Peter Boccarius

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Cover des Buches Michael Ende (ISBN: 9783957513670)

Michael Ende

 (0)
Erschienen am 18.01.2021

Neue Rezensionen zu Peter Boccarius

Cover des Buches Glanz und Elend des Giovanni Gozzi und seines Hundes Nickel (ISBN: 9783522703406)G

Rezension zu "Glanz und Elend des Giovanni Gozzi und seines Hundes Nickel" von Peter Boccarius

Absurder Roman
gerda_badischlvor 9 Monaten

Klappentext:

Was tut ein mittelloser junger Mann, wenn ihm unerwartet die größte Erbschaft Europas in den Schoß fällt? Was wird Giovanni tun? fragen die Journalisten in Paris und London, Berlin, Hamburg und Rom. Denn die Welt trägt Trauer: Renato Gozzi, der König der Geigenvirtuosen, ist tot. Nie wieder werden seine berühmten Teufelstriller erschallen, die ungezählte Menschen beglückten. Ein nicht enden wollender Menschenstrom folgt die Champs Elysees hinab dem Sarg mit der sterblichen Hülle des Künstlers ...

Tags darauf aber beginnnt die Suche nach dem Erben seiner Millionen. 

Dies alles bleibt dem beinahe schon achtzehnjährigen Giovanni Gozzi, dem vielleicht letzten Heiligen unserer Tage, dem Neffen des berühmten Geigers, in der Abgeschiedenheit seines einsamen Bergdorfes verborgen; ja er weiß nicht einmal, wer sein Erzeuger ist. Glücklich und bescheiden lebt er in der Obhut des Dorfpfarrers, der sich fürsorglich des vaterlosen Knaben angenommen hat, und frönt allein zwei Leidenschaften: der Lektüre lateinischer Kirchenväter und dem Lobpreis Gottes mit seinem herrlichen Tenor. 

Da erreicht ihn plötzlich ein Brief voll dunkler Anspielungen über seine Herkunft, das enorme Vermögen der Gozzi-Erbschaft wird ihm in Aussicht gestellt, und sein unschuldiges Glück hat ein jähes Ende. Mit zager Hoffnung im bedrückten Herzen verläßt Giovanni das Paradies in den Bergen. Keine Eva, sondern sein treuer Hund Nickel begleitet ihn auf dem Weg in die Stadt München. Die Pforten der Hölle tun sich ihm auf.

Giovanni forscht aber beharrlich nach seinem Erzeuger und gerät dabei in höchst verwirrende Abenteuer. 

Wer die Wahrheit dieser Welt darstellen will, kommt nicht umhin, heikle Tatsachen zu enthüllen. Dererlei kann natürlich nur, wer Leser hat wie Peter Boccarius, nämlich sittlich gefestigte, von denen man weiß: Nicht Lüsternheit wird ihr Auge durch die Kapitel jagen, sondern ihre Herzen bangen in reiner Menschlichkeit um den gefährdeten Jüngling Giovanni. 

Doch wird solchem Leser stolzer Lohn zuteil. Die großen Fragen des neuzeitlichen Menschen - Woher? Wozu? Wohin? - finden hier endgültige Antwort: im schallenden Gelächter eines grandiosen Höllenspektakels dieser Welt, vorgeführt von dem Simplicius Simplicissimus der Gegenwart, einem wahren Bajazzo der Sprache. 


Schreibstil:

Eigentlich ist hier nicht der Hans die Hauptperson, auch nicht sein Hund Nickel, sondern der auktoriale Erzähler, der sich oft seitenlang in der 2. Person an den Leser wendet, oder dem Leser in der 1. Person erzählt, wie er mühsam zu seinen Informationen gekommen ist. Vom Feeling her erinnnert mich das stark an Wolf Haas' Brenner-Romane*, allerdings ist die Sprache in diesem Fall eine oft sehr hochgestochen literarische, fast schon opernhaft anmutende. (die 2. Hälfte des Klappentexts gibt hier ein gutes Beispiel). Bitte versteht mich nicht falsch: der Autor beherrscht eine SEHR SCHÖNE Sprache. Manchmal klingt es wie Nietzsche. Manchmal auch wie schwulstige Heimatromane von 1940 und manchmal wie ein "heiterer Roman" aus dem Regal meiner Oma. Aber zumindest konsequent altmodisch.

 Und diese Sprache für Ironie zu missbraucht zu sehen ist ein ganz eigenes Lese-Erlebnis.

Nicht nur in der Erzählperspektive muss sich der arme Giovanni mit dem 2. Platz zufriedengeben. Auch die Geschichte schweift immer wieder ab von ihrer Hauptperson zu immer skurilleren Nebenpersonen und absurderen Themen. Es geht nicht wirklich um Hans und sein Erleben, sondern es geht darum den Leser zu verblüffen, zu erschrecken und zu erheitern.


Zitat:

(eine neu einstudierte Raubtier-Dressur im Zirkus. Hickel, der Dompteur, soll den Tiger Max hochstemmen)

"... Aber es gelang: Zentimeter für Zentimeter bekam der kleine Athlet das schwere Tier höher hinauf, und wenn Max auch zunächst über das unerwartete Manöver staunte, so gewann es ihm doch mit Zeit Freude ab; und er fauchte, wenn er oben war recht vergnügt.

Aber etwas fehlte diesem Dressurakt noch - der Pfiff, das Prickelnde, das Besondere. Bis den dreien ein Zufall half: Eines heißen Sommertags, an dem Hickel vom Biergarten zum Training kam, rutschte seine Hand beim Tigerstemmen ab, und sein kleiner Finger geriet in die Näe von Maxens Schwanzansatz. Nun kann ich nicht sagen, ob alle Tiger dort kitzlig sind - Max jedenfalls war es; und er antwortete auf die ungewohnte Berührung mit glucksendem Lachen. ..."


Mein persönliches Lese-Erlebnis:

Wolf Haas erzählt in der Sprache von Friedrich Nietzsche mit der Fabulierfreude eines Walter Moers ein Stück von Ionescu nach. 

Das ist wie ein heiß-kaltes Bad. Ich schwanke zwischen Begeisterung und dem Bedürfnis, das Buch in die Ecke zu pfeffern hin und her. Vermutlich will das der Autor auch so. Zugegeben, dieses Buch ist schon etwas ganz Besonderes, und hat eindeutig mehr Leser verdient. Aber für 5 Sterne fehlt mir dieses warme Gefühl im Herzen. Ich war manchmal wohl ein bisschen überfordert. Trotzdem:

EINDEUTIGE LESEEMPFEHLUNG FÜR FREUNDE ETWAS ANSPRUCHSVOLLERER LITERATUR!



*p.s. für alle österreichischen Leser (falls ihr ihn nicht eh schon kennt) heiße Leseempfehlung: 

https://www.lovelybooks.de/autor/Wolf-Haas/Auferstehung-der-Toten-46290937-w/


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