Pedro Mairal Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra

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Inhaltsangabe zu „Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra“ von Pedro Mairal

Mit zwanzig Jahren fängt der stumme Juan Salvatierra an, sein Leben auf gigantischen Leinwandrollen festzuhalten. Die traumartigen Malereien ergeben ein riesiges, fast vier Kilometer langes Kunstwerk, das schließlich sechzig Jahre Leben am Grenzfluss zwischen Argentinien und Uruguay erzählt. Als Salvatierra stirbt, reist sein Sohn Miguel an, um das Kunstwerk des Vaters zu retten - doch die Leinwandrolle für das Jahr 1961 fehlt. Für Miguel beginnt eine abenteuerliche Suche: die nach dem Geheimnis seiner Familie. Pedro Mairals bildgewaltiger Roman erkundet die Verbindung von Kunst und Leben - und bietet zugleich subtile Einblicke in Vergangenheit und Gegenwart des Landes in Südamerika.

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  • Rezension zu "Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra" von Pedro Mairal

    Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra

    Leserrezension2010

    23. August 2010 um 12:12

    A102 Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra von Pedro Mairal Kategorie: Allgemein Vitale Anarchie Zu Pedro Mairals Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra Es ist das traurige und unvermeidliche Schicksal, das Familienmitglieder immer dann zusammenführt, wenn es jemanden zu betrauern gilt. Vor allem der Tod des eigenen Vaters bringt die Hinterbliebenen zur Realisierung der eigenen Sterblichkeit und zwingt sie zu einem widerwilligen Resümee des Lebens, während sie die persönlichen Gegenstände des Verstorbenen ordnen und sortieren. Im Falle des Erzählers und seinem Bruder Luis aus dem Roman Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra des argentinischen Autors Pedro Mairal findet der alltägliche Teil der Hinterlassenschaft ihres Vaters in einer einzigen Tüte Platz: “eine Uhr, ein Rasierpinsel, ein Kamm, sieben Hemden.” Der weitaus größere Teil des Nachlasses von Juan Salvatierra wartet jedoch in einem klapprigen Schuppen an einem nahe gelegenen Fluss: Vier Kilometer sorgsam bemalter und ordentlich aufgerollter Leinwände, wie Schinken von der Decke hängend und nach Jahren sortiert, die zusammen eine imaginäre Biografie ihres Vaters bilden, ein “intimes Tagebuch” und “eine illustrierte Biografie”, bei der sich der Autodidakt Juan Salvatierra selbst ausgespart und nur die Eindrücke seines langen Lebens, mit penetranter Vehemenz, Tag für Tag festgehalten hat. Die beiden Brüder, die sich über die Dauer ihres Lebens vom argentinischen Landleben an der Grenze zu Uruguay in die Innenstadt von Buenos Aires entwickelt haben, stehen vor einem Berg der Erinnerung, der ihres Vaters und der eigenen. So wird die Betrachtung der Gemälde für den Erzähler zu einer zweiten, wahrhaftigeren Begegnung mit seinem Vater, der sich seinen Jungen nie mitteilen konnte, weil er als Kind bei einem Reitunfall seine Stimme verloren, und auch vielleicht aufgrund dieser Stummheit das Bedürfnis hatte, sich in der Form seines unendlichen Bildflusses “selbst zu erzählen.” Die Brüder beschließen, dem Werk einen geeigneten Rahmen zu geben und verkaufen die Rechte an ein Museum in Europa, das einen Mitarbeiter schickt, eine digitale Kopie anzufertigen. Doch vorher gilt es noch eine Lücke zu füllen: das Jahr 1961 ist das einzige, das in der Reihenfolge der Rollen fehlt. So machen sich die Brüder daran, das fehlende Jahr aufzutreiben und spüren gleichzeitig den rätselhaften Ereignissen nach, die sich in diesem für sie erst unbedeutenden Zeitraum ihrer Kindheit abgespielt haben. Die Suche wird zu einem Sturz in die Vergangenheit und zur Geburt eines neuen Vaters, zur verqueren Wiedergeburt ihres eigenen Übervaters, der mit seinen romantischen Idealen die Leben der Söhne in tiefes grau getaucht hatte, indem er “alle verfügbare Farbe für sich beanspruchte”. Die Jungen fühlten sich in der Pflicht, alles mit der gleichen ausufernden und unmäßigen Art ihres Vaters “oder eben gar nichts zu tun”, was oftmals dazu geführt hatte, dass sie gar nichts taten, was bei ihnen irgendwann das Gefühl auslöste, “niemand zu sein”. Mit zwanzig fängt Juan Salvatierra mit seinem Gemälde an, getrieben von einem unbedingten Drang zu “vitaler Anarchie” und “glücklicher Abgeschiedenheit”. Eine erste Ausstellung seiner Werke bestärkt ihn in seiner Einstellung, nur noch für sich selbst zu malen, ohne sich ablenken zu lassen, an jedem einzelnen der gezählten Tage seines Lebens: “Der Mythos, der sich um Salvatierra aufbaut, wurzelt in seinem Schweigen”, sind die ersten Worte des Romans. Pedro Mairal sagte in einem Interview, dass er mit einigen befreundeten Schriftstellern daran arbeite, das vollständige Werk eines Dichters namens Cesar Mermet ans Licht zu bringen, der zu Lebzeiten nie etwas veröffentlichten wollte, aber nie aufgehört habe zu schreiben. Er wünsche sich, dass einiges von der Einstellung Mermets zum öffentlichen Leben in seine Figur des Juan Salvatierra eingeflossen ist. Pedro Mairal ist ein Meister der Lücken, der seinen Lesern gerne einen leeren Stuhl bereit hält. So zeichnet sich vor dem inneren Auge jedes einzelnen Betrachters ein anderer Roman, eine andere Suche, ein anderer Juan Salvatierra ab, das romantisierte Künstlerbild in Fleisch und Blut, das trotzdem die Sehnsucht nach den echten Typen in der Kunstwelt befeuert. Letztlich mag sich jeder Leser einen anderen, realen oder erdachten, Artisten als Salvatierra vorstellen, doch die menschliche Seite, die Mairal aus seiner Figur herausarbeitet, wie ein Bildhauer aus einem groben Felsen, wird jeden Leser gleichermaßen berühren. Es ist diese Wärme, die der Figur des Salvatierra ihr Profil verleiht und dieses Buch zu einem großen “kleinen” Roman macht. Roberto Bolaño fand, schreiben solle immer auch ein Akt der Menschlichkeit sein. Und diese kann sich auch in den kleinen Irrtümern eines langen Lebens verstecken.

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