Paul Heinsius Das Schiff der hansischen Frühzeit

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Inhaltsangabe zu „Das Schiff der hansischen Frühzeit“ von Paul Heinsius

( Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte, Neue Folge 12). 61 Abb., 32 Taf. XLIV,289,XVI S. 2., verb. A.
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  • Rezension zu "Das Schiff der hansischen Frühzeit" von Paul Heinsius

    Das Schiff der hansischen Frühzeit

    Heike110566

    07. August 2011 um 09:43

    Die Hanse beherrschte, bis ins 16. Jahrhundert hinein, über mehrere Jahrhunderte den Nord- und Ostseeraum. Sie dominierte den Warenaustausch, den Seeverkehr und gewann mit der Zeit auch immer mehr politischen Einfluss. Scheinbar aus dem Nichts erschienen plötzlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts die für damalige Verhältnisse riesigen Hanse-Koggen auf der Nord- und Ostsee, verdrängten die Konkurrenz und begründeten den wirtschaftlichen Aufstieg der Hanse. Aber die Koggen kamen ganz und gar nicht aus dem Nichts. Paul Heinsius, geboren 1919, beschäftigt sich in diesem Buch, das auf seiner Dissertation aus dem Jahre 1953 basiert, wo er sich als so ziemlich erster wissenschaftlich-methodisch mit den Schiffen der Hanse auseinandersetzte, mit der Schiffbaugeschichte, insbesondere zur Genese der Hanse-Schiffe, wozu nicht nur Koggen gehören, mit den seemännischen Aspekten, mit nautischen Fragen und auch mit Ausrüstung und Besatzung der Schiffe. Das Buch enthält im ersten Teil den Text der Erstausgabe von 1956. Natürlich ist eine Arbeit, mag sie auch noch so wissenschaftlich gewissenhaft erstellt sein, nach so vielen Jahren nicht mehr auf dem aktuellen Forschungsstand. Dennoch hatte sich der Autor entschieden, auch in der 2. Auflage, die auch bereits über 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung erschien, den Text unüberarbeitet erneut zu verlegen. Trotz der nach 1956 erfolgten weiteren Forschung, hat sich nämlich gezeigt, dass die Inhalte dieser Arbeit von den nachfolgenden Forschungen weitgehend bestätigt wurden. Im zweiten Teil des Buches geht Heinsius auf die neueren Forschungsergebnisse ein und korrigiert auch dabei, wenn nötig, Aussagen des Haupttextes und bringt das Buch so auf den Forschungsstand von 1986. Sage und schreibe 662 Quellen hat Heinsius für die Erarbeitung des Haupttextes des Buches berücksichtigt. Mit hoher Akribie hat er sich wissenschaftlich-methodisch mit dem umfangreichen Quellenmaterial auseinander gesetzt. Diese Auseinandersetzung führt dann, auf auch für den Leser nachvollziehbaren Weg, zu seinen Ergebnissen, die, wie bereits erwähnt, auch von der neueren Forschung weitgehend bestätigt wurden. Als erstes geht der Autor auf die Schiffe anderer Vorfahren und Hanse-Zeitgenossen ein und betrachtet deren grundlegende Eigenschaften. Dabei hat er immer im Blick, ob diese Schiffe vielleicht Einfluss auf die Entwicklung der Hanse-Schiffe hatten. Da der Koggen das dominierende Hanse-Schiff für die Frühzeit wurde, wird natürlich auch erstmal geklärt, was ein Koggen überhaupt ist und was ihn grundsätzlich markant auszeichnet. Anschließend wird der Schiffbau der Hanse-Schiffe eingehend beleuchtet. Die Konstruktion und Bauweise eines Schiffes ist ganz entscheidend für dessen spätere Eigenschaften auf See. Von Anfang an muss sehr genau gearbeitet werden, wenn man ein gutes Schiff haben will, das dann auch den Erfolg hat, wie es die Schiffe der Hanse hatten. Und so genau wie der Schiffbau erfolgen muss, betrachtet auch Heinsius das vorliegende Material und stellt es sehr anschaulich hier auch dar. Den ganzen Text durchziehen Abbildungen und auch die hinten im Buch angefügten Fototafeln unterstützen den Leser beim Nachvollziehen der Gedankengänge des Autors. Dies gilt nicht nur in Bezug auf den schiffbautechnischen Teil, sondern den gesamten Text. Und daher auch den Teil, der sich mit etwas ganz wichtigem der damaligen Schiffe beschäftigt: der Takelage. Die Schiffe der Hanse konnten nur ihre Ziele schnell erreichen, wenn sie optimal den Wind nutzen konnten. Und dazu diente eine möglichst perfekte Segelausrüstung. Heinsius erläutert diese Besonderheiten wissenschaftlich, aber auch für den seemänisch ungeübten Leser, der dieses Buch zB einfach nur deshalb zur Hand nimmt, um etwas mehr über die erfolgreichen Transportmittel der Hanse-Kaufleute zu erfahren, verständlich. Der gesamte Text des Buches ist im Grunde selbsterklärend, da Heinsius für das Verständnis wichtige Begriffe auch erläutert. Zu einem Schiff gehört aber nicht nur der Schiffskörper und die Takelage, sondern noch einiges mehr. Und alles ist wichtig bei so einem Segler, denn da ein Schiff ein in sich geschlossenes Ganzes bildet, das als Ganzes auch über das Wasser muss, muss genau überlegt werden, was man noch unbedingt braucht und was verzichtbar ist. Der Autor geht auf alles an Bord ein. Egal ob Herd, Winde, Werkzeug, Waffen, Trinkwasser und Proviant usw. oder Besatzung und Passagiere, alle Faktoren werden in den Fokus gerückt und beleuchtet. Und er geht auch ausgiebig darauf ein, wie das Schiff übers Meer gebracht wurde, in einer Zeit, in der es keine Navigationsgeräte und computergestütze Kartographie gab. Aber trotz aller Akribie: auch nach einer wissenschaftlich sehr hochwertigen Arbeit ist die Forschung nicht abgeschlossen und die Fragen letztgültig geklärt. So natürlich auch nicht beim Thema Schiffe der hansischen Frühzeit. Insbesondere der Fund des Bremer Koggen im Oktober 1962 und spätere Unterwasser-Funde brachten die Forschung um einige weitere Schritte voran. Der Bremer Koggen war der erste Schiffsfund, der eindeutig als Koggen identifiziert werden konnte. Und natürlich wurde Paul Heinsius, der mit seiner Dissertation, die die Grundlage des Buches bildet, seit ihrem Ersterscheinen als Experte gilt, hinzugezogen. Was sich dabei und auch bei der Erforschung auf anderen Gebieten an neuen Erkenntnissen ergab, darauf geht der Autor im Nachwort ein. Auch wenn seit Erscheinen dieser zweiten, verbesserten Auflage bereits wieder über 20 Jahre vergangen sind, ist dieses Buch für Hanse- und Schiffbau-Interessierte auch heute noch zweifellos ein interessanterr Rat. Mögen die Angaben im letzten Detail vielleicht heute nicht mehr den aktuellsten Forschungsstand wiedergeben, so sind doch die dargestellten Grundzüge, die einen Überblick zu dem Thema den Leser verschaffen, heute noch genauso zutreffend wie bei Erscheinen des Buches.

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