"Es gibt einen kurzen Zeitraum im Leben eines jeden Menschen, in dem sein Charakter für immer festgeschrieben wird." (George Orwell)
George Orwells bzw. Eric Arthur Blairs (so sein bürgerlicher Name) Charakter wurde in den Jahren 1922 - 1927 festgeschrieben, als er mit 19 Jahren zur britischen Kolonialpolizei nach Burma ging, um dort seinem Land und König zu dienen. Doch er hadert mit seiner Entscheidung, die er scheinbar seinem Vater zuliebe getroffen hat.
Orwell entwickelt im Laufe seiner Jahre in Burma einen regelrechten Hass gegen die Kolonialherrschafft, den er allerdings für sich behält. Wie seine Landsleute über die Einheimischen reden und diese behandeln, so abwertend und unmenschlich, stößt den jungen Orwell ab. Er meidet seine Landsleute und verbringt seine Zeit lieber lesend und schreibend - allein.
Dieser Roman zeigt die Wurzeln von George Orwells späterem Schreiben, seine Abneigung gegen das Britische Empire, die sehr tiefgreifend ist. Allerdings hätte ich mir noch einen tieferen Einblick in die Psyche dieses sehr introvertierten jungen George Orwells gewünscht - es blieb in meinen Augen leider zu oberflächlich.
Paul Theroux liefert uns mit seinem neuen Roman "Burma Sahib" ein Buch, das mit "ein phänomenales Porträt des jungen George Orwell" beworben wurde, auf das ich daher auch sehr gespannt und neugierig war.
Leider konnte es mich nicht gänzlich überzeugen, was vor allem an den ständigen Wiederholungen lag, die das Buch unglaublich in die Länge zogen. Zudem wurde mir irgendwann bewusst, dass es sich hierbei wohl doch eher um einen fiktiven Roman handelt, als die tatsächliche Lebensgeschichte Orwells.
Natürlich sind auch viele historische Fakten im Roman verarbeitet, sei es Orwells schulische Laufbahn, als auch der familiäre Hintergrund seiner Familie mütterlicherseits und dass sein Vater vor seinem Ruhestand bei der Opiumbehörde in Indien gearbeitet hat. Ebenso wie seine Erkrankung und sein Ausscheiden aus dem Dienst.
Insgesamt ist das Buch zwar interessant geschrieben, lässt mich aber sehr unzufrieden zurück, ob seiner Langatmigkeit und dem Fakt, dass es zu viel Fiktion ist, wo ich mir doch mehr Hintergrundwissen erhofft habe.
Paul Theroux
Lebenslauf
Alle Bücher von Paul Theroux
Der Fremde im Palazzo d'Oro
Hotel Honolulu
Steve McCurry Lesen: Eine Leidenschaft ohne Grenzen
An den Gestaden des Mittelmeeres
Mutterland
Der alte Patagonien-Express
Es muss ein Zauber sein
Wiedersehen mit Patagonien
Neue Rezensionen zu Paul Theroux
Die Verwandlung des Eton-Absolventen und Kolonialpolizisten im Burma der 1920er Jahre in den schärfsten Kritiker unserer Zeit. Erzählt von Paul Theroux, Wegbegleiter von Bruce Chatwin und einer der großen Chronisten der Gegenwart. »Ein phänomenales Porträt des jungen George Orwell und eine schonungslose Darstellung des britischen Kolonialismus.« Publishers Weekly
»Es gibt einen kurzen Zeitraum im Leben eines jeden Menschen, in dem sein Charakter für immer festgeschrieben wird.« George Orwell Im Alter von neunzehn Jahren schifft sich der Eton-Absolvent Eric Blair im Herbst 1922 nach Rangun ein. In Burma soll er als Beamter der britischen Kolonialpolizei ausgebildet werden. Doch schon kurz nach seiner Ankunft kommen dem hochgewachsenen, scheuen jungen Mann Zweifel an seiner bevorstehenden Aufgabe. Er, der feingeistige Offiziersanwärter, verabscheut die Überheblichkeit und skrupellose Willkür der Briten, ihren unverhohlenen Rassismus. Blair wird unweigerlich zum Außenseiter, macht sich damit zum Gespött seiner Landsleute. Als er ins schwülheiße Schwemmland des Irawadi-Deltas versetzt wird, um Nachforschungen über den Tod eines Mannes anzustellen, überwältigt ihn das Gefühl, für seine Aufgabe als Kolonialpolizist nicht geschaffen zu sein. Und zugleich erschreckt und beschämt ihn, wie er beginnt, sich in die von ihm erwartete Rolle zu fügen. Die Erkenntnis, am Ende selbst zu den Unterdrückern zu gehören, schockiert ihn. Und er trifft eine folgenreiche Entscheidung.
Mitreißend taucht der große amerikanische Schriftsteller Paul Theroux ein in die Kolonialwelt Burmas. Und führt vor Augen, wie aktuell Orwells Bedenken über Kolonialismus und autoritäre Macht bis heute bleiben.
Vor Jahren gelesen, George Orwells Debütroman "Tage in Burma“, der 1934 erschien.
Abrechnung mit dem Kolonialismus Ein verheerendes Bild der britischen Kolonialherrschaft. Er beschreibt Korruption und imperiale Bigotterie.
Paul Theroux zeigt ein authentisches Bild von Burma und den sogenannten englischen "Herrenmenschen". Der Vergleich mit Orwells Roman läßt über den Wahrheitsgehalt nur Zustimmung zu.
Der Roman hat mich tief beeindruckt und mich wieder einmal über das Britische Kolonial-Imperium erschauern lassen.
Mehr als LESENSWERT
Die Buchlektüre lässt mich zwiespältig zurück.
Die Stärke des Reiseberichtes liegt darin, wenn der Autor zurücktritt und die Menschen von ihren Schicksalen erzählen lässt, was eine rührt und betroffen macht.
Schwierig wird es, wenn der Autor urteilt, besonders über seine Kolleg*Innen.
Und wie aussagekräftig ist das gezeichnete Porträt? Wo ist die Lebensgeschichte von (farbigen) Frauen?
Da der Autor für das schlechte Lektorat nichts kann, vergebe ich für das Zeitdokument 3,75 Sterne.
Gespräche aus der Community
Zusätzliche Informationen
Paul Theroux wurde am 10. April 1941 in Medford (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.
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