Paul Kohl

 3,8 Sterne bei 26 Bewertungen

Lebenslauf von Paul Kohl

Paul Kohl, geboren 1937 in Köln, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft, war Buchhändler und Mitarbeiter bei Fernsehproduktionen. Heute ist er Hörfunk- und Buchautor und schreibt über geschichtliche und sozialkritische Themen, insbesondere über die NS-Zeit. 2014 erhielt er den Axel-Eggebrecht-Preis für sein Lebenswerk als Autor für Hörfunkfeatures.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Paul Kohl

Cover des Buches Goethes Leichen (ISBN: 9783954517169)

Goethes Leichen

 (9)
Erschienen am 15.10.2015
Cover des Buches Der Jude, der Nazi und seine Mörderin (ISBN: 9783740803070)

Der Jude, der Nazi und seine Mörderin

 (5)
Erschienen am 24.05.2018
Cover des Buches Hitlers Prophet (ISBN: 9783740801892)

Hitlers Prophet

 (5)
Erschienen am 12.10.2017
Cover des Buches Sie waren nie weg (ISBN: 9783740813260)

Sie waren nie weg

 (3)
Erschienen am 21.10.2021
Cover des Buches Nazigold (ISBN: 9783954510337)

Nazigold

 (2)
Erschienen am 19.10.2012

Neue Rezensionen zu Paul Kohl

Cover des Buches Sie waren nie weg (ISBN: 9783740813260)
Babschas avatar

Rezension zu "Sie waren nie weg" von Paul Kohl

Brillantes Konglomerat aus Zeitzeugnis und Coming-of-Age-Geschichte
Babschavor 6 Monaten

Deutschland 1951. Eine Nation im Wiederaufbau, man gewinnt langsam seinen Stolz zurück, pflegt wieder deutsche Werte und Tugenden, lässt es sich gut gehen, blickt nach vorn. Das Wirtschaftswunder ist bereits gelebte Realität, alte Seilschaften aus dunkler Zeit werden reaktiviert bzw. gefestigt, eine Hand wäscht die andere, wir sind wieder wer, alle Daumen nach oben. Zumindest bei dem Teil der Bevölkerung, der immer schon das Geld und damit das Sagen hatte. Entscheidungspositionen und Schnittstellen in Wirtschaft und Politik wie auch Führungsämter in Gerichten, Banken und bei der Polizei werden geschickt mit alten Nazigrößen besetzt, die es geschafft haben, beim ungemütlichen Seegang der Investigation ihrer Vergangenheit durch die Siegermächte in der Nachkriegszeit nicht über Bord zu gehen. Und das soll natürlich auch so bleiben, mit allen Mitteln. Denn vollständige Unwissenheit über bzw. Nichtteilnahme an den Gräueln der Kriegs- und Vorkriegszeit bleibt weiter Trumpf und das Gebot der Stunde. Und damit kommen denn auch so viele Menschen einfach durch, dass einem heute immer noch der Mund offen stehen bleibt.

In dieses Szenario hinein platziert der Autor seinen umwerfend gut geschriebenen, fesselnden teilfiktionalen Roman, eine perfekte Mischung aus echtem Zeitzeugnis und Kleinstadtstory. In Opladen, heute ein Stadtteil Leverkusens, ist es genau wie anderswo. Der 14jährige Ludwig Stadler, Hauptfigur des Buches, folgt zusammen mit seiner Mutter aus dem bayerischen Gauting seinem Vater, der vor einigen Jahren als Polizist dorthin versetzt wurde. Was er nicht weiß, ist, dass sein Vater und dessen Kollegen wie auch andere Honoratioren der Kleinstadt, im Krieg Mitglieder der SS waren, über Jahre bei Tötungs- und Säuberungskommandos eingesetzt wurden und jetzt gerne den alten Geist wieder aufleben lassen würden. Ludwig ist ein grundehrlicher, sympathischer, aber leider auch naiver Charakter, lange ohne die Gabe, zwischen den Zeilen lesen zu können. Weitere Hauptpersonen des Buches sind Leonhard Birnbaum und seine jugendliche Tochter Luise, ein Jude, der vor dem Krieg mit seiner Familie aus Opladen fliehen musste, Jahre im KZ verbracht und seine Frau in Auschwitz verloren hat. Vater und Tochter kehren nun zurück und versuchen, in ihrer alten Heimatstadt wieder Fuß zu fassen. Ludwig und Luise erkennen zunehmend eine Seelenverwandtschaft, die sich parallel zur Rahmenhandlung des Buches entwickelt.

Dreh- und Angelpunkt und der besondere Reiz des Buches ist die Brisanz und Fragilität der NS-Vergangenheiten vieler Beteiligter, die diese unter allen Umständen geheim halten wollen, dabei auch vor Mord an Leuten, die ihnen gefährlich werden könnten, nicht zurückschrecken und der gutbürgerlichen Fassade ihrer Familien, hinter der sich Morast und gut zusammengekehrter Unrat verbergen.

Kohl führt zunächst gemächlich in das tägliche Leben und seine Protagonisten ein und beschleunigt das Ganze auf der Strecke dann bis zum stimmigen Finale ab dem Punkt, an dem die jungen Leute durch Zufall Dokumente in die Hand bekommen, mit denen sowohl Ludwigs Vater wie auch viele weitere Beteiligte ihrer Kriegsverbrechen überführt werden könnten.

Ein tolles, äußerst konsequent und offen geschriebenes Buch, auch mit viel interessantem Lokalkolorit, das das Grundanliegen seines Autors in jeder Zeile widerspiegelt und den Leser/die Leserin nochmal tief eintauchen lässt in eine aus heutiger Sicht zunächst unfassbare Zeit überlebenswillengetriebener Verleugnung, Geheimnistuerei und massiven Selbstbetrugs. Jedoch nicht zuletzt aufgrund der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen äußerst aktuell ist. Leseempfehlung!

Kommentare: 1
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Cover des Buches Sie waren nie weg (ISBN: 9783740813260)
Tebys avatar

Rezension zu "Sie waren nie weg" von Paul Kohl

Das Auseinandersetzen mit der eigenen Geschichte
Tebyvor 7 Monaten

Einen Fehler offen zugeben, dafür einstehen, sich entschuldigen - das fällt uns Menschen bekanntlich unglaublich schwer. Wir tun lieber alles, um zu vertuschen, zu verheimlichen, zu ignorieren. Der Teppich liegt schon nicht mehr auf dem Boden, so viel Dreck liegt darunter.

Paul Kohl beschäftigt sich in seinem Buch "Sie waren nie weg" mit dem Dreck, der unter den Teppich der Nachkriegszeit gekehrt wurde. Die Handlung spielt in Opladen, einem heutigen Stadtteil von Leverkusen. Er lässt die Geschichte aus vielen Blickwinkeln aufleben - unter anderem durch einen Opladener Archivar, Polizisten, wiedergekehrten Soldaten oder Juden, FDP-Funktionären oder zwei Jugendlichen.

Kohls Schreibstil ist anfangs gewöhnungsbedürftig - die wörtlichen Reden sind als Gedanken geschrieben - jedoch ist es von Beginn an fesselnd, erschreckend und auffordernd. Mensch! Geh aufmerksam und kritisch in die Welt, schau genau hin! 

Ein Buch, (nicht nur für Menschen im Bergischen Land, sondern in jedem Teil Deutschlands) das bewegt und berührt, ins Nachdenken bringt und zur aktiven Geschichtsbewältigung auffordert.

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Cover des Buches Nazigold (ISBN: 9783954510337)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Nazigold" von Paul Kohl

Schatten der Vergangenheit
Bellis-Perennisvor 10 Monaten

Oberbayern 1946: Anton Nafziger, Chef des Bordells "Crazy Horse" in Mittenwald, wird ermordet aufgefunden, ja nicht nur ermordet, sondern regelrecht hingerichtet.  


Der aus Mittenwald stammende Kriminalkommissar Martin Gropper wird mit den Ermittlungen betraut. Recht widerwillig beginnt er mit den Recherchen, hat er sich doch geschworen, nie wieder in seine Heimatstadt zurückzukehren. Und tatsächlich wird Gropper mit Argwohn beäugt und mehrfach rüde daran erinnert, dass er zu Kriegsbeginn in die Schweiz geflüchtet ist, während die aufrechten Männer Mittenwalds Gesundheit und Leben für den Führer hingegeben hätten. 


Selbst Groppers Schwester, die für die US Army als Dolmetscherin tätig ist, rät ihm, den Mord an Nafziger Mord sein zu lassen, und wieder nach München zu verschwinden. 


Davon aufgestachelt, ermittelt Gropper und muss feststellen, dass nicht nur der ermordete Bordellbesitzer, sondern auch die Amerikaner zahlreiche Geheimnisse haben, die sie lieber unter Verschluss halten möchten .... 


Meine Meinung: 


Dieser Krimi lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück. Er reiht sich in eine Reihe von Kriminalromanen, die sich um von den Nazis verstecktes Gold und/oder Kunstschätze ranken. Damit verbunden sind natürlich jede Menge Lügen, Mauern des Schweigens und - so kurz nach dem Ende des Kriegs - Menschen, die vom Unrechtsregime profitiert haben und nun hastig versuchen, ihre Mittäterschaft zu verschleiern. Auch die Vorwürfe an Gropper, der vor den Gräueln des NS-Regimes in die Schweiz geflüchtet ist, sind ein interessanter Aspekt. Diese Zutaten versprechen einen fesselnden Krimi. 


Leider wird die spannende Handlung durch eine Reihe Zufälle verwässert. Die Geschichte mit dem Schwarzmarkthändler, dem Gropper gleich zweimal begegnet und Papiere abkauft, die ihn zu einem bis dato namenlosen Toten auf dem Mittenwalder Friedhof bringt. Oder das plötzliche Auftauchen der Leiche eines kleinen Mädchens, das seit einem Jahr vermisst ist. 


Die Stimmung der Zeit um 1946 sind recht gut dargestellt. Es herrscht ein Klima des Misstrauens. Einig scheint man sich nur in der Ablehnung der Flüchtlinge und des Kriminalbeamten zu sein. Der US Army dienen sich die ersten wieder an und es wieder diejenigen, die auch aus dem NS-Regime Vorteile gezogen haben.  


Die Figur des Martin Groppers gefällt mir recht gut, obwohl sie recht wenig sympathisch herüber kommt. Er ist ja widerwillig in seine Heimatstadt zurückgekommen und erst nach und nach entwickelt er den Ehrgeiz, den Mord an Nafziger aufzuklären. Immer wieder hängt er den Gedanken an seine große Liebe Wilma nach. Er versucht sie ausfindig zu machen und steht auch dabei vor einer Mauer des Schweigens. Erst ein Brief, den er bei seiner Abreise zugesteckt erhält, erhellt Wilmas Geschichte. 


Einige historische Ungenauigkeiten sind mir aufgefallen: So ist das Insektizid E605 erst ab 1947 im Handel. Dass beinahe jedes Haus vom CIC verwanzt worden wäre, erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Da hätten die Abhörspezialisten jede Menge Arbeit gehabt. Natürlich sei es den Autoren unbenommen, einige historisch verbürgte Ereignisse oder Tatsachen so zurechtzubiegen, dass sie in die Story passen, aber darüber würde ich gerne im Nachwort lesen.   


Was allerdings viele Leser stören oder verschrecken wird, ist der allzu häufige Gebrauch der ortsüblichen Mundart, die für Nicht-Bayern kaum zu lesen ist. Sparsamer eingesetzt, wären Sätze im Dialekt großartig, hier aber waren sie inflationär. 


Fazit: 


Ein Krimi, der mich nicht ganz überzeugt hat und deshalb nur 3 Sterne erhält. 


 

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