Peter Englund

 4.6 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Schönheit und Schrecken, Verwüstung und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Peter Englund

Peter Englund, geboren 1957 in Boden (Nordschweden), arbeitete nach dem Studium der Geschichte und Philosophie als Kriegsreporter u.a. auf dem Balkan, in Afghanistan und im Irak. Er lehrte Geschichte an der Universität Uppsala, hat eine Professur für historische Narratologie in Stockholm inne und schrieb mehrere Bücher zu historischen Themen, die zu Bestsellern wurden. 2002 wurde er Mitglied der berühmten Schwedischen Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, seit 2009 ist er deren Vorsitzender. «Schönheit und Schrecken» verkaufte sich in Schweden mehr als 120 000-mal und erscheint in vierzehn Sprachen. Für sein Werk wurde Peter Englund mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 2002 mit dem Selma-Lagerlöf-Preis für Literatur.

Alle Bücher von Peter Englund

Peter EnglundSchönheit und Schrecken
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Schönheit und Schrecken
Schönheit und Schrecken
 (6)
Erschienen am 01.10.2013
Peter EnglundVerwüstung
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Verwüstung
Verwüstung
 (3)
Erschienen am 02.04.2013
Peter EnglundDie Marx-Brothers in Petrograd
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Die Marx-Brothers in Petrograd
Die Marx-Brothers in Petrograd
 (1)
Erschienen am 01.01.1993
Peter EnglundMenschheit am Nullpunkt
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Menschheit am Nullpunkt
Peter EnglundVerwüstung: Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Verwüstung: Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges
Peter EnglundDie Verwüstung Deutschlands
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Die Verwüstung Deutschlands
Peter EnglundThe Battle That Shook Europe
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
The Battle That Shook Europe
The Battle That Shook Europe
 (1)
Erschienen am 19.03.2003
Peter EnglundThe Beauty and the Sorrow
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
The Beauty and the Sorrow
The Beauty and the Sorrow
 (1)
Erschienen am 04.09.2012

Neue Rezensionen zu Peter Englund

Neu
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Schönheit und Schrecken" von Peter Englund

19 jungen Menschen wurden Träume, Illusionen, Gesundheit und zweien auch das Leben geraubt ...
Bellis-Perennisvor 3 Jahren

Peter Englund erzählt in seinem Buch die Schicksale von neunzehn höchst unterschiedlichen Menschen, die alle eines gemeinsam haben: nämlich Erlebnisse im Ersten Weltkrieg.

So kommen unter anderem ein ungarischer Kavallerist, ein deutsches Schulmädchen, eine englische Krankenschwester, ein belgischer Kampfflieger, ein russischer Ingenieur, ein Amerikaner, Neuseeländer und zwölf andere Personen zu Wort.
Die Geschichte des Ersten Weltkrieges wird aus deren Blickwinkel beschrieben. Zwei von ihnen werden das Ende des Weltkrieges nicht erleben, einer hört keinen einzigen Schuss.

Anhand von Briefen und Tagebuchaufzeichnungen, die erhalten geblieben lassen sich Verzweiflung und Enthusiasmus erleben. Die Gefühle des italienisch-stämmigen Freiwilligen, der als Gebirgsjäger die Alpen hinaufgetrieben wird und von den k. und k. Truppen beschossen wird, sind ebenso nachzulesen wie die recht unbedarften Aufzeichnungen einer zwölfjährigen deutschen Schülerin.

Mit diesem Buch setzt der Autor jenen Millionen Verwundeten, Gefallenen und Entwurzelten ein Denkmal, die anonym und in der Masse der Opfer beinahe vergessen wurden.

Eine Vielzahl von Abbildungen der Originalbriefe und/oder Dokumente und berührende Fotos ergänzen dieses Meisterwerk der Erzählkunst. Geschickt werden Tatsachenberichte mit romanhaften Übergängen zu einer gut lesbaren Darstellung der grausamen Wirklichkeit der Jahre 1914-1918 zusammengefasst.

Autor Peter Englund ist Schwede, 1957 geboren und war jahrelang als Kriegberichterstatter in den Brennpunkten der Welt unterwegs. Nach Aufenthalten u.a. auf dem Balkan, in Afghanistan und im Irak, lehrte er Geschichte an der Universität Uppsala.
Er schreibt Bücher zu historischen Themen und ist seit 2002 Mitglied der Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt.

Für an Geschichte Interessierte ein unbedingtes Muss.

Kommentare: 9
19
Teilen
Windflugs avatar

Rezension zu "Verwüstung" von Peter Englund

Das Panorama einer schrecklichen Zeit
Windflugvor 4 Jahren

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht recht, wie ich zu diesem Buch eine Rezension schreiben soll, aber ich möchte es unbedingt trotzdem tun, weil es mich so fasziniert hat. Und weil es seit langem mal wieder ein Sachbuch ist, was ich da gelesen habe. Und was für eins!

„Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ erzählt Peter Englund, schwedischer Historiker, der unter anderem eine Professur für „Historische Narratologie“ an der Universität Stockholm innehat - kein Wunder also, dass das Buch mich als Leserin derart gefesselt hat. Es ist tatsächlich im besten Sinne narrativ, es erzählt, beschreibt, vermittelt viel mehr als dass es Fakten aufzählt.

Letzten Endes ist es für mich vor allem eines: eine Art Panorama, ein Rundumblick auf eine faszinierende und zugleich schreckliche Zeit und auf die Art und Weise, in der die Menschen dieser Zeit lebten.

Die Perspektive ist naturgemäß hauptsächlich schwedisch, Englund erzählt auch anhand des Lebenslaufes eines Schweden, Erik Jönsson, später geadelt Dahlberg, der im und durch den Krieg seine Karriere begann und ausführliche Tagebuchaufzeichnungen hinterlassen hat. Das gibt dem Buch eine immer wieder sehr persönliche Komponente, eine Beispielfigur, an deren Schicksal grundlegende Strömungen, Meinungen und Ereignisse deutlich werden.
Aber der Autor beschränkt sich nicht auf diese schwedische Perspektive, sondern bezieht immer wieder auch die anderen beteiligten Länder, Gebiete und Persönlichkeiten mit ein, so dass sich wirklich ein recht umfangreiches Panoramabild ergibt. Mit einer Einschränkung: der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig in der zweiten Hälfte des Krieges. Figuren wie Wallenstein oder Tilly spielen deshalb kaum eine Rolle - und das war für mich eher ein Pluspunkt. Gerade Wallenstein wird so oft als zentrale Figur des Krieges beleuchtet (neben Klassikern wie Schillers Drama oder Golo Manns Biographie siehe z.B. die populäre Serie „Die Deutschen“, die das ZDF vor einigen Jahren gesendet hat, und in der die Folge über den 30jährigen Krieg auch wieder anhand von Wallenstein erzählt wurde), dass über diese frühere Phase des Krieges viel mehr an allgemeinem Wissen vorhanden ist. Englund dagegen setzt erst mit dem Eintritt der Schweden in den Krieg richtig ein und erzählt hauptsächlich über die Jahre nach Gustav Adolfs Tod, die Zeit, in der alles unübersichtlich und chaotisch geworden war, in der es eben keine großen Führerfiguren mehr gab, sondern nur mehr solche, die größtenteils die inzwischen heißgelaufene Kriegsmaschinerie selbst nicht mehr steuern konnten. Hierzu mal das erste Zitat aus meiner Zettelsammlung, mit der ich die schönsten Passagen markiert hatte:

Und mit den Jahren wurde es immer deutlicher, dass der hehre Kreuzzug für den Protestantismus und die deutschen Freiheiten eine absonderliche selbsttätige Maschinerie geschaffen hatte: Schwedische Heere, die umhermarschierten und dafür kämpften, dass sie dafür entschädigt wurden, dass sie umhermarschierten und kämpften.


Hier sieht man auch gleich sehr schön einen weiteren Grund, warum ich diesen Wälzer von 788 Seiten (mit Anmerkungen, Literaturhinweisen und Register sind es gar 848) so genossen habe: Der Schreibstil war einfach wunderbar. Es las sich größtenteils genauso leicht wie ein guter Roman, und Englund benutzt eindringliche Bilder, beschreibt manches so, als sei er selbst dabeigewesen, und findet sprachlich-rhythmische Ausdrücke, die mein literarisches Herz ebenso wie mein historisches haben schlagen lassen:

Den ganzen Juni über hoben sie Laufgräben aus, sprengten Minen, schossen Breschen, schleuderten Granaten, feuerten Brandkugeln ab, bestiegen Mauern, tranken Wein, stahlen Schafe, plünderten Lebende, plünderten Tote, bekamen Durchfall, sammelten Beute, strichen Brandschatzgelder ein, schwitzten, marschierten, töteten und starben.


Dazu immer wieder leicht ironisch-humorige Einsprengsel, die dafür sorgten, dass ich häufig grinsen oder gar kichern musste, hier über die Gesandten beim westfälischen Friedenskongress:

Der dünkelhafte Johan Oxenstierna gehörte zu den Unterhändlern, die mit einer solchen Prachtentfaltung auftraten, dass sogar die für gewöhnlich wohlequipierten Franzosen beeindruckt waren. Er bewegte sich ausschließlich in dem von Hellebardieren umgebenen Wagen der Königin, wenn er zu Abend speiste, wurde stets mit „Flöten, Trompeten und Posaunen“ musiziert, und jedes Mal, wenn er sich müde fühlte und schlafen legte oder umgekehrt sich frisch fühlte und aufstand, wurde dieses bedeutungsvolle Faktum mit Hilfe von Pauken und Trompeten der Umwelt kundgetan.


Bei all dem scheut sich Englund nicht, zu werten und in flapsigen Ausdrücken Dinge beim Namen zu nennen, etwas, was in unserer ach-so-seriösen Geschichtsschreibung undenkbar wäre, was ich aber sehr erfrischend fand:

Die Unruhe hatte sich langsam fortgepflanzt und dazu geführt, dass sich einige protestantische Fürsten 1608 in einer bewaffneten Union zusammenschlossen, mit der Folge, dass eine Handvoll katholischer Fürsten, in der Idiotenlogik der Eskalation befangen, im Jahr darauf eine eigene Liga gründeten.

Rom war die Hauptstadt der Gegenreformation, und die freigiebig spendierenden und wütend agierenden Päpste Urban VII. und Innozenz X. - der charmante alte Dummkopf, der eine Bannbulle gegen den Westfälischen Frieden geschleudert hatte und im Jahr zuvor gestorben war - hatten versucht, die Stadt in ein Monument für und über die Triumphe des Katholizismus zu verwandeln.



Aber natürlich dominieren diese Passagen keineswegs, hier wird nichts tatsächlich ins Lächerliche gezogen, und wo es unangebracht wäre, wird auch nicht flapsig erzählt.

Wie schon gesagt liest sich „Verwüstung“ aus allen diesen Gründen jedenfalls leicht weg. Die erzählerische Schreibweise, der lockere Stil und die scheinbar mühelose Verflechtung und Überleitung ganz verschiedener Gegebenheiten und Ereignisse bietet damit für jeden historisch Interessierten einen unterhaltsamen Überblick über diesen ersten gesamteuropäischen Krieg, der eines der, wenn nicht gar das traumatische Ereignis der europäischen Geschichte darstellt (wobei Englund im Übrigen auch in Europa nicht halt macht, sondern in kleinen Nebenepisoden von der schwedischen Kolonie am Delaware erzählt, die in dieser Zeit ihren kurzen Auftritt in der Weltgeschichte hatte und von der ich zumindest bis dato überhaupt nichts gewusst hatte).

Kritik kann man natürlich durchaus auch äußern. So werden immer wieder Quellentexte zitiert, zu denen es aber keine direkten Fußnoten oder Hinweise auf die Verfasser gibt. Zwar nennt er seine Quellen im Anhang, aber dort die Zitate wiederzufinden, gestaltet sich dann doch sehr mühsam und in einigen Fällen auch unmöglich.
Außerdem haben mich manche doch sehr ausführlich geschilderten Schlachtenbeschreibungen etwas ermüdet, vor allem ganz am Anfang - Englund steigt nämlich 1656 ein, beschreibt Erik Jönssons Reise in den nächsten Krieg (Schweden gegen Polen) und die darauffolgende Schlacht in aller Ausführlichkeit, mit der ich vor allem zu diesem Zeitpunkt noch nichts anfangen konnte. Aber auch spätere (= frühere) Schlachtenbeschreibungen sind für meinen Geschmack manchmal zu detailliert.

Insgesamt aber äußerst empfehlenswert für jeden, der sich für diese Epoche interessiert, aber kein trockenes Fachbuch lesen will. Für historische Forschungen fehlen hier natürlich die ausführlichen Fußnoten, aber dafür wurde dieses Buch auch nicht in erster Linie geschrieben.

Und das Fazit, das Englund über den Krieg zieht? Ich zitiere zum Abschluss noch einmal eine Lieblingsstelle:

So war er, der Krieg. Banal und eigentlich ziemlich trist. Alles andere als Ehre, Abenteuer und Schönheit. Auf Gemälden kann man die Inkarnation des guten Krieges in Form eines funkelnden Gewimmels federbuschgeschmückter Reiterei sehen, die auf Wellen weißer Pferde heranstürmt, auf dem Weg zur Erringung des „großen Sieges“ in der Abendsonne. Eher war er in der Regel so, wie Erik ihn hier in diesen Tagen im Oktober 1643 zum ersten Mal sah: durchnässte Horden von Männern, die einem Feind entgegentrotten, den sie selten zu Gesicht bekommen, auf der Jagd nach einer Entscheidung, die sich nie blicken lässt; fehlgeschlagene Finten, die eine oder andere Kanonade auf Distanz und wieder ein paar vergeudete anonyme Leben: Ereignisse, die vielleicht nicht den Geschmack von Verlust vermitteln, aber auch kein Gefühl von Sieg.

Kommentare: 2
7
Teilen
Z

Rezension zu "Die Verwüstung Deutschlands" von Peter Englund

Rezension zu "Die Verwüstung Deutschlands" von Peter Englund
Zoevor 10 Jahren

Sehr informativ und ausführlich.

Kommentieren0
5
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 28 Bibliotheken

auf 3 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks