Peter Fröberg Idling Pol Pots Lächeln

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Inhaltsangabe zu „Pol Pots Lächeln“ von Peter Fröberg Idling

Im August 1978 reiste eine Viererdelegation der Schwedisch-Kambodschanischen Freundschaftsgesellschaft ins Demokratische Kampuchea. Sie berichteten von Aufbruch und glücklichen Menschen. Obwohl sie durch ein Land reisten, dessen Bevölkerung von Pol Pots Regime unterdrückt, ausgebeutet und ermordet wurde. Peter Fröberg Idling versucht das Nebeneinander dieser verschiedenen Wahrheiten zu begreifen. Er reist durch Bibliotheken, Archive und nach Kambodscha, sucht die damals Reisenden auf, ebenso kambodschanische Täter, Mitläufer und Opfer. Seine literarische Reportage wirft Fragen auf: Wollten sie damals nicht verstehen? Wurden Zweifel ausgeblendet, im Dienste einer Ideologie? Aber auch: Was kann ich heute wissen oder was ist es, das ich nicht sehe?

Die Art Aufklärung, die ich mir mehr wünschte: inspirierend, spannend, mäandernd und dabei den Faden nicht verlierend

— HansDurrer
HansDurrer

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  • Eine Reise durch das Kambodscha der Roten Khmer

    Pol Pots Lächeln
    HansDurrer

    HansDurrer

    07. June 2017 um 16:15

    1978 werden vier schwedische Intellektuelle, der bekannteste unter ihnen Jan Myrdal, von Pol Pots Regime nach Kambodscha eingeladen und sehen dort, was sie sehen sollen und sehen wollen. Der Autor Peter Fröberg Idling, 1972 in Stockholm geboren, damals also gerade sechs Jahre alt, hat Dokumente studiert, mit den an dieser Reise Beteiligten und auch mit Kambodschanern, welche die damalige Zeit aus eigener Anschauung kennen, gesprochen – die Kooperationsbereitschaft war unterschiedlich, die Einsicht in eigenes Fehlverhalten ebenso. Mir drängte sich der Eindruck auf: Je prominenter, desto weniger Einsicht in eigene Fehlern. Und Verantwortungsübernahme schon gar nicht. Die Motivation für diese Recherchearbeit lag (wie immer) im Persönlichen: Der gelernte Jurist Fröberg Idling arbeitete ab 2001 zwei Jahre in Kambodscha für eine Menschenrechtsorganisation. Der Verlag bezeichnet das Buch als „literarische Reportage“, gemäss Spiegel Online zeigt es, „was Journalismus jenseits von Meinungen, Schnellschüssen und Rechthabereien sein kann“; ich selber, der ich mit diesen Kategorien wenig anfangen kann, habe es ganz einfach als persönliche, anregende und interessante Suche nach den Dingen hinter den Dingen gelesen.  Die zentrale Frage, welcher der Autor von „Pol Pots Lächeln“ wesentlich (es gibt auch ganz viele, ganz unterschiedliche Seitenarme der Geschichte) nachgeht, lautet: Wie ist es möglich, nicht zu sehen, was zu sehen ist? Schliesslich besuchten die vier Schweden „ein Land, in dem eine gut geschmierte Höllenmaschine ohne Unterlass arbeitete und jeden Tag über tausend Kinder, Frauen und Männer starben.“ Sahen sie das alles und sagten nichts, weil sie der Revolution nicht schaden wollten? Oder wurden sie reingelegt? Weder noch, doch ich will hier nicht vorgreifen ... „Pol Pots Lächeln“ ist ganz vieles. Kambodschanische Geschichte der 1970er bis heute – wie die Roten Khmer entstanden, die eigenartig mysteriöse Rolle Sihanouks, das ungeheuere amerikanische Bombardement, das Nixon und Kissinger unter Umgehung des Kongresses, ausführen liessen und Hunderttausende Kambodschaner tötete – , kulturelle Aufklärung („Die Pagoden sind eine Art Universität des armen Mannes. Das Mönchsein wird als Ausbildung und Initiationsritus gesehen, auch wenn die Mönche manchmal nur ein paar Wochen in der Pagode verbringen. Viele Rote Khmer waren folglich Mönche gewesen.“), die Vermittlung von Lokalkolorit („Ich schlängle mich durch den Abendverkehr. Rechtsverkehr ist mehr als Empfehlung zu verstehen – man fährt auf jener Seite der Strasse, die sich für den Mnoment am besten eignet. Eine einigermassen funktionierende Anarchie.“) sowie ein Bericht darüber, wie der Autor recherchiert („Was ihm von der Rede im Gedächtnis blieb, berichtete er einem englischen Historiker, es ist also eine übersetzte Version. Der Engländer erzählt es dann mir. Ich übersetze es meinerseits. Was bleibt dann übrig? Von der Stimme? Von der Botschaft? Alles, nichts oder etwas? Ja?“). Selten habe ich überzeugender vorgeführt gekriegt, was Geschichtschreibung auch sein kann: Keine chronologisch oder linear erzählte Aufzählung von Ereignissen, sondern das Aufzeigen dessen, wie man bei seinen Nachforschungen vorgegangen ist. Wenig interpretierend, denn was Fröberg Idling findet, spricht so recht eigentlich für sich selbst. Meist genügt, es aufzuzeichnen und die eigene Meinung deutlich zum Ausdruck zu bringen „Pol Pots Lächeln“ ist die Art Aufklärung, die ich mir mehr wünschte: inspirierend, spannend, mäandernd und dabei den Faden nicht verlierend.

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    Zwangsarbeit, Hunger, Massenmord – und doch schrieben vier schwedische Journalisten schwärmerische Reiseberichte. Wie konnten sie das Elend ‚übersehen’? Wie gelang es sie so umfassend zu täuschen? Pol Pot und die Roten Khmer übernahmen die Macht in Kambodscha und verbreiteten die Nachricht von der gewaltfreien Revolution. Das Land hatte sich nach Jahrzehnten kolonialer Unterdrückung erhoben und sah endlich einer selbstbestimmten Zukunft entgegen. Um sich gegen die vermeintlichen Verleumdungen zu wehren und den massenmedialen Behauptungen von Folter und Hinrichtung etwas entgegenzusetzen, luden sie ausländische Delegationen zum Besuch ein. Eine kommunistische Tradition, wie man heute weiß, auch Kuba, die DDR oder Russland gingen nicht anders mit Besuchern aus dem kapitalistischen Westen um. Man spielte Theater. Doch wie geht das? Wie kann man ein ganzes Land als Marionette führen? Peter Fröberg Idling geht in seiner literarischen Reportage dieser Frage nach und schafft damit mehr, als den Tatsachen auf den Grund zu gehen. Er nimmt die Mittel der Propaganda unter die Lupe. Er schreibt einen beeindruckenden Text über Selbsttäuschung und Blindheit. Es ist ein wichtiger Text. Ich möchte ihn auf’s Wärmste empfehlen. Gäbe es zehn Sterne hätte Idling sie verdient!

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