Paul Senftenberg Narben

(4)

Lovelybooks Bewertung

  • 5 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(2)
(2)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Narben“ von Paul Senftenberg

Der knapp siebzehnjährige Thomas hat den Unfalltod seines geliebten Vaters noch nicht überwunden, als er zusammen mit seiner Mutter nach Wien ziehen muss. Er idealisiert den Vater und sammelt in einem Heft die schönsten Filmszenen zwischen Vätern und Söhnen, andererseits macht er seine Mutter für den Unfall verantwortlich. Er trauert auch seinem bisherigen Leben in einer Kleinstadt nach, wo er in der gleichaltrigen Katharina eine beste Freundin hatte, für die seine schwulen Neigungen kein Problem waren. Thomas fühlt sich in seinem neuen Leben und in seiner Haut nicht wohl, und immer wieder kommt es zu Streitigkeiten mit seiner Mutter. Besonders schockiert ist Thomas, als er eines Morgens einen unbekannten Mann in ihrem Schlafzimmer überrascht. Thomas schwänzt die Schule und bricht in einen leerstehenden Bungalow in einer Vorstadtsiedlung ein. Dort verbringt er die Tage, hauptsäch¬lich im Garten und mit der Obsternte, die er früher immer mit seinem Vater erledigte. Was Thomas anfangs nicht weiß, ist, dass er dabei von Jakob beobachtet wird, der auf der Suche nach Hunden durch die Gegend streunt und diese dann vergiftet. Jakob verbirgt sein Gesicht unter einer Kapuze, denn seitdem er als Achtjähriger von einem Hund angefallen wurde, verunstaltet eine wurmförmige Narbe seine Wange. Damit kommt er nicht klar, er fühlt sich entstellt und hässlich und kann sich nicht vorstellen, dass sich jemand zu ihm hingezogen fühlt. In seinem neuen Roman schildert Paul Senftenberg die Geschichte von zwei Jungen, die beide mit Narben fertig werden müssen - Thomas mit denen auf seiner Seele, Jakob mit der in seinem Gesicht. Für die Zuneigung, die sie für¬einan¬der empfinden, ihre aufkeimende Liebe, entwirft der Autor unverkitscht ehrliche Bilder von großer Zartheit und Zärtlichkeit. Indem die beiden Jungen den Mut finden, sich aufeinander vertrauensvoll einzulassen, erleben sie nicht nur Momente ungewohnter Nähe, es gelingt ihnen zudem ein Neuanfang, in dem Angst und Vorurteile keinen Platz mehr haben.

Stöbern in Romane

Durch alle Zeiten

Sehr spannend und bewegend

silvia1981

Dann schlaf auch du

Wem kann man seine Kinder anvertrauen?

silvia1981

Wie man es vermasselt

Frisch, jung und intelligent... ein absolutes Wahnsinns-Buch!

Tigerkatzi

Und jetzt auch noch Liebe

Turbulente Liebeskomödie mit sehr skurrilen Charakteren, um eine junge Frau, die durch eine ungewollte Schwangerschaft erwachsen wird.

schnaeppchenjaegerin

Und es schmilzt

Erschreckende, schonungslose Erzählweise einer mehr als tragischen Kindheit!

Caro2929

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • schönes, realistisches Buch

    Narben
    Koriko

    Koriko

    23. June 2014 um 19:19

    Story: Seitdem der siebzehnjährige Thomas mit seiner Mutter vom Dorf in die Stadt gezogen ist, ist sein Leben die Hölle. Noch immer macht ihm der Unfalltod seines Vaters schwer zu schaffen, für den er insgeheim seine Mutter verantwortlich macht, und in der Schule ist er der Außenseiter schlechthin, der von seinen Mitschüler drangsaliert und fertiggemacht wird. Als er zufällig erfährt, dass ein wohlhabender Mann mit Ehefrau für mehrere Wochen wegen Erbschaftsangelegenheiten in den Staaten ist, bricht er in die leerstehende Villa ein und erschafft sich dort eine Art Refugium. Anstatt zur Schule zu gehen, hält sich Thomas in dem Haus auf, kümmert sich um den Garten und schaut Filme. Eines Tages lernt er in der Nachbarschaft der Villa Jakob kennen, den eine üble Narbe im Gesicht zeichnet, die ihm ein Hund als Kind beigebracht hat. Fortan vergiftet er jeden Hund, der ihm über den Weg läuft, um mit seinem Kindheitstrauma fertig zu werden. In der Villa kommen sich die beiden ungleichen Jungen näher und lernen erstmals wieder Vertrauen zu fassen … Eigene Meinung: Mit seinem dritten Roman legt Paul Senftenberg ein sehr berührendes und tiefgehendes Buch vor, das von der Atmosphäre her nur wenig mit „Eine ganz andere Liebe“ gemein hat. Da der Roman in der Reihe „Junge Liebe“ des Himmelsstürmer Verlag erschienen ist, kann man sich denken, dass jugendliche Charaktere und deren Probleme im Zentrum der Geschichte stehen. Inhaltlich ist „Narben“ dramatischere und damit auch intensive Kost, die tiefer geht und dem Leser keine sommerlich leichte Liebe präsentiert, wie es bei „Eine ganz andere Liebe“ der Fall war. Sicherlich gibt es Überschneidungen, so ist beispielsweise das Thema Mobbing in beiden Büchern wichtig für den Handlungsverlauf und sorgt dafür, dass jeweils einer der Protagonisten eine extreme Entscheidung trifft, doch der gesamte Handlungsaufbau und die Atmosphäre der Geschichte ist anders. Thomas und Jakob sind beide gezeichnet, kämpfen mit ihren eigenen Probleme und Sorgen, auch wenn diese vollkommen unterschiedlicher Natur sind, und bieten damit einen gänzlich anderen Rahmen. Sicherlich ist auch in „Narben“ die Liebesgeschichte unverkitscht und realistisch, doch eine leichte Sommerliebe wird man hier nicht finden. Stattdessen geht es in diesem ernster zur Sache und hin und wieder beschleicht den Leser fast schon ein beklemmendes Gefühl. Seien es die Hänseleien gegen Thomas oder Jakobs Ängste vor Hunden – Paul Senftenberg lässt seine Charaktere leiden und gibt ihnen lediglich einen Ort, wo sie zur Ruhe kommen können – die Villa. Dennoch ist das Buch nicht vollkommen schlüssig – viele Fragen bleiben offen. Diese sind vielleicht für die Entwicklung der Jungen und das Überwinden der unterschiedlichen Traumata zweitrangig, doch es stört ein wenig, das diese Punkte am Ende übergangen werden. So wird man weder eine Auflösung hinsichtlich der Villa finden (in die Thomas immerhin eingebrochen ist), noch wird das Vergiften der Hunde zu einem Ende geführt, oder das Mobbing. Letztendlich hängt man als Leser in der Luft, da Jakob und Thomas viele Dinge tun, die nicht zu einer entsprechenden Reaktion der Umwelt führen. Das dämpft das Lesevergnügen durchaus, da man nicht das Gefühl hat, dass die Geschichte wirklich beendet ist. Es ist durchaus verständlich, warum der Autor diese Einschnitte vorgenommen hat, doch das Buch wirkt dadurch dennoch unfertig. Die beiden Protagonisten haben sich im Laufe der Zeit zwar weiterentwickelt, und einige persönliche Hürden überwunden, jedoch gleichzeitig neue Probleme heraufbeschworen, denen leider keine Beachtung geschenkt wird. Wie bereits in dem Roman „Eine ganz andere Liebe“ ist Paul Senftenbergs Stil vollkommen eigen und in seiner Gesamtheit sehr belletristisch angehaucht. „Narben“ besticht durch einen sehr klaren, präzisen Schreibstil und kommt vollkommen ohne Kitsch und romantische Ausschmückungen klar. Allein dieser Punkt hebt das Buch angenehm aus der breiten Masse der aktuellen Veröffentlichungen heraus, da sich der Autor weder auf den romantischen, noch auf den erotischen Aspekt versteift, sondern eine neutrale, beobachtende Stellung bezieht und es dem Leser überlässt, zwischen den Zeilen zu lesen. Am ehesten kann man das Buch mit Werken von Jana Walther vergleichen, die einen ähnlich nüchternen, dichten Stil hat. Wer also die Romane dieser Autorin kennt und mag, den können auch die Bücher von Paul Senftenberg überzeugen. Fazit: Alles in allem ist „Narben“ ein solider Roman, der mit seiner atmosphärischen, ernsten Geschichte, den realistischen Figuren und dem ungewohnten, aber präzisen Schreibstil punkten kann. Leider bleiben einige Punkte offen, die das Buch zum Ende hin ein wenig schwächen, doch wer sich nicht daran stört, dass nicht alle Fragen beantwortet werden, und keine Probleme damit hat, dass der Roman nur einen kleinen Teil von Jakobs und Thomas Welt beleuchtet, sollte einen Blick riskieren. Paul Senftenberg ist ein beeindruckendes Buch gelungen, und man darf gespannt sein, mit welchen Büchern der Autor als nächstes überrascht.

    Mehr
  • Schönheit und Zärtlichkeit

    Narben
    J_Walther

    J_Walther

    09. May 2014 um 09:17

    Narben ist der dritte Roman des Autors Paul Senftenberg. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Thomas, der mit seiner Mutter nach dem Tod des Vaters vom Land in die Stadt gezogen ist. Seine Mitschüler hänseln ihn und er ist noch nicht über den Verlust des Vaters hinweg. In dieser Situation bricht er in einen leerstehenden Bungalow ein, verbringt dort seine Tage und beschäftigt sich im Garten. Dabei wird er von einem Jungen beobachtet, über den man erst nur Bruchstücke erfährt. (Da am Anfang noch ein weiterer Junge eine Rolle spielt, ist das etwas verwirrend). Es dauert lange, bis die beiden Jungen, Thomas und Jakob, sich überhaupt begegnen und näherkommen – dann fühlt man das Sehnen zwischen ihnen mit und erwartet gespannt, dass sie die Distanz zwischen sich überbrücken. Der Autor zeigt viel Einfühlungsvermögen für die jugendlichen Protagonisten, ihre Sehnsüchte und Probleme. Er kleidet die Geschichte in stimmungsvolle, poetische Bilder ohne Kitsch. Der Bungalow und sein Obstgarten erscheinen als ein fast traumhafter, abgeschottete Ort im Kontrast zur Schule und Elternhaus. Ab der ersten Seite haben mich die klaren präzisen Sätze in ihren Bann gezogen. Der Stil hat etwas nüchternes, beobachtendes und findet trotzdem zu einer ganz eigenen Schönheit und Zärtlichkeit. Wie schon bei „Eine ganz andere Liebe“ stammt das Cover-Motiv von dem Maler Matin-Jan van Santen und passt wunderbar zum Buch. Ein echter Hingucker, der sich von dem üblichen Einheitsbrei abhebt. Wohl das intensivste, vielleicht auch das ausgereifteste Buch des Autors. Auf mehr darf man gespannt sein. Mehr über den Autor im Interview: http://montechiaro.blogspot.de/2014/03/autoreninterview-mit-paul-senftenberg.html

    Mehr