Peter Klohs Für Elise: 15 Briefe

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Inhaltsangabe zu „Für Elise: 15 Briefe“ von Peter Klohs

Für Elise - 15 Briefe" ist ein Musikroman: Musikjournalist Felix Mendelsohn muss das Land verlassen. In 14 Briefen schreibt er seine eindringlichsten Erlebnisse mit Musik auf und widmet sie seiner Nachbarin, die er heimlich liebt und der er seine umfangreiche Musiksammlung überlassen will. Sieben dieser Briefe haben klassische Musik zum Thema, die anderen sieben beziehen sich auf Jazz. Es geht um Johann Sebastian Bach, Edward Grieg, Ludwig van Beethoven und Richard Wagner sowie um Pat Metheny, Richard Beirach und Keith Jarrett. Und natürlich um Artur Vanmoll. Es ist unwichtig, ob der Leser über musikalische Kenntnisse verfügt; das Wissen um verminderte Dominantseptakkorde erleichtert die Lektüre nicht. Wohl aber könnte das FÜHLEN von Musik hilfreich sein. Es geht nicht um Tonarten, sondern um Liebe und Freundschaft, um Gefühle.

Ein Muss für jeden, der Musik liebt. Für mich eine wahre literarische Kostbarkeit.

— Igelmanu66
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    Für Elise: 15 Briefe
    Igelmanu66

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    »Ich werde also über Musik schreiben. … Ich werde Sie, verehrte Frau Hauff, an einigen wenigen, jedoch immens wichtigen Begebenheiten in meinem Leben teilnehmen lassen. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dass Sie auf diese Weise den Stellenwert ermessen können, den Musik in meinem Leben spielt. Außerdem erfahren Sie so ja doch noch einiges über Ihren Nachbarn zur Rechten, so dass Sie nach der Lektüre dieser Seiten nicht mehr sagen können, dass Sie mich ja gar nicht kennen. Da ich nicht weiß, wie weit Sie in das Musikwunderland vorgedrungen sind, werde ich mir musikspezifische Worte verkneifen müssen; es tut auch nichts zur Sache, ob Sie wissen, was eine Triosonate oder ein Te Deum, eine Synkope oder eine verminderte Subdominante ist. Musik begreift man mit dem Gefühl und wenn das fehlt, kann man nichts machen.« Felix Mendelsohn ist mit Leib und Seele Musikjournalist. Oder besser, er war es. Aus Gründen, die erst am Ende des Buches geklärt werden, wird er in 14 Tagen das Land verlassen und ein völlig neues Leben beginnen. Diese 14 Tage nutzt er, um seiner Nachbarin 14 Briefe zu schreiben. Heimlich ist er in sie verliebt, obwohl ihr Verhältnis nie über einen freundlichen Gruß im Treppenhaus hinausging. Wenn er abgereist ist, soll sie diesen Stapel von Briefen vor ihrer Tür finden und durch die Lektüre einiges über ihn und die Bedeutung, die Musik in seinem Leben hat, erfahren. Mmh, das klingt ja erst mal nicht sooo wahnsinnig spannend. Das dachte ich zumindest, als ich die ähnlich klingende Inhaltsangabe las. Bei der Leseprobe war es aber sofort um mich geschehen und das Buch habe ich wirklich und wahrhaftig mit allen Sinnen genossen. Der Autor versteht es auf phantastische Weise, Musik – fernab aller Noten – aufs Papier zu bringen. Dabei nutzt er nicht einmal das umfangreiche musikalische Vokabular, nein, er verzichtet - wie er im Eingangszitat schon erklärt – auf „musikspezifische“ Worte und es ist mir ein großes Rätsel, wie er es geschafft hat, Musik mit normalen Worten so zu beschreiben, dass ich mir einbildete, sie hören zu können. Die Bilder, die er mit seinen Worten hervorruft, erschienen vor meinem geistigen Auge und ich hörte, was der Erzähler hörte, ich sah, was er sah und ich bildete mir manchmal sogar ein, einen Duft wahrzunehmen… »Ich sah die Noten und erlebte sie zur gleichen Zeit. In der Musik schien die Sonne, es war ein Hochsommertag. Der Schatten eines gewaltigen Laubbaumes wanderte langsam über eine ursprüngliche Wiese. Irgendwo plätscherte ein unsichtbarer Bach, das Geräusch von fliegenden Insekten übertönte leicht das Reiben der Gräser im zaghaften Wind …« In seinen 14 Briefen erzählt Felix Mendelsohn auch einiges aus seinem Leben, es gibt Ereignisse, die in seiner Kindheit liegen, manche betreffen vergangene Beziehungen oder alte Freundschaften. Es gibt Episoden aus seinem Berufsleben, schöne Erlebnisse und sehr traurige. Eins ist ihnen gemein: Sie sind alle untrennbar mit einer bestimmten Musik verbunden. »Es war vollkommen still geworden; die Wärme der Sonne hatte auch meinen Atem beruhigt. Ich stieg zwei Stufen empor und stand nun neben dem gigantischen Messingständer. Mein Blick schweifte durch den Kirchenraum. Nein, da war kein Mensch, ich war mit meiner Aufgabe allein. Langsam hob ich die Arme. Und dann offenbarte sich mir die neue Welt. Genau in dem Augenblick, als meine kleinen, zehnjährigen Finger das bleiche Wachs der Kerze berührten, um auszuprobieren, ob sie anzuheben war, donnerte die Orgel los und meine unbedeutende, alte Kinderwelt ging unter. Der Kirchenraum schrumpfte bei den ersten Tönen des gewaltigen Instruments zusammen; er schien die Kraft der Musik nicht in sich halten zu können und begann zu zittern. Mein Leben, eben noch in den Fingerspitzen konzentriert, war für einen kurzen Moment vollkommen aus mir verschwunden. Ich stand in einer einzigen Verkrampfung neben diesem lächerlich kleinen Kerzenständer und dachte, der Herr sei erschienen, um mich für mein frevelhaftes Vorhaben zu strafen. Aber es waren nur Töne, es war nur Musik, es war nur die Orgel. … Der winzig gewordene Kirchenraum maßte sich tatsächlich an, gegen die Macht dieser Töne bestehen zu wollen; die Kirche erbebte. Ich stand mit tränenden Augen, die Finger in das Kerzenwachs gebohrt, und konnte mich nicht rühren. Der Staub im schräg einfallenden Sonnenlicht hatte nun die Musik zu seinem Rhythmus gefunden; er tanzte wild und ausgelassen, er sprang hin und her, er machte tollkühne Salti und verwegene Schrauben. … Und dann steigerte sich diese Welt noch. Aus den Orgelpfeifen erschien ein ganzer Schwall von Tönen zur gleichen Zeit, eine Orgie am Rande der Disharmonie, ein nie gehörter Sekundenwahnsinn, eine einzige Zertrümmerung meines kleinen Seins. … Und während die Orgel dröhnte und die ganze Welt erzittern machte, versank ich im Meer dieser unsagbar mächtigen Tonwelt.« Die wichtigsten Musikrichtungen im Leben des Felix Mendelsohn sind die Klassik und der Jazz, entsprechend kommen auch die in den Briefen behandelten Werke aus diesen beiden Genres. Es ist aber eigentlich völlig gleichgültig, welche Musik dahintersteckt, denn als Leser kann man einfach in den Worten versinken. Diese ganz besondere Beziehung des Erzählers zur Musik kommt selbst in kleinsten Sätzen zum Vorschein und entlockte mir dadurch immer wieder ein Lächeln. Beispiel: Jeder andere würde Dinge sagen wie „Mit 25 Jahren entdeckte ich die Musik von Beethoven.“ Felix Mendelsohn sagt: »Die Musik von Johannes Brahms entdeckte mich auf kuriose Weise.« Die Musik entdeckte ihn! Ist das nicht wunderbar? Oder: Ein Pianist gibt ein Konzert, will ein bestimmtes Stück spielen. »This ist for my children«, sagte Beirach, blickte auf die Fotos, legte die Finger auf die Tasten, wartete auf irgendetwas in seiner Seele und begann zu spielen. Ich könnte noch lange so weitermachen. Aber jeder Leser dieser Rezi wird auch so schon meine Begeisterung bemerkt haben ;-) Ich bin jedenfalls sehr froh, dass dieses Buch mich gefunden hat. Sehr interessant auch noch: Der Autor Peter Klohs hat auf seiner Homepage einen Soundtrack zu diesem Buch eingestellt, so dass man sich die in den Briefen vorgestellte Musik dort anhören kann. www.peterklohs.de Fazit: Ein Muss für jeden, der Musik liebt. Für mich eine wahre literarische Kostbarkeit. »Musik ist … das, was nicht gesagt werden kann, aber viel zu wichtig ist, um es zu verschweigen.«

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