Peter Manseau

 4.3 Sterne bei 27 Bewertungen

Alle Bücher von Peter Manseau

Peter ManseauBibliothek der unerfüllten Träume
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Bibliothek der unerfüllten Träume
Bibliothek der unerfüllten Träume
 (25)
Erschienen am 01.11.2011
Peter ManseauBibliothek der unerfüllten Träume
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Bibliothek der unerfüllten Träume
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Erschienen am 01.08.2009
Peter ManseauSongs for the Butcher's Daughter
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Songs for the Butcher's Daughter
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 (2)
Erschienen am 27.10.2009
Peter ManseauVows
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Vows
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Erschienen am 17.10.2006
Peter ManseauSongs for the Butcher's Daughter
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Songs for the Butcher's Daughter
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Erschienen am 09.06.2009
Peter ManseauRag and Bone
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Rag and Bone
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Erschienen am 02.03.2010
Peter ManseauSongs for the Butcher's Daughter
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Songs for the Butcher's Daughter
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Erschienen am 02.02.2009
Peter ManseauKilling the Buddha
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Killing the Buddha
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Erschienen am 28.09.2004

Neue Rezensionen zu Peter Manseau

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Rezension zu "Bibliothek der unerfüllten Träume" von Peter Manseau

Emotional sehr bewegend!
urwortvor 5 Jahren

„Mach dir die Sprache zur Heimat, Itsik. Und mach sie dir auch zur Geliebten. Wenn du das tust, wirst du nie heimatlos sein und nie an gebrochenem Herzen leiden, das schwöre ich dir.“

Dies ist die Geschichte von Itsik Malpesch. Der jüdische Dichter wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Pogromnacht in Russland geboren – ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Die Lage für die Familie spitzt sich in den folgenden Jahren zu, bis Itsik in jungen Jahren nach Amerika auswandert.

“Ich verließ Chaims Unterschlupf noch am selben Abend und wanderte acht kalte Stunden lang durch die Straßen, denn ich wollte lieber in meiner eigenen Sprache erfrieren, als an einem Ort sein, wo ich nicht einmal das Wort für Wärme kannte.”

Hoffnungsträger seiner traurigen Seele ist die vier Jahre ältere Sascha Bimko, die auch in der Nacht seiner Geburt anwesend war. Er glaubt an Bestimmung, sie sei seine bashert, der Begriff hat sich auch mir ins Hirn gebrannt. Fortan schwebt sie wie ein Engel über jede Tätigkeit, jeder Gedanke scheint von ihr durchtränkt. Doch Sascha weiß sehr lange nichts davon.

„Haben Worte nicht immer dann die größte Macht, wenn wir sie einsetzen, um uns selbst davon zu überzeugen, dass das, was wir wahrnehmen, die Realität ist? Wenn ein Junge einen Schwur tut, denkt er nicht daran, was das alles mit sich bringen könnte; ja, er denkt überhaupt nicht. Und doch werden seine Worte, indem er sie formt und ausspricht, zur Wahrheit.“

In 22 Kapiteln, die mit hebräischen Schriftzeichen betitelt sind, wechseln sich Itsiks Erinnerungen mit der „Gegenwart“ ab – parallel dazu wird ein amerikanischer Student in den Fokus gerückt, der in den 90er Jahren als katholischer Religionswissenschaftler unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Archivar in einer jüdischen Bibliothek wird.

„Wer weiß denn schon, ob ein Autor bleibt, wer er war, wenn er für sich selbst unlesbar wird? Woran soll man das erkennen? Seine Worte werden zu einem Esel, der einem Hund geboren wurde.“

Die Vergangenheit verschmilzt mit der Gegenwart, denn Itsik möchte sein Lebenswerk veröffentlichen, der Amerikaner soll es übersetzen. In den folgenden Kapiteln wird die Sprache selbst auseinandergenommen, als Medium interpretiert, Wortmalerei betrieben. Es wird poetisch, philosophisch, für Bibliophile ein Genuss!

„Schon“, sagte ich. „Aber wir haben uns ja nicht völlig verändert. Wir sind immer noch Juden, nicht wahr?“
„Wir sind das, wozu uns das Leben macht“, sagte Schweig.

Der Autor Peter Manseau studierte Religionswissenschaften und Literatur, ist nicht jüdischen Glaubens, doch hat mit diesem Werk zu Recht den National Jewish Book Award erhalten. Wem Religionen völlig fremd sind, wird keinen Zugang zu diesem Werk finden, denn eine gewisse Offenheit ist Voraussetzung um all diese fein komponierten Emotionen empfangen zu können.

„Was spielt es für eine Rolle, wie lange die Nacht ist, wenn eine Kerze angezündet wird?“

Meine erste Lektüre dieses Romans ist einige Zeit her, doch ich bin nach wie vor verliebt wie am ersten Tag! Trotz grausamer Szenen, grauem Schleier der Traurigkeit, ist dieses Werk der Inbegriff von Hoffnung – getragen durch die Liebe zu einem Mädchen, was fern aller äußerlichen Kriterien einer Beziehung steht, sondern allein aus den Erinnerungen wächst und im blinden Gehorsam seiner Seele folgt.

„Geheimnisse brauchen Gesellschaft, und sie brauchen Nahrung. Man muss Geheimnisse mit weiteren Geheimnissen nähren. Wenn man nicht für Nachschub sorgt, wenden sie sich gegen einen, das weißt du doch?“

Plötzlich bemerkt man in sich den Drang sich der hebräischen Sprache zu bemächtigen – einfach, weil die Schriftzeichen geheimnisvoll auf uns hinauf schauen und ergründet werden möchten.
Virtuos komponierte Figuren, Emotionen werden getragen von Worten, die Tiefgang vermitteln und dabei unglaublich fein bleiben. Ist es Zufall oder Schicksal? Diese Frage  rotiert, verfängt sich in den Antworten und bringt für die Fragenden weitlaufende Konsequenzen. Spannend. Doch das Werk ist nicht einzuordnen, es scheint alles zu umfassen, in gleichem Maße intelligent, vermittelnd, witzig, als auch grob und grausam zu sein. Darüber hinaus ist es eine bewegende Liebesgeschichte, die zu Tränen rührt.
Ein emotional sehr bewegendes Meisterwerk! Nach der Lektüre möchte man sein/e bashert suchen und festhalten.

„Du hast das ganze Wissen, das du fürs Leben brauchst, schon in dir. Es muss nur erschlossen werden.“

Trotz all der lauten Gewalt und den romantischen Melodien auf der anderen Seite des Ufers, spuckt das Werk keine großen Töne, sondern ist auf eigene Art wundersam still. Harfenklänge schaffen einen goldenen Schleier, in denen Schatten tanzen. Nach der Lektüre ist man aufgewühlt, ohja, doch ganz tief unten macht sich eine Befriedung breit, die keineswegs sättigt, sondern wundersam beruhigt.

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F

Rezension zu "Bibliothek der unerfüllten Träume" von Peter Manseau

baschert
Fischfiletvor 5 Jahren

baschert. Im Verlauf dieses Buches, das sich fast über ein ganzes Jahrhundert erstreckt und doch die Verbindung zwischen zwei Menschen nie wirklich abbrechen lässt, beginnt man ungefähr zu verstehen, was dieses Wort bedeutet. 
Itsik (Isaak) Malpesch wird während eines Pogroms in der kleinen russischen Stadt Kischinjow geboren. Wenn ihm von seiner Geburt erzählt wird, erzählt man ihm von der tapferen, damals vierjährigen, Sascha Bimko, wie sie den Pogromisten die Faust entgegengestreckt und so schlimmeres Unheil verhindert haben soll. 
In der jüdischen Schule in Kischinjow lernt Malpesch Jahre später einen Jungen namens Chaim kennen und lernt von diesem russisch zu lesen. Begeistert von dem, was er dort zu lesen bekommt, beschließt der kleine Itsik Dichter zu werden. Schon bald hat Itsik einen ersten und vorerst letzten Erfolg, als er einen Text in der Freien jiddischen Stimmt veröffentlicht. Was er dort geschrieben hat war dem Jungen gar nicht wirklich klar, er merkte bloß, dass er seinem Vater damit große Schwierigkeiten machte. So beschlossen seine Eltern ihn wegzuschicken, nach Odessa, zu Sascha Bimkos Mutter.
Dort lebt er eine Weile, während Sascha Bimko in Israel lebt. Er hat das Mädchen nie gesehen, nur auf einem Foto, ist sich aber inzwischen sicher, dass sie seine Bestimmung ist. So sehr er auch auf ein Wiedersehen hofft, scheint die Hoffnung doch vergeblich, zumal er einige Jahre später gezwungen ist auch Odessa zu verlassen und so zieht er weiter nach New York, wo er, nach langer Zeit, seinen zweiten Erfolg als Dichter feiern kann und wo sein Schicksal und das Schicksal Saschas weiter seinen Lauf nimmt...
---
Unter dem Klappentext, auf der Rückseite des Buches, befindet sich ein Zitat von Antje Deistler vom WDR, dem ich mich an dieser Stelle nur zu gern anschließen möchte:

Wer sich mal wieder völlig in ein Buch versenken möchte, bis über beide Ohren verschwinden möchte in einer anderen Welt, der ist hier genau richtig.


Dieses Buch lädt wirklich zum Träumen ein. Es gelingt dem Autor den Leser geradezu in das Buch eintauchen zu lassen. Manseau hat einen bildhaften, beschreibenden aber nicht langatmigen Erzählstil für sich entdeckt und zieht damit seine Leser in seinen Bann. Immer wieder schlüpfte ich in Gedanken selbst in die Rollen der verschiedenen Akteure in diesem Roman und fühlte mich, als wäre ich selbst dabei gewesen, sah die Umgebung und die Menschen bildhaft vor mir. Nur wenigen Autoren gelingt das, Manseau ist großartig darin.

Er erzählt eine berührende Geschichte eines Juden, der, wie so viele Juden damals, vor der Gewalt und dem Terror flieht, seine Heimat und seine Familie aufgibt. Dabei entpuppt sich Malpesch manchmal als ein wahrer Überlebenskünstler, was man diesem verträumten jungen Mann gar nicht zugetraut hätte, der mehr in seinen Gedichten als in der Realität zu Hause zu sein schien.

Kurzum: Dies ist ein Buch für Genießer. Ich habe es genossen, habe mir Zeit gelassen es zu lesen und glaube, dass ich so viel mehr aus diesem Buch mitnehmen konnte, als wenn ich es innerhalb einer Woche durchgelesen hätte. Meine Empfehlung: unbedingt lesen!

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sumsidies avatar

Rezension zu "Songs for the Butcher's Daughter" von Peter Manseau

Rezension zu "Songs for the Butcher's Daughter" von Peter Manseau
sumsidievor 6 Jahren

Itsik Malpesh verwandelt seine Vergangenheit, die durch die Judenverfolgung geprägt ist, in Poesie. Diese verfasst er jedoch im aussterbenden Jiddisch, das immer weniger Menschen lesen können. Das Buch dreht sich um die Macht der Worte, die identitätstiftende Rolle von Sprache und der Schwierigkeit diese kulturellen Eigenheiten auch nach einer Übersetzung in eine andere Sprache zu erhalten.

Ich bin bei der Bewertung des Buchs sehr gespalten. Während die erste Hälfte des Buches, in der Itsik seine Jugend in der Republik Moldau, sowie in Odessa beschreibt, mir viel Lesefreude bereitet hat, war der zweite Teil, der in den USA spielt, weniger beeindruckend. Hier war mir die Geschichte zu vorhersehbar und ließ ein interessantes Ende missen. Itsik ging mir in seinem Literatenpathos und seiner Naivität enorm auf den Senkel. Und auch Details zum Judentum mochte ich am Ende nicht mehr lesen, ein Gefühl, das bei mir wohl gegenüber jeder Art von Religion entstehen würde. Gerade weil es um Fragen der Identität ging, die sehr allgemein sind, war es mir am Ende ein bißchen zu viel des "Religionsunterrichts". Peter Manseau macht seinen Doktor in Religionswissenschaften und hat da manchmal übers Ziel hinaus getroffen.

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