Paul Mason Postkapitalismus

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Inhaltsangabe zu „Postkapitalismus“ von Paul Mason

Drei Dinge wissen wir: Der Kapitalismus hat den Feudalismus abgelöst; seither durchlief er zyklische Tiefs, spätestens seit 2008 stottert der Motor. Was wir nicht wissen: Erleben wir eine der üblichen Krisen oder den Anbruch einer postkapitalistischen Ordnung? Paul Mason blickt auf die Daten, sichtet Krisentheorien – und sagt: Wir stehen am Anfang von etwas Neuem. Er nimmt dabei Überlegungen auf, die vor über 150 Jahren in einer Londoner Bibliothek entwickelt wurden und laut denen Wissen und intelligente Maschinen den Kapitalismus eines Tages »in die Luft sprengen« könnten. Im Zeitalter des Stahls und der Schrauben, der Hierarchien und der Knappheit war diese Vision so radikal, dass Marx sie schnell in der Schublade verschwinden ließ. In der Welt der Netzwerke, der Kooperation und des digitalen Überflusses ist sie aktueller denn je. In seinem atemberaubenden Buch führt Paul Mason durch Schreibstuben, Gefängniszellen, Flugzeugfabriken und an die Orte, an denen sich der Widerstand Bahn bricht. Mason verknüpft das Abstrakte mit dem Konkreten, bündelt die Überlegungen von Autoren wie Thomas Piketty, David Graeber, Jeremy Rifkin und Antonio Negri und zeigt, wie wir aus den Trümmern des Neoliberalismus eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft errichten können.

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  • Brillant in der Analyse, sehr verständlich geschrieben und mit wichtigen Ideen versehen

    Postkapitalismus

    michael_lehmann-pape

    27. April 2016 um 12:38

    Brillant in der Analyse, sehr verständlich geschrieben und mit wichtigen Ideen versehenMan mag sagen, Mason sei ja „nur Journalist“ und verstehe nicht genügend über die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge. Nicht so viel zumindest, wie all die Politiker und „Fachleute“, die das gegenwärtige System mit Zähnen und Klauen verteidigen.Doch das wird in der Diskussion dieses Werkes dann eher sein wie mit der linken Regierung in Griechenland. Die geballte Finanzmacht des neoliberalen Systems wird auf keinen Fall hören wollen, egal, welche Titel Mason noch vor sich hertragen könnte.Bei der Lektüre des Werkes zumindest wird rasch deutlich, dass Mason sich tief hineingearbeitet hat in die Systemfrage, Und zwar nicht nur in die des Kapitalismus. Das er zudem versteht, auch komplexe Zusammenhänge wie das „Fiat Geld“, die Lösung vom Goldstandard 1971, das Drucken von Papiergeld in jedweder Höhe, das ganze globale Roulettespiel mit seinen verdeckten Regeln Schicht für Schicht zu erläutern. Bei einfachen, plakativen Darstellungen belässt es Mason bei Weitem nicht, Konzentration ist gefordert und wird mit einem sehr gründlichen und differenzierten Einblick belohnt.Auf diese Weise überaus argumentativ überzeugend weist Mason nach, dass sowohl die Krise 2001, als auch jene 2008 als auch jene, die kommen wird, inhärent im System selbst angelegt ist. Dass der Kapitalismus grundlegend nicht mehr auf Dauer in der Lage sein wird, eine befriedigende Antwort auf die komplexe Verfasstheit der Welt zu geben.Mehr noch, Mason legt luizid offen, dass jene an den Stellhebeln des Geldes dies seit langem bereits wissen. Wie jene Aussagen aus Mails von Bankern schon belegen, „wollen wir hoffen, dass wir unser Schäfchen im Trockenen haben, wenn das Kartenhaus zusammenfällt“.Es geht um dieses eine Prozent, das so gut wie alles besitzt, zumindest Zugang zu fast unerschöpflichen Geldquellen hat und das dafür sorgt, dass eher Sozialsystem von Staaten zerstört werden, als dass Abstriche an der eigenen Rendite gemacht werden, dass das System um jeden Preis erhalte werden muss. Noch nicht einmal aus reiner Böswilligkeit, sondern weil das System ebenso seinen inneren Regeln folgt. Die Mason Seite für Seite fundiert darlegt und offenlegt.„In ihrer gegenwärtigen Form hat die Globalisierung einen Designfehler. Wenn sie für ein hohes Wachstum sorgt, dann nur, indem sie untragbare Verzerrungen verursacht (die Mason im Einzelnen darlegt), die nur durch Finanzkrisen wieder korrigiert werden können“.Dies aber ist alles gar nicht das eigentliche Problem, wie Mason ausführt. Das eigentliche Problem ist, dass „die Munition“ verschossen ist, kommenden Krisen (und diese werden den Regeln entsprechend schlichtweg stattfinden) noch einmal begegnen zu können.Allein diese Analyse, die in etwa die Hälfte des Buches einnimmt, ist jede Seit wert zu lesen. Als Augenöffner, als fundierte, klare, in die größtmögliche Tiefe reichende Aufarbeitung des „Systems Kapitalismus“, das außerhalb der moralischen oder ethischen Haltungen seiner Akteure seinen eigenen Regeln folgt.Die dann konstruktive Seite Masons, die Erarbeitung dessen, was Mason „postkapitalistisches System“ nennt, steht dann doch eher auf noch nicht ganz so festgefügten Beinen wie die Analyse. Was aber verständlich ist, richten sich hier die Prognosen doch in eine noch unbekannte und wenig verifizierbare Zukunft. Das Mason allerdings dies nicht als Utopie entwirft, sondern deren Verfassung er bereits aus bestehenden Initiativen heraus ableitet, ist durchaus der Lektüre und Rezeption wert und sollte nicht einfach vom Tisch gewischt werden (was der erste Reflex „des Systems“ sein wird).Weltweiter Zugang zu Information sorgt bereits dafür, dass Menschen nicht mehr dumm und isolieret gehalten werden können. Informationen sind unentgeltlich und im Überangebot vorhanden, woran der Kapitalismus mit seinem zentralen Regelwerk der notwendigen Verknappung von Gütern, um diese gewinnbringend zu verkaufen, bereits im Scheitern begriffen ist, auch wenn Monopole noch versuchen, die bröckelnde Mauer mit aller Macht geschlossen zu halten.Wer wissen will, wie diese Welt wirtschaftlich funktioniert, was „Austerität“ wirklich im „Vollzug“ bedeutet, wie die Schräglage immer deutlicher sichtbar wird, welche Kräfte gegen das Finanzsystem unerbittlich arbeiten, wie hilflos und auch borniert Verantwortungsträger immer nur verstehen, Muskeln spielen zu lassen (in Zypern und angesichts des Linksrucks in Griechenland), wie der „normale Bürger“ nur noch als zu benutzende oder zu entsorgende „Funktion“ im „Spiel“ auftaucht (je nachdem, ob er Arbeit oder Geld einbringt oder eben nicht mehr erforderlich ist) und wer dann Alternativen bereit ist, sich anzuhören, der kommt an diesem Werk nicht vorbei.

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