Kalifornische Jahre

von Paula Fox 
4,4 Sterne bei10 Bewertungen
Kalifornische Jahre
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Inhaltsangabe zu "Kalifornische Jahre"

Amerika 1940. Die USA sind im Begriff, in den Krieg einzutreten, in den Staaten wimmelt es von europäischen Emigranten. Die siebzehnjährige Annie Gianfala zieht von New York nach Kalifornien und versucht in dieser verrückten und orientierungslosen Welt zurechtzukommen, eine Welt voller Leere und brüchiger Figuren.

„Es sind die genauen Blicke auf die Menschen, auf ihre ebenso tristen Empfindungen wie bleibenden Sehnsüchte, die den besonderen Ton und Reiz dieser Autorin ausmachen." Süddeutsche Zeitung

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783833308291
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:510 Seiten
Verlag:Berlin Verlag Taschenbuch
Erscheinungsdatum:21.05.2012

Rezensionen und Bewertungen

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    michael_lehmann-papevor 6 Jahren
    Rezension zu "Kalifornische Jahre" von Paula Fox

    Orientierungslose Menschen

    Die Nase über Wasser halten, dies scheint die Hauptbeschäftigung der vielen Protagonisten des Buches von Paula Fox zu sein, die ich um die Hauptfigur des Romans, Annie, herum gruppieren, ihren Weg kreuzen, verschwinden, wieder auftauchen. Alle mir irgendwelchen Plänen, letztlich aber doch fast durchweg innerlich wie auf der Durchreise, eines verbindlichen, äußeren Rahmens beraubt in dieser Zeit um 1940 herum in Los Angeles, Hoffnungsort für viele, an dem Wellen von Emigranten aus Europa angespült wurden, die kommunistische Partei versucht, Fuß zu fassen und ganz allgemein jeder irgendwie Geld auftreiben muss und so mancher und manche den stillen Traum des Entdeckt-Werdens träumt.

    Natürlich trifft man hier und da im Buch auf die ein oder den anderen, der es „geschafft“ hat (und dennoch sich einreiht in diese innere Leere, die fast allen Figuren des Romans zu eigen ist).

    Und mitten drin Annie. Der Vater schon vor langem mit einer neuen Frau aus ihrem Leben verschwunden, die Mutter tot. Auf eine vage Hoffnung hin auf einen Mann Namens Walter, der sich als Seemann verdingt), reist Annie mit der einzigen Kleidung, die sie besitzt am Leibe, von New York nach Kalifornien, um Walter zu treffen. Richtet sich dort irgendwie ein, verbindet sich mit Walter, der fast umgehend wieder in See sticht und trifft Seite um Seite auf ein Kaleidoskop innerlich wie wild rudernd erscheinender Menschen mit diversen Macken, mit Schicksalen, mit um sich greifender Resignation.

    „„Mein Leben ist ein Schlamassel. Ich weiß nichts. Ich weiß nicht einmal, wie man sich die zähne putz. Es ist, als ob ich jeden Tag neu anfangen müssten, wie ein Neugeborenes. Man muss mich bei der Hand nehmen““, sagte sie (Annie) unglücklich.

    Aber eigentlich, sieht man es recht, ist es eher Annie, die in einer Aneinanderreihung von Episoden viele andere an die Hand nimmt. Sei es Jake, der sich in sie verliebt und ihr die Jungfräulichkeit nimmt, sei es Max, der als Parteifunktionär mehr und mehr in Zweifel gerät, seien es Mitbewohner, Freundinnen, sei es ihr reicher Onkel, der sie mit auf eine dekadente Party der Hollywoodgrößen nimmt. Es ist nicht viel, was Annie von all diesen Menschen dann für sich bekommt. Aber, ehrlich betrachtet, und dies ein Symbol, ein Bild für die gesamte Konzeption des Romans, auch Annie hat nicht wirklich viel, was sie zu geben vermag. Schlägt sich durch. Stellt ihren Körper zur Verfügung, einfach so. Das kostet sie nichts, denn sexuell empfindet sie nichts. Ein Bild für den Roman, denn in der Tiefe sind die handelnden Figuren kaum mehr zu erreichen und kaum mehr miteinander verbunden.

    „Die Menschen, denen sie begegnet war, waren wie Perlen an einer zerrissenen Schnur, die bewusstlos in Südkalifornien herumrollten“.

    Sprachlich ganz hervorragend mit detailreicher Bildsprache (bis hin zur Schilderung der Farbgebung von Fußsohlen) erzeugt Fox eine resignierende, trübe Atmosphäre des alltäglichen (Über-) Lebenskampfes. Es dauert allerdings lange, bevor ein Hauch von erkennbarer Struktur in all die Abläufe kommt, fast 200 Seiten lang wirkt der Roman wie unverbunden nebeneinander gestellte Episoden, die aus dem irgendwo kommen und in ein nirgendwo hineinfließen. Viele Figuren, viele Orte, Zeitsprünge, es ist anstrengend, zu folgen, um einigermaßen den Überblick zu behalten. Und lohnt sich zum Ende hinaus dennoch, wenn ein wenig mehr deutlich wird, wohin Annies innere Reise geht und sich in manchen der vielen Figuren doch erkennbare Entwicklungen zeigen.

    Intensiv dargestellt, in kleinste Nuancen hinein die Figuren ausleuchtend, stellt Paula Fox inneres, menschliches Zerfließen vor die Augen des Lesers und zeigt auf, wie haltlos der Mensch in sich werden kann, wenn die äußeren Rahmungen wegbrechen. Es ist nicht immer einfach, den roten Faden im Auge zu behalten und hier und da stehen die Ereignisse zu unvermittelt und unverbunden nebeneinander. Dennoch aber eine lohnenswerte Lektüre über den inneren und äußeren Überlebenskampf im Los Angeles der 40er Jahre.

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    Susanne-Henkevor 8 Jahren
    Rezension zu "Kalifornische Jahre" von Paula Fox

    „Als er sah, daß Annie stehengeblieben war, um den Jungen anzusehen, ergriff er mit zwei Händen ihren Arm und schüttelte sie. "Hör auf, Leute anzustarren!" sagte er laut. "Hör auf zu träumen!"“
    Annie Gianfala, die hier von dem arbeitslosen Schauspieler Walter Vogel ermahnt wird, ist erst gerade erst 17 als ihr Vater sie im Winter 1939 mit 50 Dollar allein in New York zurücklässt. Ziel- und mittellos, nutzt sie eine Mitfahrgelegenheit nach Kalifornien. Die USA stehen kurz vor dem Kriegseintritt und die Menschen leiden noch unter den Auswirkungen der großen Depression. Hollywood ist gerade erst dabei, seinen Ruf als Traumstadt zu begründen. Fünf Jahre bleibt Annie dort, hangelt sich von Job zu Job, geht eine kurze Ehe mit Walter Vogel ein und versucht, sich eine Vorstellung vom Leben zu machen. Aber vor allem hört sie nicht auf, Leute anzustarren, sondern begegnet den europäischen Emigranten und Zugvögeln aus allen Teilen Amerikas, die hier ihr Glück suchen, mit einer wunderbaren Mischung aus Unbedarftheit und scharfer Beobachtungsgabe.

    Mit ihren knappen, pointierten und feinfühligen Charakterzeichnungen entfaltet Paula Fox das Kaleidoskop einer bunt gemischten Übergangs-Gesellschaft. Der bereits 1971 erschienene, aber erst 2001 in Deutschland veröffentlichte Roman beeindruckt durch seinen Reichtum an Detail und seine erzählerische Kraft. Ein Meisterwerk!

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    P
    pearlavor 10 Jahren
    Rezension zu "Kalifornische Jahre" von Paula Fox

    großartig, erschütternde Entwicklungsgeschichte.

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    Boris
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    hannemas
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    Kurile
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    Trinchen82vor 4 Jahren
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    Buecherschmausvor 5 Jahren
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    BuecherDannyvor 8 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren

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