Die Gottessucherin

von Peter Prange 
4,0 Sterne bei26 Bewertungen
Die Gottessucherin
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Neue Kurzmeinungen

tigggers avatar

Ich bin begeistert von diesem Buch! Keine Langeweile und richtig interessant geschrieben. Sehr gut recherchiert & einem nah gebracht. :-)

Wieder ein klasse Buch von Peter Prange. Ich würde mich freuen, wenn so schnell wie möglich ein neuer Prange auf den Markt käme. Weiter so!

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Inhaltsangabe zu "Die Gottessucherin"

Lissabon 1528. Die Jüdin Gracia verachtet ihren Mann, denn in ihren Augen verleugnet er seinen Glauben. Trotzdem versündigt sie sich, um ihn vor der Inquisition zu retten. Doch zu spät: Mit ihrer Tochter flieht die junge Frau durch ganz Europa. Ihr Ziel ist ein Ort, an dem sie ihren Glauben frei ausüben kann. Aber darf man für die Liebe zu Gott die Liebe zu den Menschen opfern? Glaube, Liebe, Sünde, Hass: eine Frau und ihr leidenschaftlicher Kampf um ihr Seelenheil, ihre Freiheit und ihr Lebensglück.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783426636091
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:768 Seiten
Verlag:Knaur Taschenbuch
Erscheinungsdatum:02.11.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 24.11.2009 bei Bastei Lübbe erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    MarySophies avatar
    MarySophievor 10 Monaten
    Die Gottessucherin

    Handlung:

    In Lissabon im Jahre 1510 kommt Gracia Nasi auf die Welt. Um der christlichen Inquisition zu entgehen wird sie zwar getauft, im Geheimen jedoch bleibt sie ihrer Religion treu und führt alle Riten heimlich aus. Noch dazu muss die junge Frau einen Mann heiraten, welcher seinem ursprünglichen Glauben, dem Judentum, scheinbar komplett abgeschworen hat und welcher in Gracias
    Augen somit nicht nur die Religion, sondern auch seine Glaubensbrüder im Stich gelassen hat. Jedoch muss sie schon bald erkennen, dass sie sich im ihrem Mann vollkommen getäuscht hat und er wird schließlich zur großen Liebe ihres Lebens.

    Doch in ganz Europa müssen jüdische Bürger Angst vor der Inquisition haben, welche sich immer weiter
    ausbreitet. Eine lange Reise beginnt für Gracia, um ihrem
    angeborenen Glauben weiterhin nachgehen zu können und um Frieden zu finden.


    Meinung:

    Dies war das erste Buch, welches ich von Peter Prange gelesen hatte. Nachdem ich schon viele positive
    Meinungen gehört habe, war ich sehr gespannt auf das Buch und wurde anfangs auch nicht enttäuscht. Die Geschichte begann sehr spannend und dies hielt auch einige Zeit an, hat irgendwann in der Mitte des Buches jedoch vollkommen nachgelassen. Irgendwann musste ich mich fast dazu anspornen, weiterzulesen. Nicht nur, dass sich die Geschichte ewig gezogen hat, auch Gracia und ihre Familie fand ich immer nerviger. Besonders störend fand ich hierbei, dass Gracia immer fanatischer wurde und sich dabei stets als Führerin ihres Volkes gesehen hat, welche auch gerne Enttäuschungen vonseiten ihrer Vertrauten in Kauf genommen hat, um zum Ziel zu gelangen.


    Vom Schreibstil war ich sehr begeistert, der Roman ließ sich flüssig und angenehm lesen. Viele Dinge waren sehr gut beschrieben, sodass ich mir, trotz wenigen mir unbekannten Worten, direkt ein gutes Bild davon machen konnte, was gerade beschrieben wurde. Ansonsten empfand ich die Sprache als recht
    einfach gewählt, wodurch sie einem breiten Publikum gut verständlich ist.


    Der Handlungszeitraum des Buches erstreckt sich über viele Jahre. Anfangs ist Gracia noch eine junge Frau, die gerade heiratet, am Ende ist sie viel reifer und auch älter geworden. In all diesen Jahren, die erzählt werden, bereist Gracia gezwungenermaßen viele Orte, weshalb ich es als sehr schön empfunden hätte, wenn es eine Karte gegeben hätte, damit man sich die Entfernung zwischen den Reisezielen besser vor Augen halten kann.

    Außerdem hat mir auch ein Personenverzeichnis gefehlt, bei dem Schmöker von über 750 Seiten
    kommen einige Protagonisten vor, dabei kann man auch etwas den
    Überblick verlieren.


    Gracia steht während des ganzen Romans durchweg im Vordergrund, ihre Geschichte wird erzählt und somit ist
    sie ständig präsent. Auch jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe,
    kann ich mir kein Bild der Frau machen. Dabei meine ich keine
    äußerliche Beschreibung, sondern auch der Charakter ist für mich
    wie ein Buch mit sieben Siegeln. Am Anfang fand ich sie noch recht
    sympathisch, jedoch hat sich mit dem Verlauf des Buches nicht nur die Handlungsorte verändert, sondern auch Gracia selber. Sie wurde
    stärker und unabhängiger, jedoch auch immer fanatischer mit ihrem
    Gotteswahn und skrupelloser.


    Auch bei den anderen Protagonisten war eine deutliche Weiterentwicklung sichtbar. Diese wurde sehr gut beschrieben und hierbei hat es mir besonders gefallen, dass sie nicht
    immer positiv ausgefallen ist, sondern sich auch einige Charaktere
    zum negativen entwickelt haben.


    Fazit:

    Ich hatte hohe Erwartungen an das Buch, wurde aber leider enttäuscht. Nicht nur, dass es Längen gab, sondern auch die Entwicklung von Gracia waren mir immer mehr ein Dorn
    im Auge. Es war jedoch interessant, etwas über die Dame zu erfahren, welche viele gute Dinge für ihre Glaubensbrüder getan hat, für die ich sie bewundere.

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    tigggers avatar
    tigggervor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ich bin begeistert von diesem Buch! Keine Langeweile und richtig interessant geschrieben. Sehr gut recherchiert & einem nah gebracht. :-)
    Der Schmale Grad zwischen Gotteserfurcht und Gotteswahn

    Bei diesem großartigen Buch schreibe ich meine Rezi heute mal etwas anders:

    Inhalt:

    In diesem Buch lernt man die Protagonistin Gracia Mendes kennen, die auch historisch belegt ist. Sie verwandelt sich von einer gottesfürchtigen, streng gläubigen Jüdin, die damals sehr unter der Judenverfolgung gelitten hat, in eine für die Juden sehr angesehene Führungspersönlichkeit mit Hang zum Gotteswahn.

    Das Buch beginnt in Portugal mit der vorherigen Generation und einer Prophezeiung für das Judentum. Man wird an die schwierigen Zeiten für die Juden in Portugal und Spanien herangeführt. Viele Juden können ihren Glaube nur heimlich ausführen und sind gezwungen die christlichen Rituale auszuführen.

    Darauf folgt der Lebensbeginn von Gracia Mendes (geb. Nasi), in dem sie mit einem wohlhabenden Juden verheiratet wird. Sie hasst ihren zukünftigen Mann Francisco, da sie glaubt, dass er kein richtiger Jude ist. Francisco hat enge Bekanntschaft zu christlichen Menschen und sie interpretiert seinen christlichen Scheinglauben als wahren Glauben.

     Um Gott ihren Glauben zu beweisen, versündigt sie sich schwer. Zuerst in dem Glauben richtig gehandelt zu haben, jedoch später erkennt sie ihre schwere Sünde und leidet stark darunter. Diese Sünde begleitet sie ihr ganzes Leben und beeinflusst auch ihre zukünftigen Handlungen.

    Gracia steigert sich so in ihren Glauben, dass es schon als Wahn deklariert werden kann. Und darunter muss ihre Familie sehr leiden, vor allem ihre Tochter und ihre Schwester. Immer wieder steht sie im Kompromiss sich für ihren Glauben oder für die Liebe zu entscheiden - wobei letztere fast immer verliert. Sie sieht sich als Symbolfigur für den jüdischen Glauben.

    Mit dem Reichtum der angeheirateten Firma Mendes hilft sie tausenden verzweifelten Juden aus der Verfolgung der Inquisition bis zur Ankunft ins heilige Land. Auch mit diesem Handeln versucht sie ihre Sünde zu rechtfertigen.

    An dieser Stelle höre ich auf zu erzählen, denn ich will ja auch nicht zu viel verraten.

    Personen:

    Gracia Mendes ist keineswegs immer zu verstehen. Gerade ihre Beziehung zum Glauben ist manchmal sehr schwer nachzuvollziehen. Die Tochter tut einem unter Gracias Entscheidung regelrecht Leid. Gracia hatte natürlich auch einen Gegenspieler, der sie durch die ganze Welt verfolgt.

    Es gibt viele Höhen und Tiefen in ihrem Leben, die sie mehr oder weniger gut meistert.

    Die Personenbeschreibungen fand ich rund und mir hat persönlich nichts gefehlt. Gerade im Zusammenhang mit der Handlung konnte ich mich in alle Figuren gut hinein versetzten.

    Meinung:

    Ich könnte sehr viel zu diesem wundervollen Buch schreiben, doch das würde zu lang werden, denn das Buch hat ja auch sehr viel Inhalt mit seinen über 700 Seiten. Ich sag euch nur eins: Lasst euch von den vielen Seiten nicht verschrecken. Es lohnt sich.

    Man lernt viel über das Judentum und seine Bräuche. Man fiebert mit den Figuren mit. Und: Es gibt auch ein bisschen Liebe neben der ganzen Religionsgeschichte.

    Für mich lies es sich sehr gut lesen. Das war mein zweites Buch von Peter Prange und ich bin wieder vollends überzeugt. Man hat wirklich das Gefühl, dass es sehr gut recherchiert ist.

    Meine Kurzmeinung:

    Ich bin begeistert von diesem Buch! Keine Langeweile und richtig interessant geschrieben. Sehr gut recherchiert & einem nah gebracht. :-)

    Ich kann dieses Buch nur sehr weiter empfehlen.

    Fazit: 5 von 5 Sternen.

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    inge_da silvas avatar
    inge_da silvavor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Gottessucherin" von Peter Prange

    Eine wirklich beeindruckende Lebensgeschichte, eine spannende Lebensgeschichte über Gracia Mendes die hier zu Lande kaum einer kennt,Gracia Mendes war eine Kämpferin gegen den Papst und König sie war eine Retterin des Volkes Dona Gracia Mendes wurde in Portugal geboren und erhielt den christlichen Namen Beatrice de Luna. Sie wuchs als Marranin in einer scheinbar katholischen Familie auf, die sich heimlich an den jüdischen Glauben ihrer Vorfahren hielt. Die Mitglieder der Familie besuchten daher zwar regelmäßig die Messe, blieben aber am Schabath hinter verschlossenen Türen, mieden die durch das jüdische Gesetz verbotenen Nahrungsmittel und fasteten heimlich am Jom Kippur.

    IBei keinem Kapitel ist das Gefühl der Langeweile aufgekommen.Dieses Buch ist ein unvergleichliches Drama des wahren Lebens der Dona Gracia Mendes die oft ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt e Dona Gracia war eine selbstbewussteFrau die wußte was sie wollte Gracia Mendes – einer jüdischen Frau, die ihr Leben lang darum kämpft, einen Ort auf der Welt zu finden, an dem sie ihren Glauben leben darf, ohne dafür verfolgt zu werden Dieses Buch Empfehlung für alle Historienfans, ich bin Total begeistert

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    J
    Jane_Eyrevor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Gottessucherin" von Peter Prange

    Peter Prange erzählt in seinem historischen Roman „Die Gottessucherin“ die Lebensgeschichte von Gracia Mendes – einer jüdischen Frau, die ihr Leben lang darum kämpft, einen Ort auf der Welt zu finden, an dem sie ihren Glauben leben darf, ohne dafür verfolgt oder ausgeschlossen zu werden. Auf der Suche danach und nach ihr selbst, zieht sie durch ganz Europa.
    Von Anfang an wird Gracia als glaubensfeste, starke und von ihrem Umfeld geprägte Frau dargestellt. Im Laufe der Geschichte wird sie jedoch immer besessener von ihrer Mission, sodass sie nicht nur ihr persönliches Glück, sondern auch das ihrer Familie aufs Spiel setzt und sich von sich selbst und meiner Meinung nach auch immer mehr vom Leser entfernt.
    Gracia verändert sich einerseits stark durch die grausame Zeit in der sie lebt; die Inquisition und Verfolgung der Juden in Europa. Aber auch durch die Erwartungen, die andere an sie stellen und denen sie nicht gerecht werden kann ohne ihr persönliches Glück zu riskieren.
    Peter Prange schafft es meiner Meinung nach sehr gut, einen historischen Hintergrund mit einer spannenden Geschichte einer starken Frau zu verknüpfen. Und auch wenn mir stellenweise einige Passagen zu grausam und detailliert beschrieben wurden, hat mich das Buch gefesselt.
    Durch das wunderbare Erzähltalent vom Autor habe ich beim Lesen eine Achterbahnfahrt aus Grauen, Entsetzen, Mit fiebern, hoffen und bangen erlebt.

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    Büchermonas avatar
    Büchermonavor 9 Jahren
    Rezension zu "Die Gottessucherin" von Peter Prange

    Buchrückentext:

    Darf man für die Liebe zu Gott die Liebe zu den Menschen opfern? Peter Prange erzählt die schicksalhafte Lebensreise der Gracia Mendes, einer der außergewöhnlichsten Frauen der europäischen Renaissance. Obwohl eine gläubige Jüdin, muss sie aus Angst vor der Inquisition wie eine Christin leben. Damit nicht genug, wird sie mit einem Mann verheiratet, der skrupellos Profit aus der Not seiner Not seiner Glaubensbrüder schlägt. Trotzdem wird der vermeintliche Verräter schon in der Hochzeitsnacht zur großen Liebe ihres Lebens. Unter der grausamen Gewaltherrschaft der Inquisition jedoch wird Gracia gezwungen, quer durch den brodelnden Kontinent zu fliehen. Die Reise der Gottessucherin beginnt, die Reise einer Kämpferin, die Königen und Päpsten die Stirn bieten wird…

    Diese Worte bleiben haften!

    Bei keinem Kapitel ist je ein Gefühl der Langeweile aufgekommen.

    Auch große Zeitspannen überwindet der Autor fast unauffällig und mit großem Geschick. Die Geschichte reißt nicht etwa ab.

    Unverkennbarer Stil und in jeder Situation - egal ob skurril oder alltäglich - sprechen für Peter Prange. Zum Beispiel die Situation, als Gracias Ehemann den Tod fand, trieb mir die Tränen in die Augen. Man fühlte ihre Liebe und Trauer so allgegenwärtig, dass man selbst betroffen war.
    Er schafft es meiner Meinung nach, mit seinen Worten zu malen. Sie wiegen den Leser so sanft und umschmeicheln ihn mit wundervollen, realistischen Bildern.

    Die unterschiedliche Wandlung der vielen Charaktere ist erstaunlich. Der fanatische Cornelius war mir die ganze Handlung über ein Dorn im Auge, aber ist sich dann zum Ende selbst zum Opfer gefallen.

    Gracia hat zum Ende glücklicherweise die Kurve gekriegt und ihrem Herz eine zweite Chance eingeräumt. Es wäre sehr bedauerlich gewesen, wenn ihre Geschichte im Streit und in Hartherzigkeit geendet hätte.

    In zwei Tagen habe ich dieses komplexe Buch bewältigt und bin überwältigt. Es war ein überaus ergreifendes, packendes Erlebnis und ich konnte mich nur sehr schwer davon trennen.
    Man muss diese super recherchierte Arbeit wirklich zu schätzen wissen.

    Die Kritiker haben Recht: Mehr Leben passt in kein Buch!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren
    Rezension zu "Die Gottessucherin" von Peter Prange

    1510 kommt in Lissabon Gracia Nasi zur Welt, Tochter eines marranischen Kaufmanns. Gracia empfängt zwar die christliche Taufe um der Inquisition zu entgehen, die schon seit vielen Jahren wütet, bleibt im Verborgenen aber der Religion ihrer Vorfahren treu, dem Judentum. Hier sieht sie ihre wahre Bestimmung, hält an dem Glauben fest, der sie vom Moment ihrer Geburt an begleitet. Als die den Kaufmann Francisco Mendes heiratet und herausfindet, dass er mit der Außerlandesschaffung von zwangsgetauften Juden sein Vermögen macht, ist sie zunächst wie vor den Kopf gestoßen. Es dauert jedoch nicht lange, bis sie die wahren Hintergründe seines Handels begreift und sich auf die Seite ihres Mannes stellt. Damit beginnt ein lebenslanger Kampf um das Leben vieler Juden und deren Rettung vor der Inquisition.

    Peter Prange hat seinen neusten Roman einer Frau gewidmet, deren Lebensgeschichte in der christlichen Welt fast in Vergessenheit geraten ist, deren Wirken aber in der jüdischen Welt bis heute unvergessen ist. Gracia Mendes hat unter Einsatz all ihrer Möglichkeiten vielen tausend Juden das Leben gerettet, indem sie sie außer Landes geschmuggelt und ihnen so die Flucht in Länder ermöglicht hat, in denen sie geduldet wurden. Wie war diese Frau, die als neue Esther und Retterin ihres Volkes gefeiert wurde? Historische Fakten und Berichte gibt es zuhauf, aber wie mag diese Frau als Mensch gewesen sein? Was hat sie zu Ihrem Handeln bewegt? Wie hat der lebenslange Kampf auf diese Frau gewirkt, wie ihr Leben beeinflusst? Peter Prange hat hier das Portrait einer Frau erschaffen, wie es hätte gewesen sein können. Und das ist beileibe kein schönes Bild. Selten habe ich einen Roman gelesen, bei dem die Haupt-Protagonistin so negativ besetzt ist. Von Seite zu Seite wird es schwieriger, Gracias Verhalten zu verstehen. Zu verstehen, warum sie die Rettung des Volkes Israel vor alle anderen Dinge in ihrem Leben stellt. Zu verstehen, warum die vielen, unbekannten Menschen, die sie rettet, wichtiger sind als die Menschen in ihrem nahen Umfeld.
    Peter Pranges Gracia hat keine Skrupel, die Menschen in ihrem Umfeld für ihre Zwecke zu benutzen und zu manipulieren. Ihr Gottesglaube nimmt im Laufe der Geschichte fast manische Züge an und am Ende verirrt sie sich in ihm, verliert ihren Weg und beinahe den Blick für das Wesentliche in ihrem Leben: ihre Familie und deren Liebe. Teils ist dieser Irrweg ihr selbst geschuldet, teils aber auch ihrem Umfeld: Das Volk Israel stellt sie auf einen Sockel. Wie sollte man nicht glauben, man wäre die Auserwählte, wenn man dies immer wieder zu hören bekommt? Es kommt ein Zeitpunkt, da muss sie eine Entscheidung fällen, und diese Entscheidung wiegt schwer: persönliches Glück oder das gelobte Land?

    Gracias Gegenspieler Cornelis Scheppering macht es einem beim Lesen nicht einfacher. Ein Dominikaner, der nicht anderes im Sinn hat als die Vernichtung der Juden und dessen Lebensziel es ist, die Ketzerin Gracia zum wahren Christentum zu bekehren. Dafür folgt er ihr durch die halbe Welt und legt ihr immer wieder Steine in den Weg. Beide sind auf ihre Weise fanatisch, beide steigern sich in die sich selbst zu hoch gesteckten Ziele und beide greifen dazu zu drastischen Maßnahmen.

    Warum sollte man ein Buch lesen, dessen Protagonistin so schwierig ist, bei der man irgendwann denkt: sie ist mir zutiefst zuwider? Weil Peter Prange eine unglaublich faszinierende Geschichte geschrieben hat, die einen so in den Bann zieht, dass sie einen nicht mehr loslässt: Die Geschichte einer einzigartigen Frau, die Geschichte eines Volkes, das sich nie unterkriegen lässt, was auch passiert, in einer Epoche, die das reinste Pulverfass war.

    Gracia fasziniert, polarisiert und gewinnt irgendwann am Ende dann doch das Herz des Lesers. Es ist ein anstrengender Weg dorthin, ein Kampf für den Leser, der in diesem Buch das ganze Leid der gebeutelten Juden ertragen muss, ständige Vertreibung, Tod, Neuanfänge, Niederlagen und Fluchten. Die fast lebenslange Unrast der Protagonistin, die ewige Suche nach dem Frieden. Als Ausgleich bekommt er mit Reyna, Gracias Tochter, José, deren Verlobten und Armandus Lusitanus, einem Arzt, Figuren, an deren Liebe er sich in dunklen Stunden festhalten und aufrichten kann.
    Eingebettet sind all diese Schicksale in die lebendige Beschreibung der damaligen historischen Ereignisse, mit denen die einzelnen Abschnitte des Buches eingeleitet und begleitet werden. Peter Prange zeichnet dichte und intensive Bilder, die das Europa und das Konstantinopel des 16. Jahrhunderts vor dem Auge des Lesers wieder auferstehen lassen.

    Peter Prange hat ein großartiges Buch geschrieben über Verblendung, Wahnsinn, Verirrung, Größenwahn, Hass aber auch über das Verzeihen, die Liebe, die Erkenntnis, die Einsicht und die Umkehr. Eines, das bewegt, wütend und traurig macht, aber auch die Hoffnung weckt, dass es für Umkehr und Einsicht nie zu spät ist. Ein Buch, das für mich eindeutig zu den absoluten Highlights dieses Jahre zählt.

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    beowulfs avatar
    beowulfvor 9 Jahren
    Rezension zu "Die Gottessucherin" von Peter Prange

    Abgebrochen- den autor lob ich wohl- allein der Stroff ist mir zu hart derzeit.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren
    Kurzmeinung: Wieder ein klasse Buch von Peter Prange. Ich würde mich freuen, wenn so schnell wie möglich ein neuer Prange auf den Markt käme. Weiter so!
    Z
    Zasouvor 2 Jahren
    Aloraks avatar
    Alorakvor 2 Jahren

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