Peter Heather Die Wiedergeburt Roms

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Inhaltsangabe zu „Die Wiedergeburt Roms“ von Peter Heather

Mit großer Erzählkunst und analytischer Schärfe schildert Peter Heather das Nachleben des Römischen Reiches von seinem Untergang im Westen bis ins Mittelalter. Eine neue und aufsehenerregende Geschichtserzählung, wie die mittelalterliche Welt entstand. In seinem fulminant geschriebenen Buch bietet Peter Heather eine neue Gesamtdarstellung Roms, die von 476 n. Chr. bis zum Jahr 1000 reicht. Er zeigt, wie sich neue Reiche auf dem Territorium des ehemaligen Römischen Reiches bildeten und neue Kriegergesellschaften entstanden. Auch wenn die Einheit des alten »Imperiums« zerstört war, so war der Traum seiner Wiederherstellung nach wie vor lebendig. Und doch mussten alle Versuche von so unterschiedlichen Herrschern wie Theoderich, Justinian und Karl dem Großen, das Römische Reich zu erneuern, scheitern. Erst im 11. Jahrhundert gelang es den Barbaren, durch die Stärkung des Papsttums eine neue Ordnung zu begründen, die zum Ausgangspunkt unserer westlichen Geschichte wurde.

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  • Politische Entfaltung

    Die Wiedergeburt Roms
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    12. November 2014 um 11:52

    Politische Entfaltung Odoaker war es 476, der letztlich ganz offiziell das Ende des weströmischen Reiches besiegelte, indem er nach Ermordung von Großvater und Vater des damaligen Kind-Kaisers Romulus dem oströmischen Kaiser Zeno Westrom und Rom selbst mitsamt der Herrschaftsinsignien übergab. Der Endpunkt des größten Reiches, dass die Welt bis dato gesehen hatte, Jahrhunderte der römischen Vorherrschaft, der gefürchteten Legionen und der Einheitlichkeit in der Jurisdiktion für weite Teile der bekannten Welt. Wobei dieses Ereignis natürlich, wie Heather nachvollzieht, nicht aus dem luftleeren Raum sich ergeben hatte, sondern den Punkt hinter eine lange Entwicklung des inneren und äußeren Niedergangs Roms setzte. Zugleich der Ausgangspunkt für Heathers Betrachtungen der weiteren Entwicklung, des „Startpunktes der Moderne“, der (vergeblichen) Versuche folgender Herrscher, „das Ganze“ im alten Sinne zusammenzuhalten oder neu zu erschaffen, des Aufstiegs der römischen Kirche und Kurie ihrerseits zur „Weltmacht“, der Versuche der Restaurierung Roms in anderer Weise und all dessen, was diese Entwicklungen für die Entwicklung Europas im Mittelalter bedeuten. Ganz hervorragend und flüssig im Stil zeichnet Heather die politischen Entwicklungen ab. Die Verbindungen und Trennungen, die machtpolitischen Ränke, die Entstehung mächtiger Kleinstaaten und der Versuch vor allem Roms und später des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“, das „Gesamte“ möglichst weit unter den eigenen Einfluss zu bringen. „In den folgenden 400 Jahren setzte in der mittleren Großregion…….ein beschleunigter Transformationsprozess ein, der alle Lebensformen veränderte….stiegen die Produktivität der Landwirtschaft und die Bevölkerungsdichte an, die Wirtschaftsbeziehungen erreichten ein bislang nicht gekanntes Maß an Komplexität und ihre politischen Strukturen festigten sich“. Hier bildeten sich die Grundlagen für die nun einsetzende ausdifferenzierende Entwicklung, die mit dem Einfall der Hunnen ins römische Reich sich rasant beschleunigte. Dem geht Heather detailliert nach und legt beständig die dahinter waltenden Interessen, Mächte und Strategien vor Augen, eingegossen in die in seinen Augen drei beherrschenden Figuren der folgenden Jahrhunderte. Theoderich als de facto Nachfolger der Caesaren, der in einem Brief an den oströmischen ausdrücklich betont: „unsere Regentschaft ist die Nachahmung der Euren, ein Abguss der guten Vorlage“. Auch wenn Theoderich sich nicht als „Kaiser“ bezeichnen ließ. Dennoch passt es, wenn Heather im Buch auf diese Regentschaft als „das gotische Römerreich“ zurückblickte, bevor er zur prägenden Figur nach Theoderich überleitet, Justinian I.. Theoderich hatte über die längste Zeit seiner Regentschaft die militärische Macht im Westen (die am Ende nicht mehr schlagkräftig genug war), Justinian suchte erneut die Herrschaft über den Westen, die Vereinigung der beiden Reiche und die Wiederaufrichtung Roms mit seinen militärischen Mitteln. Wie ein historischer Roman liest sich das in vielen Teilen des Buches und führt zum Zusammenbruch der stabilen Struktur in Wirtschaft und politischer Ordnung auch im Ostreich durch das starke Aufkommen des Islam. Heather verneint dabei interessanterweise eine direkte Verbindung mit Justinians Plänen der Neu-Eroberung des Westens, des damit einhergehenden Auszehrens des Osten und letztlich des Zerfalls des gesamten römischen Reiches. „Im besten Fall kann man dem Kaiser nur eine Nebenrolle bei der Herausbildung einer erstarkenden arabischen Herrschaft zugestehen“. Am Ende aber „schied der östliche Raum für immer aus dem Kreis potentieller Kandidaten aus, der für die Wiederherstellung des Römischen Reiches im Westen infrage kamen“. Ein solcher Kandidat kam aus dem Westen. Karl der Große als „Vater Europas“, dessen politische Ausgangssituation und Möglichkeiten der Leser nach den ersten beiden Hauptteilen des Buches nun hervorragend einzuordnen versteht und dessen Wirken und Folgen desselben Heather sehr ausführlich, mit Verweisen auf die „Nachwirkungen“ nachgeht und ebenfalls beständig sehr „moderne“ Illustrationen des Gemeinten einfließen lässt, die das ihre dafür tun, die Lektüre sehr plastisch und prägnant zu gestalten. Ein Jahrtausend der Auseinandersetzungen, der Separationen, das Heather Revue passieren lässt und jeweils politisch klar einzuordnen versteht. Eine ganz hervorragende Lektüre, um zu begreifen, warum Europa ist, wie es ist und was man für Schlüsse für die Zukunft daraus ziehen kann. Wobei der Titel besser gewählt worden wäre als „Die Versuche der Wiedergeburt Roms“.

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