Peter Bunt Die Baumeister von Nuys

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Inhaltsangabe zu „Die Baumeister von Nuys“ von Peter Bunt

Eigentlich ist Mathes vom Viehmarkt fest davon überzeugt einmal als Kreuzritter ins Heilige Land zu ziehen. Träume von Abenteuer und Heldentum bestimmen sein jungenhaftes Leben.
Doch dann kommt alles anders.
Plötzlich findet er sich in der realen Welt der Baumeister und Steinmetze wieder, die in der jungen Stadt Nuys die große Kirche zu Ehren des Heiligen Quirinus bauen.
Und als er und sein Freund Petter unfreiwillig Zeugen eines Verbrechens werden, gerät beider Leben vollends aus den Fugen. Es gilt einen Unschuldigen vor dem Galgen zu bewahren und darum zu kämpfen, dass der zum Scheitern verurteilte Bau des Quirinus Münsters fortgesetzt werden kann.
Eine spannende Geschichte aus dem Mittelalter. Der Zeit, als die Menschen begannen Städte zu bauen, um sich aus dem Würgegriff des Adels und des Klerus zu befreien und in der sie zum ersten Mal Gemeinsamkeit, Freiheit und Stolz verspürten.
Es war keine schöne, romantische Zeit. Aber damals begann, was für uns heute selbstverständlich ist: Das Leben in einer Stadt.

Sehr lebendige und spannende Geschichte vor hochinteressantem geschichtlichen Hintergrund. Empfehle ich gerne weiter!

— Igelmanu66

Hervorragend recherchiert und spannend geschrieben!

— Sumo

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    Die Baumeister von Nuys

    Igelmanu66

    »So lebte Petter zwar auf der einen Seite ein beneidenswertes Leben, wie Mathes fand. Auf der anderen Seite würde er aber wohl niemals leben können, wie Mathes sich sein Leben vorstellte: Nämlich auf einer Burg zu herrschen, die er ganz sicher einmal besitzen würde. Er musste nur erstmal ein Mann werden und somit alt genug sein, um so wie viele andere an einem Kreuzzug teilnehmen zu können. War es endlich soweit, würde er bestimmt einmal reich und berühmt aus dem Morgenland zurückkehren, Ritter werden und die beste Burg bauen, die es überhaupt geben konnte. Dessen war er sich ganz sicher.« Nuys, das heutige Neuss, um das Jahr 1220. In der Nähe des Viehmarkts lebt der etwa elf- oder zwölfjährige Mathes bei seiner Tante Irmel. So intelligent er auch ist - von den Notwendigkeiten im Leben eines einfachen Arbeiterjungens will er nichts wissen. Anstatt für seine Tante Arbeiten zu verrichten oder im Kloster bei den Mönchen Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen, zieht er lieber mit seinem Freund Petter umher und träumt von großen Abenteuern und einer Zukunft als Ritter. Als Irmel ihm eine Arbeit auf der Baustelle des künftigen Quirinius Münsters besorgt, scheint es mit seiner großen Freiheit vorbei zu sein. Doch Meister Wolbero, Architekt und Bauherr des Münsters, erkennt schnell, dass in Mathes ein großes mathematisches Talent schlummert. Er nimmt sich des Jungen an und bald schon ist Mathes von der neuen Welt um ihn herum begeistert! Als der Bau eingestellt wird, ist seine Enttäuschung groß. Außerdem macht ihm und Petter der Mord zu schaffen, den sie auf einem ihrer nächtlichen Streifzüge beobachtet haben. Denn ein Unschuldiger wird wegen dieses Mordes angeklagt und die Jungen ahnen, dass ihnen niemand glauben wird. Ein wirklich schönes Buch ist das! Ungeheuer lebendig schildert der Autor die Geschichte zweier Jungen im mittelalterlichen Neuss. Mathes und Petter erscheinen herrlich normal, sind in einem Alter und zu einer Zeit, in der die meisten Menschen noch um ihr tägliches Überleben kämpfen mussten und viele Mädchen bereits mit 12 Jahren verheiratet wurden, noch Kinder geblieben. Nun jedoch stehen sie vor ernsthaften Problemen und müssen bald sogar um ihr Leben fürchten. Was ihnen letztlich hilft, ist eine Mischung aus Freundschaft, Einfallsreichtum, Mut und natürlich auch Glück. Mir gefiel der Gedanke sehr, dass zwei Jungen sich nicht einfach in ihr Schicksal fügen, dass sie nicht alles, was geschieht, als "gottgewollt" hinnehmen, sondern nach Lösungen suchen - selbst wenn die Erwachsenen das als hoffnungslos und viel zu riskant einstufen. Vermutlich haben sie damit auch in den meisten Fällen recht, aber wo wären wir, wenn nicht immer wieder junge Menschen versuchen würden, neue Wege zu beschreiten, etwas zu wagen? Gut, einige Dinge erscheinen unrealistisch. Das beginnt damit, dass Irmel einen Weg gefunden hatte, Mathes im Kloster unterrichten zu lassen, obwohl dieses Privileg eigentlich Kindern aus Arbeiterfamilien nicht zustand. Und dass es im tatsächlichen Nuys einem Arbeiterjungen mit viel Einfallsreichtum und Mut gelungen wäre, von einem Erzbischof oder Grafen angehört zu werden, glaube ich auch nicht. Aber dafür ist es schließlich eine Geschichte und kein Tatsachenbericht und wie gerne liest man ja auch immer wieder von Kindern oder alten Damen, die erfahrene Kriminalbeamte in die Tasche stecken ;-) An interessanten Charakteren gibt es einige und neben Mathes und Peter tauchen noch weitere Sympathieträger auf. Eine kleine Portion Romantik ist auch vorhanden, denn Mathes schwärmt für die rothaarige Brid. Schön fand ich, dass es an keiner Stelle kitschig wurde, sondern ich vielmehr ein paar Mal breit grinsen musste. Sehr lebendig halt und vor allem in der zweiten Hälfte auch überaus spannend! Im detaillierten Nachwort erhält man übrigens einen guten geschichtlichen Überblick über die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Romans. Dabei wird auch aufgeschlüsselt, was in der Handlung oder bei den örtlichen Begebenheiten fiktiv ist. Ein ebenfalls sehr schönes und umfangreiches Register mit Begriffserklärungen schließt sich an, das auch nähere Angaben zu den im Buch auftretenden historischen Personen macht. An diversen Stellen im Buch tauchen zudem eindrucksvolle Zeichnungen auf, die gut zum Inhalt passen und die gesamte Atmosphäre dadurch noch verdichten. Wie bei vielen Büchern, die in dieser Zeit spielen, ist auch das damalige Gerichtswesen ein großes Thema. Was aus heutiger Sicht nur für Kopfschütteln und Fassungslosigkeit sorgt, wird so dargestellt, dass man die Gedankengänge der Menschen zumindest vom Ursprung her nachvollziehen kann... »An seiner Schuld zweifelte niemand ... Sonst wäre er gar nicht erst verhaftet worden. Die Menschen zweifelten nicht im Geringsten an ihrem Strafsystem. Der liebe Gott würde niemand zu Unrecht bestrafen.« Woran wohl auch niemand zweifelte war, dass vor Gericht das Wort eines Adligen viel mehr zählte als das eines Arbeiters. In der mittelalterlichen Ständeordnung wurde die Rechtsprechung entscheidend durch den Stand der Beteiligten beeinflusst, was die einen als Selbstverständlichkeit, die anderen als ungerecht empfanden. Weitere interessante Themen: Der Konflikt zwischen Naturwissenschaften und Kirche. Dinge, die nicht in das kirchliche Weltbild passten, wurden verteufelt, das Wissen um sie nach Möglichkeit verschwiegen. Und natürlich die Bedeutung der entstehenden Städte, die einher ging mit einer langsamen Befreiung aus den Abhängigkeitsverhältnissen zum Adel oder Klerus. Fazit: Sehr lebendige und spannende Geschichte vor hochinteressantem geschichtlichen Hintergrund. Empfehle ich gerne weiter!

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