Peter Brown Der Schatz im Himmel: Der Aufstieg des Christentums und der Untergang des römischen Weltreichs

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Inhaltsangabe zu „Der Schatz im Himmel: Der Aufstieg des Christentums und der Untergang des römischen Weltreichs“ von Peter Brown

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  • Eine fundierte christliche Wirtschaftsgeschichte der Spätantike

    Der Schatz im Himmel: Der Aufstieg des Christentums und der Untergang des römischen Weltreichs

    michael_lehmann-pape

    22. May 2017 um 11:10

    Eine fundierte christliche Wirtschaftsgeschichte der SpätantikePeter Brown weiß, wovon er spricht und schreibt. Sein gesamtes Forschungsleben war geprägt durch seine Arbeit als „Althistoriker“. Antike, Spätantike, das römische Reich, das sind die zentralen Themen seines Werkes, die durchaus immer auch Bezüge zu religiösen Einflüssen aufweisen und der Übergang von der Herrschaft Roms hin zum „christlichen Abendland“, wie es sich später aus den Anfängen des Christentums in Rom entwickelte.Dieses nun vorgelegte, umfangreiche Werk (was dennoch sehr gut und flüssig zu lesen ist) bündelt in bester Weise die Ergebnisse von Browns Forschung und verfolgt akribisch die „Zeitenwende“ durch die Ausbreitung des Christentums, die Setzung desselben zur offiziellen Staatsreligion und damit auch der Wandel des Christentums von einzelnen, weitgehend verfolgen Anhängern und Gemeinden zur „staatstragenden Kraft, je zu einem eigenem geistlichen „Stand und Staat“ samt aller weltlicher Verflechtungen, die damit einhergingen.Was auch die Frage nach den nötigen Mitteln der sich entfaltenden „Kirche“ aufwirft. Machtfragen beschäftigten das Christentum ja schon früh (Paulus und Petrus, das Primat des römischen Bischofs u.a.). Doch mit wachsender Macht geht in der Regel wachsender materieller Bedarf und wachsender Reichtum einher. Was Brown minutiös im Buch nachvollzieht.Und was umgehend die Frage auch nach der „Ursprungsbotschaft“ stellt, denn materiellen Reichtum lehnt die Lehre Jesu vielfach (Aufruhr im Tempel) praktisch und theoretisch (Gütergemeinschaft urchristlicher Gemeinden in der Apostelgeschichte, das berühmte Gleichnis vom „Kamel und Nadelöhr) in den Evangelien ab. Wenn auch die alltäglichen Dinge auch der Apostel, bei aller unklaren historischen Quellenlage, durchaus mit einer gemeinsamen Kasse und Geld wohl zu tun hatte.Eine Auseinandersetzung, die gerade da begann, noch einmal und sehr weltlich drängend zu werden, als mit der Erhebung zur Staatsreligion und der damit einhergehenden Strukturen von Gemeinden und einer Kirche auch die Oberschicht Roms mehr und mehr sich dem Christentum zuwandte (und damit auch das Geld zu strömen begann).Der untersuchte Zeitraum reicht hierbei von der Mitte des 4. Jh. n.Chr. bis ca. 550, der Periode des Untergangs Roms.Dabei geht Brown zunächst auf die römische Gesellschaft im vierten Jahrhundert ein, wechselt dann über zur gesellschaftlichen Stellung der Christen zu jener Zeit mach der Bekehrung Konstantins 312 und dem allmählichen Zuwachs der Kirche durch reiche Bürger des römischen Reiches. Mit der Haltung der Kirche, die Brown hervorragend beschreibt, in der diese die „traditionelle Idee der Gabe an die Heimatstadt“ geschickt ablöst durch den Erwerb eines „Schatzes im Himmel“ (zu dem die deutsche Übersetzung des Originaltitels bestens passt) durch „Geschenke an die Kirche und die Armen“.Durch eine klare Konkretisierung der Entwicklung „typischer“ Haltungen in Form einer Personalisierung der Themen (namhafte Persönlichkeiten aus verschiedenen geographischen Bereichen des römischen Reiches) gelingt es Brown, den Leser nachgerade zu fesseln und die Probleme, Reibungen, die Entwicklung zur „reichen Kirche“, die internen Auseinandersetzungen und die Entfaltung eines wahren „Hofstaates“ der Kirche lebendig zu schildern und die verschiedenen Einstellungen zum „Umgang mit dem Reichtum“ charakteristisch vorzulegen.Quintus Aurelius Symmachus, Ambrosius von Mailand, der junge Augustin (später Bischof), den Brown besonders rege auf dessen Weg durch verschiedene religiöse Gemeinschaften begleite und so ein lebendiges Bild der religiösen Vielfalt jener Zeit dem Leser zur Verfügung stellt. Vom „Einsammeln“ des Reichtums bis zu Haltungen, diesem zu entsagen und darauf zu verzichten (Paulinus von Nola 394).Bis dann das „Finale“ des Werkes in den dramatischen Spannungen innerhalb des Reiches und durch militärischen Druck von außen und der dennoch erstarkenden Kirche mündet.Mit einer ebenso wichtigen „Schlacht“ für das geistig-geistliche, wie auf den Schlachtfeldern jener Tage zwischen Augustin und Pelagius, dem wohl hartnäckigsten Kritiker des Vermögens und Reichtums der Kirche jener Zeit der entscheidenden Weichenstellungen.Und auch wichtig und bestens dargestellt ist jener Verlust des Reichtums der Gesellschaft, der nach der Krise des Weströmischen Reiches breit um sich griff und auch die Kirche vor Veränderungen stellte. Ganz handfeste, denn mehr und mehr übernahm die römische Kirche Funktionen des alten römischen Senates. Nicht nur, was die materielle Sorge um die Unterschicht anging, sondern auch, was rein weltliche Regierungstätigkeiten betraf.Eine umfangreiche Betrachtung, die als roten Faden im Hintergrund durchgehend verfolgt, wie der Reichtum das Gefüge des Christentums und dessen Struktur selbst dauerhaft veränderte. Gin vom „inneren Glaubensweg“ zu einem fast modern wirkenden Management eines immer größer, einflussreicher und reicher werdenden „Betriebes“. Eine Entwicklung, die die gesamte westliche Welt bis in die Gegenwart hin prägt. Nicht unbedingt, was die Nähe zum Glauben und der Kirche angeht, wohl aber, was die innere Haltung zu weltlichen Gütern und die Finanzierung des „Seelenheils“ betrifft. Ein Weg, der nicht gradlinig verlief, aus des schildert Brown überzeugend, aber nachhaltigen und tiefgreifenden Einfluss nach sich zog.Eine sehr empfehlenswerte, lebendige und fundierte Lektüre über die Grundlagen und verschiedenen, teils unvereinbaren Haltungen zu einem „Schatz im Himmel“ und wie diese Haltungen Schritt für Schritt die Welt in einer entscheidenden Wendezeit prägten.

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