Ein lauter, unbändiger Tinnitus, der mich von einem Tag auf den anderen überfiel und nicht wieder fortging, führte mich vor Jahren zu der Idee, um jeden Preis die verlorene STILLE zu suchen und zu finden. In gewissem Sinne wurde ich bei Peter Kingsley, der damals in Kanada lehrte, fündig, wenn auch anders als zuvor gedacht.
Peter Kingsley ist ein begnadeter, sprachgewaltiger Philosophiehistoriker, der in seinem Jahrhundertwerk REALITY den Lehren der Vorsokratiker nachgeht, um „den begrabenen Schatz hinter der Fassade auszugraben“. Bei Parmenides und Empedoceles entdeckt er die Quellen der abendländischen Kultur und die Quellen unseres Bewusstseins.
Dabei analysiert er zunächst das berühmte Gedicht des Parmenides und stellt fest, dass unsere Art zu leben auf Scheinsicherheiten und Ersatzwelten beruht. In weiten Teilen des Buches beschreibt er, dass unsere sogenannten Fakten und unser Denken in Wirklichkeit nur Fassade sind.
Eckhard Tolle, The Power of Now, warnt eindrücklich davor, dass die Lektüre dieses Buches mit der tiefgreifenden Erkenntnis von Bewusstseinsstrukturen letztlich dazu führt, „verwandelt zu werden“, was letztlich bedeutet zu verstehen, was REALITÄT heißt.
Wie weit ist also, um zu meiner persönlichen Ausgangsfrage zurückzukommen, jener unbändige, nervige Dauerton im Kopf „real“, und wie kann ich damit umgehen, ohne daran ver-rückt zu werden? Peter Kingsley, der in Wien ein Seminar zur „Inkubation“ abhielt, überzeugte mich davon, dass das Finden von Stille „eine Reise, die alle Reisen beendet“ sein kann, „und weit über alle menschlichen Erfahrungen hinausführt.“ Parmenides reist „geradewegs in die tiefste Nacht“ (S. 25)
Ein sehr beachtliches Buch, das wie kaum ein anderes die Welt der altgriechischen Philosophie öffnet und damit unseren heutigen Blick weitet für das, was REALITY sein könnte!






