Peter Richter Über das Trinken

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Inhaltsangabe zu „Über das Trinken“ von Peter Richter

Ein Plädoyer für selbstbewussten Lebensgenuss So viel zu trinken. Und so wenig ohne Alkohol! Jeder Blick in eine Bar oder die Karte eines halbwegs guten Restaurants zeigt: Man muss schon triftige Gründe haben, um bei der traurigen Trias aus Wasser, Cola und Apfelschorle hängen zu bleiben. Aber unsere Haltung zum Trinken ist widersprüchlich: Auf der einen Seite kann gar nicht genug davor gewarnt werden, auf der anderen hält einem ständig einer ein Glas hin. Wer trinkt, hat ein Problem. Wer nicht trinkt, hat erst recht eins. In seinem neuen Buch befasst sich Peter Richter auf ebenso kluge wie amüsante Weise mit einer Kultur, die in berauschenden Getränken schwimmt: unserer. In einer Gesellschaft, die Genussmitteln zunehmend kritisch gegenübersteht, plädiert er dafür, zu selbstbewusstem Lebensgenuss zu stehen – und sich den Rausch auf keinen Fall nehmen zu lassen.

Ja, amüsant. Aber dann auf Dauer doch ernüchternd...

— Boris
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  • Rezension zu "Über das Trinken" von Peter Richter

    Über das Trinken
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    27. May 2011 um 12:23

    Die „Gesellschaft zur Bekämpfung der Nüchternheit“ Peter Richter hat es getan. Ein sehr entspanntes Buch mit einer äußerst kontroversen Meinung zu einem der am meisten verbreiteten Genussmittel der Welt verfasst. Selbst in islamischen Ländern soll es vorkommen, dass heimlich, im Haus (da, wo Allah es nicht sieht), das ein oder andere Glas Hochprozentiges zum Mund (und hinein) geführt wird. Alkohol. Von Grönemeyer warnend besungen, von zigtausend Menschen über das Maß hinaus als Krankheit leidvoll erlebt, allüberall als Genussmittel, Auflockerer, Anstosser, zur Feier des Tages und überhaupt angeboten, dargereicht, im Schrank, auf der Theke. Und das, wie Richter bereits in den ersten Sätzen mitteilt, auf keinen Fall in allererster Linie aufgrund des Geschmackes. Der Geschmack ist nicht alles, „sondern schon die Wirkung zählt“. Maßvolles Trinken ist eben nur ein „Flirt mit dem Rausch“ und irgendwann muss man sich schon trauen, „einen Schritt weiter zu gehen“. Sagt Peter Richter. Was soll man sagen zu solch einem politisch völlig unkorrekten Ansinnen? Gut geschrieben, kann man sagen. Humorvoll erzählt, durchaus mit Hintergrund verfasst, denn eine ganze Kultur des Trinkens taucht in den Kapiteln des Buches auf, oft und oft mit einem Augenzwinkern, nicht ganz bierernst gemeint, aber dennoch schwingt eines mit: Sich den Genuss nicht verbieten zu lassen. Ein zweischneidiges Schwert in einer Gesellschaft, einem Europa, in dem die Quellen des Schnapses viel zu oft zu eifrig sprudeln. Komatrinken bei Jugendlichen, Unfälle mit Todesfolge ob Fahren unter Alkoholeinfluss. Um das Buch mit Genuss zu lesen, ist somit zunächst eines nötig: Das Vertrauen darin, dass Peter Richter genau diese Seite des Trinkens nicht im Sinn hat und kein Plädoyer für den Alkoholismus hält, sondern, wie er selbst betont, nicht die Gefahren verharmlosen, sondern lernen „trittsicher drum herum zu tanzen“. Einen Einblick mit Humor und feiner, der auf die Genussseite des Alkohol achtet (das aber dann auch richtig und nicht nur Nippen!). Die obengenannte Gesellschaft hat es übrigens wirklich gegeben. August der Starke hat sie gegründet, aus eigener Erfahrung heraus, wie leicht das Leben, wie locker das Gespräch, wie nichtig manche kriegstreibende Konflikte unter einigen Flaschen Wein doch erscheinen, wenn man sich mit „dem Feind“ erst mal ordentlich zusammensetzt und den Alkohol laufen lässt. Was übrigens zwischen Preußen und Sachsen auch nicht auf Dauer gefruchtet hat. Aber dennoch erstmal eine gute Idee war. Redegewandt lässt Richter so die Traditionen des Trinkens Revue passieren. Erläutert, dass Alkohol über Jahrhunderte das gesündeste Getränk war (wesentlich gesünder als das überaus verschmutzte Wasser), dass Trinken Jahrhunderte lang gar ein Zwang war. So findet Richter im Lauf des Buches klar und deutlich eine Mitte. „Dauernd trinken zu müssen ist eine Horrorvorstellung, gar nichts mehr trinken zu dürfen allerdings auch“. Und „Prosit“ heißt nun mal: „Möge es nutzen“. Manchen Politikern der Geschichte. Vielen Schriftstellern und Kunstschaffenden. Dem ein oder anderen, um den Mut zur Brautwerbung zu finden. Kann es gar sein, dass das Sesshaft werden des Menschen in direktem Zusammenhang mit der Lust auf einen kleinen Rausch (und das öfter) zu tun hatte? Eine Lust, die, wie das Rauchen, mehr und mehr „offiziell“ in den Hintergrund gedrängt wird (Geschäfte werden schon lange nicht mehr im Rausch getätigt oder mit einem Rausch gefeiert). Peter Richters Buch ist ein Plädoyer (fast) für vergangene Zeiten, Sitten und Bräuchen in und um den Alkohol herum. Ernst gemeint, humorvoll geschrieben, informativ und provokant. Gegen jede Zeitgeist-Vernunft, aber für eine bestimmte Form des Genusses, der das Leben auch lebenswert gemacht hat über hunderte von Jahren (und, noch einmal betont, für das trinken wollen, nicht trinken müssen, für das gemeinschaftliche Erleben, nicht für die einsame Krankheit). Natürlich darf man das Buch nicht lauthals gut heißen bei allen Gefahren des Alkohols, um die doch jeder weiß, heute. Aber mit Freuden lesen auf jeden Fall.

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