Paula Irmschler

 4.1 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Superbusen und Superbusen.

Lebenslauf von Paula Irmschler

Paula Irmschler, 1989 in Dresden geboren, zog 2010 für ihr Studium nach Chemnitz. Nach fünf mehr oder weniger erfolgreichen Jahren ging sie nach Köln, arbeitete dort als Garderobiere und schrieb eine Kolumne für "Intro". Seitdem veröffentlichte sie Texte in „Jungle World“, "Missy Magazine“, laut.de, „Musikexpress“, „Jolie" und hat seit 2017 eine Kolumne bei "Neues Deutschland“, in der sie meist über feministische Themen schreibt. Im Herbst 2018 wurde sie bei "TITANIC" als Redakteurin eingestellt und konnte ihren Garderobenjob endlich an den Bügel hängen.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Superbusen

 (1)
Neu erschienen am 19.06.2020 als Hörbuch bei Finch&Zebra.

Alle Bücher von Paula Irmschler

Cover des Buches Superbusen (ISBN: 9783546100014)

Superbusen

 (6)
Erschienen am 28.02.2020
Cover des Buches Superbusen (ISBN: B08B8V4514)

Superbusen

 (1)
Erschienen am 19.06.2020

Neue Rezensionen zu Paula Irmschler

Neu

Rezension zu "Superbusen" von Paula Irmschler

Frauenpower meets 90er vibes meets Girlband
-Leselust-vor einem Monat

Kurzmeinung:
Ich gebe volle 5 Sterne für Superbusen von Paula Irmschler, denn ich habe jede Seite geliebt. Die Geschichte steckt voller Studiumsnostalgie, Sisterhood, Musik, weiblicher Freundschaften und weiblicher Vorbilder. Und generell einfach jeder Menge Frauenpower. Das Buch lässt sich sehr schnell durchlesen und macht einfach Spaß. Es ist wirklich, wie es auf dem Cover steht: wie ein Gespräch mit der besten Freundin. Und wie nebenbei behandelt es noch jede Menge wichtiger Themen. Eine absolute Leseempfehlung von mir.


Meine Meinung:
Oh wie habe ich dieses Buch geliebt. Margarete Stokowski verspricht: "Paula Irmschler lesen ist wie Saufen mit der besten Freundin, aber ohne Kater." Und es stimmt.
Das Buch ist voll von Studiumsnostalgie, Sisterhood, Musik, weiblicher Freundschaften und weiblicher Vorbilder. Und generell einfach jeder Menge Frauenpower.
Es geht um Gisela, die eigentlich gar nicht Gisela heißt. Aber das ist eigentlich auch nicht so wichtig. Sie zieht von Berlin zurück nach Chemnitz und dort werden Erinnerungen an ihre Studentenzeit wach. In Rückblicken wird von ihrem Studentenleben, ihrern Freundschaften und natürlich von ihrer Band Superbusen erzählt.

In dem Buch steckt so unglaublich viel Nostalgie, von der ich mich gern habe anstecken lassen. Die Autorin und ich sind ungefähr ein Jahrgang und als sie von der Jugend der Protagonistin zwischen Britney, Backstreet Boys, Aqua, Bravo, Tattooketten und Lollis, die man in prickelndes Brausepulver tunkt schreibt, habe ich mich sofort in meine Jugend zurückversetzt gefühlt. Und einen weiteren super Nostalgieschub gab es, als sie vom Studentenleben schreibt. Vom Ausziehen bei den Eltern, einer neuen Stadt, neuen Freunden, politischen Diskussionen an klebrigen WG Küchentischen, von Pfeffi, von Parties, wegen denen man es nicht zur 9.15 Vorlesung schafft. Von Idealismus, dem Drang, die Welt zu verändern. Von Geldnot und ätzenden Nebenjobs.

Das Buch lässt sich sehr schnell durchlesen und macht einfach Spaß. Es ist wirklich, wie es auf dem Cover steht: wie ein Gespräch mit der besten Freundin. Es ist nicht gerade Hochliteratur, aber das will es ja auch gar nicht. Es ist einfach coole Unterhaltung mit Themen, die mich sehr interessiert und angesprochen haben. Denn es geht nicht nur ums Feiern und Musik.
Es geht auch um verschiedene Lebensentwürfe. Mit Partnerschaft, ohne. Mit Kind und ohne. Karriere. Um das auf der Suche Sein. Es geht um Menstruation, Sexismus, Übergriffe von Dozenten und fremden Typen beim Feiern. Um (ungewollte) Schwangerschaften und um politisches Engagement. Und es geht um Freundschaft und Zusammenhalt.


Dieses Buch kam für mich mit genau den richtigen Themen genau zur richtigen Zeit und war einfach die perfekte Lektüre für mich. Es hat mich wehmütig an meine Studentenzeit denken lassen (auch wenn die eigentlich noch gar nicht so lange her ist) und ich habe große Lust bekommen, sofort auch eine Band zu gründen. Und wenn das nicht klappt, dann doch wenigsten sofort meine beste Freundin anzurufen und gemeinsam eine "Gisela" auf tolle Frauenfreundschaften zu trinken.

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Rezension zu "Superbusen" von Paula Irmschler

Authentisch, ehrlich, feministisch, aber auch langatmig – konnte mich leider emotional nicht erreichen!
Lovely_Lilavor einem Monat

* Spoilerfreie Rezension! *

 ~ „Superbusen“ ist ein authentischer, ehrlicher und feministischer Roman, der aber leider auch sehr langatmig ist und mich weder fesseln noch emotional erreichen konnte. Gefallen haben mir der flüssige, lockere Schreibstil, die tiefgründige Verarbeitung von Themen wie Selbstfindung, Freundschaft, Studium, Depression und Rassismus, der Humor, die treffenden Beobachtungen, die erfolglose, aber sehr sympathische Protagonistin und die gelungenen Beschreibungen der Schauplätze. Einer feministischen Analyse hält „Superbusen“ zudem problemlos stand. Nicht überzeugen konnten mich die blassen Nebenfiguren, die fehlende Spannung, der schwierige Einstieg ins Buch und die Tatsache, dass ich mit dem Debüt einfach nicht warm geworden bin. Kurz: Eine klare Leseempfehlung gibt es von mir dieses Mal nicht – „Superbusen“ ist für mich ein Roman, den man lesen kann, den man aber nicht unbedingt gelesen haben muss. ~

 

Inhalt
 

In Paula Irmschlers Debüt „Superbusen“ geht es um Selbstfindung, Erwachsenwerden, Frauenfreundschaften, Musik, das WG-Leben – und um eine erfolglose Studentin und ihre Erlebnisse in Chemnitz.

 

Übersicht

Einzelband oder Reihe: Einzelband
Erzählweise: Ich-Erzähler, Präsens
Perspektive: männliche Perspektive
Kapitellänge: kurz
Tiere im Buch: + Es wird Fleisch gegessen und der Tod von Tieren wird erwähnt. Es werden keine Tiere verletzt oder gequält.
Triggerwarnung: Depression, Alkohol, Drogen, Sexismus, Rassismus, Rechtsextremismus;

 

Warum dieses Buch?
 

Die positiven Besprechungen im Feuilleton und das Thema „Chemnitz“ (über diese Stadt hört man ja nicht viel Gutes) haben mich neugierig gemacht!

 

Meine Meinung

 

Einstieg (1 Lilie)

 

Schon lange ist mir der Einstieg in eine Geschichte nicht mehr so schwergefallen wie bei diesem Roman. Es dauerte viele Kapitel, bis sich überhaupt einmal ein gewisser Lesefluss einstellen wollte – und so richtig ins Buch gefunden habe ich bis zum Schluss nicht.

 

Schreibstil (3 Lilien)

 

„Als Kind spielte ich mit meinen Geschwistern „Der Boden ist Lava“, wobei man sich aufs Bett retten musste – mit Paul und über 20 Jahre später war nun das Bett selbst die gefährliche Zone.“ E-Book, Position 109

 

An sich hat Paula Irmschler einen einfachen, flüssig lesbaren, lockeren und oft mündlich geprägten Schreibstil, an dem es (bis auf den einen oder anderen etwas holprig klingenden Satz) nicht viel auszusetzen gibt. Leider konnte sie mich mit ihrer Art zu schreiben nicht fesseln – ich empfand ihren Erzählstil leider als sehr langatmig. 

 

 

Idee, Inhalt, Themen & Ende (3 Lilien)

 

„Auf dem Chemnitzer Sonnenberg kann man sich quasi Paläste leisten, es steht genug leer, man muss nur vorgeben, sich mit den im Viertel vorherrschenden Nazis arrangieren zu können, und abends aufpassen. Aber das ist hier normal.“ E-Book, Position 449

 

 „Superbusen“ ist ein Roman mit autobiographischen Einflüssen über das Erwachsenwerden, die Unsicherheit in den Zwanzigern und die Stadt Chemnitz, die ihren extrem schlechten Ruf nicht verdient, sondern durchaus auch schöne Seiten zu bieten hat. Thematisch stehen das Leben als Studierende_r, als WG-Mitbewohner_in und als Mitglied einer Band, Liebe und  Freundschaft, aber auch ernste Themenbereiche wie Depression, Stagnation, finanzielle Not (und ausbeuterische Jobs), Rassismus und Sexismus im Mittelpunkt. Beschreibungen der rechtsextremen Szene in Chemnitz und Giselas Teilnahme an linken Gegendemonstrationen nehmen ebenfalls einen großen Teil des Buches ein – die Schilderungen von gefährlichen Heimwegen und der Angst vor den Neonazis sind beklemmend und erschreckend. Ihre Themen behandelt die Autorin mit angemessener Tiefe. Ich liebe die treffenden Beobachtungen und Beschreibungen des Studienalltages! Zudem fand ich die gesellschaftskritischen und gleichzeitig lustigen Songtexte der Band großartig! Trotzdem ließen mich Irmschers Schilderungen (bis auf eine sehr berührende Szene gegen Ende) auf seltsame Weise kalt, der Roman konnte mich leider emotional nicht erreichen. 

 

Das Buch wird oft als humorvoller Pop-Roman beschrieben – und tatsächlich gibt es einige Referenzen zur Popkultur (z. B. Britney Spears). Allerdings fand ich die lustigen Szenen eher sparsam gesät und das Buch stellenweise sehr deprimierend. Gisela scheitert immer wieder, kann sich nicht aufraffen, nicht entscheiden, ist unglücklich, wirkt wie gelähmt. Aus diesem Grund sollten Menschen mit depressiven Verstimmungen meiner Meinung nach eher nicht zu diesem Buch greifen, da es einen beim Lesen doch sehr runterzieht – zumindest habe ich das so empfunden. Das Ende ist meiner Meinung nach gut gelungen – auch wenn es mir nicht lange in Erinnerung bleiben wird. 

 

Das gleiche Problem, das ich schon mit Saša Stanišićs „Herkunft“ hatte, habe ich auch mit „Superbusen“. Man merkt dem Buch seine autobiographischen Einflüsse an, und die eigene Lebensgeschichte ist natürlich immer interessant, leider gelingt es Paula Irmschler aber nicht, ihre Geschichte so aufs Papier zu bringen, dass auch ich (als fremde Person) sie spannend finde. Ich wurde leider nicht so richtig mit dem Buch warm.  

 

Protagonistin & Figuren (4 Lilien & 2 Lilien)

 

„Ich ging auf die Realschule, weil da meine Geschwister waren, und dort fand ein schneller Wechsel von Miteinanderspielen zu Miteinandersaufen und Miteinandergehen statt.“ E-Book, Position 634

 

Mir war Gisela, eine erfolglose, unentschlossene Studentin der Politikwissenschaften, von Beginn an sympathisch. Besonders gefallen hat mir an ihr ihre gnadenlose Ehrlichkeit, wenn es um eigene Schwächen geht. Das fand ich sehr erfrischend! Anstatt sich zu rechtfertigen, steht sie z. B. einfach zu ihrer Faulheit. Mir hat auch gefallen, dass sie sich verletzlich zeigt und offen über ihr geringes Selbstbewusstsein, ihre psychischen Probleme und Fatshaming spricht. Auch ich habe manchmal Selbstzweifel und fühle mich wie eine „Loserin“, diese Lektüre hat mir jedoch gezeigt, dass ich mein Studium (trotz meiner Neigung zum Prokrastinieren) eigentlich bisher ganz gut hinter mich gebracht habe. Ich war beim Lesen oft einfach nur dankbar, dass ich nicht an ihrer Stelle bin. Stellenweise tat sie mir echt leid und ich wollte sie einfach nur in den Arm nehmen – hinter ihrer (an der Oberfläche) oft unbekümmerten Art verbirgt sich nämlich eine große Traurigkeit. 

 

Die anderen Figuren blieben leider zum Teil sehr blass, was ich schade fand. Da ich das Buch nur häppchenweise lesen konnte, habe ich teilweise sogar Charaktere miteinander verwechselt. Durch die nicht wirklich gelungene Figurenzeichnung konnte ich leider nicht so intensiv mit ihnen mitfühlen, wie ich mir das erhofft habe. Giselas Freund_innen blieben mir leider bis zum Schluss fremd, ihr Schicksal war mir egal. 

 

Spannung (1 Lilie) & Atmosphäre (4 Lilien)

 

Die größte Schwäche des Debütromans ist meiner Meinung nach der Mangel an Spannung. Ich empfand die Geschichte als unglaublich zäh und langatmig, sodass ich mich leider durchgequält und immer wieder mit dem Gedanken gespielt habe, das Buch abzubrechen. Aufgrund der positiven Rezensionen im Feuilleton und weil ich Angst hatte, etwas Wichtiges zu verpassen, hielt ich dann doch irgendwie bis zum Schluss durch – gerade so. 

 

Die Atmosphäre im Buch – die Beschreibungen von Chemnitz, des WG-Lebens, des Studierens – haben mir hingegen wirklich gut gefallen! Schnell werden die verschiedenen Schauplätze so vor dem inneren Auge lebendig.

 

Feministischer Blickwinkel (5 Lilien ♥)
 

Bechdel-Test (zwei Frauen mit Namen sprechen miteinander über etwas anderes als einen Mann): bestanden!
Frauenfeindliche / gegenderte Beleidigungen: Schlam++, Fo+++

 

Einer feministischen Analyse hält „Superbusen“ problemlos stand. Das Buch besteht den Bechdel-Test, ist eine Ode an Frauenfreundschaften, spricht unaufgeregt und feministisch über Abtreibung, Sexismus, Victim Blaming und Belästigung. Die beiden Beispiele für gegenderte Beleidigungen (Schlam++, Fo+++) unterstreichen die wichtige Botschaft. Natürlich bekommt der Roman bei diesem Unterpunkt absolut verdient alle Punkte!

 

Mein Fazit

 

„Superbusen“ ist ein authentischer, ehrlicher und feministischer Roman, der aber leider auch sehr langatmig ist und mich weder fesseln noch emotional erreichen konnte. Gefallen haben mir der flüssige, lockere Schreibstil, die tiefgründige Verarbeitung von Themen wie Selbstfindung, Freundschaft, Studium, Depression und Rassismus, der Humor, die treffenden Beobachtungen, die erfolglose, aber sehr sympathische Protagonistin und die gelungenen Beschreibungen der Schauplätze. Einer feministischen Analyse hält „Superbusen“ zudem problemlos stand. Nicht überzeugen konnten mich die blassen Nebenfiguren, die fehlende Spannung, der schwierige Einstieg ins Buch und die Tatsache, dass ich mit dem Debüt einfach nicht warm geworden bin. Kurz: Eine klare Leseempfehlung gibt es von mir dieses Mal nicht – „Superbusen“ ist für mich ein Roman, den man lesen kann, den man aber nicht unbedingt gelesen haben muss.

 

Bewertung

Idee: 4 Lilien
Inhalt, Themen, Botschaft: 3 Lilien
Umsetzung: 3 Lilien
Worldbuilding: 4 Lilien
Einstieg: 1 Lilie
Ende / Auflösung: 3 Lilien
Schreibstil: 3 Lilien
Protagonistin: 4 Lilien
Figuren: 2 Lilien
Spannung: 1 Lilie
Atmosphäre: 4 Lilien
Emotionale Involviertheit: 3 Lilien
Feministischer Blickwinkel: 5 Lilien ♥


Insgesamt:

❀❀❀ Lilien

 Dieses Buch bekommt von mir drei Lilien! 

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Rezension zu "Superbusen" von Paula Irmschler

I‘ve been there, I‘ve done that
SternchenBlauvor 4 Monaten

Dieses Buch wird mit einem Zitat von Margarete Stokowski beworben, da vergleicht sie das Lesen von Irmschlers Texten mit dem „Saufen mit der besten Freundin“. Tatsächlich hatte „Superbusen“ auch für mich etwas sehr Vertrautes. Aber wirklich begeistern konnte mich das Buch dennoch leider nicht. Und das, obwohl Irmschler so viel richtig macht: Protagonistin Gisela und ihre Freund:innen verharren im Dunstkreis einer Hochschulbildung, die aber sie aber doch nur ins Präkariat führt. Sie reflektieren über Feminismus, feiern, saufen und gehen zu Anti-Nazi-Demos. Das sind alles Themen, die mich auch bewegen, und Irmschler hat immer wieder so tolle Formulierungen, die diese Sphäre trefflich beschreiben:

„Wir haben das schon Hunderte Male gemacht und gefühlt. Wir haben in dieser Küche gesessen, die Geschehnisse des Tages Revue passieren lassen, uns ausgekotzt, analysiert, was falsch gelaufen ist, uns über die Polizeistrategie und die Bürgerlichen beschwert, das Internet nach Reaktionen durchforstet, uns Videos von den Demos angesehen, bis das schrille männliche Videogebrüll nicht mehr zu ertragen war, haben gekifft und uns in Müdigkeit und Dummheit geflüchtet. Aber diesmal ist es anders. Wir haben geglaubt, es sei besser geworden. Aber es ist schlimmer.“

Manche Passagen fand ich unglaublich intensiv und anrührend. Dann gab es wieder eher ironische Beschreibungen von Chemnitz und dem Osten (klasse, dass der literarisch mal mehr Repräsentanz findet), die mich aber emotional dann nicht so packen konnten, obwohl ich sie schon witzig und treffend fand. So wie diese hier:

„Der Kaßberg ist das größte zusammenhängende ­Jugendstilviertel Deutschlands, Europas oder sogar weltweit. Man muss Chemnitz immer irgendwelche Superlative abringen, damit man sich als etwas Besonderes fühlen kann. Zum Beispiel hat Chemnitz auch die älteste Bevölkerung Deutschlands oder Europas…“

Ich habe bereits beim Lesen immer wieder überlegt, woran das liegt, dass mich das Buch nicht wirklich begeistern kann. Und da fiel mir immer wieder Stokowskis Freundinnen-Vergleich ein: Bei echten Menschen stehe ich jene Durststrecken durch, in denen man tausend Mal dasselbe hört oder sagt. Das mache ich nicht, weil das so sonderlich viel Spaß macht, sondern weil dort ein echter Mensch dahintersteht. Aber bei diesem literarischen Ich fehlt mit dafür etwas die Geduld und ihre Sorgen und Nöte konnten mich streckenweise nicht richtig packen. 

Wirklich, ich hätte das Buch von allen Grundvoraussetzungen her besser bewerten wollen, aber ich bin irgendwie wohl nicht mehr die Zielgruppe. Bitte nicht falsch verstehen, habe „Superbusen“ irgendwie auch ganz gerne gelesen. Ich kenne die Gedanken und Diskurse und ich habe mich auch oft wiedererkannt, auch wenn bei mir vieles nie so extrem war. 

Aber irgendwie trifft da bei mir die englische Floskel zu: „I’ve been there, I’ve done that.“ Auch die Selbstzweifel habe ich zum Glück doch weitgehend hinter mir gelassen, die Irmschler so pointiert formuliert:

„Nur daran kann es liegen. Wäre ich schlanker und schöner und zarter, würde sich Paul sicher mehr Mühe geben.“

Vielleicht kann ich auch einfach mit dem Genre des Pop-Romans wenig anfangen, weil ich den männlichen Pendants bislang auch wenig abgewinnen konnte: Die andauernden Referenzen, das Name-Dropping, bei dem ich mich dann gelegentlich unzulänglich fühle, wenn ich diese nicht kenne. Als Pop-Literatur liest sich „Superbusen“ für mich aus weiblicher Sicht wirklich deutlich angenehmer, weil es Irmschler nicht darum geht ihr Ego zu pushen.

„Sie standen die ganze Zeit bei mir, wir tanzten zur Blond-Version von »Feeling Myself« und lagen uns, nachdem die Bands durch waren und die DJs übernommen hatten, zu »Don’t Look Back In Anger« in den Armen. Chemnitz ist vermutlich die einzige Stadt, in der man das völlig unironisch noch tun kann. Und es ist nichts falsch daran.“

Dennoch wirkt es auf mich immer so, als müssten wir in stetiger Referenz zur Popkultur leben.

Ganz toll finde ich übrigens, dass Irmschler ihre Figuren sehr unkompliziert über Menstruation oder Schwangerschaftsabbrüche sprechen lässt. Solche Figuren brauchen wir in der deutschen Literatur noch viel, viel mehr.

Fazit

Irmschler macht sehr viel richtig, aber vermutlich bin ich einfach nicht mehr die richtige Zielgruppe. Ich schwankte zwischen 3 und 4 Sternen, letztlich hat mich „Superbusen“ über lange Strecken emotional nicht wirklich gepackt. Gerade für Frauen zwischen 18 und 30 ist „Superbusen“ aber sicherlich ein sehr wichtiges Buch.

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