Peter Englund Verwüstung

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Inhaltsangabe zu „Verwüstung“ von Peter Englund

Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges sind über Jahrhunderte im kollektiven Gedächtnis präsent geblieben. Millionen von Menschen kamen ums Leben, manche Gegenden im heutigen Deutschland und seinen Nachbarstaaten wurden regelrecht entvölkert. Ausgehend vom Schicksal eines schwedischen Zeitgenossen schildert Peter Englund, wie der Krieg die Kultur, die Gesellschaft und die Geschichte in Europa geprägt hat und wie er die Menschen formte, die in seinen Mahlstrom hineingezogen wurden. 'Englund vollbringt das Kunststück, die Ereignisse dieses ersten europäischen Krieges von den Staubwolken zu befreien, um sie dem Leser fast greifbar nahezubringen.' Deutschlandfunk

Faszinierend, spannend erzählt - ein Panorama der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Sehr empfehlenswert!

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    Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht recht, wie ich zu diesem Buch eine Rezension schreiben soll, aber ich möchte es unbedingt trotzdem tun, weil es mich so fasziniert hat. Und weil es seit langem mal wieder ein Sachbuch ist, was ich da gelesen habe. Und was für eins! „Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ erzählt Peter Englund, schwedischer Historiker, der unter anderem eine Professur für „Historische Narratologie“ an der Universität Stockholm innehat - kein Wunder also, dass das Buch mich als Leserin derart gefesselt hat. Es ist tatsächlich im besten Sinne narrativ, es erzählt, beschreibt, vermittelt viel mehr als dass es Fakten aufzählt. Letzten Endes ist es für mich vor allem eines: eine Art Panorama, ein Rundumblick auf eine faszinierende und zugleich schreckliche Zeit und auf die Art und Weise, in der die Menschen dieser Zeit lebten. Die Perspektive ist naturgemäß hauptsächlich schwedisch, Englund erzählt auch anhand des Lebenslaufes eines Schweden, Erik Jönsson, später geadelt Dahlberg, der im und durch den Krieg seine Karriere begann und ausführliche Tagebuchaufzeichnungen hinterlassen hat. Das gibt dem Buch eine immer wieder sehr persönliche Komponente, eine Beispielfigur, an deren Schicksal grundlegende Strömungen, Meinungen und Ereignisse deutlich werden. Aber der Autor beschränkt sich nicht auf diese schwedische Perspektive, sondern bezieht immer wieder auch die anderen beteiligten Länder, Gebiete und Persönlichkeiten mit ein, so dass sich wirklich ein recht umfangreiches Panoramabild ergibt. Mit einer Einschränkung: der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig in der zweiten Hälfte des Krieges. Figuren wie Wallenstein oder Tilly spielen deshalb kaum eine Rolle - und das war für mich eher ein Pluspunkt. Gerade Wallenstein wird so oft als zentrale Figur des Krieges beleuchtet (neben Klassikern wie Schillers Drama oder Golo Manns Biographie siehe z.B. die populäre Serie „Die Deutschen“, die das ZDF vor einigen Jahren gesendet hat, und in der die Folge über den 30jährigen Krieg auch wieder anhand von Wallenstein erzählt wurde), dass über diese frühere Phase des Krieges viel mehr an allgemeinem Wissen vorhanden ist. Englund dagegen setzt erst mit dem Eintritt der Schweden in den Krieg richtig ein und erzählt hauptsächlich über die Jahre nach Gustav Adolfs Tod, die Zeit, in der alles unübersichtlich und chaotisch geworden war, in der es eben keine großen Führerfiguren mehr gab, sondern nur mehr solche, die größtenteils die inzwischen heißgelaufene Kriegsmaschinerie selbst nicht mehr steuern konnten. Hierzu mal das erste Zitat aus meiner Zettelsammlung, mit der ich die schönsten Passagen markiert hatte: Und mit den Jahren wurde es immer deutlicher, dass der hehre Kreuzzug für den Protestantismus und die deutschen Freiheiten eine absonderliche selbsttätige Maschinerie geschaffen hatte: Schwedische Heere, die umhermarschierten und dafür kämpften, dass sie dafür entschädigt wurden, dass sie umhermarschierten und kämpften. Hier sieht man auch gleich sehr schön einen weiteren Grund, warum ich diesen Wälzer von 788 Seiten (mit Anmerkungen, Literaturhinweisen und Register sind es gar 848) so genossen habe: Der Schreibstil war einfach wunderbar. Es las sich größtenteils genauso leicht wie ein guter Roman, und Englund benutzt eindringliche Bilder, beschreibt manches so, als sei er selbst dabeigewesen, und findet sprachlich-rhythmische Ausdrücke, die mein literarisches Herz ebenso wie mein historisches haben schlagen lassen: Den ganzen Juni über hoben sie Laufgräben aus, sprengten Minen, schossen Breschen, schleuderten Granaten, feuerten Brandkugeln ab, bestiegen Mauern, tranken Wein, stahlen Schafe, plünderten Lebende, plünderten Tote, bekamen Durchfall, sammelten Beute, strichen Brandschatzgelder ein, schwitzten, marschierten, töteten und starben. Dazu immer wieder leicht ironisch-humorige Einsprengsel, die dafür sorgten, dass ich häufig grinsen oder gar kichern musste, hier über die Gesandten beim westfälischen Friedenskongress: Der dünkelhafte Johan Oxenstierna gehörte zu den Unterhändlern, die mit einer solchen Prachtentfaltung auftraten, dass sogar die für gewöhnlich wohlequipierten Franzosen beeindruckt waren. Er bewegte sich ausschließlich in dem von Hellebardieren umgebenen Wagen der Königin, wenn er zu Abend speiste, wurde stets mit „Flöten, Trompeten und Posaunen“ musiziert, und jedes Mal, wenn er sich müde fühlte und schlafen legte oder umgekehrt sich frisch fühlte und aufstand, wurde dieses bedeutungsvolle Faktum mit Hilfe von Pauken und Trompeten der Umwelt kundgetan. Bei all dem scheut sich Englund nicht, zu werten und in flapsigen Ausdrücken Dinge beim Namen zu nennen, etwas, was in unserer ach-so-seriösen Geschichtsschreibung undenkbar wäre, was ich aber sehr erfrischend fand: Die Unruhe hatte sich langsam fortgepflanzt und dazu geführt, dass sich einige protestantische Fürsten 1608 in einer bewaffneten Union zusammenschlossen, mit der Folge, dass eine Handvoll katholischer Fürsten, in der Idiotenlogik der Eskalation befangen, im Jahr darauf eine eigene Liga gründeten. Rom war die Hauptstadt der Gegenreformation, und die freigiebig spendierenden und wütend agierenden Päpste Urban VII. und Innozenz X. - der charmante alte Dummkopf, der eine Bannbulle gegen den Westfälischen Frieden geschleudert hatte und im Jahr zuvor gestorben war - hatten versucht, die Stadt in ein Monument für und über die Triumphe des Katholizismus zu verwandeln. Aber natürlich dominieren diese Passagen keineswegs, hier wird nichts tatsächlich ins Lächerliche gezogen, und wo es unangebracht wäre, wird auch nicht flapsig erzählt. Wie schon gesagt liest sich „Verwüstung“ aus allen diesen Gründen jedenfalls leicht weg. Die erzählerische Schreibweise, der lockere Stil und die scheinbar mühelose Verflechtung und Überleitung ganz verschiedener Gegebenheiten und Ereignisse bietet damit für jeden historisch Interessierten einen unterhaltsamen Überblick über diesen ersten gesamteuropäischen Krieg, der eines der, wenn nicht gar das traumatische Ereignis der europäischen Geschichte darstellt (wobei Englund im Übrigen auch in Europa nicht halt macht, sondern in kleinen Nebenepisoden von der schwedischen Kolonie am Delaware erzählt, die in dieser Zeit ihren kurzen Auftritt in der Weltgeschichte hatte und von der ich zumindest bis dato überhaupt nichts gewusst hatte). Kritik kann man natürlich durchaus auch äußern. So werden immer wieder Quellentexte zitiert, zu denen es aber keine direkten Fußnoten oder Hinweise auf die Verfasser gibt. Zwar nennt er seine Quellen im Anhang, aber dort die Zitate wiederzufinden, gestaltet sich dann doch sehr mühsam und in einigen Fällen auch unmöglich. Außerdem haben mich manche doch sehr ausführlich geschilderten Schlachtenbeschreibungen etwas ermüdet, vor allem ganz am Anfang - Englund steigt nämlich 1656 ein, beschreibt Erik Jönssons Reise in den nächsten Krieg (Schweden gegen Polen) und die darauffolgende Schlacht in aller Ausführlichkeit, mit der ich vor allem zu diesem Zeitpunkt noch nichts anfangen konnte. Aber auch spätere (= frühere) Schlachtenbeschreibungen sind für meinen Geschmack manchmal zu detailliert. Insgesamt aber äußerst empfehlenswert für jeden, der sich für diese Epoche interessiert, aber kein trockenes Fachbuch lesen will. Für historische Forschungen fehlen hier natürlich die ausführlichen Fußnoten, aber dafür wurde dieses Buch auch nicht in erster Linie geschrieben. Und das Fazit, das Englund über den Krieg zieht? Ich zitiere zum Abschluss noch einmal eine Lieblingsstelle: So war er, der Krieg. Banal und eigentlich ziemlich trist. Alles andere als Ehre, Abenteuer und Schönheit. Auf Gemälden kann man die Inkarnation des guten Krieges in Form eines funkelnden Gewimmels federbuschgeschmückter Reiterei sehen, die auf Wellen weißer Pferde heranstürmt, auf dem Weg zur Erringung des „großen Sieges“ in der Abendsonne. Eher war er in der Regel so, wie Erik ihn hier in diesen Tagen im Oktober 1643 zum ersten Mal sah: durchnässte Horden von Männern, die einem Feind entgegentrotten, den sie selten zu Gesicht bekommen, auf der Jagd nach einer Entscheidung, die sich nie blicken lässt; fehlgeschlagene Finten, die eine oder andere Kanonade auf Distanz und wieder ein paar vergeudete anonyme Leben: Ereignisse, die vielleicht nicht den Geschmack von Verlust vermitteln, aber auch kein Gefühl von Sieg.

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