Peggy Hohmann

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Peggy HohmannDer grüne Palast
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Der grüne Palast
Der grüne Palast
 (63)
Erschienen am 10.03.2017

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Rezension zu "Der grüne Palast" von Peggy Hohmann

Der grüne Palast
Klusivor einem Jahr

Das Konzept dieses Romans ist außergewöhnlich, denn er besteht komplett aus Briefen. Anfangs war ich skeptisch, da ich mir überhaupt nicht recht vorstellen konnte, dass man in so einen reinen Briefroman Spannung und Leben bringen kann. Ich wurde hier eines Besseren belehrt, denn es ist der Autorin perfekt gelungen, die gesamte Handlung im Briefverkehr diverser beteiligter Personen unterzubringen, ohne dass es künstlich oder gar langatmig wirken würde. Ein Großteil der Briefe ist von Erzherzogin Leopoldine von Österreich an ihre geliebte Schwester Marie-Louise, Herzogin von Parma, Napoleons zweite Ehefrau, gerichtet.
Auch die anderen Korrespondenzen drehen sich in der Hauptsache um Leopoldine und ihre bevorstehende Heirat mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro. Die portugiesische Königsfamilie weilt jedoch in Brasilien, und daher wird auch Leopoldine dort hin reisen. Bei ihrem Aufbruch in das ferne Land möchte die junge Frau ihre engste Vertraute, Gräfin Lazansky, nicht missen. Diese wiederum unterhält einen regen Briefwechsel mit ihrer Schwester, der sie alles, was sie bewegt, anvertraut und mit Fürst von Metternich, der die Gräfin verehrt und umwirbt. Eine weitere wichtige Person des Romans und ebenfalls in den regen Briefwechsel eingeschlossen, ist Marquis de Marialva, Diplomat am königlichen Hof von Lissabon.
Ich hatte mich schnell an den Aufbau des Buches gewöhnt, das aus 185 Briefen und so auch aus 185 kurzen Kapiteln besteht. Anfangs habe ich die wörtliche Rede vermisst und befürchtete schon, dass das Fehlen von Dialogen den Roman womöglich unpersönlich erscheinen lassen könnte, aber dem war ganz und gar nicht so. Die Briefe, vor allem Leopoldines, sind sehr intensiv. Sie schüttet ihrer geliebten Schwester ihr Herz aus und vertraut ihr ihre Sorgen und so manche Heimlichkeit an. Ihre Ehe steht unter keinem glücklichen Stern, und dazu kommt, dass Leopoldine im lauf der Zeit entdeckt, dass in Brasilien, diesem wunderschönen und üppig grünen Land, so einiges im Argen liegt. Zu ihrem Entsetzen muss sie feststellen, dass hier die Sklaverei noch nicht abgeschafft wurde. Mit ganzem Herzen setzt sie sich für die Menschen ein, die im Elend leben. Bei ihrem Mann stößt sie mit ihren Anklagen und Forderungen auf taube Ohren.
Der Roman hat mein Interesse an den betreffenden Personen geweckt, und ich habe mich auch darüber hinaus mit dem Leben Leopoldines befasst. Die Autorin hat sich in weiten Teilen an die historischen Tatsachen gehalten und nur einige Änderungen vorgenommen, aus dramaturgischen Gründen, wie sie im Nachwort schreibt. Die meisten Charaktere der Geschichte hat es wirklich gegeben, so sind beispielsweise auch die Gräfin Lazansky und der Marquis de Marialva reale Personen, denen die Autorin jedoch ein fiktives Privatleben zugedichtet hat. Auch hatte Leopoldine in Wirklichkeit mehr Kinder als im Roman angegeben. Im großen und ganzen kann man sich sehr gut in die Handlung hinein versetzen, und an Leopoldines Schicksal habe ich großen Anteil genommen. Sie macht im Lauf der Jahre in Brasilien eine enorme Wandlung durch. Aus dem unbeschwerten und ein wenig naiven jungen Mädchen wird eine selbstbewusste, starke Frau, die weiß, was sie will, sich auch schon mal in die Politik einmischt und die sich für die Schwachen einsetzt, wo immer sie kann.
Mit der Gräfin Lazansky hat der Roman eine zweite, starke Frauenfigur. Lange Zeit ist sie die engste Vertraute an Leopoldines Seite, bis die beiden Frauen getrennt werden, aus Gründen, die ich hier nicht weiter ausführen möchte, um nicht zu viel vorab zu verraten.
Die Handlung und somit auch die verschiedenen Briefwechsel ziehen sich über mehrere Jahre hin. Hier habe ich es bedauert, dass die einzelnen Briefe nicht datiert sind, so dass man nie so recht wusste, in welchem Jahr sich das Erzählte abspielt. Aber das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt. Insgesamt ist „Der grüne Palast“ ein großartiger historischer Roman, der mir vor allem die politischen Zusammenhänge und die Beziehungen zwischen Österreich, Portugal und Brasilien zur damaligen Zeit sehr lebendig nahe gebracht hat.
Schon das Cover ist übrigens eine Augenweide. Der Kontrast zwischen mattem Hintergrund und spiegelglatt glänzenden Elementen ist sehr wirkungsvoll,und so gehört das Buch optisch zu den schönsten in meinem Regal.

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AenHens avatar

Rezension zu "Der grüne Palast" von Peggy Hohmann

Geschliffene Episteln zwischen Liebe und Politik
AenHenvor einem Jahr

Die Herrschaft Napoleons in Europa ist vorüber. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ist Geschichte. Der Wiener Kongress hat die territorialen Verhältnisse in Europa neu sortiert und geregelt. Federführend ein Mann: Fürst von Metternich. Seine Aufgabe und sein Interesse besteht auch danach, im Knüpfen günstiger Bündnisse für das Habsburgerreich. Und dabei ist eine Heirat nicht die schlechteste Idee – dies hat sich in der Vergangenheit schon gezeigt. Zum Glück hat Kaiser Franz I. noch einige unverheiratete Töchter aufzuweisen, und daher ist der Fürst auf diplomatischem Parkett unterwegs, um für die 19-jährige Leopoldine, den passenden Heiratskandidaten ausfindig zu machen. In Dom Pedro, dem Sohn des portugiesischen Königs scheint ein solcher gefunden. Nicht nur die Verquickung zweier Häuser lockt die Herren, auch die Tatsache, dass eben jener Kandidat in Brasilien residiert und dort umfangreiche Bodenschätze im Erdreich schlummern, macht die Verbindung auch in ökonomischer Hinsicht reizvoll.

Auf diesem Tableau entwickelt Peggy Hohmann einen wundervollen Briefroman, der von den Schriftwechseln der wichtigsten Protagonisten untereinander getragen wird: Erzherzogin Leopoldine, ihre Schwester Marie-Louise, Herzogin von Parma und ebenfalls „geschickt verheiratet“ mit Napoleon Bonaparte, Gräfin Lazansky, Erzieherin und Vertraute Leopoldines, Fürst Metternich und seinem diplomatischen Gegenstück aus Lissabon Marquis Marialva. In einer wundervoll ausformulierten Sprache verliert man sich schnell völlig in den kurzen oder längeren Episteln, deren Inhalt von amourösen Anbahnungen bis hin zu dem weltpolitischen Geschehen und den sozialen Verhältnissen in Brasilien reichen. Auf völlig beiläufige Weise erfährt der Leser so eine ganze Menge über die Politik jenseits des in den Geschichtsbüchern abgehandelten Stoffs zu Wiener Kongress und Kolonialpolitik und beleuchtet vor allem die Person Leopoldines, die, davon gehe ich jetzt einfach einmal aus, den meisten hierzuland unbekannt sein dürfte, in Brasilien aber bis heute tatsächlich eine historisch wertgeschätzte Person ist, die nicht unwesentlich zur Unabhängigkeit des Staates von der portugiesischen Krone beigetragen hat.

Fazit: absolute Leseempfehlung! Der oder besser die Briefwechsel ziehen den Leser völlig in den Bann mit ihrem hintergründigen, schlauen Witz, ihrer feinen, unerwarteten Poetik und ihren fesselnden Schilderungen der Ereignisse.

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spozal89s avatar

Rezension zu "Der grüne Palast" von Peggy Hohmann

Ein etwas anderer historischer Roman
spozal89vor einem Jahr

Die junge Gräfin Leopoldinde von Österreich soll 1816 an den portugiesischen Don Pedro verheiratet werden, um die politischen Beziehungen zu festigen. Dieser befindet sich allerdings in Brasilien im Exil und scheint nicht der umgänglichste Mann zu sein. Zusammen mit ihrer Hofdame Gräfin Lazansky siedelt Leopoldinde den weiten weg nach Brasilien. Ebenfalls mit von der Partie ist Fürst von Metternich, der diesen politischen Coup für den Fürsten von Österreich eingefädelt hat. Die Gräfin ist über diesen Reisebegleiter alles andere als begeistert, da Metternich als Frauenheld verschrien ist. In Brasilien angekommen, scheint alles erstmal heile Welt zu sein. Doch Leopoldine ahnt
nicht, wie sehr sich alles wenden wird.

"Der grüne Palast" ist erstmal ein wenig anders, als alle bisherigen historischen Romane die ich gelesen habe. Das komplette Buch ist in Briefform geschrieben. Auf so einen Erzählstil muss man sich einlassen, dann macht das Buch auch richtig Spaß.

Die Kapitel sind wegen der Briefform relativ kurz gehalten und lassen sich so auch hervorragend lesen. Man kommt gut bin, alles wird gut erklärt und zu keiner Zeit habe ich mich gelangweilt. Die Handlung war zudem auch schön spannend aufgebaut. Die jeweiligen Briefe werden sowohl von Leopoldine, als auch von der Gräfin, dem Fürst von Metternich, als auch von einem portugisischen Gesanden verfasst.

Trotz Briefform, fand ich relativ schnell zugang zu den einzelnen Charakteren und Leopoldinde mochte ich von Anfang an gerne. Wie stark sie diesen Lebenswandel mitgemacht hat, fand ich klasse erzählt.

Für mich auf jedenfall ein Buch, dass sich von der Masse abhebt und mich richtig gut unterhalten hat. Daher volle Sternezahl.

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