Die Themse

von Peter Ackroyd 
4,0 Sterne bei2 Bewertungen
Die Themse
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Inhaltsangabe zu "Die Themse"

Nach dem epochalen Werk über London folgt nun die große Biographie über die Themse
In Großbritannien ist Peter Ackroyd eine Institution. Mit seiner Biographie über London wurde er auch international bekannt. Nun stellt er diesem Standardwerk ein zweites zur Seite: die Biographie über die Themse, jenen Strom, an dem seit vier Jahrtausenden Menschen leben und der untrennbar mit der britischen Geschichte verbunden ist.
Mit gerade einmal 346 Kilometern ist die Themse ein vergleichsweise kurzer Fluss, und doch ist sie wie kein zweiter aufgeladen mit Geschichte. Sie ist Schauplatz mythischer, historischer, militärischer und kultureller Ereignisse. Ohne die Themse, so Ackroyd, wären London und das britische Empire nicht denkbar. Er folgt der Entwicklung des Flusses, von den Anfängen vor 170 Millionen Jahren über den Urwaldstrom bis zur Entstehung religiöser und weltlicher Macht an seinen Ufern. Mal still und melancholisch, mal kraftvoll und gewaltig nimmt die Themse ihren Lauf durch das Land und die Zeit. Sie ist gleichermaßen Verkehrsweg, Grenze, Spielplatz, Gosse und Machtträgerin.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783813503166
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:576 Seiten
Verlag:Knaus
Erscheinungsdatum:17.11.2008

Rezensionen und Bewertungen

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    Liisas avatar
    Liisavor 9 Jahren
    Rezension zu "Die Themse" von Peter Ackroyd

    Meine Vorfreude auf Peter Ackroyds neuestes Sachbuch »Die Themse - Biographie eines Flusses« war ganz und gar gerechtfertigt. Nach der Lektüre von Claudio Magris: »Donau - Biographie eines Flusses« kürzlich hatte ich zwar zwischenzeitlich etwas Sorge, dass auch Peter Ackroyd die Themse eher nur als roten Faden nutzen würde aber er legt tatsächlich eine echte Fluss-Biographie vor und zwar in der von ihm gewohnten Akribie und Ausführlichkeit.

    Gut 500 Seiten hat Ackroyd mit den Ergebnissen seiner gründlichen Recherchen gefüllt plus nochmals rund 60 weitere Seiten Anhang, der eine Reise von der Quelle bis zur Mündung enthält, mit kurzen Anmerkungen zu allen wichtigen Punkten, Ortschaften und Städten an den Ufern der Themse, einer umfangreichen Bibliographie und einem Verzeichnis aller erwähnten Personen, literarischer und historischer Werke, Zeitungen und Zeitschriften.

    Im Hauptteil des Buches nimmt Peter Ackroyd seine Leser mit zurück in der Zeit. Die Anfänge des Flusses vor 170 Millionen Jahren werden genauso dokumentiert, wie die ersten Ansiedlungen, die Zeit als die Römer bis zur Themse vorstießen, das Entstehen religiöser und weltlicher Machtzentren an den Ufern der Themse, das Aufkommen des Handels auf dem Fluss, die Auswirkungen der Industrialisierung auf den Fluss bis hin in unsere Tage.

    Ackroyd erzählt von heiligen Quellen, von der Verehrung heidnischer Götter an Gedenksteinen und -stelen, die mit dem Fluss in Verbindung gebracht werden, von der Verehrung christlicher Heiliger, die später mit dem Fluss verbunden wurden und den Kapellen, die ihnen zu Ehren an seinen Ufern errichtet wurden. Er berichtet von uralten Riten und Traditionen, die direkt mit der Themse zu tun hatten und haben und von Eremiten, die an ihren Ufern lebten.

    Die Leser erfahren viel über Fähren und Brücken über den Fluss, über die Fährmänner und Brückenwärter, später über Schleusen und Schleusenwärter, welche Gebühren erhoben worden oder warum nicht. Ackroyd stellt Familien vor, die an verschiedenen Abschnitten des Flusses noch heute ihren Lebensunterhalt verdienen, nachdem ihre Vorfahren das schon seit Jahrhunderten so getan haben und sich mit dem Fluss gewandelt haben. Berühmte und uralte Gasthäuser entlang der Themse werden ebenso vorgestellt.

    So wie die Themse verschiedene Gesichter hat, so verschieden sind auch die Menschen, die an ihren Ufern und in ihrem direkten Einzugsgebiet leben. Und Ackroyd spürt diesen Charakterzügen nach und erklärt, warum die Themse verschiedene Gesichter hat und wie sich das auf die Menschen ausgewirkt hat. Er erzählt von den vielen unterschiedlichen Berufen, mit denen die Menschen direkt auf oder an der Themse ihren Lebensunterhalt verdient haben oder noch verdienen, ebenso wie vom Flussrecht, das sich durch die Jahrtausende hindurch entwickelt und ausgeformt hat. Und wo es Recht gibt, gibt es auch Unrecht und so fehlen natürlich auch die Kriminellen nicht, die auf und an der Themse ihr Unwesen getrieben habe. Flusspiraten und Räuber, die über Reisende herfielen gibt es da, Hehler und Erpresser. Der Themse als Richtstätte widmet sich Ackroyd ebenfalls. Hexenprozesse, bei denen die Angeklagten in den Fluss getaucht wurden (wer es überlebte, galt als unschuldig), Gefängnisse an ihren Ufern, Ablegestellen von denen aus Verurteilte eingeschifft wurden um sie nach Australien oder sonstwohin nach Übersee zu deportieren, Marschen, in denen die Leichen von Häftlingen abgeladen wurden oder Galgen die dort errichtet wurden.

    Der Natur am, im und auf dem Fluss widmet sich Peter Ackroyd und erzählt von uralten Bäumen, herrlichen Gärten, von Schwänen und den vielen verschiedenen Sorten an Fischen, die es in der Themse gab aber auch von der Verschmutzung des Flusses - besonders mit Aufkommen der Industrialisierung - und dem daraus resultierenden Gestank, den Krankheiten und Seuchen, die damit zusammenhingen.
    Ein Fluss, der zu Zeiten als »Strom des Vergnügens« genutzt wurde und den die Menschen zu anderen Zeiten mieden, weil die Wasser schwarz und brackig vor Dreck, stinkend vor Unrat und Leichen waren.

    Selbstverständlich versäumt es Peter Ackroyd auch nicht in Literatur, Kunst und Musik auf Spurensuche zu gehen. Gedichte, die die Themse preisen, Lieder, die sie besingen und Gemälde die sie mal ästhetisiert mal realistisch darstellen werden genauso erwähnt wie volkstümliche Lieder und Feste die an ihren Ufern gesungen und gefeiert wurden und werden. Auch die Legenden und Mythen die an den Ufern der Themse entstanden sind fehlen nicht.

    Und um der schillernden sich wandelnden und doch sich treu bleibenden Themse gerecht zu werden fährt Ackryod danach damit fort von der Themse als »Fluss des Todes« zu erzählen. Ertrunkene und Ermordete, Obdachlose und Einsiedler die an ihren Ufern starben, Geisteskranke und Selbstmörder die in ihren Fluten untergingen, Themse-Hochwasser und -fluten, die die Menschen ins Verderben rissen ebenso wie kleinere und größere Unglücke mit Schiffen oder Booten auf dem Wasser.

    Mit all diesen Facetten des Flusses und des Lebens an seinen Ufern durch die Jahrtausende hindurch beschwört Peter Ackroyd wirklich eine echte Biographie der Themse herauf und lässt längst vergangene Zeiten wieder lebendig werden. Ich habe diese Biographie mit Begeisterung und großem Interesse gelesen und eine Menge dabei gelernt. Sicher ist dieses Buch kein Buch für die große Masse der Leser aber es wäre schade, wenn der Leserkreis wirklich nur ein sehr kleiner bliebe, denn Peter Ackroyd erzählt so lebendig und interessant, dass man manchmal glatt vergessen könnte, dass es sich um ein Sachbuch handelt.

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    Pelippas avatar
    Pelippavor 6 Jahren

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