Per Petterson Ich verfluche den Fluss der Zeit

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Inhaltsangabe zu „Ich verfluche den Fluss der Zeit“ von Per Petterson

November 1989. Die Mauer ist gefallen, eine Ära geht zu Ende. Arvids Mutter erfährt, dass sie an Krebs erkrankt ist. Ohne ihren Mann und ihre erwachsenen Söhne möchte sie noch einmal in ihre Heimat, ins Ferienhaus auf Jütland. Arvid, der selber gerade ein großes Problem hat, er steht unmittelbar vor seiner Scheidung, fährt ihr einfach nach. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn war nie gut, Arvid war das Sorgenkind, ungeschickt und querköpfig. Nur in einer Sache fühlen sie sich verbunden, durch die Leidenschaft für Filme und Bücher. In raffinierten Rückblenden erzählt Per Petterson diese Geschichte von Mutter und Sohn, Alter und Jugend, Kränkungen und nachgetragener Liebe. Per Petterson evoziert mit wenigen Worten ganze Welten.

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  • Rezension zu "Ich verfluche den Fluss der Zeit" von Per Petterson

    Ich verfluche den Fluss der Zeit
    parden

    parden

    18. March 2012 um 14:27

    EIGENARTIG SPRACHLOS... November 1989. Die Mauer ist gefallen, eine Ära geht zu Ende. Arvids Mutter erfährt, dass sie Krebs hat, und beschließt, noch einmal ein paar Tage in der Heimat, in ihrem Ferienhaus auf Jütland zu verbringen. Weder ihren norwegischen Mann noch die erwachsenen Söhne will sie dabeihaben. Als Arvid ihr Hals über Kopf nachreist, fragt sie nur: "Bist du blank?" Aber der hat ein ganz anderes Problem, er steht unmittelbar vor der Scheidung. Immer war er das Sorgenkind der Mutter gewesen. Einer, der aus dem vertäuten Boot mit allen Kleidern ins Brackwasser fiel. Der auf Hochschule und Stipendium pfiff, um Schichtarbeiter zu werden, weil die Partei das empfahl. Der vom Sterbebett seines jüngeren Bruders davonlief und volltrunken die Rede zu Mutters fünfzigstem Geburtstag verpatzte. Und der, im Gegensatz zu seinem Vater, nicht mal einen Baum ordentlich fällen kann. Nur in einer Hinsicht fühlt sich die Mutter mit ihm verbunden: Er teilt ihre Liebe zu Filmen und Büchern. Es ist eine sehr schwierige Geschichte von Mutter und Sohn, eigenartig sprachlos ohne mitgeteilte Gefühle, die aber dennoch offenbar tief drinnen brodeln. Immer wieder erinnert sich Arvid in Rückblenden an sein Leben und immer wieder bleibt er seiner Mutter gegenüber sprachlos. Arvids Suche nach einem Kontakt zu seiner Mutter bleibt belanglos, man merkt ihm gar nicht an, dass er unter der Sprachlosigkeit leidet - und vielleicht weiß er es auch nicht. Und so kann er immer wieder nur mit einer Gedichtzeile von Mao, dessen Poster in seinem Zimmer hängen, sagen: "Ich verfluche des Fluss der Zeit." Die Furten in diesem Fluss zu suchen, Brücken über ihn zu bauen und es zu wagen, das andere Ufer zu betreten - es will ihm einfach nicht gelingen... Der nordische Rat hat in seiner Begründung für den Preis, den er dem vorliegenden Buch verlieh, geschrieben: "In seiner stillen poetischen Prosa zeigt Petterson wie schwer es uns fällt, anderen Menschen gerade die Dinge zu sagen, von denen wir spüren, dass sie am dringendsten gesagt werden müssen." Ja, darum scheint es in dem Buch vornehmlich zu gehen. Es nimmt einen mit auf eine melancholisch schöne Herbstreise, doch insgesamt empfand ich Sprache und Geschichte nicht annähernd so kraftvoll wie in Pettersons Buch "Pferde stehlen". Ich mag die Bücher von Per Petterson wirklich sehr. Auch dieses, auch wenn es für mich nicht sein stärkstes ist...

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  • Rezension zu "Ich verfluche den Fluss der Zeit" von Per Petterson

    Ich verfluche den Fluss der Zeit
    wiebeke

    wiebeke

    08. February 2012 um 21:19

    Ein anspuchsvolles (Titel)-Thema! Ein Buch von der Vergänglichkeit - vom Fluss der Zeit - von vergeudeter Zeit und von der vertanenen Chance, der zu sein (zu werden), der man eigentlich hätte sein wollen. Atmosphärisch melancholisch schön geschrieben, mit feinen Stilmitteln den ruhigen Fluss der (Lese)Zeit unterstreichenden auch überlangen Textpassagen wird Erinnerung sichtbar in nordisch karger Landschaft. Wird Lebenssehnsucht und Sprachlosigkeit in Worte gefasst. Wir erleben einen Abschnitt im Leben Arvids von seinen Jugendjahren bis zu seiner Scheidung. Leiden mit dem bedauernswerten Arvid, der mit seinem Leben in die falsche Richtung läuft und der sich fragt, ob er einen Sprung im Charakter hat. Arvid mit seiner verzweifelten Sehnsucht nach Anerkennung und nach Liebe von seiner sprachlosen, wenig liebevollen Mutter. Arvid, der keine Worte hat, der keine Gräben überbrücken kann, ja, der nicht erwachsen geworden ist und der geschieden wird. Was wird aus Arvid, wenn seine beiden "Säulen" weggebrochen sind? Wenn seine Mutter an Krebs gestorben sein wird und sein politisches Weltbild mit dem Fall der Mauer gefallen ist? Wir erfahren es nicht. Die Unwiederbringlichkeit der Zeit -die entschwundene Zeit - ein immer währendes Thema! 1908 schrieb Marcel Proust sein großes Werk: "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Proust ist in seitenlangen Sätze (Proustsche Perioden) detailverliebt mit sich und mit der verlorenen Zeit, die er meint vergeudet zu haben, beschäftigt. Auch bei ihm gibt es mit der Dreyfus-Affaire politisches Weltgeschehen, von der der Ich-Erzähler- auch hier von banalen Alltagsdingen eingenommen - erst später erfährt. Der letzte Band in diesem Klassiker ist : Die wiedergefundene Zeit. Proust vollendete es an seinem Lebensende.

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  • Rezension zu "Ich verfluche den Fluss der Zeit" von Per Petterson

    Ich verfluche den Fluss der Zeit
    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    02. September 2009 um 14:25

    Der 37jährige Arvid Jansen hat in seinem bisherigen Leben noch niemals wirklich Fuß fassen können. Seit seiner Kindheit fühlt er sich nirgendwo richtig zugehörig. In seiner Familie war er stets der Außenseiter und so war es nur eine Frage der Zeit bis, er in den 70er und 80er Jahren der kommunistischen Partei beitrat. Als er im November1989, einer Zeit der Umbrüche in Europa, von der schweren Krebserkrankung seiner Mutter erfährt, reist er ihr in das dänische Sommerhaus nach. Es bleibt zwar zwischen Mutter und Sohn weiterhin vieles unausgesprochen, doch ihre gemeinsame Leidenschaft für Bücher und Filme führt zu einer zarten, wenn auch verspäteten Annäherung. Per Petterson erzählt in kunstvollen Rückblenden und Zeitsprüngen vom Leben der Familie. Es sind die „kleinen Erlebnisse“, die durch diesen schweren Schicksalsschlag wieder zum Leben erweckt werden. Und so erinnert sich Arvid beispielsweise an eine Gedichtzeile von Mao Tsetung, einen Splitter seiner kämpferischen Vergangenheit: „Ich verfluche den Fluss der Zeit.“ Gerade diese schlichten Vorgänge, die Mutter und Sohn gemeinsam im Domizil in Dänemark erleben, machen das Buch so ergreifend. Petterson schreibt in einer stillen und poetischen Sprache von der Vergänglichkeit, dem Fluss der Zeit, der Melancholie und der tiefen Einsicht zweier wortkarger Menschen. Souverän, assoziativ und detailliert erzählt er von den wahren magischen Momenten des Lebens, den kurzen luziden Augenblicken des Glücks und den schweren, bewegenden Zeiten und Geheimnissen der menschlichen Existenz. Bereits nach den ersten Zeilen kann man sich diesem Buch nicht mehr entziehen und spürt sofort, dass hier ein Autor wirklich etwas zu sagen hat und die Tiefen des Lebens auslotet. Hier herrschen kein popkultureller Plapperzwang, keine chronische Infantilität und keine oberflächlichen Verblendungen. Hier wird ein Bild des menschlichen Lebens entworfen, denn die Zeit ist ein Maler und auch die Bilder des Lebens verblassen im Fluss der Zeit.

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