Thelonious „Monk“ Ellison ist Afroamerikaner, Literaturprofessor und Autor. Er schreibt intellektuelles Zeug, das niemand lesen will. Deshalb schludert er in seinem Ärger ein Buch aus der Gosse hin und nennt es „Fuck“ - als Parodie auf das, was für echte schwarze Literatur gehalten wird. Und hat damit einen Riesenerfolg. Ein interessantes Thema, das Everett für mich etwas zu wenig tief auslotet. Dafür geht es im Buch zu einem grossen Teil auch um die Familie von Monk (das Doppelleben des verstorbenen Vaters, das Verschwinden der Mutter in der Demenz usw.). Die Sprache fand ich manchmal etwas ärgerlich, weil sie zuweilen nicht wie Deutsch, sondern wie übersetztes Amerikanisch klingt. Und irgendwie witzig: ich fand „Fuck“, das als Buch im Buch enthalten ist, auch recht gut.
Percival Everett
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Quelle: Verlag / vlb
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Neue Rezensionen zu Percival Everett
Ausradiert war für mich ein Buch, bei dem ich etwas zwiegespalten zurückbleibe. Einerseits merkt man deutlich, wie klug, literarisch und pointiert Percival Everett schreibt. Andererseits fiel mir der Zugang zu dem Roman nicht leicht.
Der Schreibstil liest sich grundsätzlich flüssig, ist aber dennoch anspruchsvoll und stellenweise etwas sperrig.
Inhaltlich steckt viel im Buch. Es geht um Monks ambivalentes Verhältnis zu seinem Leben als Schriftsteller, um die Dynamiken in seiner Familie, um seine Mutter, die zunehmend Hilfe braucht, um verdrängte Familiengeheimnisse und um seine eigene Identität. Gleichzeitig ist Ausradiert auch eine bissige Satire auf den Literaturbetrieb und darauf, welche Geschichten Aufmerksamkeit bekommen – und welche nicht.
Viele Themen wirken auch heute noch aktuell, vielleicht sogar mehr denn je. Trotzdem blieb für mich einiges eher auf einer gedanklichen Ebene. Ich habe verstanden, was der Autor sagen wollte, emotional hat es mich aber nicht wirklich erreicht.
Schwierig fand ich zudem die längere Passage aus Monks eigenem Roman, in der sehr häufig das N-Wort verwendet wird. Mir ist bewusst, dass das satirisch gemeint ist, trotzdem war dieser Teil für mich unangenehm zu lesen.
Insgesamt ist Ausradiert für mich kein schlechtes Buch. Es ist klug, bissig und literarisch stark. Persönlich habe ich jedoch keinen richtigen Zugang dazu gefunden.
*unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar
Percival Everett lesen ist, wie eine Geschenkpackung zu öffnen: man weiß nie was einen erwartet. Dieses Buch hat mir wieder richtig gut gefallen, auch wenn ich die Erzählung, mit den verschiedenen Einschüben von Monks diversen Ideen nicht immer so ansprechend fand. Ist aber mal eine andere Art zu erzählen und es fiel mir leicht, mich darauf einzulassen, weil es in den Kontext der Geschichte des erfolglosen, aber ambitionierten Autors passt, der sich unbedingt abseits der Konventionen beweisen will.
Ich war überrascht wie sogartig mich die Erzählung rund um Thelonious direkt von Anfang an gefangen nahm. Ich gebe zu zum Beispiel den Inhalt seines Vortrag übersprungen zu haben, weil ich damit inhaltlich nichts anfangen konnte. Da dieser Exkurs aber, wie seine Romanideen losgelöst von der Handlung steht, macht es nichts aus. Und auch seine sonstigen Romanideen lesen sich nicht unbedingt ansprechend, was natürlich wieder den Kern der Geschichte untermauert, dass er einfach nicht für die Massen und nicht kommerziell genug schreibt. Ich fand das übergreifende Thema rund die Arbeit als Autor, der Erwartungshaltung der Leserschaft und dessen, was als kommerziell erfolgreich gilt, interessant angelegt.
Ein genialer Kniff war für mich die Geschichte in der Geschichte. Und die ist, wenn auch sehr klischeehaft angelegt, echt packend, auch wenn Mona selbst das nicht unbedingt eingestehen will.
Es geht innerhalb der Story zwar viel um Thelonious Arbeit als Autor, trotzdem ist das Buch über weite Strecken auch einfach eine Familiengeschichte. Und Thelonious Familie hält einiges an Tragödien bereit, sodass der Leser eigentlich nie zur Ruhe kommt.. Zwischendurch bekommt man das Gefühlt die einzige Person bei Verstand ist die Haushälterin, die scheinbar noch gerade rechtzeitig den Absprung schafft.
Everett lesen ist für mich immer so ein kleines Erlebnis für sich. Die Geschichte hatte wieder einiges an Skurrilität, aber hat irgendwie auch einen Nerv getroffen. Fands gut, werde mir jetzt auch die Verfilmung ansehen.
Gespräche aus der Community
Könnt ihr euch an Jim aus "Huckleberry Finn" erinnern? Dem preisgekrönten US-amerikanischen Schriftsteller Percival Everett ist mit "James" eine brillante neue Perspektive von Mark Twains Epos um Huck Finn und seinen Freund, den Sklaven Jim, gelungen. Draufgängerisch und gewagt, "James" ist ein Meisterwerk der gegenwärtigen US-amerikanischen Literatur! Seid ihr neugierig geworden?
Sehr spannender und rasanter Abschluss! Mir ging es einen kleinen Tick zu schnell, wenn ich ehrlich bin. Die Pace war in den anderen Teilen des Romans schon deutlich langsamer, aber irgendwie fand ich es auch passend.
An der Stelle, wo James Huck erzählt, dass er sein Vater ist, bin ich sehr hängen geblieben und musste viel darüber nachdenken. Ist er wirklich sein Vater? Sein Verhalten gegenüber seiner Frau und seiner Tochter ist so anders, allerdings auch nachvollziehbar anders, denn es ist ja eine sehr heikle Situation.
Nach wie vor finde ich es brillant, wie der Autor reale Persönlichkeiten und zum Teil auch ihre fiktiven Charaktere in den Roman integriert hat. Definitiv eins meiner liebsten Details!
Vielen Dank, dass ich hier mitmachen durfte :)
Zusätzliche Informationen
Percival Everett wurde am 22. Dezember 1956 in Fort Gordon (USA) geboren.
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