Paul Kohl

 3.8 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Goethes Leichen, Hitlers Prophet und weiteren Büchern.

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Goethes Leichen

Goethes Leichen

 (7)
Erschienen am 15.10.2015
Der Jude, der Nazi und seine Mörderin

Der Jude, der Nazi und seine Mörderin

 (4)
Erschienen am 24.05.2018
Hitlers Prophet

Hitlers Prophet

 (5)
Erschienen am 12.10.2017
Nazigold

Nazigold

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Erschienen am 19.10.2012
Nacht über Köln

Nacht über Köln

 (0)
Erschienen am 12.04.2011

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Rezension zu "Goethes Leichen" von Paul Kohl

Zwei Seelen wohnen, ach in seiner Brust
Bellis-Perennisvor 13 Tagen

Krimi-Autor Paul Kohl hat mich mit diesem historischen Krimi ein wenig zwiegespalten zurückgelassen.  

Worum geht’s? 

Kurfürst Georg III. von Hannover sendet seinen Archivar Kestner nach Weimar, um eine wertvolle Zeichnung, die dorthin ausgeliehen war, zurückzuholen. Gemeinsam mit seinem Gehilfen Lorenz gerät Kestner in einen Strudel von Intrigen und Verbrechen, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. 

Meine Meinung: 

Die Idee und den Aufhänger finde ich grandios! Leider ist meiner Meinung nach die Umsetzung nicht ganz gelungen. Da ist zum einen, dass der Krimi in einige alptraumhafte ziemlich surreale Episoden abgleitet, und zum anderen gibt es ein paar historische Ungenauigkeiten, wie z.B. dass Kestner einen Pyjama trägt (S. 42). Die Schlafbekleidung für Männer dieser Zeit ist das Nachthemd. Weiters kann ich nicht glauben, dass es in der Mühle „beschriftete Boxen“ für die jeweiligen Getreidesorten gab (S. 142) oder das „Klebeband“ (S. 278) oder kalt/warmes Leitungswasser (!) in der Suite.

Der Großteil der Menschen sind Analphabeten. Daher ist auch der grammatikalisch und orthographisch richtig geschriebene Abschiedsbrief der Katharina Höhn (S. 109/110) unglaubwürdig. Dieser Brief bringt mich gleich zum nächsten Thema: Die Sprache der einfachen Leute, wie der Höhn oder dem anderen „Personal“ des Krimis ist viel zu gewählt. Eine Frau, die kurz vor ihrer Hinrichtung steht, spricht keine solchen gestelzten Sätze. Mehrfach wird die Worte „Chef“ (S. 272) oder „Chefin“ verwendet – viel zu modern.  

Gut gefallen hat mir die bildhafte Beschreibung der Stadt Weimar mit den üblen Gerüchen, den ortansässigen Menschen, der offensichtlich ängstlichen Stimmung und der vorrevolutionären Ideen. Auch die Vorgänge rund um Zwangsrekrutierung von jungen Männern für die Preußische Armee, sind gut herausgearbeitet. Der Verkauf und Export von Soldaten hat damals manches Fürstentum vor der Pleite gerettet. Auch in Hessen, das Regimenter für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bereitstellte, ein lukratives Geschäft. 

Besonders hat mich die unübliche Charakterisierung des Geheimen Rates Johann Wolfgang von Goethe fasziniert: Auch er hat eine dunkle Seite (Zwei Seelen wohnen, ach in seiner Brust!). Hier ist Goethe weit weg vom Humanisten und (späteren) Bewunderer der Revolution.

Gleichzeitig lässt der Autor ein paar Figuren aus Goethes Werken „auferstehen“ bzw. hat in seinen Dichtungen Anleihe an der Wirklichkeit genommen. So ist das „Gretchen-Motiv“ an die Kindsmörderin Höhn angelehnt (oder umgekehrt), Mephisto steht plötzlich leibhaftig vor Kestner.  

Die Szenen im Keller mit den in Gläsern eingelegten Gehirnen der Ermordeten, haben mich ein wenig frösteln lassen. 

Fazit: 

Wen die historischen Ungenauigkeiten nicht stören, der kann mit diesem Buch in das Weimar des 18. Jahrhunderts eintauchen. Von mir gibt es diesmal nur 3 Sterne.

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Rezension zu "Der Jude, der Nazi und seine Mörderin" von Paul Kohl

Vier Schicksale - verknüpft in der Hölle von Minsk
Bellis-Perennisvor einem Monat

Mit diesem Buch ist Autor Paul Kohl ein fesselnder historischer Roman gelungen, der uns in die NS-Zeit mitnimmt.

Wir begegnen vier Menschen, deren Leben sich 1943 in Minsk auf dramatische Weise verknüpft und für zwei dort auch endet.

Wilhelm Kube, ein Nazi erster Stunde, gewissenlos und korrupt, wird auf Grund seiner Verfehlungen als Generalkommissar in das von den deutschen besetzte Minsk abgeschoben. Wilhelm hat aber noch eine andere Seite: Er dichtet, zum einen schwülstige Liebesgedichte und zum anderen heroische Theaterstücke. In seinem „Totila“ wird Anita Linde vormals Lindenkohl ihren ersten großen Auftritt haben.

Anita Lindenkohl, Tochter eine Sozialisten und Schwägerin einer Jüdin, verliebt sich ebenso sich Hals über Kopf in Kube wie er sich in sie. Sie gibt zwar die Schauspielerei auf der Bühne auf und wird Mutter von Kubes Söhnen. Anita ist ziemlich egozentrisch und sieht nur das, was sie sehen will. Die mörderische Ader ihres Mannes blendet sie aus.

Der Jude Gustav Heimann ist Buchhändler in Berlin und wird 1943 gemeinsam mit seiner Frau Gertud und Tochter Erika in das KZ nach Minsk deportiert. Zuvor ist es dem gewitzten Buchhändler lange Zeit gelungen, den Nazis zu trotzen und sogar das Schild „Heine-Buchhandlung“ zu behalten, nachdem er eine Marie Cäcilie Heine als Sammlerin von deutschem Volksliedgut ausfindig zu machen.

Jelena, die als Waisenkind zahlreiche Misshandlungen erleben muss, wird unfreiwillig zur Partisanin und soll die Geliebte von Wilhelm Kube werden und einen günstigen Augenblick für ein Attentat auf ihn ausspähen.

Meine Meinung:

Autor Paul Kohl ist hier ein fesselnder historischer Roman gelungen, der auf wahren Begebenheiten beruhen. Obwohl klar ist, wie sich das Schicksal der Heimanns erfüllen wird und Kube ermordet wird, ist die Spannung kaum auszuhalten.

Kurz hat mich die Bezeichnung „Ostmark“ für ein Gebiet, mit dem nicht Österreich gemeint ist, irritiert. Doch es hat sich schnell herausgestellt, dass es sich hier um Teile vom Gau Mark Brandenburg mit Frankfurt an der Oder als Hauptstadt handeln muss.

Die Ereignisse sind beklemmend realistisch dargestellt. Vor allem der weitere Lebensweg von Jelena, die in die Mühlen der Sowjetischen Justiz gerät und beinahe als Verräterin und Kollaborateurin hingerichtet wird.

Fazit:

Ein beklemmend erzähltes Stück Zeitgeschichte, dem ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.

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Rezension zu "Der Jude, der Nazi und seine Mörderin" von Paul Kohl

Tatsachenroman
karatekaddvor 4 Monaten

Vor einiger Zeit schrieb emons: eine Nachricht und fragte an, ob ich nicht Interesse an einem Buch hätte, welches ein Paul Kohl geschrieben hat und das mit DER JUDE, DER NAZI UND SEINE MÖRDERIN überschrieben sei. Es gänge um den Holocaust und vor allem die damit im Zusammenhang stehenden Ereignisse in Minsk, der Hauptstadt der damaligen belorussischen Sowjetrepublik. Ich sagte zu, weil der Roman ein authentisches, kein fiktives Stück Geschichte erzählen soll.

Der Lebenslauf von vier Menschen wird erzählt. Alle vier treffen sich final in Minsk wieder: Zwei sterben dort, zwei werden überleben. Die vier Menschen sind Wilhelm Kube, Anita Lindenkohl (Anita Linden), Jelena Gregorjewna Masanik und Gustav Heimann. Kube wird später bekannt als „Generalkommissar von Weißruthenien“, er ist ein korrupter Beamter des NS-Staates, Anita Linden, eine Schauspielerin, wird dessen Frau, zusammen haben sie drei Kinder. Jelena Masanik ist ein weißrussisches Bauernmädchen, sie wird als Partisanin zwei Minen unter Kubes Bett anbringen und dafür den goldenen Stern einer Heldin der Sowjetunion erhalten. Gustav Heimann und seine Familie dagegen sind fiktive Figuren, die damit einen Roman aus einem Tatsachenbericht „machen“. 

Wilhelm Kube wird nach Minsk versetzt. Korrupter Nazibeamter, der er ist, wird er auf den Posten eines Generalkommissars nach „Ruthenien“ abgeschoben. Anita, seine Frau bleibt erst einmal zu Hause. Gelegenheit für Kube, sich in der Hauptstadt Weißrusslands (der weißrussischen Sowjetrepublik) richtig auszuleben und weiter zu bereichern. Besonderer Ehrgeiz, die effiziente Vernichtung der jüdischen weißrussischen Bevölkerung sowie ein wirtschaftlich erfolgreich geführtes Ghetto. Hierzu richtet er ein bis vor kurzem in der westlichen Welt eher unbekanntes Vernichtungslager - Mali Trostenec – ein. Die Dimensionen der bekanntesten Vernichtungslager erreichte dieses nie, aber die Geschwindigkeit mit der hunderte auf dem Transport und nach Ankunft dort in den Wäldern sofort ermordet wurden, ist ebenso erschreckend.

Das Bauernmädchen Jelena, eine Waise, arbeitet sich in der Vorkriegszeit mühsam vom Land in die Stadt. Sie bekommt Kontakt zu Partisanen und erhält eine Anstellung als Dienstmädchen bei Kube. Was für eine Gelegenheit. Wenn da nicht plötzlich diese Anita und die Kinder der Kubes wären. Und später die Angst wegen der drohenden Vergeltung, die droht, wenn das Attentat gelingt. Von der Anita kommt sie zeit ihres Lebens nicht mehr richtig los. Umgekehrt ist es genauso. Der Heldenstern wäre ihr beinahe wieder weggenommen wurden. Richtig stolz drauf ist sie wohl nie gewesen. 

Die Heimanns. Was waren das für Zeiten, damals in Berlin, in der kleinen Buchhandlung. Und die immer noch vorhandene Hoffnung, dass alles nicht so bösartig wird, in jenen Tagen, nachdem die Bücher brannten und der geliebte Heine nicht mehr gekauft wurde, nicht mehr verkauft werden durfte. Am Tag X steigen sie in einen Zug, der bringt sie nach Minsk. In das Ghetto von diesem Kube. Welches geräumt wird, als es „ineffizient“ wurde. Da gibt es einen jüdischen Ingenieur aus Wien, der hat den Deutschen geholfen, die Gaskraftwagen instandzuhalten. Die Gaskraftwagen, in denen die Abgase ind den „Fahrgastraum“ geleitet wurden. In einen solchen steigen nun Gustav, Erika und Gertrud Heimann gemeinsam mit dem Ingenieur ein.

Keine zwei Seiten für das Ende der Heimanns. Räumung, Prügel, Gaskraftwagen, Abfahrt und AUS.

Hier zeigt sich im Besonderen die Nüchternheit dieses Romans. Eben noch die Hoffnung davon zu kommen, der Kube beschäftigte jüdische Fachleute in allen möglichen Berufen, plötzlich ist sie erloschen.

* * *

Der Autor hat Anita Kube und Jelena Masanik kennen gelernt. Es ist seltsam, dass beide Frauen bis zu ihem Tode aneinander zurückdachten. Vielleicht ist es aber natürlich, denn die Bomben, die Jelena Masanik unter dem Bett des Generalkommissars anbrachte, veränderten ihrer beider Leben daramatisch. Anita Kube weiß um die Verhältnisse in Minsk, die Taten ihres Mannes und hält doch bis zum eigenen Lebensende an ihm fest. 

Der Berliner Autor Paul Kohl hat sich Jahrzehnte mit der Geschichte der Wehrmacht und der SS im Laufe des Krieges in der Sowjetunion beschäftigt und mit „Der Krieg der deutschen Wehrmacht und der Polizei 1941–1944: Sowjetische Überlebende berichten“  im Jahr 1995 ein Buch herausgebracht. Eine Schrift über „Das Vernichtungslager Trostenez: Augenzeugenberichte und Dokumente“ erschien bereits im Jahr 2003. Nun dieser Roman, genau in dem Jahr, in dem das Mahnmal der Weg des Todes im Wald von Blagowschtschina eingeweiht wurde. Im Beisein des deutschen Bundespräsidenten. „Der Schritt wird schwer und schwerer, je näher man diesem Ort kommt“, sagt Steinmeier in seiner Rede. „Das Wissen um das, was an diesem Ort geschehen ist, wird zur tonnenschweren Last.“  * 

Dem Leser geht es ähnlich, wenn er sich das schonungslose Buch des Paul Kohl vornimmt, wenn er von den historischen und fiktiven Menschen, die er in Minsk zusammenführt, liest. Und doch muss der Bundespräsident die Nachkommen der Täter vor Ort vertreten, ich bin überzeugt, das ist kein leichter Gang. Das muss auch einmal gesagt werden in einer Zeit, in der Teile der deutschen Bevölkerung die Repäsentanten dieser Republik nur noch mit Argwohn betrachten und Parteien wählen, die geneigt sind, die Geschehnisse vor 80 Jahren wenn schon nicht vollkommen zu negieren, so zumindest zu relativieren. 

Wiederholt habe ich davon geschrieben, dass Romane historische Sachbücher nicht ersetzen, diese aber hervorragend ergänzen können.

Das war ein gutes Buch.

© Bücherjunge




* https://www.tagesspiegel.de/politik/bundespraesident-in-belarus-steinmeier-besucht-ort-des-todes/22752766.html; 05.10.2018, 21:30 Uhr

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