Pepin The Origins of AIDS

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „The Origins of AIDS“ von Pepin

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "The Origins of AIDS"

    The Origins of AIDS
    Code-between-lines

    Code-between-lines

    06. October 2013 um 09:30

    In seinem Buch, "The Origins of AIDS" fasst Jacques Pepin, Professor für Mikrobiologie und Infektionskrankheiten an der Universität von Sherebrooke (Kanada,)den heutigen Erkenntnisstand, zur Entstehungsgeschichte von HIV/AIDS zusammen. Dabei ist schon der Titel des Buches, in dem Pepin von "den Urspüngen" und nicht "dem Ursprung" von AIDS spricht, sehr zutreffend. Mir war vor der Lektüre dieses Buches nicht klar, wie multifaktoriell die Enstehungsgeschichte dieser Krankeit ist und wie viele unterschiedliche Faktoren neben der reinen Biologie/Epidemiologie des Infektionserregers dazu geführt haben, dass HIV zur größten dokumentierten Pandemie der bisherigen Geschichte werden konnte. In vierzehn Kapiteln beleuchtet Pepin die unterschiedlichen Faktoren und Gegebenheiten, die zur Entstehung von HIV und seiner anschließenden Verbreitung – zunächst innerhalb von Afrika, anschließend über den Ozean nach Haiti, fast zeitgleich in die USA und von dort nach Westeuropa und schließlich weltweit – geführt haben. Pepin erläutert umfassend, mit welchen Mitteln und Analysen gezeigt werden konnte, dass HIV-1 aus einem genetisch identischen Virus einer bestimmten Schimpansen-Unterart (P.t.troglodytes), welches (mehrmals unabhängig voneinander) auf den Menschen übertragen wurde, entstanden ist. Untersuchungen und wissenschaftliche Herangehensweisen, die das aktuelle Wissen über den Zeitpunkt und den wahrscheinlichsten Ort der Übertragung des Virus vom Affen auf den Menschen bilden, werden anschaulich und einfach nachvollziehbar erklärt. Dabei ist es dem Autor wichtig zwischen den Puzzlesteinen, die mittlerweile gut belegt sind, und jenen, die noch immer "nur" die aktuell plausibelste Theorie darstellen, zu unterscheiden. Weitere, z.T. historische, Erklärungsansätze zur Entstehung und Ausbreitung von HIV/AIDS werden diskutiert und, sofern mittlerweile möglich, vor dem Hintergrund der epidemiologischen und soziokulturellen Gegebenheiten widerlegt bzw. als mögliche Alternative aufgezeigt. Was das Buch für mich letzten Endes besonders interessant gemacht hat, ist die Tatsache, dass Pepin sich darin nicht nur den virologischen und epidemiologischen Erkenntnissen widmet, sondern auch die soziokulturellen und politischen Hintergründe des 20. Jahrhunderts, v.a. in Afrika, beleuchtet, die mit dafür verantwortlich sind, dass es zunächst zu einer lokalen Amplifikation des Virus in Afrika und später zu einer weltweiten Ausbreitung von HIV kommen konnte. Während das Virus und die Krankheit selbst eher nebenrangig sind, war es unglaublich spannend, beim Lesen zu erfahren, wie sich Informationen über die Kolonialgeschichte Afrikas, durch den Einfluss der europäischen Kolonialmächte veränderte Lebensumstände in den französischen und belgischen Kolonien, die Entwicklung dieser Länder nach ihrer Unabhängigkeit, gegen andere Krankheiten wie die Schlafkrankheit, Tuberkulose und Syphilis gerichtete Seuchenbekämpfungsmaßnahmen, die Globalisierung und der weltweite und dabei leider (zu) oft skrupellose Handel mit Blut und Blutprodukten zu einem Gesamtbild zusammensetzen, an dessen Ende die Entstehung der größten bisher dokumentierten Pandemie unabwendbar war. Pepin, der in den frühen 1980er Jahren selbst für 4 Jahre als medical officer in einem Buschkrankenhaus in Zaire gearbeitet hat und an Studien über Infektionskrankheiten in 16 afrikanischen Ländern beteiligt war, gelingt es auf fesselnde Weise, ein interessantes und umfassendes Bild vom Afrika des 20. Jahrhunderts – ein für mich wirklich nahezu unbekannter Kontinent – zu zeichnen. Wissenschaftliche Methoden, die zur Analyse der Ursprünge und Entstehungsgeschichte von HIV/AIDS herangezogen wurden, sowie zentrale epidemiologische Begriffe werden in einfachen Worten und in angemessenem Umfang erläutert, so dass sie auch für den Laien gut nachvollziehbar sind, das Lesen des interessanten Inhalts jedoch nicht trocken und theoretisch werden lassen. Eine absolute Leseempfehlung für jeden, der sich für die Entstehungs-Geschichte von Infektionserregern, aber auch für das Afrika des 20. Jahrhunderts sowie die infektionsbiologischen Wechselwirkungen in unserer zunehmend globalisierten Welt interessiert.

    Mehr