Peter Carey Amnesie

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Inhaltsangabe zu „Amnesie“ von Peter Carey

Peter Careys ›Amnesie‹ trifft mitten in den wunden Punkt unseres Jetzt. Die junge Australierin Gaby Bailllieux hackt ein amerikanisches Sicherheitssystem und befreit Tausende Gefangene. Im Fall einer Auslieferung in die USA droht der Hackerin die Todesstrafe. Der Journalist Felix Moore glaubt sofort an eine längst überfällige Racheaktion gegen die USA, die 1975 den australischen Premierminister von der Bildfläche verschwinden ließ. Ein geheimer Staatsstreich, ein Angriff auf die australische Verfassung und keiner spricht davon; bis auf Felix Moore, der seine ganze journalistische Karriere darauf verwendet, gegen Australiens große Amnesie anzuschreiben. Nun soll Moore der geheimnisvollen Nerdin den Kopf aus der Schlinge ziehen und gerät dabei selbst in lebensbedrohliche Bedrängnis. Wusste Gaby, dass sie den USA den Cyberkrieg erklärt oder wollte sie wirklich nur Flüchtlinge aus australischen Internierungslagern befreien? Moores Recherchen führen ihn nicht nur in die Abgründe unseres digitalen Zeitalters, sondern in zutiefst menschliche. Peter Carey schreibt mit seinem neuen Roman ›Amnesie‹ gegen das Verdrängen eines unglaublichen politischen Skandals an – und sagt damit mehr über unsere Gegenwart als ein Roman sollte. Ein ungestümer Mix aus WikiLeaks, Edward Snowden und Chaos Computer Club – voll bösartigem Witz, von atemberaubendem Tempo.

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    Amnesie
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    09. May 2016 um 13:42

    Glänzend geschriebenEin Feuerwerk an trocken-ironischer Erzählung, gestaltet aus der Sicht des Ur-Linken, Immer-Linken und im Zweifel immer Links anzutreffenden, dabei allerdings im „regulären“ und „privaten“ Leben immer auch (unbewusst) aneckenden Journalisten Felix Moore, brennt Peter Carey in seinem neuen Roman von der ersten Seite an ab.Wobei da eigentlich schon Moore am Ende ist. Verurteilt. Sein neues Buch eingestampft, der Verleger am Toben, die Schulden haushoch, seine Frau in beginnender Panik. Die keinen Schritt besser werden wird, als Moore eine Verbrennung der besonderen Art seiner frisch angelieferten persönlichen Druck-Exemplare des neuen Buches durchführt.Moore ist einer der Aufrechten. Einer, der die Einmischung Amerikas, das Wirken der CIA, die devote Haltung Australiens dem „großen Bruder“ gegenüber (und nein, England ist nicht gemeint), als unerträglich befindet.Einer, der nicht der „großen Amnesie“ verfallen ist und versucht, einfach zu vergessen, was 1975 den Höhepunkt dieser „Einmischung“ ausgemacht hat. Wo sich ganz genau zeigte, wer das Sagen hat und wem wer in der Regierung, ob rechts oder links, mit Eile hinten hereingekrochen ist.Aber nun gut, Moore, genannt „Feeds“ hat eigentlich genug damit zu tun, Scherben zusammenzukehren, in sich zu gehen, seiner Claire schöne Augen zu machen (schwierig, da sie ihn nicht mehr trifft und auch am Telefon deutlich bekräftigt, dass er für Sie so was von Vergangenheit ist……). „Ich rief meine Frau an. Zu meiner Freude nahm sie ab. „Wenn Du das noch mal einmal tust (anrufen),“ sagte sie, „melde ich Dein Handy ab““.Aber ein Freund bleibt ihm noch. Ein mit allen Wassern gewaschener „Immobilienentwickler“, mit allen Wassern gewaschen, ein Berg von einem Mann (was seine Ausdehnung angeht), der, davon geht Moore aus, das Herz dennoch am absolut rechten, „Linken“ Fleck sitzen hat. Doch Moore wird ihn näher kennenlernen, näher, als ihm lieb ist, näher, als er in den letzten 20 Jahren dem Mann gekommen ist.Denn während Felix Moore die Scherben seines Lebens dahingleiten lässt (diese zu kitten ist einfach nicht seine Begabung), hat die Tochter seiner Jugendliebe, inzwischen mit einer beachtlichen Filmkarriere versehen, ein Sicherheitssystem gehackt.Zufällig das der am besten gesicherten Gefängnisse in Australien. Zufällig von einem amerikanischen Sicherheitssystem entwickelt. Und zufällig gehen daher auch in Amerika tausende von Gefängnistüren auf, als der Hack greift.Nicht zufällig besteht Amerika auf Auslieferung, lässt die Todesstrafe ins Spiel kommen. Und wer, wie Moore, australische Politik kennt, der befürchtet das Schlimmste.Sein reicher Freund stellt ihn an, stattet ihn aus, will, dass Moore das Buch über die Tochter schreibt. Schnell, um die öffentliche Meinung auf Seiten des Mädchens zu ziehen. Engste Quelle ist die Mutter, die Moore ein um das andere Mal zurücktreibt an den Ort der Erinnerungen an damals, jener Zeit des stillen bis lauten Schwärmens für die damals noch junge und noch nicht Schauspielerin, jener Ort aber auch, an dem in Australien die Ereignisse stattfanden, die zur „großen Amnesie“ führen.Temporeich und mit überaus überzeugenden Figuren versehen, zieht Carey den Leser mitten hinein in politische und menschliche Strömungen und Verbindungen, die einerseits sich fast unglaublich im Buch ergeben, andererseits aber auf so vielen Fakten beruhen, dass man mit Faszination Seite für Seite liest. Vor allem, weil Carey auch sprachlich einen Bann erzeugt, der bestens unterhält und diesen Helden/Antihelden Felix Moore in einer Person allein schon es wert macht, diesen Roman nicht aus der Hand zu legen, bis alle Verzweigungen der Geschichte im Damals und im Heute geklärt sind.

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