Paul Heichen

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Cover des Buches Große Erwartungen (ISBN: 9783458357780)B

Rezension zu "Große Erwartungen" von Charles Dickens

Große Erwartungen werden dann erfüllt, wenn wir sie am wenigsten erwarten
Buecherspiegelvor 3 Jahren

Eines muss ich gleich an den Anfang stellen: die Übersetzung von Paul Heichen von Charles Dickens „Große Erwartungen“ liest sich wahrlich nicht einfach. Da ist es gut, dass die einzelnen Kapitel nicht übermäßig lang sind. Womit ich gar nicht einverstanden bin ist die Bemerkung auf dem Klappentext, dass der kleine Pip ohne Familie, ohne Liebe groß geworden ist. Ein Waisenjunge zwar, doch ist er bei seiner Schwester und deren Mann untergekommen. Und sein Onkel gibt ihm die Liebe, die er so schmerzlich vermisst. Auch in dem nahen kleinen Dorf findet er so manche Zuwendung. Arm zu sein bedeutet nicht, auf alles verzichten zu müssen. Aber Pip weiß, dass es da draußen so viel mehr gibt, und davon möchte er ein großes Stück für sich. Der Schreibstil macht einen müde, viele Seiten an einem Stück zu lesen bedeutet ein hohes Maß an Konzentration. Ungeduldig macht es einen, wenn die Schwester mal wieder an Pip herumkrittelt oder die nächsten Verwandten sich im Schönreden versuchen.
Pip ist ein kleiner Junge, der viel mit sich selbst beschäftigt ist, gerne bei seinem Onkel Joe, ein Grobschmied, in die Lehre gehen will. Im nahen Dorf lebt eine schrullige Alte, die ihn für ihre Zwecke regelrecht missbrauchen will. Eine unglückliche Liebe lässt dieses Fräulein Havisham für immer und ewig an ihrem Hochzeitstag verweilen, möchte nun, dass sich irgendein Junge in ihr Ziehkind Estella unglücklich verliebt. Und das tut Pip sofort. Als sie sich sicher ist, dass Pip unrettbar verloren ist, gibt sie Joe das Lehrgeld, damit er von nun an mit Grobschmieden beschäftigt sein wird. Jahre vorher hat Pip zusammen mit seiner Familie und Bekannten ein Erlebnis, dass ihn mit ausgebrochenen Gefangenen bekannt werden lässt. Dieses Erlebnis ist für ihn so Grauen erregend, dass er immer wieder daran denken muss. Es prägt ihn für immer. Auch ist Pip klar, Estella wird sich nie mit ihm, dem armen Jungen einlassen, er möchte daher so gerne reich und ein wahrer Gentleman werden. Als der Anwalt von Fräulein Havisham ihm kurz vor Ende seiner Lehrzeit eröffnet, dass ein Gönner ihn zu einem solchen ausbilden möchte, sagt er schnell zu und geht nach London. Doch so einfach ist das Leben nicht.
Einen guten Freund findet er in Herbert, mit dem er sich einmal bei Fräulein Havisham geboxt hat, auch er ein Kandidat für Estella, doch für ihn war sie nichts. Die beiden Freunde versuchen sich in manchem, genießen das Leben, machen Schulden. Irgendwann regt sich bei Pip das Gewissen, zumindest für Herbert soll gut gesorgt werden. Hinter dessen Rücken fädelt er ein Geschäft ein, sodass sein Freund gut versorgt sei. Die großen Erwartungen erfüllen sich nicht für Pip, weder seine Liebe zu Estella will sich in ein finales Ende begeben, noch ist sein Gönner der, den er erwartet hat. Alle seine Lebensjahre umkreisen die selben Menschen: seinen guten Onkel Joe, den ausgebüxten Gefangenen aus seiner Kindheit, die grauenhaften Verwandten seiner Schwester, der Anwalt Herr Jagger, Fräulein Havisham und vor allem Estella. Nichts ist, wie es scheint, die großen Erwartungen scheinen sich immer nur für andere zu erfüllen. Und doch lässt das Ende hoffen. Mir gefällt vor allem, wie sich die Verbindungen zwischen Personen finden, von denen man das so gar nicht erwartet hätte. Und die Erkenntnisse für Pip, die ihn reifen lassen, sein Mut, an unbequeme Dinge heranzugehen, einfach großartig.
Stimmen im Netz sagen, dass die Übersetzung von Melanie Walz sehr gut sein soll, einen Vergleich habe ich nicht gemacht.

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Cover des Buches Große Erwartungen (ISBN: 9783458357780)T

Rezension zu "Große Erwartungen" von Charles Dickens

Rezension zu "Große Erwartungen" von Charles Dickens
Trinkt-aus-Piratenvor 10 Jahren

"Große Erwartungen" ist meiner Meinung nach eins der typischen Charles-Dickens-Bücher. Es handelt sich bei der Hauptperson um einen armen Waisenjungen, der mit allerhand merkwürdigen Leuten zusammenkommt und auch mächtig unter ihnen zu leiden hat. Dann begeht er reichlich Fehler, aber am Ende sieht er sie ein und es wird doch alles wieder gut.
Dieses Buch zeichnet sich aber dadurch aus, dass es besonders berührend ist.
Neben vielen durchaus komischen und einigen sogar richtig witzigen Stellen, gibt es die Geschichte mit seinem Schwager und Ziehvater Joe. In dieser Beziehung begeht Pip, also die Hauptfigur, so viele Fehler, behandelt den armen Joe so ungerecht, dass man Pip am liebsten eine kräftige Ohrfeige verpassen würde, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Joe ist der liebste und gütigste Mensch überhaupt und auch, wenn er ungebildet ist, doch mehr wert als alle ach so gebildeten Herren der gehobenen Klasse. Das macht ihn ehrlich gesagt zu meiner Lieblingsfigur. Auch, weil ich persönlich mich mit Pip nicht identifizieren konnte, eher noch mit seinem Freund Herbert. Auf jeden Fall könnte man das ganze Ende mit Weinen zubringen, weil Pip endlich einsieht, wie falsch er an Joe gehandelt hat und Charles Dickens wirklich rührende Szenen daraus macht. Ebenfalls berührend fand ich die letzten Wochen vom Sträfling Magwitch, bei denen Pip auch seinen Sinn gewandelt und sich auf dessen "Niveau" heruntergelassen hat.
Alles in allem ist das Buch zwar eher ruhig, eigentlich gar nicht spannend, aber am Ende wirklich schön.

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