Peter Scholl-Latour Arabiens Stunde der Wahrheit

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Inhaltsangabe zu „Arabiens Stunde der Wahrheit“ von Peter Scholl-Latour

Die arabische Welt ist in Aufruhr. Ob in Ägypten, Libyen oder Tunesien – überall begehrt das Volk gegen korrupte Regierungen und despotische Regime auf. Wie kein Zweiter kennt Peter Scholl-Latour die wechselvolle Geschichte dieser Länder, die er seit 1950 bereist. In Arabiens Stunde der Wahrheit verknüpft er auf bewährte Weise seine Erfahrung als Chronist des Weltgeschehens mit aktuellen Eindrücken seiner jüngsten Reisen nach Nordafrika und Nahost.

Kenntnisreiche Analysen vom Altmeister des politischen Sachbuches.

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  • Rezension zu "Arabiens Stunde der Wahrheit" von Peter Scholl-Latour

    Arabiens Stunde der Wahrheit
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    02. November 2011 um 09:05

    Es ist noch gar nicht lange her, da träumten die Menschen und die Medien der westlichen Welt davon, dass der bald so genannte „arabische Frühling“ (später wurde daraus die „Arabellion“) einen Wandel auslösen würde, der mit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa in den Jahren 1989 ff. zu vergleichen wäre. Doch die Hoffnungen erwiesen sich als übereilt. In Ägypten, wo auf dem Tahrir-Paltz eine fortschrittliche Jugend die Revolution machte und den Diktator Mubarak zum Rücktritt brachte, herrscht nun das Militär, das nicht nur gegen den Sturm auf die israelische Botschaft nichts unternahm, sondern von dem vermutet werden kann, dass es auch hinter den blutigen Zusammenstößen zwischen Muslimen, Kopten und sogenannten „Sicherheitskräften“ steckte, bei denen 26 Menschen den Tod fanden. Den Blogger Maikel Nabil hat das Militär in eine Irrenanstalt gesteckt, weil er die Folterpraxis des Militärs gegenüber Aktivisten der Demokratiebewegung angeprangert hatte. „Human Rights Watch“ hat nachgewiesen, dass seit dem Sturz Mubaraks 12 000 Ägypter von Militärgerichten verurteilt wurden. Von demokratischen Ansätzen, etwa der Vorbereitung von Wahlen und Plänen für eine neue Verfassung ist nichts zu sehen. Wahlen gab es hingegen in Tunesien, die ersten seit 1956. Doch die große Mehrheit für die islamistische Partei Ennahda macht skeptisch, Zwar hat deren Führer Ghannouchi versichert, seine Partei sei tolerant und würde sich für Demokratie und Pluralismus stark machen, doch nicht nur westlich orientierte Tunesier glauben ihm nicht und fürchten das Schlimmste. In Libyen ist das Land nach dem Tod Gaddafis zerrissen und gespalten und es ist sehr ungewiss, was aus den vielen bewaffneten Milizen wird, und welche Rolle der Islam spielen wird. Auf jeden Fall hat man schon einmal die Scharia als gültiges Rechtsystem etabliert. Ich persönlich war schon im Frühling bei aller Freude über den arabischen Frühling sehr skeptisch, ob nach einer Befreiung von den Diktatoren in diesen Ländern wirklich eine neue Zeit anbrechen würde. Auch der Autor des hier vorliegenden Buches, ein Kenner der arabischen und orientalischen Welt, wie es kaum sonst einen zu finden gibt, Peter Scholl-Latour, ist bei aller Freude über das, was sich im „Aufruhr an der Schwelle Europas“ getan hat, skeptisch und zurückhaltend. Und er ist es, weil er die arabischen und orientalischen Ländern kennt, ihre Geschichte und ihre Widersprüche, ihre Kultur und ihre Religion, den Islam. Er hat seiner Sammlung von Berichten aus den Ländern Arabiens aus den letzten Jahren den Titel gegeben „Arabiens Stunde der Wahrheit“. Mit all seiner Erfahrung und seinem kritischen Blick, erklärt er das Geschehen der „Arabellion“ in den verschiedenen Ländern aus seinem jeweiligen historischen und kulturellen Zusammenhang. In den aktuellen, für dieses Buch noch im September 2011 geschriebenen Texten wird deutlich, dass er die allgemeine Euphorie über den arabischen Frühling nicht teilen kann und auch warum. „Meine Absicht ist es nicht, die jüngsten Ereignisse in ihren Einzelheiten darzustellen. Da ich den arabischen Raum seit nunmehr sechzig Jahren regelmäßig in all seiner Vielfalt bereist habe, lege ich Wert auf eine historische, kulturelle und religiöse Einordnung, die oft ins ferne Mittelalter zurückreicht. Dennoch wollen wir eine Momentaufnahme skizzieren vom jetzigen Stand der ‚Arabellion’. Bei näherem Zusehen wird sich die ursprüngliche Begeisterung des Westens schnell eintrüben.“ Und auch Scholl-Latour verweist auf die Ennahda-Partei und auf die Zustände in Ägypten. Wenn man die aufschlussreichen Berichte aus den Jahren seit etwa 2007 liest, die er aus verschiedenen Ländern Arabiens geschrieben hat, wird dem skeptischen Zeitgenossen auch klar, warum Scholl-Latour so unsicher ist. Das, was Dan Diner 2007 in seinem Buch „Versiegelte Zeit“ geschrieben hat, hat meiner Meinung nach für all die Staaten, in denen es in diesem Frühling und Sommer zu Veränderungen kam nach wie vor Gültigkeit. Dan Diners Kernthese ist, dass die islamischen Staaten nicht richtig oder erst zu spät säkularisiert worden sind. Diese Säkularisierung, so Diner, habe die westliche Hemisphäre vom Mittelalter über die Renaissance bis hin zu Moderne der Aufklärung geführt und den Grundstein für die gegenwärtige Trennung von Religion und irdischem Dasein gelegt. Diese Trennung habe in den arabischen Staaten nicht stattgefunden, die Zeit sei ab einem bestimmten Zeitpunkt 'versiegelt' worden, die arabische Welt in einen Stillstand eingetreten. Die Durchdringung des öffentlichen und privaten Lebens durch den Islam und seinen Riten, habe die Gesellschaft 'sakralisiert' und ihren Umgang mit der Moderne verschleppt. Wie stark diese Versiegelung ist, welche Rolle der Islam und vor allem der politische Islam in der Zukunft spielen wird, das wird sich herausstellen in „Arabiens Stunde der Wahrheit“, die möglicherweise viele Jahre und Jahrzehnte dauern wird.

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