Peter Klohs

 5 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Geschichten aus dem Duden, Für Elise: 15 Briefe und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Peter Klohs

Peter KlohsFür Elise: 15 Briefe
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Für Elise: 15 Briefe
Für Elise: 15 Briefe
 (1)
Erschienen am 25.10.2014
Peter KlohsGeschichten aus dem Duden
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Geschichten aus dem Duden
Geschichten aus dem Duden
 (1)
Erschienen am 17.10.2015
Peter KlohsFür Elise - 15 Briefe
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Für Elise - 15 Briefe
Für Elise - 15 Briefe
 (1)
Erschienen am 25.10.2014
Peter KlohsVenus - Bericht über eine Wandlung
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Venus - Bericht über eine Wandlung
Venus - Bericht über eine Wandlung
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Erschienen am 05.10.2017

Neue Rezensionen zu Peter Klohs

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Rezension zu "Geschichten aus dem Duden" von Peter Klohs

Geschichten zum Mehr-als-einmal-lesen
Igelmanu66vor 3 Jahren

„Dieses Buch“, dozierte Friedrich, „fügt sich nicht nur nahtlos in deine schöne Sammlung ein (er hasste Lücken derart, dass er selbst das Wort „Lücke“ nicht aussprechen mochte), es fordert und fördert sogar die Fantasie.“

 

Ein zunächst ungeliebtes Buchgeschenk hat der Erzähler hier erhalten, ein achthundert Seiten starkes Herkunftswörter-Buch. Den Duden Nummer 7, den er nie haben wollte, weil er die Lücke in seinem Bücherregal zwischen Duden Nummer 6 und Nummer 8 so liebt, sie geradezu kultiviert hat! Zunächst noch ärgerlich auf den schenkenden Freund, stellt er jedoch und zu seiner großen Überraschung fest, dass seine Phantasie, kaum dass er einen wahllos herausgesuchten Eintrag gelesen hat, tatsächlich anfängt zu arbeiten…

 

Büchern mit Geschichten gebe ich selten 5 Sterne. Häufig unterscheiden sich die Geschichten in der Qualität, meist sprechen mich zwar einige sehr an, andere hingegen „gehen so“ oder gefallen mir nicht besonders. Bei diesem Buch jedoch fand ich den Großteil so gut, dass ich das Buch – was sehr selten vorkommt – gleich noch ein zweites Mal gelesen habe.

 

Die 13 Geschichten sind sehr abwechslungsreich, spielen an Orten zwischen Nancy und Velbert, bleiben mal in der Gegenwart oder reisen in Vergangenheit oder Zukunft. »Der geneigte Leser und die schöne Leserin« kann einen Kommissar und seine Ermittlungstaktik beobachten, einen Ausflug in die Kindheit unternehmen oder ein sehr unterhaltsames Geschehen auf einem Kirmesplatz verfolgen. Ich habe mich über famose Pointen gefreut, eine Episode im Leben eines Autors und eine Geschichte über Freundschaft gelesen und war überrascht, was ihm so zu Begriffen wie „Spiel“, „Sammeln“, „Vogel“ oder „Jagd“ einfällt. Da der Autor die Musik sehr liebt, gibt es auch dazu etwas Passendes. Das Leseerlebnis war mal spannend, mal lustig, mal nachdenklich und auch mal erotisch. Und immer war es dabei sehr unterhaltsam!

 

Die Art und Weise, in der Peter Klohs mit Worten umgehen kann, habe ich schon in „Für Elise“ bewundert. Sein Stil ist lebendig, nett sarkastisch und ich kann mir gut vorstellen, dass er beim Schreiben manches Mal selber grinsen musste ;-)

 

Zwischen den Geschichten gibt es jeweils ein überleitendes Intermezzo, das klingt dann zum Beispiel so:

»Das war ein Spaß, ich sag’s Ihnen. Diese Imagination hatte mir große Freude bereitet. Doch es war ein später Abend, an dem mir mein Freund diesen Duden schenkte, und ich war recht müde. Also fuhr ich nach Hause und verschob alle weiteren Unternehmungen in Sachen Imagination auf den nächsten Tag. Und bereits am folgenden Abend kam die Gelegenheit: Einer dieser mir schon immer einigermaßen suspekt erscheinenden Jäger in Trachtenloden wurde in einer mir nicht mehr namentlich erinnerlichten Fernsehsendung zu seiner waidmännischen Tätigkeit befragt. Der Mann sagte etwa dieses: „Jagen ist angewandter Naturschutz.“ „Was?“, so dachte ich fassungslos, „Was hat er da gesagt?“ Das war ja fast so schlimm, als hätte ein Mitglied der Regierungskoalition behauptet, der Kanzler regiere tatsächlich unser Land. „Na wartet“, drohte ich in Gedanken, „euch werd‘ ich’s geben“…«

Herrlich! Für mich war jedes Intermezzo ein Appetitanreger :)

 

Kleiner Nachsatz für die Bildungshungrigen: Der dudenmäßige Eintrag zur Herkunft der phantasieanregenden Wörter steht jeweils zu Beginn der Geschichte. Man lernt also auch noch etwas…

 

Fazit: Auf 800 Seiten Duden sind noch viel, viel mehr Wörter! Ich hätte gerne noch mehr von diesen Geschichten :)

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Rezension zu "Für Elise: 15 Briefe" von Peter Klohs

Musik zum Lesen
Igelmanu66vor 3 Jahren

»Ich werde also über Musik schreiben. … Ich werde Sie, verehrte Frau Hauff, an einigen wenigen, jedoch immens wichtigen Begebenheiten in meinem Leben teilnehmen lassen. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dass Sie auf diese Weise den Stellenwert ermessen können, den Musik in meinem Leben spielt. Außerdem erfahren Sie so ja doch noch einiges über Ihren Nachbarn zur Rechten, so dass Sie nach der Lektüre dieser Seiten nicht mehr sagen können, dass Sie mich ja gar nicht kennen. Da ich nicht weiß, wie weit Sie in das Musikwunderland vorgedrungen sind, werde ich mir musikspezifische Worte verkneifen müssen; es tut auch nichts zur Sache, ob Sie wissen, was eine Triosonate oder ein Te Deum, eine Synkope oder eine verminderte Subdominante ist. Musik begreift man mit dem Gefühl und wenn das fehlt, kann man nichts machen.«

 

Felix Mendelsohn ist mit Leib und Seele Musikjournalist. Oder besser, er war es. Aus Gründen, die erst am Ende des Buches geklärt werden, wird er in 14 Tagen das Land verlassen und ein völlig neues Leben beginnen. Diese 14 Tage nutzt er, um seiner Nachbarin 14 Briefe zu schreiben. Heimlich ist er in sie verliebt, obwohl ihr Verhältnis nie über einen freundlichen Gruß im Treppenhaus hinausging. Wenn er abgereist ist, soll sie diesen Stapel von Briefen vor ihrer Tür finden und durch die Lektüre einiges über ihn und die Bedeutung, die Musik in seinem Leben hat, erfahren.

 

Mmh, das klingt ja erst mal nicht sooo wahnsinnig spannend. Das dachte ich zumindest, als ich die ähnlich klingende Inhaltsangabe las. Bei der Leseprobe war es aber sofort um mich geschehen und das Buch habe ich wirklich und wahrhaftig mit allen Sinnen genossen. Der Autor versteht es auf phantastische Weise, Musik – fernab aller Noten – aufs Papier zu bringen.

 

Dabei nutzt er nicht einmal das umfangreiche musikalische Vokabular, nein, er verzichtet - wie er im Eingangszitat schon erklärt – auf „musikspezifische“ Worte und es ist mir ein großes Rätsel, wie er es geschafft hat, Musik mit normalen Worten so zu beschreiben, dass ich mir einbildete, sie hören zu können. Die Bilder, die er mit seinen Worten hervorruft, erschienen vor meinem geistigen Auge und ich hörte, was der Erzähler hörte, ich sah, was er sah und ich bildete mir manchmal sogar ein, einen Duft wahrzunehmen…

»Ich sah die Noten und erlebte sie zur gleichen Zeit. In der Musik schien die Sonne, es war ein Hochsommertag. Der Schatten eines gewaltigen Laubbaumes wanderte langsam über eine ursprüngliche Wiese. Irgendwo plätscherte ein unsichtbarer Bach, das Geräusch von fliegenden Insekten übertönte leicht das Reiben der Gräser im zaghaften Wind …«

 

In seinen 14 Briefen erzählt Felix Mendelsohn auch einiges aus seinem Leben, es gibt Ereignisse, die in seiner Kindheit liegen, manche betreffen vergangene Beziehungen oder alte Freundschaften. Es gibt Episoden aus seinem Berufsleben, schöne Erlebnisse und sehr traurige. Eins ist ihnen gemein: Sie sind alle untrennbar mit einer bestimmten Musik verbunden.

 

»Es war vollkommen still geworden; die Wärme der Sonne hatte auch meinen Atem beruhigt. Ich stieg zwei Stufen empor und stand nun neben dem gigantischen Messingständer. Mein Blick schweifte durch den Kirchenraum. Nein, da war kein Mensch, ich war mit meiner Aufgabe allein. Langsam hob ich die Arme.

Und dann offenbarte sich mir die neue Welt. Genau in dem Augenblick, als meine kleinen, zehnjährigen Finger das bleiche Wachs der Kerze berührten, um auszuprobieren, ob sie anzuheben war, donnerte die Orgel los und meine unbedeutende, alte Kinderwelt ging unter.

Der Kirchenraum schrumpfte bei den ersten Tönen des gewaltigen Instruments zusammen; er schien die Kraft der Musik nicht in sich halten zu können und begann zu zittern. Mein Leben, eben noch in den Fingerspitzen konzentriert, war für einen kurzen Moment vollkommen aus mir verschwunden. Ich stand in einer einzigen Verkrampfung neben diesem lächerlich kleinen Kerzenständer und dachte, der Herr sei erschienen, um mich für mein frevelhaftes Vorhaben zu strafen. Aber es waren nur Töne, es war nur Musik, es war nur die Orgel. … Der winzig gewordene Kirchenraum maßte sich tatsächlich an, gegen die Macht dieser Töne bestehen zu wollen; die Kirche erbebte. Ich stand mit tränenden Augen, die Finger in das Kerzenwachs gebohrt, und konnte mich nicht rühren. Der Staub im schräg einfallenden Sonnenlicht hatte nun die Musik zu seinem Rhythmus gefunden; er tanzte wild und ausgelassen, er sprang hin und her, er machte tollkühne Salti und verwegene Schrauben. …

Und dann steigerte sich diese Welt noch. Aus den Orgelpfeifen erschien ein ganzer Schwall von Tönen zur gleichen Zeit, eine Orgie am Rande der Disharmonie, ein nie gehörter Sekundenwahnsinn, eine einzige Zertrümmerung meines kleinen Seins. … Und während die Orgel dröhnte und die ganze Welt erzittern machte, versank ich im Meer dieser unsagbar mächtigen Tonwelt.«

 

Die wichtigsten Musikrichtungen im Leben des Felix Mendelsohn sind die Klassik und der Jazz, entsprechend kommen auch die in den Briefen behandelten Werke aus diesen beiden Genres. Es ist aber eigentlich völlig gleichgültig, welche Musik dahintersteckt, denn als Leser kann man einfach in den Worten versinken. Diese ganz besondere Beziehung des Erzählers zur Musik kommt selbst in kleinsten Sätzen zum Vorschein und entlockte mir dadurch immer wieder ein Lächeln. Beispiel: Jeder andere würde Dinge sagen wie „Mit 25 Jahren entdeckte ich die Musik von Beethoven.“ Felix Mendelsohn sagt:

»Die Musik von Johannes Brahms entdeckte mich auf kuriose Weise.«

Die Musik entdeckte ihn! Ist das nicht wunderbar?

 

Oder: Ein Pianist gibt ein Konzert, will ein bestimmtes Stück spielen.

»This ist for my children«, sagte Beirach, blickte auf die Fotos, legte die Finger auf die Tasten, wartete auf irgendetwas in seiner Seele und begann zu spielen.

 

Ich könnte noch lange so weitermachen. Aber jeder Leser dieser Rezi wird auch so schon meine Begeisterung bemerkt haben ;-) Ich bin jedenfalls sehr froh, dass dieses Buch mich gefunden hat.

 

Sehr interessant auch noch: Der Autor Peter Klohs hat auf seiner Homepage einen Soundtrack zu diesem Buch eingestellt, so dass man sich die in den Briefen vorgestellte Musik dort anhören kann. www.peterklohs.de

 

Fazit: Ein Muss für jeden, der Musik liebt. Für mich eine wahre literarische Kostbarkeit.

 

»Musik ist … das, was nicht gesagt werden kann, aber viel zu wichtig ist, um es zu verschweigen.«

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