Peter Härtling Verdi: Ein Roman in neun Fantasien

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Inhaltsangabe zu „Verdi: Ein Roman in neun Fantasien“ von Peter Härtling

Peter Härtling, profunder Musikkenner und Autor hochgelobter Künstlerromane, von Schubert über Schumann bis zu Hölderlin und Fanny Mendelssohn, nähert sich dem alternden Verdi und lässt seine Fantasie schweifen. Die Geschichte beginnt auf der Höhe seines Schaffens und gleichzeitig an einem kritischen Punkt. Verdi hat mit 'Aida' einen phänomenalen Erfolg gefeiert und versucht nun etwas Neues. Mit dem Streichquartett in e-Moll und dem Requiem überrascht er sich, sein Publikum und Peppina, seine zweite Frau und engste Vertraute. Und er beginnt, sich neben der Musik um anderes zu kümmern: seinen Landsitz Sant’Agata, in dessen Umgebung er ein Krankenhaus gründet, und die Casa di Riposi dei Musici, ein Altersheim für ehemalige Musiker in Mailand. Es folgen weltberühmte Kompositionen, besonders der 'Otello' und der 'Falstaff' in der spannungsreichen Zusammenarbeit mit dem Librettisten Arrigo Boito. Härtling erzählt von einem Mann, der immer auf der Suche ist – nach sich, der Liebe, der Erfüllung, dem künstlerischen Ausdruck. Einem Mann mit Erfahrung, der doch immer wieder von Neuem anfängt und am Vertrauten hängt, vor allem an seiner Peppina. Ein beglückender Roman, leicht erzählt, mit musikalischem Gespür für Dissonanzen, Zwischentöne und das große Finale.

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  • Verdi

    Verdi: Ein Roman in neun Fantasien
    rallus

    rallus

    Peter Härtling ist eine etwas andere 'Biographie' von Verdi gelungen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, noch mit Zahlen oder Statistiken bewaffnet, nähert er sich Verdi als Mensch. Er steigt ziemlich spät ein in seinem Leben, der große Triumph von Aida klingt gerade noch nach, Verdi ist schon 68. Wir erleben die verschiedenen Stationen, Reisen des Maestros, Nickligkeiten mit den Abrechnungen und liebevolle Vertrautheiten mit seiner Frau Giuseppina, kurz Peppina gennant. Verdi besitzt noch viel Kraft um zu reisen, sich aufzuregen, die Künstler in ihre Schranken zu weisen "...die Proben werden nicht bezahlt!" Seine Schaffenskraft ist ungebremst, er schreibt ein Streichquartett (das als das Einzige und bedeutenste der italienischen Musik des 19.Jahrhunderts gilt), weiterhin kommen noch später 2 Opern hinzu, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreissen lassen. Härtling überspringt manches Mal viele Jahre, schon wieder ist ein Jahr vorbei, sein Hauptaugenmerk liegt im menschlichen Verdi, der der seine Glieder im Alter spürt, der am Ende Abschied nimmt von seinen verschiedenen Wohnorten und Gewohnheiten. Wagner stirbt vor ihm und trotz aller Konkurrenz ist Verdi entsetzt, seine eigenen späten Jahre überzeugen sogar viele Anhänger Wagners, machen Verdi unsterblich. Wer seine Werke kennt, weiß von seiner besselten Musik, seine tiefgehenden berührenden Werke und so erscheint er auch in dem Buch Härtlings, der ihn nur streift, aber doch emotional trifft. Ein wunderschönes Buch über einen großen italienischen Komponisten.  

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  • Mit leichter Hand und fundiertem Wissen

    Verdi: Ein Roman in neun Fantasien
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    28. August 2015 um 12:54

    Mit leichter Hand und fundiertem Wissen Dass Verdi inmitten all seines Erfolges beim Publikum oft mit Verdruss auf Kritiken reagierte (die tatsächlich gerade aus Deutschland häufig harsch waren), wie Verdi als Mensch weitgehend „aus dem Herzen lebte“, wie er mit innerer Bewegung sein Requiem für den lombardischen „Volksdichter“ Manzoni komponierte. Wie er manchem gegenüber fast hilflos gegenüber stand. Gerade bei Vater und Sohn Ricordi, seinem Verlag, seinen „Managern“ und den irgendwann nicht mehr zu übersehenen falschen Abrechnungen. Und das Verdi, ganz Herz (inklusive eines durchaus launisch zu nennenden Charakters) eben auch gleich zwei Frauen innerlich nahe stand (seiner „Peppina“ und der langjährigen Muse und Sängerin Teresina). Alles keine unbekannten Fakten, die aber von Härtling mit vielen anderen Entwicklungsstufen, Kompositionen (bei „Aida“ und dem ersten Streichquartett angefangen (mitsamt der ersten Fuge, die Verdi komponierte) bis hin zu seinem Spätwerk luftig und wie mit leichter Hand geschrieben, immer nah am menschlichem und Menschen Verdi in diesem Werk dem Leser nahe gebracht werden. „Ich weiß schon, ich bin kindisch und lächerlich alt“, sagt Verdi. Aber eben auch unverbraucht wie ein Kind und gereift in seinen Möglichkeiten der Komposition. Oft „auf Achse“, ein Reisender der Musik, europaweit bekannt, generös und nörgelnd, durch seine Peppina im Gleichgewicht gehalten. Auch das sind schöne, kleine Szenen, wie ihn die ehemalige Sängerin zu nehmen weiß, ihn „in Richtung bringt“. Und wie Verdi dann auch unnachahmlich seine Trauer auszudrücken versteht, als Peppina stirbt. Und er seinen Weg weiter zu gehen hat. Und das alles in Form einer „Fantasie“ in Buchform. Jener musikalischen Ausdrucksweise, die ebenfalls immer luftig und leicht wirkt, die ein Thema von allen Seiten her variiert, sich manches Mal weit zu entfernen scheint von der Grundmelodie und doch immer wieder um den einen Kern kreist. „Verdi ist zwar unantastbar in seinem Ruhm, aber er ist mir nahe in seinen Schwächen und in seiner Furcht, aus der Fantasie zu stürzen“. Auf diese Weise nähert sich Härtling „seinem“ Verdi, dem Menschen. Nicht ohne dessen Werk natürlich „mitlaufen“ zu lassen und fundiert den Leser (ohne lange Ausschweifungen und ohne wissenschaftliche Ausbreitungen) in die Abfolge der Werke des späteren und späten Verdi einzuführen und in die Entstehungsgeschichte dieser Werke. Immer wieder streut Härtling hierzu auch eigene Kommentare ein, verweist auf das, was ihn berührt, ihm wichtig wird an den einzelnen Stationen und Situationen und ermöglicht so dem Leser auf einfache und gerade Weise, dem Menschen und Künstler Verdi auch emotional näher zu kommen. Ein nicht nur sachkundiges, sondern auch sprachlich unterhaltsam und schön zu lesendes Buch, in dem die Liebe zu Verdi und die persönliche Nähe des Autors zu Mensch und Werk die tragenden Kräfte sind. Und das nicht nur als „Fantasie“, sondern im Kern eng an den Fakten.

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