Perihan Magden

 4.1 Sterne bei 20 Bewertungen
Autor von Zwei Mädchen, Ali und Ramazan und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Perihan Magden

Zwei Mädchen

Zwei Mädchen

 (13)
Erschienen am 22.06.2008
Ali und Ramazan

Ali und Ramazan

 (5)
Erschienen am 14.11.2011
Wovor wir fliehen

Wovor wir fliehen

 (2)
Erschienen am 15.03.2010

Neue Rezensionen zu Perihan Magden

Neu

Rezension zu "Wovor wir fliehen" von Perihan Magden

Rezension zu "Wovor wir fliehen" von Perihan Magden
Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren

Das Erste, was auffällt, wenn man das Buch in den Händen hält, ist das wunderschöne Cover, so meine sehr subjektive Meinung. Danach der Titel, der schon das Thema gut zusammen fasst. Aber das weiß ich natürlich erst jetzt nach der Lektüre. Dann der Name der Autorin, ein ausländischer Name, der Exotik verspricht. Es ist ein türkischer Name, aber das erfahre ich erst, sobald ich durch die ersten Seiten blättere. Und dann: Bin ich in der Geschichte gefangen, wie eine Fliege im Spinnennetz. Ich will fliehen, weil das Gelesene weh tut, schockiert. Ich kann jedoch nicht aufhören zu lesen, weil die Geschichte mich fesselt und so gut geschrieben ist, dass ich es bereuen würde, nicht zu wissen, wovor Mutter und Tochter fliehen. Und sie sind schon seit über 10 Jahren auf der Flucht, leben ständig im nächsten Hotel, in einer neuen Stadt, in einem anderen Staat. Beide vermeiden, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, und die Tochter, die wie das Reh “Bambi” gerufen wird, darf nur äußerst selten mit anderen Kindern spielen. Weil die Mutter sehr oft depressiv ist, bleibt Bambi die meiste Zeit sich selbst überlassen und trainiert dann in den Hotelpools Schwimmen.

“Bambi” ist das Lieblingsbuch der Kleinstfamilie. Beide können nicht verstehen, wie die Rehmutter das Kitz Bambi alleine lassen konnte. Auch die Tochter hat Angst, dass ihre Mutter sie einmal verlassen könnte. Sie kennt ja niemand anderen. Andererseits hat die Jüngere auch Angst vor der Älteren und um die Ältere. Und wer hätte keine Angst, wenn er erleben müsste, wie sich die eigene Mutter mit den Fäusten auf den Kopf trommelt, mit dem Kopf gegen die Wand schlägt oder dem eigenen Kind droht: “Willst du, dass ich mir jetzt eines von diesen Augen rausschneide, um dich zu Vernunft zu bringen?” – und dabei ihr Messer aufklappt. Sobald die Mutter Dinge regelt, kann sie dabei sehr aggressiv werden und langsam aber sicher wird klar, warum das Zweiergespann überhaupt auf der Flucht ist. Aber keine Sorge: “Deine Mutter krümmt niemandem ein Haar, der es nicht verdient hat.” Doch irgendwann findet jede Flucht ihr Ende – und dort liegt die schreckliche Auflösung des Konflikts schon auf der Lauer.

“Wovor wir fliehen” ist ein Buch, das ich innerhalb von zwei Abenden verschlungen habe und das ich wärmstens empfehle!

Kommentieren0
7
Teilen
Gretas avatar

Rezension zu "Zwei Mädchen" von Perihan Magden

Rezension zu "Zwei Mädchen" von Perihan Magden
Gretavor 9 Jahren

"cigdem nimmt die ratschläge entgegen und schneidet sie mit ihrer kleinen schere in form. sie macht vögel daraus. passt sie ihrer eigenen meinung an. ohne behiyes ratschläge aber käme sie nicht zurecht. sie braucht diese bestätigung. dann vergisst sie sie wieder. besser gesagt: sie übersetzt sie in ihre eigene meinung."
.
"sie schauen auf den dahintreibenden müll. auf den mannigfaltigen bosporusmüll. sogar der ist schön. behiye zeigt handan einen bottich, der nicht weit vom ufer dahinschwimmt. einen perfekten bottich aus rotem plastik. ganz allein ist er auf der reise. nein, er verunstaltet das meer nicht. er verschönert es. der typische bosporusmüll. auch dieser bottich ist eben istanbulmüll. er verschönert das wasser des bosporus. istanbulisiert es. heute verschönert alles alles. so ist das heute."

Kommentieren0
19
Teilen
ZwergPinguins avatar

Rezension zu "Zwei Mädchen" von Perihan Magden

Rezension zu "Zwei Mädchen" von Perihan Magden
ZwergPinguinvor 9 Jahren

Behiye und Handan. Zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihre einzige Gemeinsamkeit: sie leben beide in Istanbul.

Als Behiye Handan kennenlernt, ist sie sofort beeindruckt von deren Schönheit, Unverdorbenheit und Kindlichkeit. Eine solche Art ist ihr fremd, stammt sie doch aus einer Familie, die so gewöhnlich ist und in der sie sich -ganz unverstandener Teenager- nicht wohl fühlt. Ihr Bruder ist ein dominanter Macho und ihre Mutter übermäßig besorgt und ziemlich hilflos im Alltag: sie kann nicht kochen, und bringt nur Chaos und Zerstörung in die Küche angesichts dessen sie völlig verzweifelt und machtlos ist…. Der Vater ist zwar da, spielt aber keine wesentliche Rolle.

Überhaupt verlässt die Erzählung dieses Familienelend recht schnell und zieht zusammen mit Behiye bei ihrer neuen Freundin Handan ein. Die beiden kennen sich zwar erst seit wenigen Tagen, doch hält eine eigenartige Faszination sie in Bann. Handan – der perfekte Gutmensch für Behiye, die schöne kleine Schwester, die beste Freundin und das Objekt ihrer Liebe. Handan geht es nicht anders, sie bewundert Behiye, ihre Lebensart, ihre Direktheit, ihren Mut zu tun, was immer sie will. Dabei stammt auch Handan keineswegs aus besseren Verhältnissen. Der Vater hat die kleine Familie verlassen, die Mutter hält sich mehr schlecht als recht mit Prostitution über Wasser…. sie sind ständig pleite und doch: Mutter und Tochter lieben große Shoppingtouren, bringen sich lieber neue Klamotten mit als den Kühlschrank zu füllen. Dass Behiye kochen kann und dies auch mit Hingabe für Handan tut, bringt ihr die Duldung der von Handans Mutter Leman ein. Aber das Verhältnis zwischen beiden bleibt angespannt. Behiye ist ein Eindringling und zugleich auch noch der Beweis für Lemans Unfähigkeit, alltägliche Dinge wie Einkauf und Putzen zu regeln.

Diese Spannungen und die tatsache, dass Behiye beim Abhauen von Daheim dem Bruder eine größere Summe Geld gestohlen hat, bringen sie und Handan in immer größere Schwierigkeiten…und es ist klar, dass die Situation auf Dauer unmöglich so bleiben kann.

Der deutsche Mittelschichtsleser mag befremdet sein: einerseits über die Verhältnisse in denen gelebt wird und andererseits über die eigenwillige Sprache. Eine Sprache, die aus vielen kurzen Sätzen besteht, die sich mit leichten Wortvariationen mehrfach wiederholen bevor die Handlung weitergetragen wird:
**********
Sie hat ihre Mutter aus vollem Hals angeschrieen. Und Schreien ist am gefährlichsten. Schreien ist am gefährlichsten. Am gefährlichsten ist Schreien. Aber jetzt ist es passiert. (S. 29)
**********
Ich ersticke. Ich werde ersticken. Ich halte dieses ständige Sachenkaputtmachen und das Geheule danach keinen Tag, keine Stunde, keinen Augenblick mehr aus. Ich halte es nicht mehr aus. “Mutter, ich halte das nicht mehr aus.” Das Weinen schwillt an. Es schwillt an. (S. 31)
**********
Beide Ausschnitte stammen aus einer Szene zu Beginn, als Behiye noch zu Hause ist und ihre Mutter mal wieder eine Art Nervenzusammenbruch in der Küche hatte… aber diese Art zu schreiben (wie man mir sagte typisch türkisch) zieht sich durch das ganze Buch und ist offenbar gewollt, wirkt aber anfangs etwas befremdlich. Ich fragte mich zunächst, wiesoe Orhan Pamuk die Autorin als eine der originellsten Schriftstellerinen unserer Zeit bezeichnen konnte, wie es auf dem Klappentext vermerkt ist, wo ich sie sprachlich erst auf einem eher niedrigen Niveau ansiedeln wollte und nur nicht wusste, ob das an der Autorin oder am Übersetzer lag.

Wie auch immer, der Stil ist uns Deutschen vielleicht fremd, aber zur Beruhigung sei gesagt, man liest sich ein und gewöhnt sich daran! Und schließlich steigert sich die Spannung zunehmen, dass man auf solche “Nebensächlichkeiten” nicht mehr so achtet, da der Inhalt im Vordergrund steht.

Abzug gibt es, weil meiner Meinung nach die Mordfälle im Buch nicht so richtig aufgeklärt werden. Da es immerhin drei (?) sind, die jeweils mit einer Leichenfund-Szene eingeführt werden, die mit der Haupthandlung nicht einmal die Figuren gemein hat, hätte ich schon gern gewusst, was es damit auf sich hat. Ich habe zwar auch so meine Theorien dazu, aber wie beim Film liegen mir offene Enden nicht so sehr am Herzen und ich bekomme gern eine Lösung präsentiert – speziell bei Mordfällen… nun muss ich mich auf meine Theorie beschränken.

Ein paar Worte noch zu den Personen im Buch: sie waren mir eigentlich alle recht unsympathisch. Die Mädchen: einerseits völlig naiv und weltfremd, dazu diese unbegreifliche Anziehung zwischen den beiden…. wie Schwestern? beste Freundinnen? Lesben? Vielleicht ganz gut, dass das so detailliert nicht beschrieben wurde, so kann man sich das aussuchen, was einem am besten zu passen scheint.
Die Mütter: lebensunfähig und offenbar nicht in der Lage, sich um den jeweiligen Haushalt zu kümmern. Da habe ich von den türkischen Frauen in meiner Umgebung aber ein deutlich besseres Bild. ;-) Klar, beide lieben ihre Kinder, aber das allein reicht ja irgendwie auch nicht. Ein Wunder eigentlich, dass Handan noch nicht verhungert ist!
Die Väter: glänzen durch Abwesenheit oder Bedeutungslosigkeit.
Die Jugendlichen: außer Behiyes Freundin aus Kindertage, Cigdem, spielen sie eigentlich keine Rolle und werden auch recht oberflächlich dargestellt. Sie hängen im Einkaufszentrum rum, kümmern sich um ihre Handys und die eigene Coolness, aber herzlich wenig um einander. Cigdem ist da noch am ehesten sympathisch, läuft Behiye aber wie ein Hund hinterher, obwohl sie auch wie ein solcher behandelt wird….

Stellt sich die Frage, muss man nicht mindestens eine Figur halbwegs sympathisch finden, um ein Buch zu mögen? Das dachte ich eigentlich immer. Und es hat sich auch oft genug bewahrheitet. Hier allerdings mache ich eine Ausnahme. Das Buch las sich nach den Anfangsschwierigkeiten sehr gut, es ist spannend und bringt auch eine ganze Menge rüber. Es wirft Fragen auf, die einen dazu bringen, sich mit der Kultur und der erzählten Geschichte auseinanderzusetzten. Schon wenn man sich fragt, warum ist das Buch eigentlich ein Kultbuch geworden? Was begeistert die Leute daran? Teiel ich diese Begeisterung? …. dann kommt man aus den Fragen nur schwer wieder heraus. Und es ist definitiv hilfreich für das Verständnis, wenn man sich “drüben” auf der anderen Kulturseite ein bißchen auskennt.

Kommentieren0
20
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 39 Bibliotheken

auf 2 Wunschlisten

von 2 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks