Paul Theroux Der Fremde im Palazzo d'Oro

(15)

Lovelybooks Bewertung

  • 12 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(2)
(6)
(2)
(5)
(0)

Inhaltsangabe zu „Der Fremde im Palazzo d'Oro“ von Paul Theroux

Taormina, Sizilien, Sommer 1962: Als ein junger Amerikaner auf Italienreise ein faszinierendes Paar kennenlernt, beschließt er, länger in dem malerischen Küstenort zu bleiben. Schnell verstrickt er sich in Sehnsüchte und Leidenschaften, die ihn gleichermaßen faszinieren und abstoßen. Ein Roman über die Macht der Erinnerungen, die ein Leben formen und prägen.

Dolce Vita mit Schattenseitenseiten im Italien der 60er Jahre.

— miss_mesmerized
miss_mesmerized

Stöbern in Romane

Sonntags in Trondheim

Geschichte mit skurrilen Charakteren, die sich gut liest und insgesamt unterhaltsam ist, das Lesen der Vorbänder allerdings voraussetzt

Buchmagie

Vintage

Ein Roadtrip voller cooler Details aus der Musikgeschichte, dazu spannend und ziemlich witzig.

BluevanMeer

Herrn Haiduks Laden der Wünsche

Irgendwie zauberhaft, obwohl mich die Protagonistin mit ihrer Naivität zum Ende hin zunehmend nervte.

once-upon-a-time

Underground Railroad

Ein ungeheuer beeindruckendes, in den Zeiten des neuaufkommenden Nationalismus und Rassismus überaus wichtiges Buch.

Barbara62

QualityLand

Eine humorvolle und ebenso beklemmende Zukunftsvision, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Dicke Leseempfehlung!

daydreamin

Die Phantasie der Schildkröte

Ein Märchen für Erwachsene, manchmal etwas zu übertrieben.

ulrikerabe

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Paul Theroux - Der Fremde im Palazzo d'Oro

    Der Fremde im Palazzo d'Oro
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    20. August 2016 um 09:48

    Der Maler Gilford Mariner musste 60 Jahre alt werden, um seine Geschichte erzählen zu können. Er reist zurück an den Ort, wo 1962 sein Leben eine entscheidende Wendung nahm. In Taormina auf Sizilien will er nochmals erleben, was sich damals abgespielt hat, als er als junger Student in Italien umherreiste und malte. Auf der Terrasse des Palazzo d’Oro beobachtet er ein ungleiches Paar, das auf ihn aufmerksam wird und ihn einlädt. Aus dieser kurzen Begegnung werden vier Wochen intensiven Zusammenseins, in denen Gil versucht, das Geheimnis der Gräfin und ihres Arztes Haroun zu erkunden. Vier Wochen, in denen er in eine ungleiche Affäre versinkt, die ihn anzieht und gleichzeitig abstößt. Diese reife Frau, die tagsüber so schroff und abweisend sein kann und nachts vor Sehnsucht bettelt und sich erniedrigt. Gil ist sich bewusst, dass sie ihn aushält, seinen Aufenthalt und neue Kleidung finanziert als Gegenleistung für seine Dienste und doch genießt er auch das süße Leben. Erst als er eine junge Amerikanerin trifft, gelingt es ihm, das Geheimnis der Gräfin zu lösen und sein eigenes Leben wieder zu leben.Was sich vordergründig nach einer unzählige Male gehörten, banalen Liebesgeschichte – oder eher einer aufgrund von Macht und Geld ungleich verteilten Affäre – anhört, gewinnt durch Therouxs Schreibstil ungeahnte Tiefe. Atmosphärisch gelingt es ihm die 60er Jahre auf Sizilien vor dem inneren Auge auferstehen zu lassen; leicht reist man in diese Zeit des rauschenden Lebens in Italien zurück, dass so viele Europäer und Amerikaner angezogen hat, um auch die Kriegszeit zu vergessen und das dekadente und sinnfreie Leben zu genießen. Davon träumt auch der junge Gil, der sich vom offenkundigen Reichtum angezogen fühlt, wo er doch sonst sehr spartanisch leben, reisen und essen muss. Auch wenn er das Verhältnis von Gräfin und Arzt nicht durchschauen kann, ist er bereit sich hinzugeben und auf das Spiel einzulassen, das sie mit ihm spielen. In ebendiesem Spiel gewinnt der Roman an Format. Zwei erwachsene Menschen, die das Leben, die Menschen und die gesellschaftlichen Mechanismen durchschaut haben und sie gnadenlos dieser bedienen, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Sie spielen nicht mit Gil, sie missbrauchen ihn, nicht nur physisch, sondern schlimmer noch: psychisch. Durch ihn erhalten sie ihren Beifall und Bestätigung. Er als Person ist irrelevant, nur das, was er darstellt, ist für sie wichtig: unbeschwerte Jugend, eine Leichtigkeit und Freiheit, die ihnen abhandengekommen sind. Auch wenn sie individuelle Charaktere sind, offenbart die Gräfin am Ende dem jungen Amerikaner, dass das Leben doch zyklisch verläuft und dass das, was er gerade erlebt hat, lediglich eine Wiederholung dessen ist, was sich seit ewigen Zeiten abspielt: der Traum von der ewigen Jugend, der Neid auf die Unbedarftheit der jungen Menschen, das, was man selbst in diesem Alter nicht schätzen konnte, weil man auf die älteren, ihre Macht und Reichtum blickte und so übersah, was man selbst hat.

    Mehr
  • Nicht meins.

    Der Fremde im Palazzo d'Oro
    Ritja

    Ritja

    20. July 2016 um 21:09

    Ich gebe zu, dass ich eine andere Geschichte erwartet habe. Theroux kann gut und anspruchsvoll schreiben, aber der Inhalt war leider nicht so ganz mein Geschmack. Die Sehnsüchte und Leidenschaften sind schon recht ausgefallen und teilweise hart. Ich hatte nicht so viele detaillierten Sexszenen und Anspielungen erwartet. Aber fast das ganze Buch drehte sich darum und nur ganz nebenbei hat man etwas von den Menschen und der Region erfahren. Die Charaktere sind mir fremd und fern geblieben, sie konnten mich nicht mitreißen oder begeistern. Theroux geht stark auf das Älterwerden und vorallem die Angst vor dem körperlichen Abbau und damit auch dem Verlust der Jugend ein. Trotzdem hat mich das Buch leider nicht so richtig angesprochen.

    Mehr
  • Schwüle Atmosphäre, gediegener Schreibstil...

    Der Fremde im Palazzo d'Oro
    Creed

    Creed

    17. June 2016 um 21:43

    Theroux, der als Schriftsteller von Reiseliteratur weltweit anerkannt und berühmt ist, veröffentlicht in Abständen auch gerne mal Romane. 2004 erschien in den USA sein Werk "Der Fremde im Palazzo d'Oro"...ein kürzerer Roman, der es aber durchaus in sich hat... Taormina, Sizilien, 1962. Ein junger Amerikaner lernt in einem mondänen Hotel ein interessantes Pärchen kennen, eine schöne deutsche Gräfin und ihren orientalisch wirkenden Begleiter. Der junge Mann nimmt das Angebot an, auf Kosten des Pärchen im Hotel zu logieren...natürlich ist besagtes Angebot nicht ohne Hintergedanken. Bald wird der Amerikaner in ein schwüles Spiel aus Sex, Leidenschaft, Abhängigkeit und Dominanz verwickelt... Theroux besitzt einen sehr gut lesbaren und durchaus anspruchsvollen Schreibstil; zum Glück, denn bei einem untalentierten Schriftsteller hätte der Plot schnell in platten, ordinären Krampf ausarten können. Wobei auch Theroux nicht gerade zimperlich ist, wenn es um das Beschreiben von Sexszenen geht...einige Leser haben in ihren Internetrezensionen geschrieben, dass sie das Buch als blanke Pornographie einstufen...etwas übertrieben, da der psychologische Anspruch der Geschichte deutlich überwiegt. Okay, vielleicht hätte Theroux auch mit etwas weniger obszönen Beschreibungen sein Anliegen verdeutlichen können, aber das ist (wie immer) Geschmackssache. Hervorragend und überraschend ist auf jeden Fall der Knalleffekt am Schluß des Buches, ein interessanter und perfider Ploteinfall. Fazit: Gut geschrieben, psychologisch interessant, erotisch und bizarr...für mich zumindest äußerst lohnend und unterhaltsam.

    Mehr