Peter Schneider Lenz

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Inhaltsangabe zu „Lenz“ von Peter Schneider

»Schneiders Lenz ist ein Meisterwerk – huckepack sehen wir mit seinen Augen die Risse im Beton der Nachkriegszeit.« Julia FranckFünf Jahre nach Ausbruch der Studentenrevolte macht ein schmaler Band literarisch Furore: Peter Schneiders Neuerzählung von Büchners Novelle avanciert binnen kürzester Zeit zum Kultbuch einer ganzen Generation. Lenz, Student in einer Großstadt, irrt durch sein Leben: Seine Beziehung scheitert, politische Aktivitäten erschöpfen sich in fruchtlosen Diskussionen, der Versuch, sie durch die Arbeit in einer Fabrik endlich lebendig werden zu lassen, bleibt ergebnislos. Um der drückenden Stagnation zu entkommen, löst er eine Fahrkarte nach Italien. In Rom begeistern ihn die Farben, das Miteinander der Menschen, die Lebenskunst. Aber rasch gerät er an die Kulturschickeria, in der das Politisieren längst dem Psychologisieren Platz gemacht hat. Ein Angebot, sich selbst einem Analytiker anzuvertrauen, lehnt er ab; eine Affäre mit einer Italienerin endet schnell. Wieder bricht er auf – diesmal nach Norditalien. In Trento trifft er auf eine Gruppe linker Studenten und Arbeiter, die ihn brüderlich aufnehmen. Dieses andere Italien wird für Lenz zur Befreiung. Peter Schneider erzählt eine beeindruckende Geschichte über den Mut zur Veränderung und die Suche nach einem authentischen Leben. Sie hat bis heute nicht an Kraft und Brisanz verloren. Lenz ist zu einem modernen Klassiker geworden.  

Der Titel könnte eine Anspielung auf die gleichnamige Novelle von Georg Büchner sein.

— Holden
Holden

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    Lenz
    Matzbach

    Matzbach

    17. September 2017 um 17:49

    Die Lektüre von Gerd Koenens "Das rote Jahrzehnt" war Anlass für mich, nach mehr als 25 Jahren Peter Schneiders "Lenz" erneut zu lesen. Ähnlich dem Büchnerschen Lenz gerät Schneiders Lenz in eine Sinnkrise, die ihn die gewohnte Umgebung fliehen lässt, in seinem Fall in Richtung Italien. Lenz, ein engagierter Linker in der unmittelbaren Nach-APO-Zeit, gerät, nachdem ihm seine Freundin verlassen hat, in eine tiefe Sinnkrise. Sein politisches Engagement wird immer mehr zu einer unpersönlichen, entfremdeten Beschäftigung, auf neudeutsch würde man heute Hirnwichserei sagen. Die Begriffe entgleiten ihm, geben nicht das wieder, was er fühlt. Als er Ernst macht und als Hilfsarbeiter in einen Betrieb eintritt, verstehen ihn seine Genossen, im theorielastigen Marxismus irgendeiner Provenienz verhaftet, nicht mehr.  Doch auch die Arbeiter, deren Nähe er sucht, lehnen ihn ab und verstehen nicht, warum er, der mit seinem Studium Karriere machen könnte, sich in die Niederungen der Arbeitswelt begibt. Die avantgardistischen Kreise, in denen er sich bewegt, werden ihm zunehmend suspekt, weil sie sich in linken Theorien ergehen, aber letztendlich nicht mit dem sogenannten kleinen Mann, für den sie sich vorgeblich einsetzen, verstehen. Stattdessen möchten sie den Arbeiten den Weg zum Glück vorschreiben, den sie in einer diffusen Revolution sehen. Lenz flieht nach Italien und wird dort in Rom in den gleichen Kreisen herumgereicht. Auch hier ergehen sich kommunistische Milliardäre (man denkt unwillkürlich an Feltrinelli) über die Arbeiterklasse, was er mit dem Vorwurf kontert, dass sie, nachdem sie die ökonomische Vorherrschaft zu verlieren drohten, nun die politische Vormundschaft über die Abhängigen übernehmen wollten. Erst im Norditalien gelingt es Lenz durch die Beobachtung seiner Mitstreiter, die Leichtigkeit des Seins mit den politischen Auseinandersetzungen um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu vereinbaren. Nach seiner Ausweisung nach Deutschland scheint er geläutert und mit sich selbst im Reinen zu sein. Schneiders Lenz ist ein Musterbeispiel für die "Neue Innerlichkeit" der siebziger Jahre. Dem Autoren ist es gelungen, nach dem Verfassen verquaster Pamphlete für die APO zu einer lyrischen Sprache zurückzukehren und Gefühlen den Vorrang vor der Theorie einzuräumen, insofern dürfte der "Lenz" auch ein Stück Autobiographie enthalten.  

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