Peer Meter

 4.3 Sterne bei 87 Bewertungen
Autor von Haarmann, Gift und weiteren Büchern.
Peer Meter

Lebenslauf von Peer Meter

Der deutsche Schriftsteller Peer Meter wurde 1956 in Bremen geboren. Nach seiner Ausbildung zum Verlagskaufmann gründete er eine Verlagsdruckerei und 1976 den Comic-Verlag Com-Mix, wo auch seine ersten Comics erschienen. Für seine Graphic Novels wurde er 2010 und 2012 für den Max-und-Moritz-Preis nominiert. Seine bekanntesten Werke sind „Haarmann“ und „Gesche Gottfried“, die spektakuläre historische Kriminalfälle behandeln. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Niedersachsen.

Alle Bücher von Peer Meter

Haarmann

Haarmann

 (38)
Erschienen am 30.09.2010
Gift

Gift

 (21)
Erschienen am 01.03.2010
Gift

Gift

 (8)
Erschienen am 12.03.2011
Gesche Gottfried

Gesche Gottfried

 (6)
Erschienen am 10.03.2010
Vasmers Bruder

Vasmers Bruder

 (8)
Erschienen am 25.02.2014
Böse Geister

Böse Geister

 (6)
Erschienen am 01.03.2013
Die Verhöre der Gesche Gottfried

Die Verhöre der Gesche Gottfried

 (0)
Erschienen am 18.01.2013

Neue Rezensionen zu Peer Meter

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katzenminzes avatar

Rezension zu "Gift" von Peer Meter

Eine runde Sache!
katzenminzevor 3 Monaten

„Wie kommt es, dass jede Hinrichtung uns mehr beleidigt als Mord?“
S. 190

Eine junge londoner Schriftstellerin ist beauftragt einen Reisebericht über Bremen zu verfassen. Als sie in der Hansestadt ankommt erfährt sie, dass dort am nächsten Tag eine Giftmörderin hingerichtet werden soll. Sie ist entsetzt. Zum einen über die Hinrichtung einer Frau als solches aber auch über ihre Taten. Wie kommt man dazu seine Eltern, seine Ehemänner, ja sogar seine eigenen Kinder zu vergiften? Und wieso wird eine Frau, die doch offenbar psychisch krank ist, mit dem Tode bestraft?

Schnell zieht auch unsere junge Erzählerin die Aufmerksamkeit auf sich. Eine allein reisende Frau? Ohne die Führung eines Ehegatten und auch noch mit beruflichen Ambitionen? Das sorgt für Unverständnis und Misstrauen. Vielleicht will sie gar ein Buch über die Mörderin schreiben! So muss sich die Schriftstellerin mit harschen Vorurteilen herumplagen und nebenbei das Gefühlschaos in Zaum halten, dass die Verurteilte Gesche Gottfried bei ihr auslöst.

Peer Meter hat eine wunderbare Erzählweise gefunden. Genauso fremd wie die Schriftstellerin kommt man als Leser in die Stadt und erfährt nach und nach mehr über Gesche Gottfried. Meter lässt verschiedene Leute zu Wort kommen, die mit dem Fall direkt zu tun hatten und versorgt den Leser so mit allerlei Informationen. Die Teile in denen die Gottfried selbst vorkommt sind besonders stimmungsvoll. Aber auch die Geschichte um die junge Erzählerin ist spannend! Beides zusammengenommen hat mich die Novel kaum aus der Hand legen lassen.

Und dann die Zeichnungen! Barbara Yelin hat hier wirklich großartige Arbeit geleistet. Das Highlight ist natürlich die farbige Kohle- oder Pastellzeichnung auf dem Cover. Eigentlich ist das Portrait recht schlicht und skizzenhaft, aber gleichzeitig sehr intensiv! Auch die Zeichnungen innen sind ganz in Kohle gehalten und haben etwas skizzenhaftes. Das mochte ich sehr gerne. In passenden Situationen sind die Figuren etwas überzeichnet, was ich hier sehr niedlich fand. Die ernsteren Szenen sind schlicht gehalten und spiegeln die bedrohliche Stimmung wieder. Es erstaunt mich fast, wie sehr mir die Zeichnungen letztlich gefallen haben, weil ich beim ersten durchblättern eher skeptisch war. Davon ist aber nichts mehr übrig geblieben.

Wie auch schon bei Peer Meters "Haarmann" ist die Geschichte mit Originaltexten aus den Verhörprotokollen gespickt. Und es gibt am Ende einige kurze Informationen zu den historischen Persönlichkeiten, die in Buch auftauchen. Das rundet die Geschichte wunderbar ab. Für mich war es ein spannendes und erstaunlich nachdenkliches Leseerlebnis mit eindrucksvollen Bildern, Köpfchen und Gefühl. Ganz toll!

Kommentare: 3
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MilaWs avatar

Rezension zu "Gift" von Peer Meter

eindrückliches Gesellschaftsbild
MilaWvor einem Jahr

„Von Anfang an war es nicht mein Wille, dass er sterben sollte, drum gab ich ihm zum Sterben nicht genug. Ich wusste aber wohl, dass er sterben müsste, wenn er zu viel von dem Gift bekommt. Gewöhnlich gab ich eine Messerspitze. Aber an mehr als einer Messerspitze stirbt man. Mir war gar nicht schlimm dabei zumute. Ich konnte die Mäusebutter ohne die mindesten Gewissensbisse und mit völliger Seelenruhe geben. Es war mir als wenn eine innere Stimme mir sagt, ich müsse es tun.“


Inhalt:

Im Jahre 1831 wird in Bremen unter großem internationalem Aufsehen die letzte Frau hingerichtet. Gesche Gottfried hat gestanden 15 Menschen, darunter ihre Ehemänner, Kinder und Freundinnen, vergiftet zu haben. Die Stadt ist erschüttert, niemand kann sich die Beweggründe der Mörderin erklären, die ihre Opfer jahrelang selbstlos gepflegt hat. Auch eine junge Schriftstellerin, die eigentlich eine Reisebeschreibung über Bremen schreiben sollte, kann sich der Mischung aus Schrecken und Sensationslust nicht entziehen und findet sich in einer zutiefst beengten Gesellschaft wieder.


Meine Meinung:

Der Autor Peer Meter hat auch Sachbücher über den wahren Fall Gesche Gottfrieds verfasst, was man dem Text anmerkt. Die Zitate der Angeklagten sind aus den echten Prozessakten übernommen und es gibt auch am Ende eine weiterführende Erklärung des Falles, der bis heute Rätsel aufgibt. Barbara Yelin illustriert die Geschichte mit düsteren, skizzenhaft wirkenden Bildern.

Es wird nicht versucht, den Fall aufzuklären. Gesche Gottfried bleibt ein Rätsel. Was die Autoren allerdings eindrücklich zeigen, ist die beengte patriarchalische Gesellschaft mit ihren vielfältigen Zwängen. An der Frage, ob Gesche Gottfried eine geldgierige, kaltblütige Mörderin oder eine psychisch Kranke ist, erhitzen sich die oftmals bigotten moralischen Gemüter. Geheime Prozessakten werden gewinnbringend verkauft, Gottfrieds Anwalt handelt zutiefst widersprüchlich, Ärzte gaben falsche Todesursachen an und es wird immer klarer, dass die Behörden bei der Aufklärung der Morde komplett versagt haben.

Es geht nicht wie in vielen Kriminalgeschichten darum, den Täter oder die Täterin zu finden, sondern um die Hilflosigkeit im Umgang mit einer Verbrecherin, die scheinbar ohne erkennbares Motiv handelt. Und gerade das macht die Besonderheit des Werkes aus.

Eine sehr lesenswerte Graphik Novel, die ein eindrückliches Bild der gesellschaftlichen Situation der Zeit zeichnet.

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Archers avatar

Rezension zu "Haarmann" von Peer Meter

"Kriminal" Haarmann
Archervor einem Jahr

Hannover, zwischen Ende des 1. Weltkrieges und 1924. Weimarer Republik, ausgeblutetes Volk, Typhus, Hunger, Abgestumpftheit prägen diese Zeit. Alle sehen zu, dass sie irgendwie über die Runden kommen, die meisten mehr schlecht als recht. Zu dieser Zeit tauchen so viele Knochen in der Leine auf, dass sie irgendwann abgelassen wird, um diese Sache zu untersuchen. Und bald steht fest - es sind menschliche Überreste. Jemand bringt Leute um. Dieser Jemand - damit spoilere ich nicht, da es den Tatsachen entspricht - heißt Fritz Haarmann und ist Polizeispitzel, was es ihm erleichtert, auf dem Bahnhof junge Männer anzusprechen und mit nach Hause zu nehmen. Er hat Sex mit ihnen, bringt sie um und verkauft dann ihr Fleisch an Nachbarn und ein Wirtshaus, auch die Sachen der Ermordeten finden dankbare Abnehmer. Lange Zeit geht er fast unbelästigt seinen grausamen Taten nach, geschützt durch unglaubliche Zufälle und geschützt durch die Polizei selbst, die einen "guten" Spitzel nicht verdächtigen will.

Eine Graphic Novel, die sich mit einem Serienkiller beschäftigt? Kann man da der Materie überhaupt gerecht werden? Man kann. Und das sehr gut. Bezeichnend für diese Geschichte ist wohl, dass hier nicht nur das reißerische Hauptaugenmerk auf dem Killer liegt. Tatsächlich erhält der seine Charakterstudie dadurch, dass mit ihm interagierende Personen durch ihre Handlungen und ihr Denken Haarmann besser beschreiben, als das durch den intensiven Fokus auf ihm selbst geschehen könnte. Die Geschichte ist sehr gut ausgefeilt und wird durch die Superzeichnungen getragen. Im Innenteil des Buches gibt es Kurzbeschreibungen all seiner Opfer (auch wenn die Story der Beschreibung des Friedel Rothe widerspricht) und am Ende gibt es auch noch einmal eine Kurzzusammenfassung zu Haarmann und der Zeit, in der er agierte. Eine empfehlenswerte GN, düster, beklemmend und man fragt sich manchmal, wer das Monster ist: derjenige, der tötet oder diejenigen, die durch ihre Gier, ihre Selbstzufriedenheit und durch ihre Arroganz den Morden Vorschub leisteten.

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