Ich war Hitlers Trauzeuge

von Peter Keglevic 
4,3 Sterne bei15 Bewertungen
Ich war Hitlers Trauzeuge
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Pagina86s avatar

Skurrile Lebensgeschichte des Harry Freudenthals! Sehr interessante Story und außergewöhnliche Rückblicke! Schreibstil top!

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Eine tolle Geschichte, mit viel Humor, Witz und doch auch ernst erzählt

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Inhaltsangabe zu "Ich war Hitlers Trauzeuge"

Ein fulminanter Roman über die Absurdität der letzten Kriegswochen
Anfang April 1945, die letzten Tage des »Dritten Reiches«. Bislang konnte der untergetauchte Jude Harry seinen Häschern entkommen, doch nun hat ihn das Glück verlassen. Wäre da nicht Leni Riefenstahl, die aus dem großen Lauf für den »Führer«, der in zwanzig Etappen von Berchtesgaden aus tausend Kilometer durch das »Tausendjährige Reich« führt, noch den großen Durchhaltefilm drehen soll. Doch es ist nicht mehr leicht, genügend Teilnehmer aufzubieten, und so gerät Harry dank Riefenstahls Hilfe in den Pulk der Läufer. Der irrwitzige Lauf führt ihn schließlich bis in den Berliner Führerbunker, wo er nicht nur als Trauzeuge von Adolf Hitler und Eva Braun Geschichte schreibt ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328103776
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:576 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:10.12.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 18.09.2017 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Das_Lesedings avatar
    Das_Lesedingvor 4 Monaten
    langatmig

    Inhalt:
    Harry Freudenthal nimmt als Jude am „Lauf für den Führer“ teil und gewinnt. Während der 20 Etappen hat Harry viel Zeit, um über sein bisheriges Leben nachzudenken …

    Schreibstil:
    Als Pendant zu „Er ist wieder da“ wurde dieses Buch beworben und es hat kläglich versagt. Harry läuft und läuft und läuft, ein Duracell-Hase hätte es nicht besser machen können. Daher ist ein Teil des Buches definitiv nur für Leser geeignet, welche sehr sportbegeistert sind. Der andere Teil widmet sich den Erlebnissen von Harrys bisherigem Leben. Leider springt die Geschichte so oft hin und her und beinhaltet so viele Namen und Orte, dass es sehr schnell zur Verwirrung kommt und ein kleiner Spickzettel für den Leser nötig wird. Muss das so sein?!

    Der Ausdruck ist okay, ebenso wie die stilistischen Mittel. Ab der Hälfte des Buches sind dem Autor aber wohl die Ideen ausgegangen, denn es wiederholt sich vieles. Hier hätte man gute 150 Seiten kürzen können.

    Charaktere:
    Obwohl das Buch so lang ist und Harry wirklich viel erlebt, bleiben die Figuren sehr blass. Sie zeigen keine Tiefe und durch die Vielzahl der auftretenden Personen will man sich auch gar nicht so genau mit jedem einzelnen befassen.

    Cover:
    Das Cover wirkt sehr hart und durch die kantige Gestaltung wirkt es eher abschreckend.

    Fazit:
    Ein sehr langatmiges Buch, welches mich über 2 Monate Lesezeit kostete. Ich kann es nur an Sportbegeisterte Leser empfehlen und vergebe nur 2 Sterne.

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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Eine tolle Geschichte, mit viel Humor, Witz und doch auch ernst erzählt
    Dem Grauen ins Gesicht lachen

    Harry Freudenthal versucht alles, um sich als Jude im nationalsozialistischen Deutschland zu verstecken und immer wieder unterzutauchen. Seine letzte Hoffnung im April 1945 ist die Tarnung als Pilger auf dem Weg nach Santiago di Compostela. Doch er wird aufgehalten und landet plötzlich als Teilnehmer beim Lauf zum Führergeburtstag am 20. April, 1000 Kilometer für das tausendjährige Reich. Am Geburtstag des Führers sollen sie in Berlin einlaufen, doch der Krieg rückt immer näher und so wird der Lauf zu einer Jagd durch das teils schon besetzte Deutschland mit dem immer fragwürdigeren Ziel Berlin. Denn was soll sie dort noch erwarten? Zusätzlich wird der Lauf von Leni Riefenstahl begleitet, die eine große Dokumentation darüber machen will und dem Ganzen so noch zusätzliche Wichtigkeit verleihen soll. Ein skurriles Ereignis nimmt seinen Lauf.
    Peter Keglevic hat mit der Geschichte von Harry Freudenthal eine bemerkenswerte Story geschaffen. Auf schon fast groteske Art und Weise begegnet Harry dem Grauen und der Verfolgung mit Witz und Humor. Mit seiner Teilnahme am Lauf für den Führer, kann er die Nazi-Größen - wenn auch ungewollt – endgültig vorführen. Er als Jude und damit Volksfeind schlägt sich gut im Lauf um den ersten Platz. Skurril auch, wie das Feld immer weiter ausdünnt und die Damen vom BDM krampfhaft versuchen, den Lauf trotz aller Widrigkeiten aufrecht zu erhalten. Ganz dem Bild der deutschen Frau entsprechend, blond, drall und fürsorglich. Man schwankt beim Lesen die ganze Zeit zwischen Grauen und Lachen, vielleicht ist es genau das, was Peter Keglevic erreichen will: Dass wir dem Grauen ins Gesicht lachen, dass wir dabei sind, wenn Harry nicht klein beigibt sondern wie ein Stehaufmännchen immer weiter macht. In Rückblenden erfahren wir, wie er sich soweit durchschlagen konnte, warum er im April 1945 noch am Leben ist und mit dem Einmarsch der Amerikaner wächst die Hoffnung, dass er der Glückliche ist, der es schafft, der die Nationalsozialisten narren kann und mitten auf dem Präsentierteller steht und doch durchkommt. Doch ist das überhaupt möglich, bei der Wut und Verachtung mit der die Nationalsozialisten am Ende noch jeden Grashalm zu verteidigen scheinen?
    „Ich war Hitlers Trauzeuge“ ist eine spannende Geschichte voller Witz und Trotz im Angesicht von Angst und Zerstörung, die einen als Leser nicht unberührt lassen kann. Mich hat dieser Roman wirklich beeindruckt, Peter Keglevic hat eine tolle Idee in eine sehr bewegende, lustige und zugleich grausige Geschichte umgesetzt, eine großartige Leistung. 

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    kleeblatt2012s avatar
    kleeblatt2012vor 10 Monaten
    wir laufen für den Führer


    Harry Freudenthal ist Jude und lebt zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Für ihn kein leichtes Unterfangen, muss er doch verheimlichen, was sein wahrer Glaube ist. Irgendwie schafft er es, den Schergen der SS zu entfliehen, ist jedoch auch immerwährend auf der Flucht. Durch Zufall und dem Einwirken der Reichsfilmregisseurin Leni Riefenstahl nimmt er am Jahreslauf zu Ehren des Führers teil. 1000 Kilometer von Berchtesgaden nach Berlin in tägliche Abschnitte aufgeteilt. Der Sieger hat die Ehre, dem Führer am 20. April zu seinem Geburtstag zu gratulieren.
    Harry wird zu Paul Renner und läuft inkognito mit, hat jedoch Mühe, sein Geheimnis zu bewahren. Doch er muss durchhalten. Bis zum Geburtstag, bis zum Bunker, bis zum Ende des Krieges.


    Der Klappentext verspricht einen "grandiosen, tragikomischen Roman", der am Ostersonntag, 1945 beginnt. Denn dann startet "Wir laufen für den Führer", ein 1000 km langer Lauf von Berchtesgaden bis nach Berlin.
    Was sich als irrwitziges Unterfangen seitens des Juden Harry Freudenthal herausstellt, entpuppt sich als ein Lauf um sein Leben. Ein Lauf, um sich und seine Religion zu retten. Und so lässt er sich auf den Lauf ein und gibt sein Bestes.


    Wir lernen zu Anfang den Juden Harry Freudenthal kennen. Er sitzt in einem Friseursalon und mit seinen über 90 Jahren trägt er nun schon seit langer Zeit ein Geheimnis mit sich herum. Jetzt, hier im Salon, muss es heraus und er beginnt zu erzählen. Von seiner Jugend, von dem Lauf und von seinen Erlebnissen mit diversen im zweiten Weltkrieg lebenden Personen.


    Wir treffen auf Leni Riefenstahl, Goebbels, Eva Braun, Hitler und andere seiner Schergen. Wir erleben die Schrecken des Krieges, die letzten Tage des Adolf Hitler sowie Harrys Angst, ob er lebend aus dem Ganzen herauskommt.


    Der Lauf von Berchtesgaden nach Berlin ist in Etappen aufgeteilt. Jeden Tag wird ein bestimmter Abschnitt gerannt, wobei man durch die unterschiedlichsten Gegenden läuft. Je näher Harry alias Paul an Berlin herankommt, umso mehr bekommt er vom Krieg mit. Bombenabwürfe, Tote auf der Straßen, brennende Häuser, geplünderte Dörfer, das ganze Elend des Krieges. Das Ende ist so nah.


    Während dem Laufen hat Harry viel Zeit nachzudenken und so bekommen wir Rückblicke auf sein bislang 25 Jahre währendes Leben. Und er hat viel erlebt. Sehr viel. Sehr, sehr viel. So viel, dass ich ca. in der Mitte des Buches mehr als skeptisch war, ob man so viel überhaupt in 25 Jahren erleben kann. Denn die Rückblicke sind so zahlreich, dass ich den Überblick verloren habe. Den Überblick über Harry, seine Freunde und seine Erlebnisse.


    Und dann ist da noch Harrys selbst auferlegte Mission. Er will gewinnen, um in den Bunker zu Hitler zu gelangen. Denn so hat er vielleicht die Chance, zu überleben. Und er schafft es tatsächlich, zu gewinnen. Doch im Bunker angekommen, neigt sich alles dem Ende zu. Er erlebt die letzten Tage des Adolf Hitler und seiner Getreuen.


    Der Autor hat mich am Anfang noch mitreißen können. Doch dann verzettelt er sich meiner Meinung nach so sehr in seinen Rückblicken, dass ich Mühe hatte, auseinanderzuhalten, ob wir uns jetzt im Jahre 1945 befinden oder in den Rückblicken. Harry trifft auf eine Unmenge von Menschen, in seinen Gedanken und während des aktuellen Laufs. Viele Namen werden genannt, viele Orte besucht und so einige Erlebnisse erlebt.


    Mir war alles einfach zu viel. Teilweise habe ich die Rückblicke auch nur überflogen und versucht, nur dem aktuellen Lauf zu folgen. Erst die letzten 50 Seiten haben mich wieder fesseln können, als sich Harry im Bunker aufhält und dort Adolf Hitler, Eva Braun und andere bekannte SSler kennenlernt. Und ab da wird es auch wieder sehr "fantastisch", die Phantasie des Autors kennt keine Grenzen. Und kommt auch wieder an das heran, was ich zu Anfang des Romanes so gut fand. 


    Der Schreibstil ist anfangs noch sehr packend, aber irgendwann ließ es bei mir das Interesse nach, eben aufgrund der so zahlreichen Informationen. 


    Fazit:
    Guter Anfang, gutes Ende. Nur zwischendrin war es einfach "too much". 

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    Michelangelos avatar
    Michelangelovor 10 Monaten
    Ich war Hitlers Trauzeuge

    Obwohl die Niederlage des Deutschen Reiches schon in greifbarer Nähe ist, wird am Ostersonntag 1945 zum 13. Mal der 1000 km Lauf „ Wir laufen für den Führer“ gestartet.
    Er führt über 20 Etappen von Berchtesgaden nach Berlin und der Sieger darf am 20.April dem Führer zum Geburtstag gratulieren. Aber dieses Mal gibt es nur eine sehr kleine bunt zusammengewürfelte Läufergruppe, von denen kaum jemand ein Sportler zu sein scheint.

    Harry Freudenthal lebt seit Jahren untergetaucht und unter diversen Identitäten und hat es mit viel Glück bislang geschafft den Häschern zu entkommen und zu überleben.
    Als er mit einer Gruppe unterwegs ist, um nach Santiago de Compostelo zu pilgern, wird diese aufgegriffen, seine Kameraden werden erschossen. Er verdankt sein Überleben bei dieser Aktion nur Leni Riefenstahl, die vor Ort ist und diesen Lauf auf Zelluloid bannen soll. Er fällt ihr auf und so wird er ungefragt der Läufergruppe hinzugefügt und rennt als Paul Renner um sein Leben.

    Wir werden im Lauf der Erzählung von Tag zu Tag des Laufes geführt mit allen Widrigkeiten ,die sich durch die näherkommende Kriegsniederlage immer mehr zuspitzten. Harry (Paul) gleitet während der stundenlangen, strapaziösen Läufe weit in die Vergangenheit seines Lebens ein und belohnt uns in diesem Rahmen mit seiner kompletten Lebensgeschichte, die mich sehr beeindruckt hat.

    Alle Persönlichkeiten, die in diesem Buch beschrieben werden sind exzellent herausgearbeitet und man kann sie förmlich vor sich sehen mit ihren so unterschiedlichen Charakteren und Verhaltensweisen. Der Autor hat durch seine jahrelange Recherche auch die Verhältnisse und Umstände sehr lebensnah getroffen und man wird dadurch in die Lage versetzt diesen Lauf regelrecht mitzuerleben, als wenn man selber dabei gewesen wäre.

    Das Buch lässt sich leicht und gut lesen und man kann die Absurdität vieler Handlungen und die Umstände dieser letzten Kriegstage begreifen. Es entschärft das doch ernste Thema durch feine Ironie und schwarzen Humor. Dieses Buch ist mal eine absolut andere Art und Weise an das Thema heran zu gehen und es ist gut gelungen und einfach lesenswert.




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    buecherwurm1310s avatar
    buecherwurm1310vor einem Jahr
    Lauf für den Führer

    Im Jahr 1945 ist abzusehen, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden kann und das Ende des 1000jährigen Reiches naht. Trotzdem startet am Ostersonntag der dreizehnte Volkslauf „Wir laufen für den Führer“. Der Gewinner darf dem Führer dann am 20. April im Namen des deutschen Volkes zum Geburtstag gratulieren. Reichsfilmregisseurin Leni Riefenstahl soll diese Veranstaltung als Durchhaltefilm in Szene setzen. Sie ist anspruchsvoll und Das Läuferfeld entspricht nicht ihren Ansprüchen. Zufällig sieht sie einen Mann, blond und mit blauen Augen - der perfekte Arier, der unbedingt dabei sein muss. Der Jude Harry Freudenthal hat bisher unter einer ganzen Reihe von Identitäten überlebt, nun ist er Paul Renner, der sich plötzlich unter den Läufern befindet und damit im letzten Augenblick seiner Exekution entgeht. Es ist aberwitzig, was er während des 1000-Kilometer-Laufs erlebt, doch es gelingt ihm, den Führerbunker zu erreichen und zu überleben.

    Als mir das Buch in die Hand fiel, bin ich mit einiger Skepsis an dieses Buch herangegangen, obwohl ich historische Romane mag. Ich habe erwartet, nur den Schrecken, das Morden, die Angst und das Elend zu erleben. Aber ich wurde eines Besseren belehrt, denn es ging durchaus auch amüsant zu. Allein schon wenn man sich vorstellt, dass ein Jude unter den Augen der Nazis dem System ein Schnippchen schlägt.

    Ich mochte den sympathischen Harry Freudenthal, der sich alles abverlangt, damit er diesen Lauf übersteht und überlebt, und mit Widrigkeiten hatte er wohl genug zu kämpfen. Während des Laufs hat er viel Zeit, sich zurück zu erinnern. Durch seine Gedanken erfahren wir auch viel über seine Vergangenheit und seine Familie. Das Glück scheint ihm immer wieder hold gewesen zu sein.

    Es ist eine fiktive Geschichte, aber mit so vielen realistischen Details, dass man sie für bare Münze nehmen könnte. Sie ist in einem ironisch-lockeren Ton geschrieben, so dass sich das Buch angenehm und flüssig lesen lässt. Obwohl schon früh bekannt ist, dass der Protagonist überleben wird, habe ich mitgefiebert und gebangt.

    Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und ich kann es wärmstens empfehlen.

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    Anis avatar
    Anivor einem Jahr
    Mörderischer Lauf ums Überleben

    Ostersonntag, den 1. April 1945, soll in Berchtesgaden der Langstreckenlauf "Wir laufen für den Führer" starten. Auf die Teilnehmer wartet eine große Herausforderung: 20 Etappen zu jeweils 50 Kilometern, von Berchtesgaden bis Berlin, gilt es zu bewältigen. 1000 Kilometer durch das Tausendjährige Reich! Auf den Gewinner wartet eine besondere Auszeichnung, denn er darf Adolf Hitler bei der Ankunft am 20. April zum Geburtstag gratulieren. Die Reichsfilmregisseurin Leni Riefenstahl höchstpersönlich soll einen großen Durchhaltefilm von diesem Ereignis drehen. Da sie Wert auf Perfektion legt, entsprechen die meisten Läufer allerdings nicht ihrem Standard. Als ihr der untergetauchte Berliner Jude Harry Freudenthal ins Auge fällt, steht für sie fest, dass dieser blonde Arier, mit seinen blauen Augen, unbedingt dabei sein muss. Da man einer Leni Riefenstahl nicht widerspricht, gerät Harry unter die Läufer und kann damit seinen Häschern und seinem scheinbar bereits besiegelten Tod im letzten Moment entkommen. Und so läuft der blonde Jude Harry, der in all den vergangenen Kriegsjahren bereits meisterliche Fähigkeiten im Untertauchen entwickelt hat, unter dem Decknamen "Pilger" Paul Renner, mitten im Pulk der Läufer und somit direkt unter den Augen der Nazis, quer durch das Land, mit dem Ziel, den Führerbunker zu erreichen....

    Der Jude Harry Freudenthal, alias Paul Renner, erzählt die Geschichte dieses absurden Volkslaufs. Er schildert dabei nicht nur die Ereignisse rund um den Lauf durch das bereits untergehende Dritte Reich, sondern auch die Geschichte seines Lebens. Der Lauf selbst ist mörderisch und verlangt den Teilnehmern alles ab. Mangelnde Verpflegung, schlechte Witterungsverhältnisse, gefährliche Strecken, die mitten durch das umkämpfte Reich führen, Flieger- und Bombenangriffe, die Angst als Deserteur aufgegriffen  und sofort hingerichtet zu werden und der ständige Kampf, den Körper zur Bewältigung jeder einzelnen mörderischen Etappe zu motivieren, sind nur einige Extreme mit denen die Läufer zu kämpfen haben. Beim Lauf durch das Land schweifen Harrys Gedanken in die Vergangenheit ab. Dabei erfährt man nach und nach, was er und seine jüdische Familie im Verlauf dieses Krieges mitgemacht haben. 

    Harry beschreibt die Ereignisse in einem lockeren Ton, sodass sich das Buch, trotz des nicht gerade geringen Umfangs, flott lesen lässt. Harry ist ein echter Überlebenskünstler und dem Tod bereits einige Male von der Schippe gesprungen. Dennoch erzählt er seine Geschichte teilweise sehr ironisch und mit schwarzem Humor gespickt. Deshalb kommt beim Lesen garantiert keine Langeweile auf. Im Gegenteil, denn die Geschichte, in der historisch belegte und fiktive Persönlichkeiten tragende Rollen spielen, entwickelt sich zu einem echten Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen mag. 

    Ich habe mich beim Lesen dieses Romans sehr, sehr gut unterhalten und mochte ihn bereits nach wenigen Seiten kaum noch aus der Hand legen. Die Art, in der Harry seine Geschichte erzählt, konnte mich voll und ganz begeistern. Es kam mir so vor, als ob er mir direkt gegenüber sitzen und seine Erinnerungen mit mir teilen würde. Der ironische Tonfall und der eingestreute schwarze Humor, ließen das Ganze auf mich sehr lebendig wirken und bei den Szenen, in denen er den mörderischen Lauf beschreibt, der ihm alles abverlangt, habe ich regelrecht mit ihm mitgefiebert. Deshalb bekommt das Buch von mir auch alle fünf Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung! 

    Kommentare: 4
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    Andrea-Karminrots avatar
    Andrea-Karminrotvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Tragisch und komisch. Ich konnte es nicht aus der Hand legen...
    Laufen für den Führer

    1000 km, mussten gelaufen werden, damit am Ende der Sieger, Adolf Hitler den Geburtstagsgruß überreichen durfte. Quer durchs Reich ging dieser Lauf. Täglich liefen die Athleten um die 50 km. In den “guten” Zeiten, liefen sehr viele Sportler mit. (Gab es einen solchen Lauf wirklich? Ich fand nichts heraus) Auch, als schon alles verloren schien. 1944 startete noch einmal ein Trupp von über 70 Mann. Nur Vier von ihnen waren echte Athleten. Die Anderen, zusammengesucht, entbehrlich, was der Krieg und die Verteidigung des Landes zuließ. Unter ihnen, Harry. Ein Jude, der sich bisher, als “U Boot”, vor den Narzis verstecken konnte. Einkassiert, als er mit Anderen, versteckt Lebenden, gerade das Land verlassen wollte. Die Anderen, hatten kein so großes Glück an dieser Laufveranstaltung teilzunehmen. Sie würden, ohne Federlesen, einfach erschossen werden. Leni Riefenstahl, persönlich, schob den 23 jährigen in die Mitläufer, damit genügend Männer auf ihrem Film, den sie über den Lauf drehen wollte, dabei sind.

    Harry Freudenthal, ist der Erzähler und er hat einen trockenen Humor, sehr trocken! Dass er wieder in seiner Heimatstadt Berlin laufen soll, erschreckt ihn eher weniger. Obwohl, er viel lieber aus dem Reich verschwinden wollte. Er versorgt sich mit der “besten” Kleidung aus einem Kleiderstapel, der den “einkassierten” Läufern zur Verfügung gestellt wird. Er sucht sich ein paar derbe Bergschuhe heraus und vertraut auf die vier Engel, die seine Bobe (Großmutter), ihm bei seiner Geburt an die Seite gestellt hat. Denn er ist mit einer Glückshaube geboren. Auch Leni Riefenstahl scheint ein Auge auf ihn zu haben. Die Regisseurin treibt die Läufer zusätzlich an, denn sie dreht einen Film über diesen Lauf, zu Ehren Hitlers Geburtstag.

    Der Roman liest sich wirklich flott. Am Anfang, kamen mir zu oft einige sexistischen Einlagen vor, die sich aber im Laufe der Story in das Gesamtbild einfügen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, und während Harry beim Laufen seine letzten Jahre überdenkt, um so mehr gefiel mir, was ich da las. Ironisch, mit trockenem schwarzen Humor garniert, las sich der Roman schnell und spannend. Grotesk, wie der Jude Harry mit den arischen Läufern durch ein Deutschland läuft, dass sich in Teilen ergibt, zerstört und marode.
    .
    Immer mehr, erfährt man über den Läufer Harry, der unter dem Decknamen “der Pilger” oder “Paul Renner” seine täglichen Kilometer läuft. Seine ganz persönliche Geschichte, wie er sich als Jude vor den Nazis retten musste. Wie ihm geholfen, oder er denunziert wurde. Immer mit einer gehörigen Würze von schwarzem Humor.

    Der Autor, Peter Keglevic, hat 20 Jahre an diesem Roman recherchiert. Er ist selber die Strecke, die er sich erdacht hat, mal mit dem Fahrrad oder per Pedes abgelaufen. Er hat sich mit den damaligen Möglichkeiten auseinander gesetzt, die ein versteckt lebender Jude in der Naziherschaft hatte.

    Ich finde es grandios geschrieben. Und es würde mich nicht wundern, dieses Buch, eines Tages, verfilmt zu sehen. 

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    KristinSchoellkopfs avatar
    KristinSchoellkopfvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Mein Jahreshighlight!
    Grandios!

    Kaum eine historische Passage wird so häufig in der Unterhaltungsliteratur thematisiert, wie die NS-Zeit. Vieles aus dieser Zeit erscheint zu absurd, um wahr zu sein. So auch ein „Lauf für den Führer“, welchen Peter Keglevic in seinem Roman „Ich war Hitlers Trauzeuge“ thematisiert…

    Mir wurde der Roman als Vorableseexemplar angeboten und ich war, nachdem ich mich über diesen informiert hatte, mehr als begeistert. Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass diese Erzählung etwas besonderes war. Durch den Sprung zwischen den Jahren 2013 und 1945 entsteht innerhalb des Geschehens eine Dynamik, die den Leser mit sich reißt. Aufgrund der Verschmelzung von Fakten und Fiktion, erschafft Peter Keglevic ein Werk, das – für mich – zu den besten des Genres zählt.

    Ich durfte während des Lesens die unterschiedlichsten Charaktere begleiten, was die Sicht des Lesers auf das Geschehen erweitert. Auf der einen Seite stehen überzeugte Nationalsozialisten, auf der anderen ein untergetauchter Jude. Diese Abwechslung führt dazu, dass dem Leser keine Position bezüglich des Beschriebenen aufgezwungen wird, sondern die historischen Geschehnisse für sich selbst sprechen und sich eine eigene Meinung des Lesers wie von selbst bildet. Auch die direkte Reaktion auf das Gelesene meinerseits empfand ich als beeindruckend, denn ich war so mitgerissen, dass ich am liebsten in die Geschichte getaucht wäre um meiner Meinung Gehör zu verschaffen. Schlichtweg brillant!

    Schreie, Hilferufe, Todesangst und ein vielstimmiges, wüstes Brüllen zerrten mich aus der Vergangenheit, und als ein paar Gewehrschüsse knallten, war ich in der Wirklichkeit des 13. April 1945 zurück. (Seite 372)

    Zuletzt muss ich Peter Keglevic als Autor nochmals nachdrücklich hervorheben. Als ich las, er habe zwanzig Jahre für den Roman recherchiert, war ich schwer beeindruckt und gleichzeitig stiegen meine Erwartungen an das Werk ins Unermessliche. Ich bin Geschichtsstudentin und lese somit leidenschaftlich gern historische Romane, sodass ich gerade an dieses Genre hohe Ansprüche stelle. Doch Herr Keglevic schildert die Geschichte von Harry Freudenthal so authentisch und überzeugend, dass der Wahnwitz eines Events wie dem „Lauf für den Führer“ allein durch seine Worte erzeugt wird, ohne dass dem Leser die eigene Perspektive genommen wird und ohne dass die Ironie Überhand gewinnt.

    Selten beendete ich ein Werk so schnell, wie „Ich war Hitlers Trauzeuge“. Dieses Werk ist nicht nur für Geschichtsstudenten ein Muss, sondern für alle, die sich dem dritten Reich auf eine kritische Weise nähern und versuchen wollen, die aberwitzigen Ereignisse während Hitlers Zeit zu verstehen.

    Fazit"Ich war Hitlers Trauzeuge" von Peter Keglevic gehört zu meinen Jahreshighlights 2017.

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    Pagina86s avatar
    Pagina86vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Skurrile Lebensgeschichte des Harry Freudenthals! Sehr interessante Story und außergewöhnliche Rückblicke! Schreibstil top!
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    C
    CrazyReadervor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Zutiefst berührend, zugleich lustig und superspannend ... Für mich eines der besten Bücher in diesem Jahr!
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