Peter Härtling Nachgetragene Liebe

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Inhaltsangabe zu „Nachgetragene Liebe“ von Peter Härtling

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    Nachgetragene Liebe
    The iron butterfly

    The iron butterfly

    20. February 2017 um 14:53

    Warum blickt ein Mensch im fortgeschrittenen Alter auf seine frühe Kindheit zurück? Sind es die schönen Erinnerungen an die unbeschwerte Zeit, an vergessen geglaubte Momente, an Freunde, die man über die Jahre aus den Augen verloren hat? Oder sind es die wehmütigen Augenblicke, in denen man nie aussprechen durfte, was man dachte, nie reagieren durfte, wie man wollte. Diese Momente, in denen man liebes- und schutzbedürftig eine Umarmung herbeigesehnt hat und höchstens einen strengen Blick oder eine flüchtige Berührung im Vorbeistreifen erhielt. Erinnerungen an die prägenden Ereignisse, wenn man still zu sein hatte, obwohl alles in einem laut schrie. Der Schriftsteller Peter Härtling versetzt sich in „Nachgetragene Liebe“ in seine frühe Kindheit zurück, in die Zeit, als er die Zuneigung seines Vaters noch ganz still am Tisch neben dem großen Schreibtisch seines Vaters herbeigesehnt hat. Später dann die eher aufmüpfigen Versuche eines Elfjährigen auch nur einen Wink an Aufmerksamkeit zu provozieren. Geboren 1933 in Chemnitz wächst Peter bei seiner Mutter Erika und Vater Rudolf auf. Der Vater ist Rechtsanwalt und ein schweigsames Oberhaupt der Familie. Schwester Lore kommt 1936 auf die Welt. Peter schwankt zwischen einer ehrfürchtigen Haltung, vor allem seinem Vater gegenüber. Stets und ständig lechzt Peter nach Informationen, nach Kommunikation, nach Aufklärung und erhält nichts davon. Vor allem sein Vater bedient sich der Schweigsamkeit als erzieherischem Mittel, in erster Linie zur Bestrafung. Doch Peter ist ein wachsamer, aufmerksamer Junge, der vieles beobachtet und so wenig versteht, weil niemand ihm die Hintergründe erklärt. So geschieht es auch, dass er sich unbedingt in der HJ beweisen will. Seine Eltern erklären ihm nicht, warum sie es nicht gutheißen können, sondern ignorieren ihn vielmehr. Vermutlich soll Peter vor regimekritischen Äußerungen geschützt werden, aber bei ihm kommt die Botschaft an, dass man ihn nicht ernst nehmen will. Als der Vater in den Kriegsjahren eingezogen wird, unterhält Mutter Erika wohl ein Verhältnis und Peter verliert den Respekt vor ihr. In dieser Zeit ist es die Babitschka, die Großmutter, zu der er bewundernd aufblickt, da sie sowohl in der Küche mit Schürze wirbelnd und leckere Mahlzeiten zaubernd, als auch bei einem festlichen Mahl im Abendkleid ein Frauenbild bekleidet, das in Peter Bewunderung hervorruft. Die Zeiten werden härter, die Familie flüchtet zuerst nach Mähren, als der Vater wieder auftaucht nach Zwettl in Niederösterreich. Doch die Rote Armee und das Kriegsende rücken näher. Sehr eindringliche Erzählung, in der es Peter Härtling gelingt in atmosphärisch und emotional dichter Art wieder das Kind zu sein und aufzublicken zu seinem Vater, der nicht die Chance hatte so alt zu werden, wie Härtling es war, als er seine Beziehung zum Vater aufzuarbeiten versucht. Diese sehr gefühlvolle Rückschau erlaubt Härtling den Vater besser zu verstehen und ihm vieles zu verzeihen.

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