Rezension zu "Modesty Blaise: Die kompletten Comicstrips / Band 1 1963 - 1964" von Peter O'Donnell
TheSaintSir Gerald Tarrant, ein hochrangiger Beamter des britischen Geheimdienstes, wird mit seinem Mitarbeiter Fraser im Penthouse der vermögenden Modesty Blaise mit einer außergewöhnlichen Bitte vorstellig: Wenn er einen Beweis in seiner Akte über sie, der ihre britische Staatsbürgerschaft beenden würde, vernichtete... würde sie ihm beim Vorgehen gegen eine kriminelle Organisation namens "La Machine" unterstützen? Modesty - von einem einsamen verwahrlosten Mädchen zur Anführerin einer mächtigen kriminellen Organisation geworden und am Höhepunkt ihrer Macht aus der Verbrecherwelt ausgestiegen - langweilt sich in ihrem Leben als wohlhabende alleinstehende Frau und dieses Angebot verspricht den sehr vermissten Nervenkitzel. Sie kontaktiert ihren engsten Vertrauten und besten Freund Willie Garvin, der wie sie die Verbrecherwelt verließ und nun ein Pub namens "The Treadmill" auf dem Lande führt. Gemeinsam entwickeln sie einen Plan, um die Aufmerksamkeit von "La Machine" zu erregen, die Auftragsmorde durchführt...
Der zweite Einsatz konfrontiert Modesty mit ihrer Vergangenheit... Sie und Willie sollen einen ungarischen Wissenschafter, der übergelaufen war und nun wegen seiner festgehaltenen kleinen Tochter in seine Heimat zurück will, aus den Fängen kommunistischer Agenten befreien. Ein dramatischer Einsatz, bei welchem Modesty ihren Mitkämpfer Garvin von ihrer Entscheidung im Umgang mit dem Wissenschafter nichts wissen lassen will...
"Das Gabriel-Verfahren" berichtet vom ersten Auftauchen des kriminellen Master-Minds Gabriel, dem Modesty Blaise und Willie Garvin noch mehrmals begegnen werden und dem es Dank seines Genies immer wieder gelingt, ihnen zu entwischen.
Peter O'Donnell (1920 - 2010) war ein britischer Armeeangehöriger und begann bereits mit 16 Jahren zu schreiben. 1962 bekam er von Beaverbrook Newspapers den Auftrag, einen neuen Strip zu kreieren. O'Donnell nahm die soziale Revolution Anfang der 60er Jahre in seine Entwürfe auf und entschied, dass sein neuer Charakter eine starke Frau sein sollte. Eine vielschichtige Persönlichkeit, eine unabhängige, selbstbewusste Frau mit modischem Chic und Karatetritt. Vorbild war ein verwahrlostes Kind, dem er in einem Flüchtlingslager des Zweiten Weltkriegs begegnet war. In Teamarbeit mit dem Zeichner Jim Holdaway erschuf er Modesty Blaise, die am 13. Mai 1963 im "The Evening Standard" erstmals der Leserschaft präsentiert wurde.
Der Autor beweist großes Können, denn einerseits gilt es, täglich in nur drei zur Verfügungs stehenden Bildern Spannung aufzubauen und die Leserschaft interessiert zu halten und andererseits eine Geschichte zu erzählen, die stimmig und spannend ist. Jim Holdaway, der den jungen Michael Caine als Vorbild für die Figur des Willie Garvin nahm, schafft durch sein Können und der Handhabung von Licht und Schatten, den Perspektivwechseln sowie den Tiefen der dargestellten Gesichter und seiner Linienführung zusätzliche Atmosphäre und Begeisterung.
Der Bocola-Verlag liefert mit diesem ersten Band auf 144 Seiten eine exquisite Präsentation der ersten drei Abenteuer wie auch der "Wie alles begann"-Geschichte, welche erst 1966 geschrieben und illustriert wurde und den neu hinzu gekommenen Zeitungen und Magazinen, die die aktuellen Strips veröffentlichen wollten, als Einstieg diente. Das verwendete Papier des Bocola-Verlags ist ein wenig dicker und ähnelt der Farbe dem des Zeitungspapiers. Unter Verwendung der am besten erhaltenen Originalstrips liefert der Verlag hier ein Musterbeispiel dafür ab, wie man eine Kultfigur vergangener Tage der heutigen Leserschaft anbietet: Die Geschichten sind von einem interessanten Vorwort, hilfreichen kurzen Einführungen umrahmt und in einem perfekten Format in hochwertiger Ausführung serviert! Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für die Interessierten an Comicstrips, Agenten und Spionen und der flippigen 60er-Jahre!

















