Peter Plöger Arbeitssammler, Jobnomaden und Berufsartisten

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Inhaltsangabe zu „Arbeitssammler, Jobnomaden und Berufsartisten“ von Peter Plöger

"Lern was Anständiges, dann ist dir ein Job sicher." Das war einmal. Trotz Bildung nichts gewonnen - das ist heute die Realität, mit der immer mehr Hochqualifizierte zurechtkommen müssen. Sie leben mit schwankendem Einkommen, erratischen Arbeitszeiten und einer ungewissen Zukunft. Ihre Karrieren führen nicht mehr nach oben, sondern von der Uni ins Multijobbing, von der Akademie ins Prekariat. Gesellschaft und Staat stehen damit vor Herausforderungen, denen die jüngsten Reformen nur unzureichend begegnen. Die Politik stellt sich taub für die speziellen Probleme der hochqualifizierten "Prekären", verschlimmert sie am Ende noch. Das ist fatal: Denn sie ignoriert damit vielleicht die Prototypen der Arbeitswelt von morgen. Die "Arbeitssammler" bringen für Arbeit- und Auftraggeber den Vorteil eines hohen Ausbildungsniveaus mit, verzichten dabei aber auf die teuren Privilegien eines "normalen" Arbeitsverhältnisses. Auf ihre Flexibilität und Eigeninitiative werden wir in Zukunft nicht verzichten können. Wohin aber geht eine Gesellschaft, wohin führt eine Arbeitslandschaft, in der auch Qualifikation immer weniger vor einer unsicheren Existenz schützt?

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  • Rezension zu "Arbeitssammler, Jobnomaden und Berufsartisten" von Peter Plöger

    Arbeitssammler, Jobnomaden und Berufsartisten
    oesterberg ost

    oesterberg ost

    11. April 2010 um 15:20

    Vor etwas mehr als drei Jahren veröffentlichten Holm Friebe und Sascha Lobo mit Wir nennen es Arbeit einen, sagen wir, „Trend-Bericht“ über die „digitale Boheme“. „Sie verzichten dankend auf einen Arbeitsvertrag und verwirklichen den alten Traum vom selbstbestimmten Leben. Mittels neuer Technologien kreieren sie ihre eigenen Projekte, Labels und Betätigungsfelder. Immer mehr junge Kreative entscheiden sich für das Leben in Freiheit.“ Friebe und Lobo waren großartig darin, Wege aufzuzeigen, dieses Leben in Freiheit zu gestalten und zu vermarkten. Dazu gehört natürlich eine Menge Großspurigkeit und eine gehörige Portion Selbstverliebtheit. Was hier Arbeit genannt wird, hat immer auch Lifestyle zu sein. Die Trends verfolgend und immer noch eins drauf setzend, geht man lieber nicht zu sehr auf Abstand, sonst schnappt die Falle der Reflexion noch zu. Diesen Abstand nimmt nun Peter Plöger mit seinem ganz anders gelagerten Werk ein. Es ist, wen wundert’s, auch ein zeitlicher Abstand. Auch die digitale Boheme altert (so wie das Internet „erwachsen“ wird). Bezeichnenderweise ist es ebenso ein räumlicher Abstand. Nicht auf Berlins heißem Pflaster, sondern im entfernten Bielefeld ist das Buch entstanden, das „das Paradox der neuen Arbeitswelt“ unter die Lupe nimmt. Plöger gelingt es, die eigene Erfahrungsperspektive zu objektivieren und aus der Vogelperspektive auf neue Formen der Arbeitsorganisation zu blicken. Und siehe da – die digitale Boheme ist zunächst vor allem eins: Ausdruck einer ganz und gar prekären Lebens- und Einkommenssituation. Was erstaunlicherweise als Einsicht enormen Mut macht. Denn: als hoch qualifizierte Arbeitskraft, die dennoch unter prekären Einkommensbedingungen lebt, ist man heutzutage nicht allein. Das meint das Paradox im Untertitel: dass immer mehr Arbeitende trotz hoher Qualifikation, trotz (oder wegen) einer lebenslangen Bereitschaft zum Lernen mit Multijobbing, Selbstausbeutung, fehlenden Karrierechancen und im Ganzen unsicheren Existenzbedingungen zu kämpfen haben. Wenn Plöger auf über 200 Seiten diese Ausgangsthese verfolgt, geht es nicht um das, was andere Arbeit „nennen“, sondern tatsächlich um Arbeit. Zwiebelschalen gleich untersucht Plöger die verschiedenen Dimensionen der neuen Arbeitswelt, in der Arbeitnehmer – jenseits geradliniger Karrieremodelle – zunehmend als Unternehmer ihrer selbst engagiert werden. Wie Politik und Wirtschaft diese Form der Arbeitsorganisation hervor gebracht und gefördert haben, und wie sehr die individuelle „Job-Artistik“ im Sinne der Unternehmen ist – mit diesen Beobachtungen stößt Plöger zum „Kern“ der Zwiebel vor. Tatsächlich ist die digitale Boheme nach seiner Darstellung die Avantgarde eine neuen Arbeitswelt – jedoch nur, weil sie Teil einer umfassenden Entwicklung ist, die mit Globalisierung, Deregulierung und Entstaatlichung nur oberflächlich umrissen ist. Plöger betrachtet so nicht nur die individuellen Strategien der Existenzsicherung, der Job-Akquise und der Arbeitsbewältigung, sondern er erreicht einen weit über den Einzelnen hinaus gehenden Blick auf eine sich wandelnde Gesellschaft. So erweist sich die Flut der Solo-Selbständigen (die seit Mitte der 90er Jahre sprunghaft ansteigt, erzeugt z.B. durch Förderinstrumente der Agentur für Arbeit) im breiteren Blickwinkel nicht als bloße idealistische Entscheidung „junger Kreativer“ für die Freiheit – sondern als Reaktion breiter Bevölkerungsteile auf das Wegfallen von Arbeitsplätzen und einen immer härteren Wettbewerb, auch zwischen Angestellten und Selbständigen. Die Grenzen innerhalb dieses einstmals „dualen“ Systems verschwinden, da Unternehmen ebenso wie Hochschulen das Kapital entdecken, dass in den freien Jobnomaden steckt. „Arbeit ist in den westlichen Industriestaaten in einem Wandel begriffen, und die Gesellschaft wird sich mitwandeln müssen. Die Arbeitssammler stecken mittendrin, sind Objekte und Muster des Wandels zugleich. (…) Die Vorteile, die jeder von ihnen als Einzelner für sich verbuchen kann, sind jedoch nur eine Seite einer Medaille, auf deren Kehrseite eine drängende Frage geprägt ist: Wohin geht eine Gesellschaft als Ganzes, in der mehr und mehr Menschen in unsicheren und wechselnden Jobs arbeiten, die ihnen kein garantiertes Auskommen einbringen und in der eine gute Qualifikation sie nicht länger schützen kann? (…) Die Arbeitsfrage ist ein Kulturproblem, ein Problem unserer grundlegenden Konzepte und Ideen zu der Gestalt unserer Gesellschaft.“ Ein wichtiges Buch, weil es den Versuch unternimmt, die Perspektive des Einzelnen zu weiten auf eine Dynamik des Umbruchs, in dem alle stecken, Bohemien, Angestellter, Kleinunternehmer. Digital oder nicht.

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