Pernille Tranberg

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Rezension zu "Mich kriegt ihr nicht!: Gebrauchsanweisung zur digitalen Selbstverteidigung" von Pernille Tranberg

Bis auf die tatsächliche Gebrauchsanweisung eher banal
JuliaBvor 6 Jahren

Wir alle surfen tagtäglich durchs Internet, suchen etwas bei Google, aktualisieren die Statusmeldung auf Facebook und stöbern bei den Neuerscheinungen bei Amazon. Dabei hinterlassen wir unbemerkt eine riesige Menge an digitalen Spuren, die alle genauestens beobachtet und registriert werden. Denn all diese Internetdienste sind zwar kostenlos, aber nicht umsonst. Viele Firmen leben davon, dass sie unsere Daten sammeln, auswerten und weiterverkaufen – und wir bekommen in der Regel nicht einmal mit, was genau da mit den Bruchstücken unserer digitalen Identität geschieht. Deshalb wollen Steffan Heuer und Pernille Tranberg uns die Augen öffnen und erklären, wie wir unsere Daten im Internet schützen können.

Ich bin definitiv nicht begeistert von diesem Buch. Schon die Aufmachung hat mich irritiert. Viele Fußnoten und (bei direkten Zitaten) Quellenverweise direkt im Text geben dem Buch zwar einen wissenschaftlichen Anstrich, stören aber den Lesefluss und sind bei einer „Gebrauchsanweisung“ auch eher unüblich. Zudem werden sie dem Recherche-Anspruch nicht gerecht, denn die Quellen werden nicht immer richtig genannt oder sind inhaltlich falsch zitiert. Teilweise scheinen sie willkürlich gesetzt, manchmal auch doppelt, an anderen Stellen dagegen vermisse ich sie. Zudem wäre es nett gewesen, den Informationsteil etwas knackiger zu präsentieren; klar formulierte und gegliederte Argumente wären nützlicher als seitenweise Zitate.

Auch inhaltlich dürfte das Buch wohl für viele Leser eine Enttäuschung sein. Wer sich der Problematik von Datenschutz im Internet auch nur halbwegs bewusst ist, kann über viele Beispiele nur den Kopf schütteln, weil sie entweder ziemlich banal oder dann haarsträubend grobfahrlässig sind. Dass Personalchefs Bewerber erst mal googeln, ist nichts Neues. Wer seinen Job verliert, weil er sich krank meldet, dann aber auf Facebook auf Partybildern zu sehen ist, ist selber schuld. Und dass man per Mail keine Passwörter oder sonstige streng vertrauliche Daten durch die Welt schickt, sollte man eigentlich auch wissen. Dafür fehlen eben jene Bereiche, wo ich gerne vertiefte Informationen gehabt hätte, wie etwa die Impressumspflicht für deutsche Blogger. Da wirkt der Ratschlag, möglichst oft Pseudonyme zu verwenden, eher lächerlich, wenn ich gleichzeitig gesetzlich verpflichtet bin, im Impressum nicht nur meinen vollen Namen, sondern auch noch die Adresse anzugeben. Nur das letzte Kapitel, in dem die Autoren konkrete Handlungsempfehlungen mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen geben, hat die Erwartungen, die ich an eine „Gebrauchsanweisung“ stelle, vollumfänglich erfüllt.

Konkret ist „Mich kriegt ihr nicht“ hauptsächlich nützlich für Leute, die sich bisher kaum Gedanken über Datenschutz im Internet gemacht haben, oder für Eltern, die selbst wenig online sind, aber gerne wissen wollen, was ihren Kindern da zustoßen kann. Dabei empfiehlt es sich allerdings, sich erst die praktischen Tipps anzuschauen und erst nachher je nach Bedarf einzelne Kapitel zu lesen. Und nicht zuletzt ist das Buch natürlich eine Fundgrube für Verschwörungstheoretiker, die am ständig mahnenden Unterton ihre wahre Freude haben werden...

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