Peter Reichel

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Lebenslauf von Peter Reichel

Peter Reichel ist Professor für Politische Wissenschaften im Ruhestand. Von 1983 bis 2007 lehrte er Historische Grundlagen am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Er lebt als freier Autor in Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Geschichte und Gesellschaft, insbesondere zur politischen Kulturgeschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert, unter anderem: ›Politik mit der Erinnerung. Gedächtnisorte im Streit um die nationalsozialistische Vergangenheit‹ (2. Aufl. 1999), ›Schwarz-Rot-Gold. Kleine Geschichte deutscher Nationalsymbole nach 1945‹ (2005).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Peter Reichel

Cover des Buches Der tragische Kanzler (ISBN:9783423289733)

Der tragische Kanzler

 (2)
Erschienen am 31.08.2018
Cover des Buches Der schöne Schein des Dritten Reichs (ISBN:9783831902132)

Der schöne Schein des Dritten Reichs

 (2)
Erschienen am 01.09.2006
Cover des Buches Erfundene Erinnerung (ISBN:9783596168057)

Erfundene Erinnerung

 (1)
Erschienen am 01.06.2007
Cover des Buches Vergangenheitsbewältigung in Deutschland (ISBN:9783406459566)

Vergangenheitsbewältigung in Deutschland

 (0)
Erschienen am 22.08.2007
Cover des Buches Politik mit der Erinnerung (ISBN:9783446182967)

Politik mit der Erinnerung

 (0)
Erschienen am 01.08.1995

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Rezension zu "Der tragische Kanzler" von Peter Reichel

Portrait eines zu unrecht vergessenen Staatsmanns
Matzbachvor 8 Monaten

Peter Reichel bricht eine Lanze für den "tragischen Kanzler" Hermann Müller. Der SPD-Politiker war zweimal Kanzler in der Zeit der Weimarer Republik, zuerst 1920, für gut drei Monate, dann von Juni 1928 bis März 1930. Zuvor hatte er als Außenminister die undankbare Aufgabe übernommen, den Versailler Vertrag zu unterzeichnen, was ihm lebenslänglich den Hass rechter Fanatiker eintrug. Nach dem gescheiterten Kapp-Putsch der rechten Republikgegner wurde er Nachfolger kurzzeitig Nachfolger des sich in der dadurch hervorgerufenen Krise zwiespältig verhalten habenden Reichskanzlers Bauer, ebenfalls von der SPD. Doch die Kanzlerschaft währte nur kurz, denn bei den anstehenden ersten Wahlen zum Reichstag verlor die Weimarer Koalition, vor allem die MSPD, an Stimmen. Doch Müller blieb ein wichtiger Politiker der Weimarer Republik. Er leistete zum einen einen großen Beitrag zur Wiedervereinigung von MSPD und USPD. Als SPD-Vorsitzender war er zum anderen an weiteren Regierungsbildungen/Sondierungen dazu beteiligt, bis er dann 1928 wieder Kanzler einer großen Koalition wurde. Doch auch die zweite Kanzlerschaft war von großen Belastungen gekennzeichnet, außenpolitisch ging es um die Regulierung der Reparationszahlungen durch den Young-Plan, Voraussetzung für die endgültige Räumung der von Frankreich und Belgien besetzten Gebiete in Deutschland. Gegen die Anfeindungen von rechts kam es in diesen Fragen zu einer für das Deutsche Reich durchaus positiven Entscheidung, innenpolitisch scheiterte Müller aber am Streit der Flügelparteien SPD und DVP über die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung, die durch die Weltwirtschaftskrise zusätzliche Brisanz bekam. Angesichts der immensen Belastungen konnte Müller, wie viele andere auch, eigentlich nur scheitern, doch daraus hat er zumindest das beste gemacht. Bescheiden mögen seine Erfolge sein, aber mehr war auch nicht zu erwarten. Durch sein Naturell hat er sich durchaus Achtung bei seinen innen- und außenpolitischen Gegnern verschafft, sieht man mal von den Extremisten von links und rechts ab, die ihn über den Tod hinaus verachteten.

Peter Reichel gebührt der Verdienst, diesen zu unrecht weitgehend vergessenen Politiker der Weimarer Republik in angebrachte Erinnerung zu rufen. In Detailfragen kann man allerdings bisweilen anderer Ansicht als Reichel sein, so etwa bei der Darstellung der Vorgeschichte des Versailler Vertrags. Auch Reichel rügt zu recht das Verhalten des Vorgängers Müllers als Außenminister, Graf Brockdorff-Rantzau, der absichtlich den diplomatischen Fauxpas beging, während seiner Erklärung zur Vertragsübergabe sitzen zu bleiben. Doch ob ein klügeres Verhalten angesichts des virulenten Hasses nach dem Weltkrieg einen für Deutschland günstigeren Vertrag ermöglicht hätte, darf meiner Ansicht nach bezweifelt werden. Und was Reichels mehrfach geäußerte Kritik an der angeblichen Kompromissbereitschaft der SPD betrifft: Wie weit soll eine Partei im Sinne der Staatsraison mit der Selbstverleugnung gehen? Drei Mal (!) stellte die Reichstagsfraktion die Parteihaltung über das Staatsinteresse, beim ersten Mal wegen der Ungleichbehandlung der Reichsländer Sachsen und Bayern im Punkt Radikalismus (im linken Sachsen kam es zur sogenannten Reichsexekution, im rechten Bayern konnten sich Rechtsradikale munter ungehindert ausbreiten), in der Panzerkreuzerauseinandersetzung ging es um Kosten der Aufrüstung angesichts steigender Staatsausgaben und drohender Verelendung großer Volksteile. Und, negativer Höhepunkt aus Sicht Reichels, der erzwungene Rücktritt Müllers wegen der Weigerung seiner Partei, einer vom Koalitionspartner DVP gewünschten Reduzierung der Arbeitslosenhilfe zuzustimmen. Aber erstens gehören zum Scheitern einer Ehe immer zwei, außerdem liefen hinter den Kulissen längst Bestrebungen des konservativen Reichspräsidenten Hindenburg und ihm nahe stehender Konservativer, die Republik abzuschaffen und den Einfluss der SPD ein für alle mal auszuschalten. Wenn Reichel an dieser Stelle den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten vorwirft, zu den Totengräbern der Republik zu gehören, so ist das meiner Ansicht nach falsch. Von diesen Ausnahmen abgesehen haben die Sozialdemokraten sich nämlich sehr oft verbiegen müssen, um Politik möglich zu machen. Doch irgendwo sollte auch Selbstachtung ins Spiel kommen, oder? 

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Rezension zu "Erfundene Erinnerung" von Peter Reichel

Rezension zu "Erfundene Erinnerung" von Peter Reichel
Sokratesvor 8 Jahren

Insbesondere solche Filme wie ‚Holocaust‘ oder ‚Schindlers Liste‘ – also Produktionen neueren Datums – sind vielen Menschen aus Kino oder Fernsehen bekannt. Doch bereits in den frühen 50er Jahren begann die deutsche Filmindustrie in Ost und West Kriegsthemen filmisch zu verarbeiten. Entstanden sind hierbei Filme wie bspw. ‚Der Arzt von Stalingrad‘, ‚Hunde wollt ihr ewig leben?‘, ‚Lili Marleen‘, ‚Des Teufels General‘, ‚Draußen vor der Tür‘ oder ‚Nackt unter Wölfen‘. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen; bis in die aktuelle Zeit finden immer wieder der Zweite Weltkrieg und der Holocaust eine filmische und dramatische Um-setzung.
Peter Reichel, Professor für Historische Grundlagen der Politik mit Forschungsschwerpunkt der Politischen Kulturgeschichte Deutschlands seit dem 19. und 20. Jh. hat sich in diesem Buch mit diesen Formen der medialen Aufarbeitung, Darstellung und (vielleicht) Auseinandersetzung historischer Ereignisse beschäftigt. Er geht hierbei nicht nur auf die Charakteristik der Filme ein, sondern erörtert auch die Begleitumstände: Zeitgeist, Resonanz der konsumierenden Bevölkerung, Kritik des damaligen Feuilleton und er bringt abschließend eine ausführliche und substantiierte Einschätzung aus heutiger Sicht aus der Einschätzung eines kritischen Historikers. Interessant ist hierbei vor allem, wie sich die Haltung der deutschen Öffentlichkeit (bezogen auf deutsche Filmproduktionen) zu Krieg, Wehrmacht und Holocaust über die Jahre hinweg geändert haben, hin zu einer unparteiischen, die tatsächlichen Umstände akzeptierenden Darstellung der wahren Begebenheiten. Der Umgang heute mit der Wahrheit der nationalsozialistischen Diktatur und des 2. Weltkrieges sind weitgehend frei und unvoreingenommen und lassen dem Zuschauer für eigenes kritisches Reflektieren; voreingenommene Partei-nahme kann heutigen Filmen weniger vorgeworfen werden wie früher. Auch ist ein souveräner Umgang mit der historischen Wahrheit mittlerweile möglich geworden, wenn in Einzelfällen auch noch schwierig. Das Buch ist informativ, allerdings mehr als Fachpublikation für Historiker bzw. Filmhistoriker, die sich akzentuiert mit dem Thema der medialen Darstellung des Dritten Reichen und des Zweiten Weltkrieges beschäftigen wollen.

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