Peter Reichel

 4,1 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf

Peter Reichel, geboren 1942, lehrte bis 2007 als Professor für Historische Grundlagen der Politik an der Universität Hamburg. Bei Hanser sind erschienen: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus (1991);  Politik mit der Erinnerung. Gedächtnisorte im Streit um die nationalsozialistische Vergangenheit (1995); Erfundene Erinnerung. Weltkrieg und Judenmord in Film und Theater (2004) und Rettung der Republik? Deutschland im Krisenjahr 1923 (2022)

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Peter Reichel

Cover des Buches Der schöne Schein des Dritten Reichs (ISBN: 9783831902132)

Der schöne Schein des Dritten Reichs

(3)
Erschienen am 01.09.2006
Cover des Buches Der tragische Kanzler (ISBN: 9783423289733)

Der tragische Kanzler

(2)
Erschienen am 31.08.2018
Cover des Buches Erfundene Erinnerung (ISBN: 9783596168057)

Erfundene Erinnerung

(1)
Erschienen am 01.06.2007
Cover des Buches Rettung der Republik? (ISBN: 9783446274198)

Rettung der Republik?

(1)
Erschienen am 26.09.2022

Neue Rezensionen zu Peter Reichel

Cover des Buches Der schöne Schein des Dritten Reichs (ISBN: 9783831902132)
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Rezension zu "Der schöne Schein des Dritten Reichs" von Peter Reichel

wsch
Was war und ist das Faszinosum der Politik von ganz rechts außen?? Hier die Antworten...

Peter Reichel nimmt in seinem Buch "Der schöne Schein des Dritten Reichs" auf eine fesselnde und beunruhigende  Art die sorgfältig konstruierte Fassade des nationalsozialistischen Regimes auseinander. Er zeigt auf, wie die Nazis ein System der Propaganda und der kulturellen Manipulation schufen, um ihre Macht zu festigen und ihre Ideologie unter dem Deckmantel von Ästhetik und Unterhaltung zu verbreiten.

Im Kern argumentiert Reichel, dass das Dritte Reich nicht nur auf Terror und Gewalt beruhte, sondern auch auf einer ausgeklügelten Strategie, die Massen durch emotionale Ansprache und inszenierte Spektakel zu gewinnen. Diese "schöne Erscheinung" und die damit verbundene Erinnerungen dienten dazu, die brutale Realität des Regimes zu verbergen und eine trügerische Illusion von Einheit und Stärke zu erzeugen.

Ein zentraler Aspekt von Reichels Analyse ist die Rolle der Unterhaltung bei der Verbreitung der NS-Ideologie. Er untersucht, wie Filme, Aufmärsche und andere kulturelle Veranstaltungen genutzt wurden, um die Bevölkerung zu indoktrinieren.

Filme spielten dabei eine entscheidende Rolle. Reichel analysiert Leni Riefenstahls Meisterwerke "Triumph des Willens" und "Olympia" und zeigt, wie diese Filme nicht nur ästhetisch beeindruckend waren (und rein von der Machart her immer noch sind), sondern auch die Macht und den Glanz des Regimes verherrlichten. "Triumph des Willens" beispielsweise, ein Dokumentarfilm über den Reichsparteitag 1934, inszeniert Hitler als charismatischen Führer und die NSDAP als geeinte und dynamische Kraft. Die sorgfältige Komposition, die monumentalen Bilder und die hypnotische Musik erzeugten ein Gefühl der Ehrfurcht und des Enthusiasmus. "Olympia", ein zweiteiliger Film über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, diente dazu, die Überlegenheit der "arischen Rasse" zu demonstrieren und das NS-Regime als gastfreundliche und moderne Nation darzustellen.

Auch die großen Aufmärsche waren sorgfältig inszenierte Spektakel. Reichel beschreibt, wie diese Massenveranstaltungen, oft mit Tausenden von Teilnehmern, nächtlichen Fackelzügen etc. ein Gefühl der kollektiven Ekstase und der nationalen Einheit erzeugten. Die synchronen Bewegungen, die einheitlichen Uniformen, die eindringliche Musik und die oft abschliessenden Feuerwerke trugen dazu bei, das Individuum in der Masse aufzulösen und ein Gefühl der Stärke und des Zusammenhalts zu vermitteln. Diese Aufmärsche waren nicht nur Machtdemonstrationen, sondern auch wirksame Mittel der Propaganda, die die emotionale Bindung der Bevölkerung an das Regime stärkten.

Der Bildteil mit Orinal-Fotografien im Anhang verdeutlicht, wie diese Wirkungen, diese Illusionen entfacht wurden!

Reichel untersucht auch die Rolle der Literatur und anderer kultureller Ausdrucksformen. Er zeigt, wie das Regime die Künste gleichschaltete und zensierte, um sicherzustellen, dass sie mit der Natu-Ideologie übereinstimmten. Autoren, die nicht konform waren, wurden verfolgt und verboten, während solche, die das Regime unterstützten, gefördert wurden. Diese sorgfältige Kontrolle über das kulturelle Leben diente dazu, ein einheitliches Weltbild zu schaffen und jegliche Form von Widerspruch Dissens zu unterdrücken.

Darüber hinaus betont Reichel die Bedeutung der Symbolik in der NS-Propaganda. Das Hakenkreuz, der Adler, das ungeheure Flaggenmeer und andere Symbole wurden allgegenwärtig und mit positiven Assoziationen aufgeladen. Sie dienten dazu, ein Gefühl der nationalen Identität und des Stolzes zu schaffen, das die Menschen an das Regime band.

Reichels Buch ist nicht nur eine Analyse der NS-Propaganda, sondern auch eine Untersuchung der Psychologie der Massen. Er zeigt auf, wie das Regime die tiefsten Wünsche und Ängste der Menschen ausnutzte, um ihre Unterstützung zu gewinnen. Das Versprechen von Ordnung, Stabilität und nationaler Größe appellierte an das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit und Sinn in einer Zeit der wirtschaftlichen Unsicherheit und des sozialen Umbruchs. Gleichzeitig schürte die Propaganda Ängste vor äußeren Feinden und Sündenböcken, um die Bevölkerung gegen bestimmte Gruppen aufzubringen und die eigene Macht zu festigen.


"Der schöne Schein des Dritten Reichs" ist ein wichtiges Buch, das die dunkle Seite der menschlichen Natur beleuchtet und die Gefahren der Propaganda und der Manipulation aufzeigt. Es ist eine Warnung vor der Macht der Bilder und der Bedeutung des kritischen Denkens. Reichels klarer und gut zu lesender Schreibstil macht das Buch zu einer fesselnden Lektüre für jeden, der sich für die Geschichte des Nationalsozialismus und die Mechanismen der totalitären Herrschaft interessiert. 

Es ist ein Werk, das zum Nachdenken anregt und uns daran erinnert, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben und uns gegen jede Form von Ideologie zu wehren, die Freiheit und Menschlichkeit bedroht.


Cover des Buches Der tragische Kanzler (ISBN: 9783423289733)

Rezension zu "Der tragische Kanzler" von Peter Reichel

Ein LovelyBooks-Nutzer
Portrait eines zu unrecht vergessenen Staatsmanns

Peter Reichel bricht eine Lanze für den "tragischen Kanzler" Hermann Müller. Der SPD-Politiker war zweimal Kanzler in der Zeit der Weimarer Republik, zuerst 1920, für gut drei Monate, dann von Juni 1928 bis März 1930. Zuvor hatte er als Außenminister die undankbare Aufgabe übernommen, den Versailler Vertrag zu unterzeichnen, was ihm lebenslänglich den Hass rechter Fanatiker eintrug. Nach dem gescheiterten Kapp-Putsch der rechten Republikgegner wurde er Nachfolger kurzzeitig Nachfolger des sich in der dadurch hervorgerufenen Krise zwiespältig verhalten habenden Reichskanzlers Bauer, ebenfalls von der SPD. Doch die Kanzlerschaft währte nur kurz, denn bei den anstehenden ersten Wahlen zum Reichstag verlor die Weimarer Koalition, vor allem die MSPD, an Stimmen. Doch Müller blieb ein wichtiger Politiker der Weimarer Republik. Er leistete zum einen einen großen Beitrag zur Wiedervereinigung von MSPD und USPD. Als SPD-Vorsitzender war er zum anderen an weiteren Regierungsbildungen/Sondierungen dazu beteiligt, bis er dann 1928 wieder Kanzler einer großen Koalition wurde. Doch auch die zweite Kanzlerschaft war von großen Belastungen gekennzeichnet, außenpolitisch ging es um die Regulierung der Reparationszahlungen durch den Young-Plan, Voraussetzung für die endgültige Räumung der von Frankreich und Belgien besetzten Gebiete in Deutschland. Gegen die Anfeindungen von rechts kam es in diesen Fragen zu einer für das Deutsche Reich durchaus positiven Entscheidung, innenpolitisch scheiterte Müller aber am Streit der Flügelparteien SPD und DVP über die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung, die durch die Weltwirtschaftskrise zusätzliche Brisanz bekam. Angesichts der immensen Belastungen konnte Müller, wie viele andere auch, eigentlich nur scheitern, doch daraus hat er zumindest das beste gemacht. Bescheiden mögen seine Erfolge sein, aber mehr war auch nicht zu erwarten. Durch sein Naturell hat er sich durchaus Achtung bei seinen innen- und außenpolitischen Gegnern verschafft, sieht man mal von den Extremisten von links und rechts ab, die ihn über den Tod hinaus verachteten.

Peter Reichel gebührt der Verdienst, diesen zu unrecht weitgehend vergessenen Politiker der Weimarer Republik in angebrachte Erinnerung zu rufen. In Detailfragen kann man allerdings bisweilen anderer Ansicht als Reichel sein, so etwa bei der Darstellung der Vorgeschichte des Versailler Vertrags. Auch Reichel rügt zu recht das Verhalten des Vorgängers Müllers als Außenminister, Graf Brockdorff-Rantzau, der absichtlich den diplomatischen Fauxpas beging, während seiner Erklärung zur Vertragsübergabe sitzen zu bleiben. Doch ob ein klügeres Verhalten angesichts des virulenten Hasses nach dem Weltkrieg einen für Deutschland günstigeren Vertrag ermöglicht hätte, darf meiner Ansicht nach bezweifelt werden. Und was Reichels mehrfach geäußerte Kritik an der angeblichen Kompromissbereitschaft der SPD betrifft: Wie weit soll eine Partei im Sinne der Staatsraison mit der Selbstverleugnung gehen? Drei Mal (!) stellte die Reichstagsfraktion die Parteihaltung über das Staatsinteresse, beim ersten Mal wegen der Ungleichbehandlung der Reichsländer Sachsen und Bayern im Punkt Radikalismus (im linken Sachsen kam es zur sogenannten Reichsexekution, im rechten Bayern konnten sich Rechtsradikale munter ungehindert ausbreiten), in der Panzerkreuzerauseinandersetzung ging es um Kosten der Aufrüstung angesichts steigender Staatsausgaben und drohender Verelendung großer Volksteile. Und, negativer Höhepunkt aus Sicht Reichels, der erzwungene Rücktritt Müllers wegen der Weigerung seiner Partei, einer vom Koalitionspartner DVP gewünschten Reduzierung der Arbeitslosenhilfe zuzustimmen. Aber erstens gehören zum Scheitern einer Ehe immer zwei, außerdem liefen hinter den Kulissen längst Bestrebungen des konservativen Reichspräsidenten Hindenburg und ihm nahe stehender Konservativer, die Republik abzuschaffen und den Einfluss der SPD ein für alle mal auszuschalten. Wenn Reichel an dieser Stelle den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten vorwirft, zu den Totengräbern der Republik zu gehören, so ist das meiner Ansicht nach falsch. Von diesen Ausnahmen abgesehen haben die Sozialdemokraten sich nämlich sehr oft verbiegen müssen, um Politik möglich zu machen. Doch irgendwo sollte auch Selbstachtung ins Spiel kommen, oder? 

Cover des Buches Erfundene Erinnerung (ISBN: 9783446204812)
Sokratess avatar

Rezension zu "Erfundene Erinnerung" von Peter Reichel

Sokrates
Rezension zu "Erfundene Erinnerung" von Peter Reichel

Insbesondere solche Filme wie ‚Holocaust‘ oder ‚Schindlers Liste‘ – also Produktionen neueren Datums – sind vielen Menschen aus Kino oder Fernsehen bekannt. Doch bereits in den frühen 50er Jahren begann die deutsche Filmindustrie in Ost und West Kriegsthemen filmisch zu verarbeiten. Entstanden sind hierbei Filme wie bspw. ‚Der Arzt von Stalingrad‘, ‚Hunde wollt ihr ewig leben?‘, ‚Lili Marleen‘, ‚Des Teufels General‘, ‚Draußen vor der Tür‘ oder ‚Nackt unter Wölfen‘. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen; bis in die aktuelle Zeit finden immer wieder der Zweite Weltkrieg und der Holocaust eine filmische und dramatische Um-setzung.
Peter Reichel, Professor für Historische Grundlagen der Politik mit Forschungsschwerpunkt der Politischen Kulturgeschichte Deutschlands seit dem 19. und 20. Jh. hat sich in diesem Buch mit diesen Formen der medialen Aufarbeitung, Darstellung und (vielleicht) Auseinandersetzung historischer Ereignisse beschäftigt. Er geht hierbei nicht nur auf die Charakteristik der Filme ein, sondern erörtert auch die Begleitumstände: Zeitgeist, Resonanz der konsumierenden Bevölkerung, Kritik des damaligen Feuilleton und er bringt abschließend eine ausführliche und substantiierte Einschätzung aus heutiger Sicht aus der Einschätzung eines kritischen Historikers. Interessant ist hierbei vor allem, wie sich die Haltung der deutschen Öffentlichkeit (bezogen auf deutsche Filmproduktionen) zu Krieg, Wehrmacht und Holocaust über die Jahre hinweg geändert haben, hin zu einer unparteiischen, die tatsächlichen Umstände akzeptierenden Darstellung der wahren Begebenheiten. Der Umgang heute mit der Wahrheit der nationalsozialistischen Diktatur und des 2. Weltkrieges sind weitgehend frei und unvoreingenommen und lassen dem Zuschauer für eigenes kritisches Reflektieren; voreingenommene Partei-nahme kann heutigen Filmen weniger vorgeworfen werden wie früher. Auch ist ein souveräner Umgang mit der historischen Wahrheit mittlerweile möglich geworden, wenn in Einzelfällen auch noch schwierig. Das Buch ist informativ, allerdings mehr als Fachpublikation für Historiker bzw. Filmhistoriker, die sich akzentuiert mit dem Thema der medialen Darstellung des Dritten Reichen und des Zweiten Weltkrieges beschäftigen wollen.

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