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Rezension zu "Ich beginne zu glauben, dass es wieder Krieg geben wird" von Peter Mersch

Streben nach Gleichheit führt zum Aussterben
R_Mantheyvor 3 Jahren

Als ich den überaus merkwürdigen Titel dieses Werkes mit seiner doppelten Abschwächung der Aussage "Es wird Krieg geben" zum ersten Mal las, schwand ein wenig meine Hoffnung, dass uns die Systemische Evolutionstheorie tatsächlich viel Konkretes über unsere Zukunft verrät. Leider sind meine Ahnungen dann auch eingetreten. Man erhält übrigens im gesamten Text nur einmal gegen Ende eine implizite Andeutung, was wohl den Autor zu diesem Titel geführt hat. Er erklärt dort nämlich kurz und bündig, dass beide bisherigen Weltkriege aus seiner Sicht als Folge der damaligen Bevölkerungsexplosion in Deutschland entstanden. Was diese Aussage allerdings mit dem vorangegangenen Inhalt des Buches zu tun haben soll, hat sich mir nicht wirklich erschlossen.

Wirklich konkret wird dieser Text nur, wenn es um die zukünftige strukturelle Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und deren Folgen geht. Dazu holt der Autor allerdings sehr weit aus. Ohne wirkliche Notwendigkeit für seine späteren Aussagen begibt er sich sofort in einen Spagat zwischen sehr allgemeinen Darlegungen wie dem Streben des Universums zum Wärmetod und politischen Vorgängen, deren Verfallsdatum bereits in wenigen Jahrzehnten erreicht sein wird. Zwischen diesen Erörterungen führt er den Leser in die sogenannte Systemische Evolutionstheorie ein.

Dieses Konstrukt stellt eine Verallgemeinerung der Darwinschen Evolutionstheorie dar und setzt sich das Ziel, sowohl biologische als auch nichtbiologische Evolutionen zu beschreiben. Dazu abstrahiert sie zunächst die Darwinschen Konzepte. Wenn man das in diesem Buch liest, dann hört es sich zunächst recht kompliziert an. Dabei geschieht allerdings nichts weiter, als dass alles, was man in konkreten Systemen sofort verstehen würde, nun mit abstrakten Begriffen belegt wird, unter denen man sich zunächst nichts vorstellen kann.

Natürlich kann eine solche Meta-Theorie durchaus einen Sinn haben. Der Autor preist sie auch Politikern als Richtschnur an, wenngleich er wohl selbst nicht den Optimismus aufbringen wird, um zu glauben, dass diese Leute, die zwischen Ideologien, Sachzwängen und Machtinteressen gefangen sind, jemals irgendwelchen Theorien folgen würden. Obendrein braucht man diese Meta-Theorie für die Kernaussagen des Buches nicht, wenngleich sie natürlich alle Erklärungen vereinfacht, hat man sich mit den entsprechenden Begriffsbildungen erst einmal angefreundet. Ich befürchte allerdings, dass die weniger im Lesen solcher Texte geübten Leser so weit gar nicht kommen werden, weil sie von so viel Abstraktheit abgeschreckt werden.

Wenn man jedoch bis zum 6. Kapitel vorgedrungen ist, kommt man im Folgenden zu den wirklich interessanten Abschnitten dieses Buches. Der Autor erläutert nun nämlich die Folgen, die sich aus dem Streben nach sozialer Gleichheit beider Geschlechter für die Bevölkerungsentwicklung ergeben werden. Da intelligente Frauen aus Karrieregründen nachweislich weniger Kinder gebären und Intelligenz trotz aller anders lautenden Behauptungen von Ideologen selbstverständlich vererbt wird, sinkt zwangsläufig der mittlere IQ der Bevölkerung schrittweise. Das verschärft die sowieso schon vorhandenen demografischen Probleme in Deutschland.

Sehr ausführlich geht der Autor dann auf den völlig unsinnigen, aber politisch nutzbaren "Anti-Biologismus" in linken Ideologien ein, der nach seiner Ansicht nahezu zwangsläufig in einen Totalitarismus münden muss. Kapitel 6 und 7 stellen somit den Höhepunkt dieses Buches dar. Es sind darüber hinaus die einzigen Abschnitte mit einer wirklich begründeten Aussage.

Insbesondere erklärt der Autor hier, welche fatalen Folgen wirklichkeitsfremde Ideologien haben können, wenn sie erst einmal in praktisches Handeln umgesetzt werden. Ginge es nicht um das Schicksal von Gesellschaften, könnte man über die wahrscheinlichen Ergebnisse in ihrer ganzen Absurdität nur lachen. Denn die in Deutschland seit den 1970er Jahren besonders durch den Feminismus angestoßene Entwicklung wird mit ziemlicher Sicherheit dazu führen, dass sich hierzulande Strukturen herausbilden werden, die genau das Gegenteil von dem sind, was der Feminismus einst wollte.

Bereits jetzt ist deutlich abzusehen, dass durch Migration ins Land geholte Frauen, die in stark männlich dominierten Familien leben, deutlich mehr Kinder in die Welt setzen als deutschstämmige Mütter. Damit wird sich wahrscheinlich eine Gruppe durchsetzen, die für das eigene Überleben viel robuster organisiert ist als die ursprüngliche deutsche Population.

In den folgenden Kapiteln erläutert der Autor dann die Rolle der Medien und der Wissenschaften in diesem Prozess. Nachdem er im 10. Kapitel noch einmal versucht die Vorteile des evolutionär-systemischen Ansatzes zu verdeutlichen, kommt er dann abschließend zu seinen Schlussfolgerungen für das vorher ausführlich und nachvollziehbar erläuterte Problem. Realistische Vorschläge findet der Leser nun aber leider nicht vor. Man kann beispielsweise eine Kopfgeburt mit Sicherheit nicht durch eine nächste beseitigen, wie sie etwa die vom Autor bevorzugte Idee einer "Familienmanagerin" darstellt.

Offensichtlich konnte sich Mersch beim Schreiben dieses Buches nicht entscheiden, ob er eine wissenschaftliche Abhandlung schreiben oder die Anwendung seiner Theorie bei der konkreten Problemlösung zeigen sollte. Zwar bildet der versteckte Wunsch des Autors, die Vorteile seiner Systemischen Evolutionstheorie zu demonstrieren, für den willigen Leser vielleicht den roten Faden, doch das ist auch gleichzeitig eine Schwäche des Textes. Aus einer allgemeinen Theorie folgen in der Regel nur allgemeine Aussagen. Und für konkrete Situationen reichen oft die vorhandenen Möglichkeiten bereits aus.

Zu Beginn des Buches werden die sogenannten "Großprobleme" der Menschheit aufgezählt. Abgesehen von der Bevölkerungsentwicklung wird jedoch keines dieser Probleme mit befriedigender Tiefenschärfe diskutiert. Zwar kann man mit der allgemeinen Theorie des Autors all diese Probleme in einem einheitlichen Begriffssystem diskutieren, doch wesentlich neue konkrete Erkenntnisse kommen dabei nicht heraus. Seine Lösungsvorschläge für die "Großprobleme" stellen dann auch eher intellektuelle Gedankenspiele dar und besitzen deshalb kaum eine realistische Umsetzungschance.

Darüber hinaus äußert sich der Autor auch zu Theorien, die er offenbar nicht richtig kennt. An zwei Stellen taucht nämlich plötzlich die Österreichische Schule der Ökonomie auf, die allerdings keine Relevanz zur eigentlichen Aussage des Textes besitzt, der dafür aber Behauptungen unterstellt werden, die sie so niemals getroffen hat. Meine Bewertung dieses Buches orientiert sich an den beiden inhaltlich guten und erhellenden Kapiteln, obwohl es mich insgesamt nicht grundlegend überzeugt hat.

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