Paul Lendvai Mein Österreich

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Inhaltsangabe zu „Mein Österreich“ von Paul Lendvai

Paul Lendvai, Osteuropa-Experte und einer der großen österreichischen Publizisten, blickt zurück auf mehr als 50 Jahre am Puls der österreichischen Geschichte und Politik. Spannend und gleichzeitig zutiefst persönlich berichtet er über das Zerrbild und die Mythen der Zweiten Republik, den Aufstieg und Fall ihrer prägenden Persönlichkeiten, das Erlebte im „guten Österreich“ und die einzigartige Erfolgsbilanz eines halben Jahrhunderts. Er erzählt von seinen Begegnungen mit herausragenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien: von Androsch bis Vranitzky, von Busek bis Schüssel, von Haider bis Gusenbauer. So zeichnet er ein unverwechselbares Bild des neuen Österreich aus der Sicht des einstigen Ungarn-Flüchtlings.

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  • Rezension zu "Mein Österreich" von Paul Lendvai

    Mein Österreich

    bogi

    10. March 2012 um 15:30

    Die Ikone des politischen Journalismus in Österreich legt mit dem Buch meiner Ansicht nach einen grandiosen Abriss der österreichischen politischen Nachkriegsgeschichte bis zur Gegenwart vor. Ihm gelingt das in konzentrierter Form, ausführlich genug um einen guten Überblick zu bekommen. Auch oder gerade für Menschen (wie mich), denen zwar diverse Eckdaten bekannt sind und die über Österreich hinaus bekannt gewordenen politischen Aufreger natürlich zu Kenntnis genommen haben, letztlich aber ein wenig tiefer in die Materie einsteigen wollen ohne dabei eine wissenschaftlich fundierte Abhandlung verkonsumieren zu wollen. Dafür genau ist Lendvai als vielleicht profundester Kenner der österreichischen Politik prädestiniert wie kein Zweiter. Durch seine teilweise Jahrzehnte andauernde enge Bekanntschaft oder auch Freundschaft mit den massgeblichen Akteueren der österreichischen Politszene entsteht so ein authentisches Bild der grossen Ereignisse, aber eben auch von, gerade in Österreich zuhauf vorhandenen Nicklichkeiten. Lendvai berichtet von der Entstehung der nach wie vor in Österreich vorhandenen braunen Affinität in nicht zu vernachlässigendem Umfang. Breiten Raum nimmt naturgemäss die Person Bruno Kreisky ein, die vielleicht prägendeste Figur Nachkriegsösterreichs. Er nähert sich dem grossen charismatischen Kopf eben auch der europäischen Sozialdemokratie (neben Brandt und Palme) mit viel Elogen aber durchaus auch mit harter Kritik. Die grossen Skandale werden gestreift (in die die Politik oft in korrupter Weise und manchmal durchaus auch in schwerstkrimineller Weise verwickelt war). Und letztlich befasst sich Lendvai auch natürlich mit der Figur Jörg Haider. Hier kommt es zum einzigen Punkt bei dem ich dem Autor nicht folgen kann. Lendvai ist des Rechtspopulismus sicher völlig unverdächtig. Die Klassifizierungen, die er für Haider vornimmt sind jedoch für meine Begriffe absolut verharmlosend. Er nennt Ihn rechtspopulistischen Sprücheklopfer, der aber für Anschläge oder Übergriffe gegen Fremde oder Andersdenkende nicht verantwortlich zu machen ist. Er nennt Ihn charismatisch, klug, talentiert, taktisch versiert. Das mag möglicherweise ja sogar stimmen. Ich halte es aber für äusserst fatal, wenn ausgerechnet ein Mann mit der Reputation Lendvais solche Aussagen trifft. Woher kommen denn die dumpfen Ressentiments gegen Fremde und auch Juden die in Österreich ganz klar vorhanden sind? Wenn solche Leute, die aggressiv nationalen Töne anschlagen (heute sicher ein H.C. Strache noch viel krasser als Haider) mit solch positiven Adjektiven versehen werden, können solche Sprüche (und irgendwann eben auch Taten) ja nicht so schlimm sein. Nichtsdestotrotz bleibt "Mein Österreich" für mich dass Highlight meines persönlichen Sachbuchjahres. Für politisch Interessierte allgemein, im speziellen aber an länderspezifisch europäischer Politik ausgerichteten Lesern 100 % empfehlenswert.

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