Paul M. Zulehner Verbuntung

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Inhaltsangabe zu „Verbuntung“ von Paul M. Zulehner

Die religiöse Landschaft ist in Bewegung – während es in den Siebzigerjahren in den Kirchen noch so etwas wie eine »heile Welt« gab, ist das »kirchliche Feld« heute nur noch eine unter vielen weltanschaulichen Optionen. Diese Entwicklung fordert die christlichen Kirchen heraus: Wie finden sie sich in der neuen Buntheit ein und wie gestalten sie den Dialog mit den »Anderen« (den Muslimen, den spirituellen Pilgern, den Atheisierenden)? Betroffen ist aber auch die Politik, weil die nach der Aufklärung selbstverständlich gewordene Praxis der Ausschließung der Religion aus dem politischen Geschehen nicht mehr möglich ist. Die vorliegende Langzeitstudie identifiziert die relevanten weltanschaulichen Felder und bietet für Entscheiderin Kirchen und Politik unverzichtbare Grundlagenanalysen.

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  • Rezension zu "Verbuntung" von Paul M. Zulehner

    Verbuntung
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    17. June 2011 um 15:32

    Aktuelle Studie über die Religion im Leben der Menschen in Österreich 50 Jahre war es bei Erstellung des Buches her, seit das österreichische „Institut für kirchliche Sozialforschung“ 1970 die „Lage des Glaubens und der Kirche“ in Österreich per Fragebogen einer Untersuchung unterzog. Seitdem wird der damals zugrunde liegende Fragebogen durchgängig genutzt, seit 2000 unter Einbeziehung der protestantischen Minderheit im Land. 2010 wurde die Untersuchung auch in Bezug auf die muslimischen Bewohner erweitert. Die aktuellen Ergebnisse der Umfragen liegen nun in diesem umfangreichen Band vor und nehmen fast alle aktuell diskutierten Stichworte in Fragen der religiösen Orientierung und Religionszugehörigkeit mit auf. Zunächst stellen die Autoren eine „epochale Transformation“ als Ergebnis der Langzeituntersuchung vor. „Freiheit bringt Mobilität“, dies gilt auch im religiösen Bereich und so wandelt sich die Mitgliedschaft (oder auch nicht) in einer religiösen Vereinigung vom „Schicksal“ ehemaliger Zeiten zur „Wahl“ in der Gegenwart mitsamt vielfacher Folgen in Bezug auf labile Mitgliedschaften, Trennungs- und Bindungskräfte und vieles mehr. Aus dieser „Freiheit der (auch inneren) Mobilität“ folgt der zweite, große Bereich der Studie, die Untersuchung und Darlegung der „weltanschaulichen Verbuntung“. Hier nimmt die Studie nicht nur religiös gebundene Menschen in den Blick, ein hochinteressantes Kapitel beschäftigt sich ausführlich ebenfalls mit der zunehmenden „Ungebundenheit“ (das „atheisierende Feld“). Abgeschlossen wird dieser Teil durch einen statistisch ausgewerteten Blick auf einen Vergleich zwischen den Religionsgemeinschaften. Der darstellende Teil des Buches wird abgeschlossen mit der Darstellung der Untersuchungsergebnisse in der Frage nach dem „Einfluss auf das Leben“. Was ist den Menschen heilig? Worauf lassen sie nichts kommen? Welche Prioritäten und Wichtigkeiten der persönlichen Lebensgestaltung stehen im Raum? Es wundert nicht, dass an oberster Stelle „gesund bleiben“ hier als Ergebnis festgehalten wird. Interessanter schon, dass die Wichtigkeit von „Verheiratet sein“ zugunsten von „Freunden“ abgenommen hat. Dies sind aber nur zwei kleine Eindrücke der vielfältigen Ergebnisse, welche die Studie zusammenträgt. Eine Zusammenfassung schließt das Buch ab, in dieser bündelt sich in Tabellen, Schaubildern, Ranglisten und anderem noch einmal die der Studie zugrunde liegende Auswertung des Fragebogens. Das Buch ist ein fast durchweg und rein statistisches Buch mit auswertenden Zwischentexten, wobei die Darstellung der Ergebnisse ein vielfaches Mehr an Raum einnimmt als die Resumes. Hoch gefüllt mit Daten und Inhalten ist das Buch am besten im Sinne eines Nachschlagwerkes zu nutzen, um konkreten Fragen eigenen Interesses nachzugehen. Im Gesamten stellt das Buch tatsächlich fast einzigartig in der Länge des Betrachtungszeitraums die Entwicklung der letzten 50 Jahre von einer (nicht nur) religiös festgefügten Welt zu einer innerlich wie äußerlich freien und mobilen Welt dar und zeigt, wie die Werte und Lebensumstände der Menschen (nicht nur) in Österreich mit dem Wandel der Zeiten einhergehen und welcher Status quo momentan an „Verbuntung“ im Raume steht. Als einfache Lektüre nicht geeignet, wohl aber zur Vertiefung eigener Interessen im Rahmen religiöser Standpunkte, Lebensvielfalt und geschichtlicher Veränderungen über ein halbes Jahrhundert hinweg.

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