft sich Drogen und Schmerzmittel auf immer unzulässigeren Wegen. Äußerlich kommt er herunter. Die Parallelgeschichte: hier die empfindsamen Naturbeobachtungen und da der körperliche Verfall eines aus allen Bindungen gefallenen Mannes macht den Reiz des Romans aus, der sich den schönen und den traurigen Seiten des Lebens widmet. Verlust ist das Thema. Dieser wird in vielfältiger Weise erkennbar und trägt den armen Vater weit fort aus seinem bisherigen Leben. Die Visionen, Erinnerungen und Halluzinationen sind lebensnah beschrieben und lassen einen spüren, dass es Trauer gibt, die das bisherige Leben fast auslöschen. Gehen Sie in Gedanken einen Lebensweg mit, von dem Sie nicht wissen, wie er enden wird. Lesenswert und sehr zu empfehlen. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Luchterhand Literaturverlages http://www.randomhouse.de/Buch/Verlust-Roman/Paul-Harding/e364194.rhd?mid=1 Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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