Peter Süß

 4,7 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf

Peter Süß, geboren 1964, studierte Geschichte, Politikwissenschaften, Germanistik und Publizistik in Berlin. Die letzten Jahrzehnte war er Chefautor und Produzent mehrerer TVSeifenopern und Tele- bzw. Dailynovelas. Daneben schrieb er Sachbücher und ein Theaterstück. Süß lebt in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Peter Süß

Cover des Buches 1923 Endstation. Alles einsteigen! (ISBN: 9783949203374)
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Rezension zu "1923 Endstation. Alles einsteigen!" von Peter Süß

bookloving
Grandiose Zeitreise in das Krisenjahr 1923

MEINE MEINUNG

Etliche Bücher widmen sich inzwischen dem legendären Weimarer Krisenjahr 1923, das zugleich für viele Deutsche ein Schicksalsjahr war, und in dem viele Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Augenfällig und erschreckend sind viele Parallelen zur heutigen Zeit, so dass es sich lohnt, sich mit den damaligen Vorboten und unheilvollen Entwicklungen eingehender auseinander zu setzen.

In seinem unterhaltsamen und lehrreichen Sachbuch „1923. Endstation. Alles einsteigen!“ nimmt uns der deutsche Drehbuchautor, Historiker und Schriftsteller Peter Süß mit auf eine faszinierende Zeitreise tief hinein in das geschichtsträchtige Wendejahr 1923 und wirft interessante Schlaglichter auf die damaligen Ereignisse in Politik, Ökonomie, Gesellschaft und Kultur.

Süß versteht es hervorragend, die sorgsam recherchierten historischen Details sehr anschaulich, kurzweilig und humorvoll aufzubereiten und uns einen aufschlussreichen Einblick in dieses denkwürdige Jahr und die historischen Zusammenhänge zu vermitteln. Geschickt szenisch inszeniert können wir mühelos in die damalige verhängnisvolle wie außergewöhnliche Zeit eintauchen und die lebendig gewordenen Geschehnisse vor unserem inneren Auge Revue passieren lassen.

Im monatlichen Verlauf erzählt Peter Süß von turbulenten Ereignissen, Umsturzplänen und erstarkendem Nationalismus -der Ruhrbesetzung, Hyperinflation und dem Hitler-Putsch. An der Seite von exemplarisch ausgewählten, mehr oder weniger prominenten Deutschen (Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Käthe Kollwitz, Franz Kafka und viele andere) erleben wir jene Zeit voller Kontraste und haben in aufschlussreichen Episoden Anteil an ihren sehr persönlichen Schicksalen, Sorgen und Nöten. Gekonnt führt uns Süß aus immer wieder neuen Perspektiven vor Augen, welche Folgen die Entwertung des Geldes, Arbeitslosigkeit und Verelendung der Bevölkerung mit sich bringen. Hautnah wir können die vielfältigen ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen miterleben und nachvollziehen, wie dicht damals Glanz und Elend beieinander lagen. Kaleidoskophaft fügen sich schließlich die unterschiedlichen Stimmungen, Begebenheiten jener Zeit und historischen Hintergründe zu einem facettenreichen Bild zusammen. Abgerundet wird diese fesselnde Zeitreise durch zahlreiche eingestreute Fotografien.

FAZIT 

Eine lehrreiche und sehr unterhaltsame Geschichtsstunde über das unglaublich ereignisreiche Krisenjahr 1923 – hervorragend recherchiert, anschaulich inszeniert und mitreißend erzählt!

Eine grandiose und empfehlenswerte Zeitreise, für alle die ihr Allgemeinwissen auffrischen möchten!


Cover des Buches 1923 Endstation. Alles einsteigen! (ISBN: 9783949203374)
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Rezension zu "1923 Endstation. Alles einsteigen!" von Peter Süß

Bellis-Perennis
1923 - ein ereignisreiches Jahr

Das Jahr 1923 ist durch eine Vielzahl von politischen Konflikten, national bzw. bilateral, geprägt. Für viele Menschen ist das Jahr die Endstation ihres bisherigen Lebens.  

Es beginnt mit einem Knalleffekt: Französische und belgische Truppen besetzen Anfang Jänner das Ruhrgebiet, da man den Reparationszahlungen an Frankreich nicht nachkommen will und kann. Unterschiedliche politische Gruppen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Anstatt den Ernst der Lage zu begreifen und gemeinsam eine Lösung herbeizuführen, wird versucht, durch Gewalt die eine oder andere Gruppe an die Macht zu bringen. 

Während der Großteil der Bevölkerung arbeitslos ist und hungert, frönt eine Minderheit dem Luxus. Es wird geprasst, als gäbe es kein Morgen. Man tanzt die Nächte durch, nimmt Drogen wie die Tänzerin Anita Berger. Das Filmgeschäft boomt, damit Menschen wenigstens für ein paar Stunden ihr Elend vergessen können. 

Männer kämpfen mit ihren Fäusten, um zu überleben, Frauen setzen ihre ganzen Körper ein.  

Neben Berlin ist auch München ein Zentrum dieses Rückblicks, in dem Autor Peter Süß zahlreiche Ereignisse wie in einem Kalendarium nach Monaten geordnet, aufzählt. Neben Berichten über die knallharte Wirklichkeit erzählt das Buch auch Anekdoten und blickt in die Wohnungen (noch nicht) bekannter Künstler. Wir dürfen der Familie Mann, Franz Kafka, Bert Brecht, Lotte Lenya sowie Oskar Kokoschka begegnen. Die einen vermögend, die anderen von der Hand in den Mund lebend. 

Den Titel finde ich interessant, denn normalerweise heißt es ja „Endstation, Alles Aussteigen“. 

Fazit: 

Diesem Rück- und Überblick in/auf das Jahr 1923 gebe ich 4 Sterne.

 

Cover des Buches 1923 Endstation. Alles einsteigen! (ISBN: 9783949203374)
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Rezension zu "1923 Endstation. Alles einsteigen!" von Peter Süß

aus-erlesen
Ein Goldstück über die Goldenen Zwanziger

Seit einiger Zeit feiert man in den verschiedensten Bereichen das hundertjährige Jubiläum der Goldenen Zwanziger. Zum ersten Mal ist also nicht ein Tag, eine Woche oder ein Ereignis Grund zum Feiern, Erinnern, Gedenken, sondern ein ganzes Jahrzehnt. Das Jahrzehnt der ausgelassenen Stimmung, dem Beginn der Gleichberechtigung, aber auch dunkler Jahre – ein paar Milliarden Mark für ein Brot? Was soll daran feiernswert sein? 

Hier und da werden Revues „von damals“ aus der Klamottenkiste geholt, in Berlin läuft wieder „Cabaret“ – das Berlin-Musical, Romanreihen über diese Zeit erleben einen echten Boom. 

Nun, es sind noch ein paar Jahre bis zum nächsten denkenswerten Jahrzehnt. Und das Jahr 2023 wird also zum Jahr des Erinnerns an 1923. Vielleicht kennt der eine oder andere noch einen Vorfahren, der in diesem Jahr geboren wurde. Erzählen kann der aber auch nicht viel. Und immer nur bei Wikipedia nachschauen … 

Peter Süß nimmt den Leser mit auf eine Reise, deren Ende man schon kennt – es war der 31. Dezember 1929. Aber was in den zehn Jahren zuvor passierte, was den Großen und Berühmten „so ganz nebenbei“ widerfuhr, wie sie sich entwickelten – wer weiß das schon bzw. wer weiß das noch?

Bertolt Brecht hat beispielsweise schon einen Namen in der Szene – je nachdem ob man ihn mag, jubelt man ihn in den Himmel oder zerreißt ihn in der Luft. Ein ausgeprägtes Ego hatte er schon immer. Für ihn ist es daher unerlässlich ein eigenes Theater zu haben. Vorerst nur für ihn…

Die Tänzerin Anita Berber wird ihn Wien ausgebuht und schlussendlich aus der von ihr bis dato so geliebten Stadt verjagt. Das Thema Drogen, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken, war vielleicht doch nicht die richtige Wahl ihr Publikum in Verzückung setzen zu können.

Und in München wagt ein Österreicher mit - heute darf man das ja wohl wieder sagen – außergewöhnlichem Bärtchen den großen Aufstand. Zu seiner Entourage gehörte damals schon ein geckenhaft wirkender, dicklicher Speichellecker, der es liebte sich in Phantasieuniformen zu präsentieren. Was das Netz wohl heute (fast hundert Jahre später) kommentieren würde, ist wohl Stoff für ein spannendes soziologisches Projekt. Es ist wohl klar, um wen und um welches Ereignis im Bierkeller es sich handelt?! Nein? Dann ist dieses Buch Pflichtlektüre! 

Apropos Projekt. Lotte Lenya, Dreigroschenoper-Star, Muse, Charakterdarstellerin ersten Ranges, unglücklich Verliebte, verdiente sich ihre Penunzen mit ganzem körperlichen Einsatz. Ein Projekt, das selbst heute noch für Naserümpfen sorgt, das bis hin zu Mitleidsbekundungen reicht. 

Monat für Monat seziert Peter Süß das Jahr 1923, das heute wohl kaum noch mit einem besonderen Ereignis eng in Verbindung gebracht wird. Was sicher vor allem daran liegt, dass die bis heute existenten Medien damals noch gar nicht bekannt waren. Außer dem niedergeschriebenen Wort. Da ist es eine logische Schlussfolgerung das Jahr 1923 auch in gedruckter Form noch einmal am geistigen Auge paradieren zu lassen. Es ist eine Vielzahl roter Fäden, die sich nicht nur im gebundenen Buchrücken zu einem großen Ganzen zusammenfinden. Anekdoten und Berichte fließen mit der Kraft der präzisen Worte zu einer Geschichte zusammen, die heute noch Geschichte machten. 

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