Peter Merseburger Theodor Heuss

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Inhaltsangabe zu „Theodor Heuss“ von Peter Merseburger

Liberal, gebildet, charakterstark – Theodor Heuss, der Ausnahmepolitiker Als Theodor Heuss am 12. September 1949 zum ersten Bundespräsidenten gewählt wurde, war das Amt nicht viel mehr als ein 'Paragraphengespinst'. Er füllte es mit seiner Person und seinen politischen Erfahrungen und setzte Maßstäbe, die bis heute gelten. Heuss wurde zu einem 'Erzieher zur Demokratie' und verschaffte der jungen Bundesrepublik Ansehen im Ausland. Als 'Papa Heuss' wurde er populär und genoss die Sympathie der Bevölkerung. Peter Merseburger, Verfasser mehrerer großer und viel gelobter Biographien, zeichnet das Leben dieses Politikers nach, der seine Wurzeln im Kaiserreich hatte und die Brücke zur Bundesrepublik schlug. Heuss war Journalist, Schriftsteller, Intellektueller, ein klassischer Bildungsbürger. Seine Lebensgeschichte ist zugleich eine Politik-, Kultur- und Zeitgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert.

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  • Rezension zu "Theodor Heuss" von Peter Merseburger

    Theodor Heuss

    michael_lehmann-pape

    28. January 2013 um 13:32

    Bürger, Journalist, Politiker, Präsident, Demokrat Es ist eine Zeitreise in ganz besonderem Sinne, die Peter Merseburger mit dieser Biographie des ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland vorlegt. Nicht nur, dass zum ersten Mal ein „klassischer Bildungsbürger“ das höchste Amt eines deutschen Staates innehatte, nicht nur, dass in Heuss ein „Moderner“ und „fortschrittlicher Liberaler“ die „neue Zeit“ für Deutschland nach den unsäglichen Verbrechen und dem Grauen des zweiten Weltkrieges an der Spitze des Staates anführte. Vor allem gilt in diesem Blick zurück und in der Person Heuss eine Besinnung durchaus auf Grundlagen von Demokratie und politischen Problemlösungsstrategien, die in ihren Werten und Handlungen intensiv mit aktuellen Problemen korrespondieren. Stehen Fragen nach Ethik und Verantwortung, nach politischer Vision und persönlichen Werten in der aktuellen Diskussion ganz oben auf der Tagesordnung, verbunden mit einem mehr und mehr kritischen Blick auf den „Homo Politicus“ selbst (es ist müßig, die Skandale, Skandälchen und offenkundigen Egoismen politisch Handelnder erneut ins Bewusstsein zu rücken), so lohnt der Blick auf Theodor Heuss ungemein. Als Vorbild politischen Stils und Handelns, als werteorientierte Verantwortlichkeit, die in der Person des ersten Bundespräsidenten einen nicht unerheblichen Teil zur Stabilisierung der jungen Republik und ihrer schnell wachsenden Reputation beigetragen hat. Im Gesamten der Lektüre erfährt der Leser einen intensiven und sorgfältig recherchierten Blick auf eine vergangene Person, die in ihrer Haltung und politischen Verantwortlichkeit über die Zeiten hinweg einen wertvollen Maßstab auch für die aktuelle politische Haltung und Verantwortlichkeit wirft. Und durchaus zu einer kritischen Hinerfragung an aktuell politisch handelnde Personen geradezu einlädt. Haltung und Handlungen zu einer Zeit, in der, wie Merseburger treffend feststellt, „Demokratie für die Mehrheit der Deutschen damals keineswegs ein positiv besetzter Begriff war“ (zu verstehen auf dem Hintergrund der Erfahrungen in und mit der Weimarer Republik, eine politisch prägende Zeit natürlich auch für Heuss, wie Merseburger vor Augen führt). In großer Ruhe und jederzeit in flüssigem Stil legt Merseburger den Lebensweg und die Prägungen Heuss´ vor Augen. Vom Privaten (ein Blick auf die Ehe öffnet auch den Blick auf einen „Mann nicht der Brüche, sondern der stetigen Entwicklung“. Ein „Verstandesmensch“, der aus Überzeugung heraus große Freiheit auch im engsten Privaten zu geben bereit war. Durchaus spannend liest sich das Verhältnis zu seiner Frau, die ihm nicht nur drei Jahre im Lebensalter voraus hat, sondern auch in Bezug auf den Reifegrad und die gesellschaftliche Position im in den Anfängen weit voraus scheint), vom Beruflichen (in seiner journalistischen Tätigkeit, Anfangs vor allem im Umfeld Naumanns) hin zum sich (langsam, aber stetig) entwickelnden politischen Denken und Handeln. Einer aus der „schwäbischen Provinz“ (und von dieser Heimat auch innerlich geprägt) hin zum höchsten Amt im Staate unter Entwicklungen durch Höhen und tiefe Tiefen der Zeitgeschichte. Auch dies von Merseburger umfassend dargestellt mitsamt reflektierenden Hinweisen auch auf Fehler und Fehleinschätzungen durch Heuss (z.B. im Rahmen des „Gesetzes zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften, nichts anders als erste, frühe Versuche der Zensur im Weimarer Deutschland). Fehler, aus denen Heuss, wie es ihm eigen ist, stetig und ständig lernt (wie auch aus seiner Fehleinschätzung, dass der Weg Hitlers zu Ende sei (Ende 1932) und, vor allem, in seiner Zustimmung zum „Ermächtigungsgesetz“). Wobei Heuss gerade in diesen Jahren immer mehr Journalist denn Politiker blieb und sehr wohl die „Kraft des Wortes“ entfaltete und nutzte, die ihm nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten letztlich einziges Mittel der Macht war. Ein Mittel, dass er in souveräner Weise zu nutzen verstand, ohne intellektuelle Überheblichkeit auszustrahlen. Einer, der volksnah war und doch nicht volkstümlich, der Wege weisen konnte mit der Kraft eigener Überzeugung und Werte, der aber ebenso die Gabe besaß, die Menschen auf diese Wege auch mitzunehmen. Interessant, sachlich und gut lesbar versteht es Merseburger, die Lebensstationen des Mannes nachzuzeichnen, die prägende Elemente darzustellen und die Essenz des journalistischen, vor allem aber politischen Wirkens vor Augen zu führen und die dahinter liegenden Werte und aufrechten Überzeugungen zeitlos zu benennen. Eine in Thema und Form sehr empfehlenswerte Biographie.

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