Peter-André Alt Ästhetik des Bösen

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Inhaltsangabe zu „Ästhetik des Bösen“ von Peter-André Alt

Das Böse ist für die Literatur seit der Romantik ein Objekt der offenen Anziehung und lustvoll inszenierten Sympathie. Peter-André Alt erschließt in seinem Werk die Geheimnisse einer unmoralischen Literatur, die das Böse als ästhetisches Phänomen jenseits

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  • Rezension zu "Ästhetik des Bösen" von Peter-André Alt

    Ästhetik des Bösen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    12. November 2010 um 15:38

    Der Reiz des Bösen Jeder Schauspieler, der auf sich hält, betont, dass es einen hohen Reiz in sich trägt, die Figur des Gegenspielers, des Korrupten, des Verbrechers, des Bösen zu spielen. Hintergrund aller Schauspielerei aber ist und bleibt die Literatur, hier auch findet sich der Kern der Darstellung des Bösen durch die Jahrhunderte hinweg, von den alten Mythen der Bibel (Luzifer) bis hin zu modernen Thrillern (Das Schweigen der Lämmer). Während über lange Jahrhunderte das Böse in Mythen, Legenden, Fabeln und Lehrerzählungen konsequent als verachtenswertes und abschreckendes Beispiel seinen Platz fand, ändert sich dieses schematische Denken in der Literatur mit Einsetzen der Romantik. Das Böse findet seinen Platz im ästhetischen, in der anziehend-schauerlichen Betrachtung und Darstellung. Es ist nicht verwunderlich, dass in der Vielschichtigkeit des Bösen und in seinen differenzierten Erscheinungsformen faszinierende Elemente und eine Vielzahl von literarischen Stoffen enthalten sind (im Gegensatz zum oft eindimensional Guten). In den Sensationen des Verbrechens, den Schrecken der Gewalt, den Abgründen der Triebe finden sich jene Stoffe, die von Dostojewski bis Katzenbach und Harris ihren Niederschlag in anziehend –abstoßender Literatur finden. Dieser Seite der Literatur wendet sich Peter-Andre Alt, Professor für neuere deutsche Literatur in Berlin, in überbordender, vielfältiger, umfassender, immer aber vor allem sachlich fundierter Weise in bester Form zu. Ein solches Kompendium des Blickes auf das Böse in der Literatur lag bisher noch nicht vor, somit schließt Alt eine echte Lücke und dies mit Verve. Nach seiner Einleitung mit ihrem Blick auf die Genese des Bösen in der Literatur bis zur Romantik fächern sich seine Themen in voller Breit aus. Vom Vampirroman und der Poesie des Wahnsinns reicht der Bogen über die psychoanalytische Sicht und deren literarischer Verarbeitung bis hin zur „heiligen Pornographie“ und zum „Erzählten Krieg“ mit all seinen schonungslosen Schrecken, aber auch merkwürdigen Glorifizierungen. Ebenso breit wie die Betrachtung des Themas als solches ist der Blick auf die Schriftsteller. Goethe wie Kafka, Wilde wie Ernst Jünger, in den verschiedensten Ansätzen und Genres nimmt das Böse in konkreter Form ästhetisierend Gestalt an. Nicht nur in darstellender Form geht Alt der Frage nach, auch die entsprechenden Bewertungen sind Teil des Buches. Das Böse nach Auschwitz in der Literatur, wo sind die ethischen Grenzen nach dieser historisch-faktischen Verkörperung des Bösen, die nicht zuletzt durch literarische Verzerrungen ihr antisemitisches Menschenbild formten? Welche ethischen Normen bestimmen zudem das ethische Werturteil der postmodernen Literatur? Fragen, denen Alt sich stellt ohne selber eine exklusive Bewertung vorzunehmen getreu seines eher darstellenden Duktus im gesamten Buch. Das Buch setzt viel voraus an literarischer Kenntnis und literaturgeschichtlichen Zusammenhängen und ist weder sprachlich noch inhaltlich als einfaches Lesebuch zu nutzen. Als wissenschaftliche Betrachtung aber mitsamt den herausgearbeiteten Thesen zur Kultivierung des Bösen, zur Wiederholung als literarische Erscheinungsform des Bösen und in der Darstellung der Methode der Überschreitung anhand extremer Figuren bietet das Buch auf literaturwissenschaftlicher Ebene einen gehaltvollen und weiterführenden Beitrag zur Diskussion. Wissenschaftlich komplex, umfassend in seiner Vielzahl von Betrachtungswinkeln und in seiner Darstellungskraft fulminant bietet das Buch einen echten Gewinn zur literaturwissenschaftlichen Frage des Bösen in der Literaturgeschichte bis hin zum gegenwärtigen Status quo.

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