Paul Torday

 3.8 Sterne bei 122 Bewertungen
Autor von Lachsfischen im Jemen, Bordeaux und weiteren Büchern.

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Lachsfischen im Jemen

Lachsfischen im Jemen

 (66)
Erschienen am 01.04.2012
Bordeaux

Bordeaux

 (26)
Erschienen am 29.04.2010
Charlie Summers

Charlie Summers

 (17)
Erschienen am 16.03.2011
Lachsfischen im Jemen, 1 Blu-ray

Lachsfischen im Jemen, 1 Blu-ray

 (0)
Erschienen am 18.10.2012
Bordeaux

Bordeaux

 (1)
Erschienen am 01.07.2008
Lachsfischen im Jemen

Lachsfischen im Jemen

 (1)
Erschienen am 01.03.2007
The Irresistible Inheritance of Wilberforce

The Irresistible Inheritance of Wilberforce

 (3)
Erschienen am 03.09.2008
The Girl on the Landing

The Girl on the Landing

 (2)
Erschienen am 01.07.2012

Neue Rezensionen zu Paul Torday

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miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Breakfast at the Hotel Déjà vu: An ebook-exclusive novella" von Paul Torday

Paul Torday - Breakfast at the Hotel Déjà vu
miss_mesmerizedvor 2 Jahren

Ein einsamer Ort am Meer. Bobby ist geflüchtet vor der Welt, er will den Skandal, in den er als Politiker verwickelt war ebenso hinter sich lassen wie seine Krebserkrankung. An dem einsamen Ort blickt er zurück auf sein Leben, erinnert sich an seine Kindheit ohne Vater, seine Karriere als Politiker und diese unsägliche Geschichte, die ihn sein Amt gekostet hat. Mit seinen Memoiren will er der Öffentlichkeit zeigen, wie es wirklich war. Doch immer wieder wird sein Schreibprozess durch die Vorgänge im Hotel unterbrochen. Ein seltsamer Ort, an dem irgendetwas nicht stimmt.

Ein Buch voller Zeitsprünge zwischen dem Jetzt im Hotel und der Vergangenheit – fern in der Kindheit und gerade eben. Der Protagonist erzählt seine Geschichte und offenbart hierdurch das Machtdenken und die Uneinsichtigkeit so manches Politikers. Sein Weltbild ist grandios verschoben und offenbart wie weit sich die politische Klasse von den einfachen Bürgern entfernt hat. Dass an dem Hotel etwas Mysteriöses ist, merkt man sofort, nur bleibt vieles im Dunkeln, bis man schließlich alles in einem neuen Licht sieht.

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RosaEmmas avatar

Rezension zu "Bordeaux" von Paul Torday

Unaufhaltsamer Abstieg eines Software-Genies
RosaEmmavor 4 Jahren

Paul Tordays Bordeaux: Ein Roman in vier Jahrgängen zählt für mich zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Während der deutsche Titel den Leser zunächst mutmaßen lässt, dass es sich um eine originelle Geschichte zum Thema Wein handeln könnte, kann man beim englischen Originaltitel The Irresistable Inheritance of Wilberforce in keiner Weise darauf schließen.

Psychogramm eines Abhängigen

Der tiefgründige Roman, der so still und bedachtsam erzählt wird, berührt und bedrückt auf schleichende Weise, denn er entfaltet in schonungsloser Offenheit das Psychogramm eines Suchtkranken, der nicht nur sich, sondern auch andere ihm nahestehende Menschen mit in den Abgrund zieht. Torday erzählt die tragische Geschichte der Hauptfigur chronologisch rückwärts, von 2006 bis 2002, eine außergewöhnliche literarische Variante, die zwar am Anfang für den Leser etwas ungewohnt ist, aber den Spannungsbogen keinesfalls verringert.

Verfall eines Software-Genies

Der Protagonist von Bordeaux ist Frankie (Francis) Wilberforce, 37, einst ein Mathematik-Genie und erfolgreicher Softwareentwickler, jetzt ein körperliches Wrack, schwer gezeichnet von seiner Alkoholsucht. Die Geschichte, die in der Ich-Form aus der Perspektive der Hauptfigur erzählt wird, beginnt 2006, als Wilberforce auf dem Tiefpunkt seines Lebens angekommen ist. Völlig heruntergekommen vegetiert er in seiner teuren Wohnung in der Half Moon Street im exklusiven Londoner Stadtteil Mayfair vor sich hin, getrieben von seinen Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Der einzige ihm gebliebene Freund aus Universitätstagen, der Arzt Colin Holman, erklärt ihm ohne Umschweife, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat, wenn er nicht mit dem Trinken aufhört. Doch Wilberforce ist uneinsichtig und rasend wütend darüber, dass man ihn als Alkoholiker bezeichnet. In seiner Welt ist Wein kein Alkohol und er somit auch kein Alkoholiker, sondern ein Weinliebhaber, der am Tag 4 - 5 Flaschen - am liebsten Bordeaux - kostet und genießt.

Eine neue Welt: Francis Black und Londons Upper Class Söhne

Seine Liebe zum Wein entdeckt Wilberforce, der kontaktarme Workaholic, als er den kultivierten Francis Black, Weinsammler mit eigenem Weinshop und exklusivem Weinkeller, und dessen Freunde aus Londons High Society kennenlernt. Francis bringt Wilberforce alles bei, was er über Wein weiß - natürlich muss dieser ständig kosten, obwohl er Alkohol immer gemieden hat - und wird zu einem Freund, den Wilberforce nie hatte. Francis' oberflächliche Upper Class Bekannte eröffnen Wilberforce darüber hinaus eine völlig neue Welt, in der Arbeit keinen Platz hat, sondern nur das Vergnügen. Er fühlt sich frei und unbeschwert, wird zu Parties eingeladen und weiß zum ersten Mal in seinem Leben, was er mit seiner Freizeit anfangen soll.

Unaufhaltsamer Absturz

Er verliebt sich in Catherine, die zukünftige Frau eines der reichen Upper Class Söhne, und beschwört damit große Probleme mit seinen snobistischen Freunden herauf, die ihn hinter seinem Rücken als Mr. Nobody bezeichnen, wie er zu seiner maßlosen Enttäuschung mit anhören muss. Er beschließt, seine Firma zu verkaufen, um endlich frei leben zu können und um den letzten Wunsch des todkranken Francis zu erfüllen, nämlich das Grundstück inklusive Weinkeller und Weinshop zu erwerben. Doch dies ist der Anfang vom Ende. Wilberforce kann zwar Catherine für sich gewinnen, doch die Beziehung leidet mehr und mehr unter seiner alles dominierenden Trunksucht, die er als kultivierte Weinliebe abtut. Schließlich kommt es zu einer folgenschweren Katastrophe, die sein Leben radikal verändert, ihn aufrüttelt und sogar veranlasst, eine Therapie zu machen. Doch er hat sein Problem noch immer nicht erkannt und hält an seinem Lügenkonstrukt und zerstörerischen Selbstbetrug fest, bis nichts mehr von ihm übrig ist...

Zerstörerische Passion

Paul Torday entführt uns Leser in die Gedankenwelt eines Alkoholikers. Das ist schon eine gewaltige Herausforderung, denn wir geraten in einen Wirbelsturm von wirren Geschichten, Lügen, Erinnerungsfragmenten, aber auch von immenser Traurigkeit, Sinnleere und Einsamkeit, die nur mit Wein betäubt werden kann. Dank Tordays großartiger Erzählkunst gelingt es uns jedoch, dieses Wirrwarr zu entzerren und uns selbst ein Bild dieses verzweifelten, aber unbelehrbaren Menschen zu machen, dessen Untergang sich nicht aufhalten lässt. Doch Torday urteilt nicht - er mahnt auf seine eigene, leise Weise, in dem er versucht, uns einen Menschen näher zu bringen, der sehenden Auges seinem Verderben entgegengeht. Dies ist dem Autor meisterhaft gelungen, denn man mag Wilberforce verachten, aber es ist unmöglich, von seinem selbst gewählten Schicksal nicht berührt zu sein.

Paul Torday: Literarischer Spätzünder und Meister leiser Töne

Paul Torday war ein britischer Schriftsteller mit ungarischen Wurzeln, der 1946 in Croxdale/County Durham geboren wurde. Er studierte zunächst englische Literatur am Pembroke College in Oxford, wo er auch seinen Abschluss machte. Nachdem er zunächst das Familienunternehmen, das sein Vater und sein Onkel aufgebaut hatten, leitete, machte er sich später dann als Unternehmer sehr erfolgreich selbstständig. Erst in der Mitte seines Lebens widmete er sich dem Schreiben. 2007 gelang ihm im Alter von 61 der internationale Durchbruch mit der wunderbaren Tragikomödie Salmon Fishing in the Yemen (Lachsfischen im Jemen), die 2011 mit Ewan McGregor, Emily Blunt und Kristin Scott Thomas verfilmt wurde.

Schreiben im Wettlauf mit der Zeit

Als bald darauf Krebs bei ihm diagnostiziert wurde, was er jedoch nicht öffentlich bekannt machte, schrieb er im Wettlauf mit der Zeit. Er veröffentlichte nach seinem o.g. Debüt noch sechs Romane, die jeder für sich ein Meisterwerk sind und völlig unterschiedlichen Genres angehören. Ich habe sie alle gelesen und kann euch jeden Roman nur wärmstens empfehlen. Leider sind aber nur drei seiner Romane ins Deutsche übersetzt worden (Lachsfischen im Jemen, Bordeaux und Charlie Summers), was wirklich schade ist, denn gerade seine außergewöhnlich spannenden Romane wie The Girl on the Landing, More Than You Can Say oder sein letztes Werk Light Shining In The Forest gehen unter die Haut und verlangen dem Leser emotional einiges ab. Paul Torday starb 2013 in Northumberland im Alter von nur 67 Jahren. Was bleibt, ist sein einzigartiges literarisches Vermächtnis.

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Rezension zu "Salmon Fishing in the Yemen" von Paul Torday

Großartige Satire
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Der Fischereiexperte und Lachsangler Dr. Alfred Jones erhält eine Anfrage, die leichter nicht abzulehnen wäre: Er soll für Scheich Muhammad im Jemen ein Wadi zum Lachsfluss umbauen, sodass dort jederzeit geangelt werden kann. Der Scheich, passionierter Angler mit entsprechendem Grundbesitz in Schottland, hätte genug Geld, um seine Vision Realität werden zu lassen. Jones' Ablehnung folgt -Geld hin oder her- auf dem Fuß. Doch die zuständige Projektmanagerin Harriet Chetwode-Talbot ist ebenso hartnäckig wie die Vorgesetzten von Jones obrigkeitshörig sind. Von dem Lachsprojekt bekommen der PR-Berater des Premierministers sowie einige andere hochrangige Beteiligte in Behörden und Forschungszentren Wind. Ein solches Projekt, egal wie absurd, könnte für positive Nachrichten aus einem Nahostgebiet mit sonst eher negativer Presse sorgen. Jones wird infolgedessen kräftig unter Druck gesetzt, das Projekt anzunehmen.

Auf der einen Seite wird Jones nun zum Spielball politischen Kalküls, denn die britische Regierung will irgendwie von der Zusammenarbeit eines jemenitischen Scheichs mit britischen Experten profitieren. Aber sie will der Sache auf keinen Fall einen offiziellen Anstrich verleihen. Kurz nach Projektstart fliegt Jones also aus dem Forschungszentrum und wird fortan von der Immobilienagentur beschäftigt, die den Scheich in England betreut. Auf der anderen Seite wird er zum Verführten. Der Scheich, ein Ruhepol und ruhiger Mensch mit einem festen Ziel vor Augen, steckt Jones mit seiner absoluten Hingabe für das Lachsprojekt an.

In dieser erstklassigen Satire kommt niemand gut weg, nicht einmal Dr. Jones - wenn auch er der einzige ist, der an dem Projekt wächst und zu einem veränderten Menschen wird. Jones, ein kompetenter, aber schüchterner Mann, steht daheim unter dem Pantoffel. Verheiratet ist er mit seiner ehemaligen Kommilitonin Mary, einer hoch ehrgeizigen Finanzmanagerin, in deren Leben kein Platz zum leben ist. Sie ordnet alles ihrem Beruf unter und Alfred Jones hat "available" zu sein, wenn es ihr Terminkalender zulässt. Er wird gezwungenermaßen Werkzeuge für andere, macht die gesamte Arbeit und steht am Ende mit leeren Händen da (Mary im Prinzip ebenfalls, nur wird sie es nie merken). Er spürt den unfairen Usus, dass am Ende immer die Falschen den Hut nehmen müssen. Der charismatische Scheich, der schnell als positive Identifikation funktioniert hat, entlarvt sich bei guter Betrachtung auch nur als einer, der mit unfassbar viel Geld absurde Träume erfüllen will und Menschen nach Belieben steuert.

Das Buch spielt mit der alten Idee des Briefromans und setzt die gesamte Geschichte aus zum Beispiel Mails, Tagebucheinträgen oder Zeitungsartikeln zusammen. Nach etwa einem Viertel kommen Verhörprotokolle dazu. Dieser Kniff baut Spannung auf, denn er schickt die Ahnungen für ein ungeplantes und unangenehmes Ende vorweg. Mit ihrem jeweiligen Stil verraten die Schriftstücke viel über die Beteiligten. Nur vom Scheich gibt es keine eigenen Passagen, sodass Al Muhammad als einzige Figur ausschließlich durch die Augen seiner Kontakte gesehen wird und seine Faszination lange erhalten bleibt.

Torday hat eine sehr intelligente Satire auf eine opportunistische und damit unberechenbare Politik und Wirtschaft geschrieben. Der Stoff bot nicht nur anno 2011 die Grundlage für einen Film (berechtigterweise), sondern hat auch das Zeug, zum Klassiker unter den scharfzüngigen Analysen zu werden.


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