Peter Kersken

 4,5 Sterne bei 28 Bewertungen
Autor*in von Tod an der Ruhr, Im Schatten der Zeche und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Peter Kersken, geboren 1952 in Oberhausen im Ruhrgebiet, studierte Philosophie und Literaturwissenschaften in Freiburg und Köln und arbeitete als Redakteur bei einer Kölner Tageszeitung. Er lebt als freiberuflicher Autor in der Eifel. www.peterkersken.de

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Peter Kersken

Cover des Buches Tod an der Ruhr (ISBN: 9783863586591)

Tod an der Ruhr

(11)
Erschienen am 16.01.2017
Cover des Buches Im Schatten der Zeche (ISBN: 9783863583583)

Im Schatten der Zeche

(10)
Erschienen am 15.11.2013
Cover des Buches Zechensterben (ISBN: 9783897058668)

Zechensterben

(4)
Erschienen am 13.10.2011
Cover des Buches Die Tote aus der Emscher (ISBN: 9783740819637)

Die Tote aus der Emscher

(1)
Erschienen am 19.10.2023
Cover des Buches Die Suche nach dem goldenen Tod (ISBN: 9783954511587)

Die Suche nach dem goldenen Tod

(0)
Erschienen am 10.03.2023

Neue Rezensionen zu Peter Kersken

Cover des Buches Die Tote aus der Emscher (ISBN: 9783740819637)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Die Tote aus der Emscher" von Peter Kersken

Bellis-Perennis
Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Peter Kersken, Autor und Chronist des Ruhrgebiets, nimmt uns in diesem düsteren historischen Roman in den September des Jahres 1816 mit. Napoleon ist endgültig besiegt und in der Verbannung auf St. Helena. Die ehemals französischen Eroberungen wie das Herzogtum Berg stehen (wieder) unter preußischer Verwaltung. Seit Monaten wird Europa von Dauerregen und Kälte heimgesucht. Die Bauern können ihre Felder kaum bestellen und das wenige, was angebaut worden ist, kann wegen der fehlenden Sonnenwärme nicht reifen und verfault auf den Feldern. Niemand kann sich an eine so nasse Periode erinnern bzw. findet eine plausible Erklärung für die Unwetter. Daher machen sich alte Urängste in der Bevölkerung breit und der schon längst vergessen geglaubte Glaube an Hexen feiert Wiederauferstehung.  

Als Anna, eine kräuterkundige Kleinhäuslerin, tot aus der Emscher gezogen wird, ermittelt der preußische Untersuchungsrichter Anton Demuth vor Ort. Er bezieht Quartier in der Poststation und beginnt mit seinen Befragungen. Dabei stößt er auf einige Frauen, die Anna als Hexe bezeichnen und machen sie für Krankheit und Elend sowie den Tod mehrerer Personen verantwortlich. Leider sind diese Frauen keinem vernünftigen Argument zugänglich und verweigern, den Tatsachen in die Augen zu sehen. Selbst der Gemeindepfarrer kann gegen deren Hass nichts ausrichten.   

Demuth geht mit Sorgfalt und Akribie seiner Arbeit nach. So werden zahlreiche Personen befragt, unter anderem eine gastierende Schaustellertruppe und ein Bayer, der sich ebenfalls in der Poststation einquartiert hat und sich eigenartig verhält. Fremde sind zwar auf einer Poststation nicht selten, doch die Verweildauer eher kurz, weshalb der Bayer doch recht auffällt. Seine Geschichte, die Demuth zu Tage fördert ist so skurril, dass er sie schon für bare Münze nimmt. 

Die Untersuchungen nehmen ihren Lauf und langsam gehen Demuth die Verdächtigen aus, bis ihn ein Zeitungsartikel auf die richtige Spur bringt ... 

Meine Meinung: 

Dieser historische Roman beruht auf historischen Tatsachen. Das Jahr 1816 geht als „Jahr ohne Sommer“ in die Annalen ein. Rund 100 Jahre später wird man den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 als Ursache erkennen.  

Wir dürfen dem Untersuchungsrichter Anton Demuth bei seinen Ermittlungen über die Schulter schauen. Ich finde es immer recht spannend, wie die damaligen Ermittler ohne die zahlreichen Helferleins, die heutigen Polizisten zur Verfügung stehen, Verbrechen aufklären. Natürlich sind das eine oder andere unentdeckt und daher ungesühnt geblieben. Interessant finde ich die Anmerkung, dass zwischen erwachsenen und minderjährigen Tätern unterschieden worden ist. War das wirklich so? Ich bin zwar Österreicherin und keine Juristin, aber ich glaube gelesen zu haben, dass man das erst ab 1871 zumindest auf dem Papier so gehalten hat. Aber, vielleicht ist das ein Relikt aus dem französischen Code Civil, der ja um 1816 in den einigen ehemaligen französischen Eroberungen noch gegolten hat. 

Autor Peter Kersken gelingt es vortrefflich die düstere Stimmung einzufangen. Da sind zum einem die wetterbedingte Angst vor einer Hungersnot und zum anderen sowohl der generelle Argwohn Fremden gegenüber als auch der Neid auf jene Menschen wie Anna, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, um das Beste daraus zu machen. 

Schrecklich sind diese verbohrten und missgünstigen Weiber, die, auch wenn sie nicht persönlich Hand an der Toten angelegt haben, dennoch für deren Tod verantwortlich sind. Ein Großteil des Hasses auf Anna speist aus der Tatsache, dass sie ohne Ehemann gelebt hat.  

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman aus dem Ruhrgebiet um 1816 eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

 

Cover des Buches Zechensterben (ISBN: 9783897058668)
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Rezension zu "Zechensterben" von Peter Kersken

Igelmanu66
Gelungene Zeitreise ins Ruhrgebiet

»Herauszufinden, was da passiert war, war ihm von Anfang an nicht nur ein kriminalistisches, sondern auch ein ganz persönliches Anliegen gewesen. Er hatte dieses unsinnige Ende eines jungen Lebens begreifen wollen. Und das wollte er immer noch.«

 

Oberhausen, im Sommer 1966. Oberinspektor Manfred Wagner kann seinen Urlaub nicht genießen, der Tod eines 14jährigen Jungen lässt ihm einfach keine Ruhe. Sein Vorgesetzter ließ den Fall einstellen, weil es keinen Hinweis auf ein Fremdverschulden gibt. Doch Wagner ermittelt privat weiter…

 

Dieser historische Krimi reizte mich besonders, da ich am Schauplatz der Handlung einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend verbrachte und auch noch ordentliche Erinnerungen an das Zeitgefühl Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre habe. Gleich auf der ersten Seite saß Wagner auf dem Platz neben meiner alten Schule, da hat man natürlich alles besonders gut vor Augen.

 

Auch sonst ist der Zeitgeist hervorragend eingefangen. Die Erwachsenen haben mehr oder weniger traumatische Erinnerungen an den Krieg, auch Wagner wird von düsteren Erlebnissen gequält, die sein Leben in der Gegenwart beeinflussen. Bei den Arbeitern macht sich zudem Zukunftsangst breit, da die ersten Zechen dichtgemacht wurden. Ablenkung bietet die Fußballweltmeisterschaft, man muss nur zunächst jemanden finden, der bereits über einen Fernseher verfügt. Wenn ich las, wie die Menschen beschrieben wurden, wie sie aussahen, sich benahmen und welche Werte sie vertraten, sah ich vor meinem geistigen Auge sofort Eltern, Großeltern und diverse Tanten und Onkel.

 

In diesem Szenario versucht Wagner nun also, Licht in einen ominösen Todesfall zu bringen. Ein weiterer, mit möglichem Zusammenhang, wird dazukommen. Die Auflösung am Ende ist schlüssig, macht aber auch betroffen, da sie deutlich macht, wie viele Opfer und bedrückende Schicksale es zu dieser Zeit gab.

 

Fazit: Gelungene Zeitreise ins Ruhrgebiet der späten 60er Jahre, historischer Schauplatz und Zeitgeist sind sehr gut dargestellt. Der Krimi ist dabei etwas nachranging.

Cover des Buches Im Schatten der Zeche (ISBN: 9783897057142)
Igelmanu66s avatar

Rezension zu "Im Schatten der Zeche" von Peter Kersken

Igelmanu66
Tod im Ruhrpott

Im Juni 1912 freut sich ganz Sterkrade auf den Beginn der traditionellen Fronleichnamskirmes. Für zwei Tage wollen die Bergarbeiter und ihre Familien die täglichen Sorgen vergessen und freuen sich auf Schausteller und Gaukler. Doch am Vorabend der Kirmes wird einer der angereisten Artisten – ein „Zwerg“ - erschlagen aufgefunden. Und nur wenige Meter neben ihm liegt ein erschossener Bergmann. Der Verdacht, dass es zwischen beiden Morden einen Zusammenhang geben muss, liegt nahe. Und Kriminalwachtmeister Zomrowski beginnt zu ermitteln…

Dieser Krimi gibt gute Einblicke in das Leben der Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Ruhrgebiet erfuhr damals einen enormen Bevölkerungszuwachs, die Einwohnerzahl hatte sich innerhalb von 100 Jahren praktisch verhundertfacht. Einen hohen Anteil an diesem Bevölkerungszuwachs stellten polnische Arbeiter, um 1912 sprach rund ein Drittel der Bergarbeiter an der Ruhr polnisch. Die Konflikte zwischen diesen Gruppen finden ebenso Platz im Buch wie die zwischen katholischen und evangelischen Christen und die zwischen Christen und Sozialdemokraten. So verweigerte beispielsweise ein katholischer Priester einem Bergarbeiter die Absolution, weil dieser Mitglied der SPD und Abonnent der sozialdemokratischen Zeitschrift „Volksfreund“ war.

Kurz vor Einsetzen der Handlung in diesem Buch fand der große Bergarbeiterstreik statt, bei dem etwa 60 Prozent aller Kumpel in den Ausstand gingen. Sämtliche Forderungen der Arbeiter wurden abgelehnt, in der Folge gab es reichlich Konfliktpotential zwischen Streikenden und Streikbrechern. Auch diese Thematik spielt in unserer Geschichte eine wichtige Rolle. Überhaupt hat der Autor geschichtlich sehr gründlich recherchiert, hat diverse reale Begebenheiten in den fiktiven Mordfall eingebaut. Darüber gibt es im Anhang ein sechsseitiges Nachwort mit vielen interessanten Daten zur historischen Realität.

Die Mordfälle selber werden von dem mir sehr sympathischen und menschlichen „Kriminalen“ Zomrowski ruhig und sorgfältig ermittelt. Die Faktenlage ist anfangs kompliziert, nichts scheint zusammen zu passen und er muss „Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen“ zusammensetzen. Dabei bedient er sich Methoden der „modernen Kriminalistik“ wie der „Fotografiererei“, die von seinen älteren Kollegen als „moderner Firlefanz“ angesehen werden. Das macht Spaß zu Lesen und ist trotzdem spannend.

Ich war sehr gespannt auf diesen Krimi, schließlich liegen die Tatorte praktisch vor meiner Haustür. Natürlich sind seitdem 100 Jahre vergangen, aber noch heute lassen sich stillgelegte Fördertürme bewundern, gehören die alten Zechen und ihre Siedlungen auf der „Route der Industriekultur“ zu touristischen Zielen. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht – für mich wirklich ein tolles Buch!

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